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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Invasion der Tiere und Pflanzen


von Maide
21.03.2010
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Sie sind unter uns. Wesen, die nicht hierhin gehören. Wesen, die mehr oder weniger unfreiwillig hierhin gekommen sind. Und manche fühlen sich hier so wohl, dass sie gar nicht mehr gehen wollen…und verdrängen sie die einheimischen Wesen.


Es handelt sich hier natürlich um Tiere und Pflanzen, die in ein für ihre Art unbekanntes Land gebracht werden. Für diese Tiere beginnt dann in der fremden Gegend ein neues Leben.
Ab 1492 begann die Ära des ‚neuen Lebens‘. Die Zeit der Neobiota. Wissenschaftler machen in dem Jahr einen Schnitt. Denn ab 1492 beginnt der fast massenhafte Export von Tier- und Pflanzenarten nach Europa. Und das im dem Jahr, in dem Christoph Columbus Amerika entdeckt hat. Was hat das eine aber mit dem anderen zu tun?


Columbus führte zwar den Warenverkehr mit dem Schiff nicht ein, aber durch seine Entdeckung einer neuen Welt erlang dies mehr ansehen. Man pendelte zwischen Europa und den Rest der Welt. Da kann es mal passieren, dass die eine oder andere Wanderratte als blinder Passagier mitfährt… und dann in Europa eine Plage auslöst.
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Zum Verständnis: Alle Tier- und Pflanzenarten, die nach 1492 in andere Länder gebracht wurden, nennt man Neozoen (Tiere) und Neophyten (Pflanzen) (neo=neu). Die Tier- und Pflanzenarten, die aber vor 1492 exportiert wurden, nennt man dementsprechend Archäozoen (Tiere) und Archäophyten (Pflanzen) (archä=alt).
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Alleine in Deutschland gibt es circa 1200 Tier- und Pflanzenarten, die aus dem Ausland importiert worden sind. Davon haben sich 260 Tiere und über 600 Pflanzen hier fest etabliert, sich also in dieser neuen Umgebung gut eingefunden.


Das Problem dabei: Da die fremden Tiere nicht evolutionsmäßig mit den anderen Tieren und der Umgebung im Einklang sind, schaffen sie ein Ungleichgewicht.
Einheimische Tierarten werden durch Neozoen verdrängt, fremde Pflanzen überwuchern Felder und machen diese nicht mehr bepflanzbar.


Der Grund dafür, dass es manchen Tieren in fremden Gebieten so gut geht, ist vor allem, weil sie in dieser für sie unnatürlichen Umgebung keine natürlichen Feinde haben. Dafür bilden sie aber Fressfeinde für die einheimischen Tiere, die sie dann sogar gefährden können.


Hier sind einige Beispiele von Neozoen und Neophyten in Europa und auch in anderen Ländern:


Der nordamerikanische Waschbär wurde um 1928 als Pelzlieferant in die Ukraine gebracht. Von dort verbreitet er sich immer weiter nach Westeuropa. Seit Mitte er 90er verbreitet er sich auch sehr stark in Deutschland, vor allem in gewässerreichen Gebieten wie Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Alleine in Kassel leben 100 Tiere auf 100 Hektar. Als Allesfresser machen sie sogar Jagd auf Nester auf Baumkronen. Da sie außer dem Uhu, der ihre Jungtiere reißt, keine Feinde haben, können sie sich ohne Probleme verbreiten. Da es aber noch keine genauen Hinweise gibt, ob dieser Maderhund für einheimische Tiere eine größere Konkurrenz ist, wird der Waschbär „nur“ wie die einheimischen Tiere gejagt.

Gut angepasst. Dem Waschbären gefällt es in Deutschland

Gut angepasst. Den Waschbären gefällt es im Norden Deutschlands.

Die nordamerikanische Bisamratte wurde zu Jagdzwecken 1905 in die Tschechoslowakei eingeliefert. Später wurde auch ihr Pelz in der Mode so beliebt, dass man nachträglich sie zu tausenden aus Amerika nach Europa brachte. Als dann der Preis für ihr Fell stark gefallen war, wurden die Pelzfarmen geschlossen und die Tiere wurden ohne Rücksicht auf das heimische Ökosystem freigelassen. Durch ihre Ernährung richten sie große Schäden an Flussufern, Verkehrswegen, Fischteichen und wasserbaulichen Schutzeinrichtungen. Andererseits fördern sie die Gewässervegetation, da sie Wasserflächen leerfressen, und somit die Ansiedlung von Wasservögeln fördern. Die Bisamratte konnte sich aber gut in das Ökosystem einfügen, da sie in Europa viele Fressfeinde hat, sodass sich ihre Population im akzeptablen Zustand befindet.

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Die Bisamratte frisst hier zwar die Flussufer leer, fördert aber die Gewässervegetation.



Der amerikanischer Nerz wurde wie die anderen Tiere auch zur Pelzgewinnung in den 30er nach Deutschland gebracht. Jedoch wurde er in den 50er Jahren gewollt freigelassen, wobei einige sich aus ihren Pelzfarmen selber befreit und geflüchtet sind. Draußen fühlten sie sich wohl und konnten sich rasch vermehren. Jedoch vermutet man, dass der Allesfresser mit dafür verantwortlich ist, dass der europäische Nerz und der Iltis vom Aussterben bedroht sind, da sie miteinander für Lebensraum und Beute konkurrieren.

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Der süße amerikanische Nerz lässt seine europäischen Kollegen aussterben.

 

Die chinesische Wollhandkrabbe gelang per Schiff aus Ostasien nach Europa und treibt sich meistens in der Nord- und Ostsee rum. Da die Wollhandkrabbe sich gut an neue Lebensräume anpassen kann, verbreitet sie sich rasant, wobei sie aber durch ihre Nahrungsweise anderen Tieren gegenüber Konkurrenz macht. Darüber hinaus zerstört sie durch ihren Drang zum Graben verschiedene Uferbefestigungen, beispielsweise Dämme.


Die europäische Hausratte gilt als gefährlichster Neozoen. Sie wurden durch europäische Schiffe nach Amerika gebracht, wo sie vor allem auf Inseln heimische Vögel und Schildkrötenarten extrem verdrängt hat. In Europa ist es so, dass die einheimische Ratte von der aus China stammenden Wanderratte verdrängt wird. Diese asiatische Ratte brachte den Pestfloh und das Pestbakterium mit, die die große Pestepidemie von 1340 brachte, die Millionen von Menschen das Leben kostete.

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Die Hausratte und die Wanderratte sind mitunter die gefährlichsten Neozoen überhaupt.



Das europäische Kaninchen wurde im 19. Jahrhundert zu Jagdzwecken nach Australien verschleppt. Dort hat es sich zu einer großen Plage entwickelt. Man hat anschließend versucht, die Tiere durch Krankheitserreger zu töten und die Invasion zu stoppen. Jedoch ist der Versuch bislang missglückt.


Weitere invasive Tierarten sind Schafe, Ziegen, Fasanen und Hauskatzen, aber auch die Rotwangenschildkröte, die oft ausgesetzt wird.

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Die Rotwangenschildkröte ist ein beliebtes Haustier, wird aber oft ausgesetzt; Mit Folgen für die Umwelt


Was macht der WWF gegen die Invasion dieser Tiere?


Dem WWF geht es vor allem darum, dass die Menschen das Problem verstehen und dass es bei ihnen Verständnis und Aufmerksamkeit weckt. Die invasiven Tierarten müssen danach genau dokumentiert und beobachtet werden, denn nicht jede invasive Art wirkt sich so extrem negativ auf das Ökosystem aus. Wenn aber ökologische (Verdrängung von einheimischen Arten), ökonomische (Zerstörung von Feldern) und medizinische (Krankheiten wie z.B. die Pest) Probleme zu erwarten sind, sollte der Mensch in das Geschehen eingreifen und die Durchsetzung der invasiven Arten verhindern. Zur Regulierung ihres Bestandes werden die Neozoen eingefangen und verkauft, umgesiedelt oder sogar getötet.


Dadurch, dass gebietsfremde Tiere einheimische Tiere verdrängen, nimmt auch automatisch die Artenvielfalt ab. Bei ‚ausländischen‘ Pflanzenarten sind das nicht anders. Vor allem exotische Zierpflanzen für den Garten sind ein Problem. Wenn man nicht genau aufpasst, dann können sich diese Pflanzen über den Garten hinaus ausbreiten und andere Pflanzenarten verdrängen.

Invasive Pflanzen sind zum Beispiel Tomaten, Mais, Knoblauch, Zwiebeln, Bohnen, Paprika, Salbei, Rosmarin, Pflaumen, Feigen, Aprikosen und Hirse, um nur einige von ihnen aufzuzählen. Die bilden aber nicht so große Probleme wie zum Beispiel der Kaktus.


Der Kaktus kommt ursprünglich nur aus Amerika. Von den Franzosen wurde er im 18. Jahrhundert nach Madagaskar importiert, um dort als natürlicher Zaun zu dienen, für eigene Grundstücke und zum Schutz der Felder. Später wurde der Kaktus so beliebt, dass er sich in der Bevölkerung schnell verbreitet hat. Das Problem dabei: Der Kaktus verdrängt viele einheimische Pflanzen und überwuchert Rinderweiden und Ackerland. Um neue Felder zu bekommen, müssen dann die Bauern zusätzlich Wald roden. Auch den Australiern machen verschiedene Kaktusarten große Probleme. Besonders die Kaktusart Opuntia stricta, die bereits 24 Millionen Hektar Land unter sich begraben haben.


Der Riesenbärenklau wurde Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem Kaukasus nach Europa gebracht und diente als dekorative Gartenpflanze. Dort verbreitete sich die drei Meter hohe Pflanze vor allem an Flussufern und Waldrändern und verdrängt heimische Pflanzenarten. Außerdem sondert die Pflanze unter Sonnenlicht einen leicht giftigen Saft, der bei Berührung schmerzhafte Entzündungen auf der Haut hervorruft.

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Ein noch junger Riesenbärenklau ohne Blüte. Mit Blüte erreicht er eine Höhe von drei Metern. Dadurch bekommen die kleinen Pflanzen kein Sonnenlicht.
 

Der drüsige Springkraut wurde 1839 aus Indien nach England eingeführt und gelang dann ab 1920 ins Rheintal, wo es durch seinen süßen Blumennektar seine Bestäubung fördert, sich daher schnell ausbreitet und daher auch heimische Pflanzen verdrängt und zusätzlich den Wasserhaushalt des Standortes beschädigt. Jedoch kann er wegen seiner guten Anpassungsfähigkeit als einer der wenigen Pflanzen den Klimawandel überstehen.

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Das drüsige Springkraut macht seinem Namen alle Ehre. Es kann seine Samen bis zu sieben Meter weit weg schleudern.


Was macht der WWF gegen die Invasion der Kakteen und der anderen Pflanzen?


Der WWF unterstützt ein im Südwesten Madagaskars laufende Programm zur Kontrolle der Opuntien-Arten. Die Pflanzen werden dort entweder per Hand gerodet, getrocknet oder verbrannt und anschließend in großen Erdlöchern vergraben. Auch wenn es sich fast brutal anhört, ist es die ökologisch und ökonomisch effektivste Methode. Genauso wird es bei anderen invasiven Pflanzenarten gemacht. Als junge Pflanzen werden sie ausgepflückt oder es werden verstärkt einheimische Pflanzen gepflanzt, die den Neophyten das Ausweiten verhindern sollen.

 

Was kannst DU dagegen tun?


- Falls ihr zufällig bemerkt, dass sich eine bislang weniger weit verbreitete Pflanzen- oder Tierart plötzlich weit verbreitet, dann meldet es der Naturbehörde.
- Pflanzt keine invasiven Neophyten in euren Garten. Sie könnten sich schnell über den Garten hinaus verbreiten.
- Entsorgt keine Gartenabfälle in der freien Natur, sondern kompostiere es im eigenen Garten.
- Setzt keine Haustiere wie den Ochsenfrosch oder der Rotwangenschildkröte in der freien Natur aus. Gebt sie im Tierheim oder im Tiergeschäft ab.
- Kauft keine lebenden Souvenirs aus dem Ausland.

 

Quellen:


http://www.wwf.de/themen/artenschutz/bedrohte-tiere-und-pflanzen/biologische-vielfalt/neobiota/
http://www.wwf.de/themen/artenschutz/bedrohte-tiere-und-pflanzen/biologische-vielfalt/neobiota/invasive-tierarten/
http://www.wwf.de/themen/artenschutz/bedrohte-tiere-und-pflanzen/biologische-vielfalt/neobiota/invasive-pflanzenarten/
http://www.wwf.de/themen/artenschutz/bedrohte-tiere-und-pflanzen/biologische-vielfalt/neobiota/opuntien-auf-madagaskar/
http://www.wwf.de/themen/artenschutz/bedrohte-tiere-und-pflanzen/biologische-vielfalt/neobiota/loesungen/
http://www.wwf.de/themen/artenschutz/bedrohte-tiere-und-pflanzen/biologische-vielfalt/neobiota/sie-koennen-mithelfen/
http://www.wwf.de/themen/artenschutz/bedrohte-tiere-und-pflanzen/biologische-vielfalt/neobiota/alte-und-neue-aliens/


Bildnachweis:


© James Frankhan (WWF)
© Katharina Catjana (pixelio.de)
© Peashooter (pixelio.de)
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© Chris-Martin Bahr (WWF)
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Kommentare (4)
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Sortieren nach Aktualität:
26.03.2010
KatevomDorf hat geschrieben:
wirklich guter bericht!
26.03.2010
chekusch hat geschrieben:
Ein sehr gelungener Artikerl!
Schön informativ und interessant.
Danke Maide
25.03.2010
Taki hat geschrieben:
Cool, Wo bitte bekomme ich eine Vollständige Liste welche Tierarten und Pflanzen Neozen sind. Wer wieß wo die Tiere Leben.
21.03.2010
Pusteblume hat geschrieben:
Hi Maide, das ist ein sehr sehr guter Artikel! Und die vielen konkreten Beispiele. Wusste gar nicht, dass das hier so ein Problem ist mit den eingeschleppten Arten. In Australein ist das ja so ein Riesenthema. Das ist schon krass, dass sogar dort, wo man denkt, hier ist Natur, die Einflüsse des menschen überall stattfinden. Wen man mal so nachdenkt - wir haben überhaupt keine Wildnis mehr hier in Deutschland...... Das ist irgendwie schade. Und das schlimme: Man gewöhnt sich einfach dran!!
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