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Freuen, aber kritisch bleiben - Kommentar zum Abkommen von Paris


von JohannesB
14.12.2015
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Worte wie „Wunder“ oder „historisch“ werden schnell mal in den Mund genommen, um eigentliche Kleinigkeiten überschwänglich zu kommentieren. Was aber am Samstagabend in Paris passiert ist, darf getrost in die Geschichtsbücher geschrieben werden: Zum ersten Mal haben sich alle Staaten der Welt verpflichtet, den Klimawandel zu bekämpfen.

Nach den unzähligen windelweichen Kompromisspapieren an die wir uns längst bei Klimakonferenzen gewohnt hatten, gibt es diesmal einen soliden Rahmen, dessen positiver Inhalt selbst notorisch kritische Klimaschützer erfreut.

Festgelegt wurde das sehr ambitionierte Ziel, die Erderwärmung unter 1,5 oder zumindest deutlich unter 2 Grad zu halten. Dafür haben auch Schwellenländer wie China und Indien zugesagt, beim Klimaschutz mitzumachen. Daneben wurden Finanzhilfen für Klimaopfer vertraglich festgelegt und - auch wenn der wichtige Begriff der Dekarbonisierung fehlt – faktisch nimmt die Welt in den nächsten Jahrzehnten Abschied von Kohle, Öl und Gas.

Zugegeben: Im Text finden sich zu einigen „harten“ Themen noch viele „weiche“ Formulierungen: Die Vertragsstaaten werden „eingeladen“, teilweise auch bloß dazu „ermutigt“, etwas zu tun. Der Höhepunkt der Treibhausgasemissionen soll „so schnell wie möglich“ erreicht werden. Das ist noch reichlich vage. Und klar ist auch, dass sich die Erderwärmung nicht von einem auf den anderen Tag abstellen lässt. Man kann den Planeten nicht mal eben durchlüften nur weil es zu warm ist.

Zum entspannten Zurücklehnen taugt das Abkommen also nicht, Ziele setzen und Ziele verwirklichen ist nicht dasselbe. Damit das gerade aufgestellte Stoppschild für die Erderwärmung auch beachtet wird, müssen wir die Umsetzung des Abkommens kritisch beobachten. Dazu gehört auch, als Bürger und Wähler konsequenten Klimaschutz einzufordern. Vier der fünf dreckigsten Kohlekraftwerke Europas stehen in Deutschland und ganze Landstriche werden für die Kohle in Mondlandschaften verwandelt. Wir brauchen also zügig ein Gesetz, dass den Kohleausstieg festschreibt, bis 2040 muss Deutschland ganz aus Kohle ausgestiegen sein.

Die Ansage aus Paris lautet: Raus aus den fossilen Energien, und das so schnell wie möglich. Diese Botschaft kommt jetzt von allen. Das macht sie so mächtig. Und sie wird dafür sorgen, dass die Technologien rund um erneuerbare Energien vor einem enormen Schub stehen. Die Energiewende wird Fahrt aufnehmen. Und das weltweit. Investitionen in Energie aus Sonne, Wind und Wasser rechnen sich vielerorts schon jetzt.

Wichtig wird auch sein, dass der Ausstoß von CO2 endlich einen wahren Preis bekommt. Emissionshandelssysteme können das leisten, sie müssen dazu aber – anders als bisher in der EU - gut aufgesetzt werden. Auch in den USA und China gibt es Pläne für einen Emissionshandel. Hilfreich wäre es, diese Systeme schnellstmöglich auszubauen und idealerweise miteinander zu verbinden.

Im Angesicht der unzähligen Krisen dieser Welt - des Terrors, der Kriege, des Hungers und der Flüchtlinge - hat uns Paris gezeigt, dass es möglich ist, großen Herausforderungen mit einem gemeinsamen Kraftakt zu begegnen. Auch, wenn es dazu einen langen Atem braucht.

 

Bilder: Titelbild © COP Paris, Eiffelturm © J. Barthelmess

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Kommentare (4)
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14.12.2015
RichardParker hat geschrieben:
Klar, ich bin auch der Meinung: Jetzt erst recht müssen wir am Ball bleiben und das was auf dem Papier geschrieben steht auch umsetzen, aber für mich ist es auf jeden Fall ein großer Schritt in die richtige Richtung. Ich habe mich so sehr gefreut und war so erleichtert, als ich von der Einigung gehört habe...! :)
14.12.2015
Lisa18 hat geschrieben:
Ganz wichtig finde ich es ebenfalls, dass sich die Politik von der Kohle- und Ölindustrie, sowie deren starkes Lobbying, freimachen. Sie dürfen nicht mehr auf die Ölgiganten, wie Shell, BP und Co. "rücksichtnehmen". Abgesehen davon haben die es nun überhaupt nicht nötig und verdient! Mir ist klar, dass es nur mit Kompromissen über die Bühne gehen wird, allerdings sollte das Ziel oder vielmehr das Ergebnis auf der Seite der positiven Klimaveränderung stehen und nicht auf der Seite "wir machen soweiter wie bisher".
Die gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch besonders für die USA, China und Kanada.
14.12.2015
anni95 hat geschrieben:
Ich kann deinem Kommentar nur zustimmen. Weiter Augen Auf und Handlung lautstark fordern, damit aus dem Papier auch was wird!
14.12.2015
MarcelB hat geschrieben:
Wichtig aus meiner Sicht auch die Überarbeitung der nationalen Klimaziele im 5-Jahresrythmus. Auch wenn "Dekarbonisierung" nicht konkret drinsteht und viele Formulierungen weich ausgefallen sind, so ist das Pariser Abkommen doch ein großes Bekenntnis der Welt, die Auswirkungen des Klimawandel zu begrenzen.

Wichtig war es erstmal alle Nationen der Welt in eine gemeinsame Richtung zu lenken. Deutschland und viele andere Industrienationen müssen nun mit gutem Beispiel voran gehen und andere Staaten mitziehen. Jetzt ist handeln angesagt, um die globale Energiewende zu schaffen!
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