Bleib aktuell!


Was gibt's


Neues?


Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Halte durch, Klima! Wir retten Dich! ... 2020 ... hoffentlich ...


von JohannesB
11.12.2011
17
0
100 P

Am frühen Sonntagmorgen ging im südafrikanischen Durban die diesjährige UN-Klimakonferenz zu Ende.
Eigentlich war der Gipfel nur bis Freitag angesetzt, da die Verhandlungen aber sehr zäh und unübersichtlich verliefen, ging es für die Delegierten aus über 190 Staaten in die Verlängerung und auf bereits gepackten Koffern wurde bis zur letzten Minute um Details gefeilscht.

Die wichtigsten Ergebnisse hier im (einigermaßen) schnellen Überblick:

- Das 1997 beschlossene und 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll soll um eine zweite Verpflichtungsperiode ergänzt werden. Wie die Fortführung des völkerrechtlich verbindlichen Abkommens aussehen wird, soll jedoch erst in einem Jahr soll bei der nächsten Klimakonferenz in Katar erarbeitet werden. Ab 2013 könnten die dortigen Beschlüsse dann greifen. Offen ist bislang allerdings, ob die Verpflichtungsperiode 2020 oder bereits 2017 endet. In den kommenden Monaten sollen die beteiligten Staaten Vorschläge zu den Reduktionszielen darlegen.
Generell ist die Fortschreibung des Kyoto-Protokolls leider kein allzu großer Erfolg für’s Klima. Kanada, Russland, Japan und Neuseeland wollen von neuen Kyoto-Verpflichtungen nichts wissen, die Megaemittenten China und USA sind schon bisher nicht dabei. So bleibt nur ein harter Kern, der sich auch weiterhin zu Kyoto bekennt: Allen voran die EU-Staaten, Norwegen, die Schweiz und Australien. Gerade mal 15% der weltweiten Treibhausgase gehen auf ihr Konto.

- Spätestens 2015 soll ein neues Klimaabkommen stehen, das erstmals alle Staaten der Welt miteinbezieht und ihre Treibhausgasemissionen vertraglich reduziert bzw. begrenzt. Damit wären dann auch die USA, China und Indien eingebunden. Der neue Klimavertrag soll allerdings erst 2020 in Kraft treten. Auch wenn derart komplexe internationale Verträge erfahrungsgemäß lange brauchen, bis sie von allen auch ratifiziert werden und damit umgesetzt werden können, kritisieren Umweltschützer die zu lange Zeit bis zum Startschuss des neuen Vertragswerkes.
Inwiefern das Ganze rechtlich bindend sein wird, bleibt fraglich. „Eine Vereinbarung mit Rechtskraft“ ist in der internationalen Rechtsprechung unbekannt und gilt vielen Experten als zu schwach.

- Der 2010 in Mexiko beschlossene Grüne Klimafonds GCF (Green Climate Fund) soll mit Leben, besser gesagt mit Geld, gefüllt werden. Von 2020 an sollen jährlich 100 Milliarden Dollar (ca. 74 Milliarden Euro) zur Verfügung stehen, um den Entwicklungsländern eine Anpassung an Folgen der Erderwärmung zu ermöglichen und Klimaschutzprojekte zu finanzieren. Woher die Mittel kommen, ist noch nicht wirklich klar: Vorgesehen sind sowohl Zahlungen der reichen Staaten, als auch die Beteiligung privater Geldgeber. Die Idee, auch Abgaben auf Flug- und Schiffsverkehr zur Finanzierung des GCF zu nutzen, wurde wieder verworfen.

- Äußerst enttäuschend verlief die Konferenz für den Waldschutz. Mit REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation, zu Deutsch also die „Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung“) wurde zwar schon letztes Jahr ein Instrument zum Schutz der Wälder beschlossen, in Durban wurden aber nur kleine Fortschritte in technischen Angelegenheiten erzielt. Die Finanzierung ist dagegen bislang gänzlich ungeklärt, im Fonds etwa sind hierfür keine Mittel eingeplant. So könnte das Geld für den Schutz der Urwälder von der Industrie kommen, die dann im Gegenzug ihre Emissionen weniger stark verringern müsste. Da Wald ein riesiger Kohlendioxid-Speicher ist, könnte das die schon zu günstigen Preisen gehandelten Verschmutzungsrechte weiter verbilligen.

Insgesamt also ein wenig Licht und viel Schatten. Zwar wäre es in der Tat historisch, wenn mit dem neuen Klimaabkommen erstmalig alle Staaten in einem Vertrag eingebunden wären und so auch die USA und China ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Doch sagen uns die Erkenntnisse der Klimaforscher eindringlich, dass bereits in den nächsten Jahren der Höhepunkt der weltweiten Treibhausgasemissionen erreicht werden und von da konsequent reduziert werden muss, um den Klimawandel in einigermaßen akzeptablem Rahmen zu halten. Die Delegationen in Südafrika haben sich also Zeit gegeben, die wir nicht haben oder um es in ein vorweihnachtliches Bild zu fassen: Wer erst im Januar seinen Christbaumschmuck beisammen hat, darf sich nicht wundern, wenn der Baum schon weg ist oder zumindest stark nadelt.

Auch der WWF ist sehr enttäuscht: "Die Welt verdient einen besseren Deal als den lauwarmen Klimakompromiss von Durban", so Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland. "Länder wie die USA und Kanada streuten immer wieder Sand ins Getriebe. Das enttäuschende Ergebis reicht nicht aus, den durch den Klimawandel ausgelösten Bedrohungen für Mensch und Natur zu begegnen. Es wurde die Chance verpasst, einen starken Fahrplan zu verabschieden, der den globalen Temperaturanstieg unter zwei Grad Celsius begrenzen könnte", so das ernüchternde Fazit des WWF.

An internationalen Klimaschutzabkommen führt kein Weg vorbei. Die Komplexität und Langwierigkeit der Klimapolitik erfordert von uns allen Geduld. Jeder von uns sollte sich aber auch seiner Macht als Wähler und Verbraucher bewusst sein und diese einsetzen, um Politik und Wirtschaft zum Handeln zu zwingen. Mindestens ebenso wichtig ist der Klimaschutz im alltäglichen Leben: Schau doch gleich mal nach, wie stark die Heizung in Deinem Zimmer aufgedreht ist. Ein Grad weniger Raumtemperatur spürst Du kaum, unser Klima aber wird’s Dir danken.
 

Quellen:
http://www.faz.net/aktuell/politik/weltklimakonferenz-durchbruch-in-durban-11558526.html
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/20/0,3672,8419508,00.html
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,803004,00.html
http://www.sueddeutsche.de/wissen/un-konferenz-in-durban-gipfel-beschliesst-fahrplan-fuer-neues-klimaabkommen-1.1231492
http://www.tagesschau.de/ausland/weltklimagipfel118.html
http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-12/klimagipfel-fahrplan-klimavertrag

Fotos: J. Golinski / UNFCCC (http://unfccc.int/2860.php), J. Barthelmeß

Weiterempfehlen

Kommentare (17)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
14.12.2011
regentag hat geschrieben:
Toller Bericht - Extrem schlechte Nachrichten. Ihr habt alle Recht, so kann das nicht weitergehen. Und ich hätte nie erwartet, dass Kanada so was bescheuertes machen würde... da kann man nur den Kopf schütteln
14.12.2011
JohannesB hat geschrieben:
@Urmeli: Danke :) Manchmal geht's halt einfach nicht mehr verständnisvoll und diplomatisch ...
14.12.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Also JohannesB, DAS nenne ich mal deutlich und unmissverständlich die Meinung kund tun :) gefällt mir :D
13.12.2011
Marcel hat geschrieben:
Übelst bitter, Kanadas Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll! Hier eine erste Reaktion des WWF: http://www.wwf-jugend.de/entdecken/klima/artikel/ein-schlag-ins-gesicht-der-weltoeffentlichkeit;3301
13.12.2011
JohannesB hat geschrieben:
Der Ausstieg Kanadas ist um's mal ganz deutlich zu sagen asozial, egoistisch und unverantwortlich. Wenn man einfach so abhaut, nur weils teuer wird und man neue "dreckige" Jobs schaffen will, kann man auch offen sagen, dass einem die Zukunft am A.... vorbei geht. Sowas darf nicht Schule machen: Das neue Abkommen muss sicherstellen, dass sich keiner einfach so der Verantwortung entziehen kann und die Menschen muessen bei Wahlen deratige Klimaidioten aus dem Amt jagen.
Ich mag Kanada als Land sehr, aber was die Regierung da ganz stolz abliefert ist der pure Hohn kuenftigen Generationen gegenueber.
13.12.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Jetzt will auch noch Kanada aus dem Kyoto-Abkommen aussteigen um Millardenstrafen aus dem Weg zu gehen............Begründung: Die USA und China machen ja auch nicht mit........

Jetzt haben sie wirklich Kindergartenniveau untergraben..........
13.12.2011
JohannesB hat geschrieben:
Die Karikatur des Tagesspiegel ist wirklich passend, Marcel! Wir können nur hoffen, dass in den nächsten Jahren ein wirklich ambitioniertes und faires Abkommen ausgehandelt werden kann, bei dem dann tatsächlich ALLE mitmachen und unser Klima geschützt wird. In der sehr langen Übergangszeit muss eben jeder Einzelne handeln und die Staaten sollten schon mal eigenständige Klimaprogramme verabschieden und umsetzen. Hoffen wir mal, dass bis 2020 nicht einfach nur abgewartet wird und dass spätestens von da an, wirklich mit voller Kraft Klimaschutz betrieben wird.
12.12.2011
Sarah25 hat geschrieben:
Danke für den Bericht! Jetzt weiß ich wenigstens genau was sie beschlossen haben (oder was eben auch nicht) wenn das so weiter geht und nie alle bereit für ein vernünftiges Abkommen sind... tja dann haben wir ein großes Problem würd ich mal sagen ;)
aber optimistisch bleiben ;)
12.12.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
12.12.2011
MarcelB hat geschrieben:
Auf Facebook hat der Tagesspiegel heute auch eine passende Karikatur hochgeladen: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10150410749371493&set=a.133400461492.115633.59381221492&type=1&theater

2020 ist einfach zu spät. Aber sich darüber zu ärgern bringt jetzt genauso wenig. Wir müssen einfach selber handeln und unsere eigenen CO2 Emissionen klar kriegen, so wie es Johannes zuletzt auch schreibt, muss denn wirklich auf hochtouren geheizt werden? Nein! Die Einführung einer CO2-Card wäre da echt schon von Vorteil!
12.12.2011
Oekojule hat geschrieben:
Heute Morgen durfte ich auch den Artikel zum Frühstück "genießen". Ich frage mich wie das weitergehen soll. Wie können drei Länder so einen Einfluss haben??
2020... ja was soll denn das? Bis dahin ist der Regelwald baumlos und die Alpengletscher haben sich sowieso in Luft aufgelöst. Ich weiß nicht was ich dazu sagen soll ...
12.12.2011
Leon0220 hat geschrieben:
Danke für die Infos :)
Guter Bericht!
12.12.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Glückwunsch, wirklich gelungene Sache :(
Danke für den Bericht, Johannes!
12.12.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Eigentlich sollte man doch von Menschen in den entsprechenden Positionen erwarten können, dass sie die Gefahren des Klimawandels erkennen und jetzt schon handeln und nicht erst dann, wenn es auch für ihre Länder verdammt eng wird.

Die USA leiden doch bereits heute unter Unwettern die immer häftiger werden. Was für Weckrufe benötigen sie denn noch? Der Klimawandel wird nicht in Türme rasen um ernst genommen zu werden - sorry für diesen harten Vergleich, aber anders scheinen es die USA nicht wahrnehmen zu können, dass da ein großes Unheil auf sie zukommt.

Och, wegen der Supermächte würde mir spontan einiges einfallen. Wäre nur nicht so gesetzeskonform ;)
12.12.2011
Peet hat geschrieben:
@Urmeli: Für die USA, China etc. ist der Klimawandel noch nicht zu so einer großen bedrohung geworden, dass er sich wirtschaftlich stark auf sie auswirken würde. Ebenso Indien. So wird dann erst einmal bis zum Äußersten weiter gemacht, bis es dann wirklich zu spät ist. Und wir lassen uns mit unverbindlichen Zusagen abwickeln. Aber was will man gegen die Supermächte machen? ;) Immerhin tritt die EU einheitlich auf!
12.12.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Großer Applaus für die Herren und Damen!! Sie haben es geschafft, sich auf den kleinsten gemeinsame Nenner zu einigen und doch nichts greifendes verbindlich zu beschließen. Da darf man schon mal stolz auf sich sein............

Was an dem Begriff "Wir haben keine Zeit mehr" wurde in Durban nicht verstanden? Der Klimawandel mit all seinen Folgen lässt sich nicht wegdiskutieren.

Toll, dass die USA, China und Indien jetzt mit an Bord sind - nur auf welchem Schiff? Es wurde nichts verbindlich beschlossen, außer, dass man sich wiedertrifft um dann vielleicht etwas mehr ins Detail zu gehen.

Da muss jetzt wirklich jeder Einzelne alles geben. Die Politik hat erstmal ihr Werk vollbracht und wird sich auf den dornigen Lorbeeren ausruhen. Die (Welt-)Bevölkerung muss jetzt handeln.
12.12.2011
Peet hat geschrieben:
Das Ganze im Endeffekt auf 2020 zu verschieben ist ein schlechter Witz! 2020 heißt es dann, das 2011 andere Voraussetzungen vorhanden waren und nun kein Abkommen mehr machbar ist - so in etwa wird es laufen. Wie wird es wirtschaftlich 2020 in den Ländern aussehen? Eine lange Zeit, in der viel passieren wird...! Und die wirtschaftliche Lage entscheidet leider immer öfters über die Teilnahme an verbindlichen Zielen oder nicht. Danke für den Bericht!
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
5. Climate Silence Parade Mainz 2016
5. Climate Silence Parade M...
Heute am 04.06.2016 fand die 5. Climate Silence Parade in Mainz statt.  Durch Funkkopfh&... weiter lesen
Nach der Feier beginnt die Arbeit
Nach der Feier beginnt die ...
Paris - viele von uns denken bei diesem Wort nicht mehr nur an den Eiffelturm und Notre Dame, s... weiter lesen
Tipp der Woche! - Siegel, über Siegel. Überblick im Label-Dschungel mit label-online.de
Tipp der Woche! - Siegel, ...
Was spielt für Euch beim Einkaufen eine Rolle? Der Preis ? Die Marke ? Euer Bauchgef&uum... weiter lesen
Ausgerottet - die menschlichen Bienen in China
Ausgerottet - die menschlic...
Jeder kennt sie - die Wild- und Honigbienen. Unermüdlich schuften die Arbeiterinnen eines V... weiter lesen
Tipp der Woche! - DIESES Wochenende
Tipp der Woche! - DIESES Wo...
Heute tritt das Pariser Klimaabkommen in Kraft . Nach rekordverdächtig schnellen elf Monat... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil