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Fukushima führt zu Ökostrom-Boom - Nur, wie lange?


von Timm
01.04.2011
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Angesichts der Atomkatastrophe von Fukushima haben die Ökostrom-Anbieter derzeit einen enormen Zulauf an Neukunden. Doch wie lange? Bis jetzt beziehen nur 8 Prozent der deutschen Haushalte Ökostrom. Was hält umweltbewusste Menschen von einem Wechsel ab?

Laut einer bundesweiten Umfrage der Presseagentur dpa hat die Atomkatastrophe von Japan bei Ökostrom-Anbietern zu einem drastischen Zulauf an Neukunden geführt. Der nach eigenen Angaben größte deutsche Ökostromanbieter Lichtblick meldet, dass in den vergangenen beiden Wochen rund 800 Neuverträge täglich abgeschlossen wurden. Das sei etwa dreimal so viele wie vor den tragischen Ereignissen in Japan. Greenpeace Energy berichtet sogar von einer Verachtfachung der Kundenzahl seit Beginn der Nuklear-Katastrophe.

Offenbar führen die Nachrichten aus Japan dazu, dass viele Menschen - die sich schon lange mit dem Gedanken eines Wechsels zu Ökostrom tragen - nun endlich zur Tat schreiten. Japan habe "das Fass zum Überlaufen" gebracht, heißt es beim Anbieter Naturstrom in Düsseldorf. Einen längerfristigen Anstieg der Nachfrage beobachtet das Verbraucherportal toptarif.de: 2008 entschieden sich nur 10 Prozent der Verbraucher, die über das Portal ihren Stromanbieter wechselten, für Ökostrom - 2009 waren es 20 Prozent, 2010 dann gut 30 Prozent, und seit Fukushima liegt der Anteil bei 65 Prozent, wie eine Sprecherin berichtete.

Doch wie lange wird dieser Boom anhalten? Martin Schaefer, Sprecher von Greenpeace Energy glaubt zwar, dass eine Fortsetzung dieses Trends möglich sei, sagt aber auch: "Die erste Erregungswelle ist langsam vorbei." Insgesamt hat sich die Zahl der Ökostrom-Kunden seit 2005 auf 2,2 Millionen Kunden vervierfacht. Doch das bedeutet, dass bis zu den jüngsten Ereignissen in Japan nicht einmal acht Prozent aller deutschen Haushalte auf grünen Strom umgestiegen waren. Und das obwohl auch schon vor Fukushima eine konstante Mehrheit der Deutschen eine Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien begrüßte und der Kernenergie äußerst kritisch gegenüber stand.

Was hält viele dieser Menschen von einem Wechsel ab? Ein Problem ist offenbar die grundsätzliche Trägheit der Verbraucher in Sachen Stromanbieter-Wechsel. Im Oktober 2010 berichtete das Handelsblatt, dass zwölf Jahre nach der Liberalisierung des Strommarkts nur jeder fünfte deutsche Privathaushalt überhaupt seinen Stromanbieter gewechselt hat. Dahinter steckt offenbar die noch immer weit verbreitete Sorge, nach dem Wechsel plötzlich ohne Strom dazu zu sitzen. "Bei vielen Konsumenten gibt es eine dunkle Angst, mit etwas Lebenswichtigem zu experimentieren", erklärte Daniel Zimmer, Wettbewerbsrechtler von der Universität Bonn und Mitglied der Monopolkommission gegenüber dem Handelsblatt.

Dabei ist es technisch und rechtlich unmöglich, dass einem Haushalt der Strom abgeschaltet wird. Aber schlechte Erfahrungen beim Wechsel des Telefon- oder Internetanbieters fördern diese Sorge.

Langzeitstudien zeigen zudem, das es viele trotz der Ankündigung zu wechseln, letztendlich doch nicht tun. Viele Menschen halten es für zu mühsam sich zu informieren und empfinden die große Auswahl der Anbieter als Belastung. Hier besteht offensichtlich noch ein großes Informationsdefizit, denn der Wechsel zu einem Anbieter ist tatsächlich sehr einfach.

Das Vorurteil, Ökostrom sei deutlich teurer als herkömmlicher Strom, hält sich hartnäckig. Kein Wunder, dass sich viele davon abschrecken lassen: Der Preis ist laut einer Umfrage von Stiftung Warentest der mit Abstand überragende Grund für einen Anbieterwechsel (für 71 Prozent), gefolgt von einem Protest gegen eine Preiserhöhung (45 Prozent). Erst auf Platz drei (jeweils 22 Prozent) folgen die Gründe "Unabhängigkeit des Versorgers von den großen Stromkonzernen" und "Ökostrom".

Dabei kostet Ökostrom meist nicht mehr, manchmal sogar weniger als herkömmlicher Strom. Das ist je nach Region unterschiedlich. Die Anbieter aus der WWF-Liste dürfen nicht mehr als 20 Prozent teurer sein als herkömmlicher Strom, in den meisten Fällen liegen sie deutlich darunter. Ein Singlehaushalt zahlt meist nicht mehr als 2 Euro im Monat drauf, wenn er zu Ökostrom wechselt. Das ist ein Cappuccino. Mehr nicht.

Ein weiteres großes Hindernis ist, dass viele Menschen offenbar nicht davon überzeugt sind, dass der Wechsel zu einem Ökostrom-Anbieter tatsächlich etwas bringt. Um all diese Zweifel auszuräumen haben wir hier die wichtigsten Argumente für den Wechsel zu Ökostrom zusammengestellt. Nutzt diese Argumente, um uns bis zum 18.4.2011 zu helfen, noch so viele Menschen wie möglich vom Wechsel zu überzeugen. Ihr seid die besten Botschafter für Ökostrom und eine Energiewende. Denn das zeigt sich auch immer wieder -die meisten Menschen wechseln, weil sie von einem Freund oder Bekannten davon überzeugt wurden.

Also - fordert jetzt deine Freunde und Verwandten auf! Umschalten auf grünen Strom!

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Kommentare (6)
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04.04.2011
Speck hat geschrieben:
Es ist traurig das die führenden Stromanbieter den Kohle/KernStrom unterstützen...
Könnte man sie zum wechsel überzeugen würde die Energiewende schnell und unkompliziert eintreten. Leider denken die nur an Geld (Kohle)
und nicht an ihre fünf armigen Enkel -.-
03.04.2011
BioApfelKaetzchen hat geschrieben:
Es muss halt immer erst eine Katastrophe geschehen bis die Menschen aufwachen. Ich denke, dass die Zahl der Leute, die jetzt auf Ökostrom umsteigen schon bald fallen wird, aber wie es im Moment aussieht, fangen die Politiker in Deutschland jetzt auch an umzudenken und endlich zu handeln. In vielen anderen Ländern ist das leider nicht so.
03.04.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Es ist gut,dass so viele Leute Öko-Strom haben, hoffenntlich hört es nicht nach einer weile auf.
Ich könte mir,aber nicht vorstellen,dass nach dem Boom die Leute wieder zu AKW-Strom wechseln ist doch beschauert und viel arbeit. Ich hoffe die sehen es genauso...
02.04.2011
Janine hat geschrieben:
Ich habe gestern noch im Radio gehört, dass ein Ökostrom-Anbieter in den letzten drei Wochen so viele Neukunden hat, wie in den letzten zehn Jahren. Ich hoffe sehr, dass diese Welle noch nicht abbricht. Und wenn man erstmal gewechselt hat, spricht man garantiert auch mit Freunden darüber, die dann evtl. nachziehen. Ich werde auf jeden Fall nochmal ordentlich Werbung machen :o)
01.04.2011
kartoffel hat geschrieben:
das stimmt. im moment kenne und treffe ich echt viele die super motivierte ökostrom vertreter geworden sind seit fukushima und dem ganzen ausstieg-vom-ausstieg gedödel der regierung....und es scheint auch insgesamt so als ob da ne welle los geht ich hoffe dass das sich langfristig hält auch wenns manchmal mühe erfordert ... wäre doch sonst traurig..
01.04.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Tja, diese schreckliche Trägheit :/ ich habe auch Sorge, dass die Antiatombewegung bald wieder einschläft...also die massenweisen Proteste. Als Deutsche dürfen wir jetzt einfach nicht locker lassen - nicht von der Politik breitquatschen lassen...
Ich hoffe, dass das alles jetzt mehr bewirkt, als ein paar Wellen, die sich irgendwann wieder beruhigen.
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