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Gas Flaring - Die schmutzigen Machenschaften der Ölmultis


von Carina
21.06.2012
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Wie die Schornsteine einer fremden, unterirdisch lebenden Zivilisation ragen lange, dünne Rohre in den Himmel. An ihrem oberen Ende lodern mit unvorstellbarer Hitze hellrote Flammen. Schwarzer Rauch steigt in den Himmel, verpestet die Luft und bedeckt das gesamte Umfeld mit einer feinen Rußschicht.

Dieses Szenario ist kein Science-Fiction-Film, es ist die bittere Realität. Bei der Erdölproduktion werden nämlich immer auch riesige Mengen von Erdgas an die Oberfläche befördert. Die oben beschriebenen Rohre sind sogenannte Gasfackeln, mit denen dieses Gas – genau – ganz einfach abgefackelt wird. Gas Flaring wird das Ganze in englischer Sprache genannt.

Ein paar Zahlen gefällig?

- Bei diesem Gas Flaring wird jedes Jahr ein Drittel des gesamten europäischen Erdgasbedarfs einfach so ungenutzt verbrannt.
- Dabei entstehen 400 Millionen Tonnen Treibhausgase.
- Das entspricht dem CO2 Ausstoß aller Autos in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen.

Aber warum wird so viel Erdgas verschwendet, wo doch die Ressourcen immer knapper werden? Ganz einfach: Weil die Ölmultis damit Geld sparen. Zumindest kurzfristig. Denn würden sie das Erdgas aufbereiten und weiterverkaufen wollen, müssten sie erst einmal in modernere Anlagen investieren müssen – also Geld ausgeben. Da erscheint es ihnen einfacher und billiger, das ganze Gas einfach abzufackeln. Mit katastrophalen Folgen für das Klima und die Umwelt.

Vor allem in Russland, Gabun und Nigeria wird das Gas Flaring praktiziert. Vor einiger Zeit hatte ich von dem ölverschmutzten Nigerdelta berichtet. Damals war mir noch gar nicht klar, dass diese Gasfackeln eine zusätzliche Belastung für Mensch und Natur darstellen. In Nigeria brennen die Gasfackeln des Ölkonzerns Shell seit über fünfzig Jahren: 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Riesige Mengen Kohlenstoffdioxid werden dabei in die Atmosphäre gepustet, Rußwolken sorgen für steigende Temperaturen, die Pflanzen verdorren, Menschen erkranken wegen den giftigen Gasen in der Luft. Und das, obwohl Gas Flaring in Nigeria verboten ist! Doch da der nigerianische Staat an der Ölproduktion mitverdient (55% der Einnahmen!), interessiert das niemanden so richtig.

Dabei gibt es schon längst die Möglichkeit, das Begleitgas sinnvoll zu nutzen. Eine finnische Firma hat Generatoren entwickelt, die das Gas in Strom umwandeln. Mithilfe dieser Generatoren konnte PetroAmazonas, der staatliche Ölkonzern Ecuadors, die Gasfackeln bei seiner Ölförderung am Amazonas abstellen. Die Anschaffung und Installation der Generatoren kostete die Regierung 150 Millionen US Dollar. Diese Ausgabe bereut jedoch keiner: Dadurch, dass das Begleitgas nun genutzt werden kann, wird viel Geld gespart und die Investition zahlte sich bereits nach zwei Jahren aus. Außerdem wurde die CO2-Bilanz des Landes verbessert, wichtige Klimaziele wurden erreicht und Ecuador erhielt die begehrten CO2-Zertifikate von den Vereinten Nationen.

Doch das ist leider nur ein kleiner Lichtblick unter vielen, vielen Negativbeispielen. Vor allem in Russland wird das Gas Flaring weiter praktiziert. Und auch wir in Deutschland tanken täglich gasgeflartes Öl aus Russland. Wir sind ganz einfach davon abhängig.

Wer mehr über das Thema erfahren möchte, dem empfehle ich diese Dokumentation von arte:


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Kommentare (7)
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11.09.2012
cookiefreak hat geschrieben:
Unfassbar!
22.06.2012
Taki hat geschrieben:
Man sollte das Erdgas verflüssigen und in den Pipelins mit dem Öl zur Rafenerie schicken. In einigen Staaten wird es schon gemacht. Somit muß das Gas nicht sinnlos abgefackelt werden. Wir müssen kein Erdgas von den Russen kaufen. Schont einfach die Umwelt.
21.06.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Wieder einmal ist aber unser profitgieriges System schuld. Es geht ums schnelle Geld und kurzfristige Gewinne. Soziale Aspekte wie Generationengerechtigkeit und ökologische Aspekte wie Klimaschutz sind unsere aktuellen Regierung schnurtz piep egal. Alles was getan wird ist allenfalls ein Feigenblatt.
21.06.2012
Puma hat geschrieben:
Dazu kann man nur . . . sagen,denn bei so viel Dummheit und Kutrzsichtigkeit fehlen einem einfach die Worte!!!
21.06.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Klar, warum auch einmalige Investitionen tätigen wenn davon Generationen profitieren könnten. Ist ja vollkommen klar, dass dann lieber das Erdgas, was benötigt wird, lieber verbrannt wird.

Ölmulti müsste man sein. Die scheinen dieses lästige Ding......wie heißt das noch gleich....ach ja .....Gewissen nicht zu haben.

Die EU verbietet Glühbringen weil sie zu umweltschädlich sind und Russlang fackelt wertvolles Erdgas ab. Welt gibt mir den Sinn zurück!!!
21.06.2012
LSternus hat geschrieben:
Schrecklich, oder?
ich hatte den Film auch schon mal gesehn und auch schon mal darüber einen Bericht geschrieben.
Es geht zu wie in den Kolonialzeiten.
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