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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
"Es ist Zeit zu handeln, Mr President!"


von MatthiasAdler
07.11.2012
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Genau vier Jahre ist es her, da kämpfte Governor Barack Obama um Stimmen für das US-Präsidentenamt. Er wollte nicht nur in das Weiße Haus einziehen, sondern er wollte Amerika schlicht grundlegend verändern - seine ganze Kampagne stand unter dem Motto "Change". Auch umwelt- und energiepolitisch versprach er, seine Nation umzukrempeln: Er redete von Erneuerbaren Energien, von CO2-Reduktion, von Hybridautos und von Biosprit - Themen, die in den USA nicht gerade Stimmen versprechen. Dennoch gewann Obama bekanntermaßen die Wahl.

Am 6. November 2012 wurde Obama nun für eine zweite Amtsperiode wiedergewählt. Aber was ist eigentlich aus seinen ehrgeizigen Zielen geworden? Und was erwartet der WWF von seiner künftigen Amtszeit?

"Amerikas Blockadepolitik muss aufhören" - "Von Obama erwarte ich ganz einfach mehr Handeln. Es ist an der Zeit, dass sich die USA endlich beim Kampf gegen den Klimawandel international beteiligen", fordert Barbara Lueg vom WWF. "Die Vereinigten Staaten müssen ihrer Verantwortung gerecht werden. Sie sind weltweit der zweitgrößte Treibhausgasemittent. Obama muss dafür sorgen, dass die USA endlich ihre Blockadepolitik bei den internationalen Klimaverhandlungen aufheben", sagt die Referentin für internationale Klimapolitik. Nicht nur absolut, auch pro Kopf ist der Kohlendioxidausstoß der USA hoch. Pro Kopf emittieren die Amerikaner jährlich etwa 17 Tonnen Kohlenstoffdioxid, in Deutschland liegt der CO2-Ausstoß pro Kopf bei ca. neun Tonnen und in Indien unter zwei Tonnen.

Ausgerechnet eine Naturkatastrophe schaffte es in der letzten Woche vor den Abstimmungen das Thema Klimawandel wieder etwas in den Vordergrund zu rücken. Nachdem Hurrikan Sandy große Verwüstungen an der amerikanischen Ostküste hinterließ, sprach sich der ehemalige Republikaner und inzwischen parteilose Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, für Obama aus, weil es an der Zeit sei, endlich den Klimawandel effektiv zu bekämpfen.

Im Wahlkampf hatte Obama dieses Thema zwar noch vermieden, bei seiner Siegesrede in Chicago jedoch versprach er, dass er sich künftig wieder stärker Amerikas Führungsrolle im Kampf gegen den "Climate Change" widmen wolle. Der WWF erwartet gespannt, welche Agenda Obama aufstellen wird, um diese Führungsrolle auch wirklich wahrzunehmen.

Im Wahlkampf drehte sich bei energiepolitischen Themen alles um die Energieunabhängigkeit der Vereinigten Staaten. Beide Kandidaten sprachen dabei gerne von "all-of-the-above"; jegliche verfügbare Energieträger würden dabei eine Rolle spielen, also "etwas von allem".

Mitt Romney, der republikanische Herausforderer, zeigte sich nicht unbedingt als ein Freund von Wind- und Solarenergie: "Man kann mit einer Windmühle auf dem Dach kein Auto antreiben", witzelte er ausgerechnet auf einer Wahlkampfveranstaltung im Swing-State Ohio, einem der führenden Standorte für Amerikas Maschinenbau.

Auch unter Präsident Obama steigerten die USA seit 2008 die Fördermengen von Öl und Gas erheblich. Neue Techniken ermöglichen auch die Rohölförderung in der Tiefsee - der eindeutig falsche Weg, sagt Barbara. "Die Katastrophe der Deep Water Horizon hat doch auf schmerzhafte Weise gezeigt, dass dies nicht der richtige Weg sein kann." Auch bei der Gasförderung erleben die Vereinigten Staaten derzeit einen regelrechten Boom und auch hier spielen neue Techniken, wie das umstrittene Fracking, eine große Rolle. Barbara: "Sinnvoll wäre es - sowohl für den Klimaschutz, als auch für die Energieunabhängigkeit - verstärkt in die erneuerbaren Energien zu investieren."

Was hat Obama erreicht? Was fordert der WWF? Im Jahr 2008 als frisch gekürter Präsident forderte er vom Kongress ein Klimaschutzgesetz, das die verbindliche Obergrenzen für den CO2-Ausstoß festlegt. Dieses Gesetz gibt es bis heute nicht. Ein entsprechender Vorschlag, der auch die Einführung eines nationalen Emissionshandels und den Ausbau der Erneuerbaren Energien beinhaltete, scheiterte im Juli 2010 im Senat.

"Im Jahr 2009 erhielt Obama den Friedensnobelpreis. Begründet wurde dieser Preis auch damit, dass unter ihm die USA eine konstruktive Rolle in der internationalen Klimapolitik eingenommen hätten. Tatsächlich jedoch haben die USA keine Fortschritte gemacht", kritisiert WWF-Expertin Barbara. Sie fordert, dass die USA endliche ihre Verantwortung in Sachen Klimaschutz - sowohl zu Hause als auch auf internationaler Ebene - ernst nehmen. Die USA solle endlich ein konstruktiver Verhandlungspartner bei den internationalen Verhandlungen sein. "Das bedeutet zum einen, dass sie national vorangehen, aber auch dass sie klare und ambitionierte Reduktionszusagen für ein neues internationales Abkommen machen. Das Kyoto-Protokoll hat die USA ja nie ratifiziert", sagt Barbara. Derzeit wird ein neues internationales Abkommen aller Staaten bis 2015 verhandelt, das ab 2020 in Kraft treten soll. "Solange die USA aber keinen nennenswerten Fortschritt machen, ist es wichtig, dass Europa und der Rest der Welt nicht wartet, sondern bei der kommenden Klimakonferenz ab Ende November 2012 in Doha, Katar voranschreiten."

Bild © Scout Tufankjian for Obama for America

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Kommentare (8)
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19.03.2013
Erdbeere98 hat geschrieben:
Ich glaube das nicht nur Obama versuchen sollte etwas zu erreichen, sondern die ganze USA müsste ihn unterstützen.
Man bezeichnet Obama zwar als mächtigsten Mann der Erde, aber so viel Macht hat er ja eigentlich nicht, sonst hätte sich schon etwas geändert.
Doch solange der Rest des Landes nicht mitzieht bringt jede Rede, jede Aufforderung und jede neu Wahl nichts!!
Das amerikanische Volk muss aus ihrer eingeschränkten sichtweise herausgeholt werden. Das ganze Denken muss sich verändern bevor die ,,hohen Tiere" etwas unternehmen können!!!

Ich denke aber das dieses Land erst mit anderen Inneren Problemen(wo von es genug gibt) fertig werden muss, bevor sie sich an etwas anderes wenden können!!
19.03.2013
Erdbeere98 hat geschrieben:
Ich glaube das nicht nur Obama versuchen sollte etwas zu erreichen, sondern die ganze USA müsste ihn unterstützen.
Man bezeichnet Obama zwar als mächtigsten Mann der Erde, aber so viel Macht hat er ja eigentlich nicht, sonst hätte sich schon etwas geändert.
Doch solange der Rest des Landes nicht mitzieht bringt jede Rede, jede Aufforderung und jede neu Wahl nichts!!
Das amerikanische Volk muss aus ihrer eingeschränkten sichtweise herausgeholt werden. Das ganze Denken muss sich verändern bevor die ,,hohen Tiere" etwas unternehmen können!!!

Ich denke aber das dieses Land erst mit anderen Inneren Problemen(wo von es genug gibt) fertig werden muss, bevor sie sich an etwas anderes wenden können!!
09.11.2012
Constantine hat geschrieben:
Interessanter Artikel, aber auch ebenso interessante Kommentare hier ;)
09.11.2012
Peet hat geschrieben:
Hi Matthias,

nun, natürlich ist er, noch, der mächtigste Mann der Welt aber außenpolitisch scheint er doch zu schrumpfen und das Tag für Tag, in denen die Krise in den USA weiter anhält. Das ließ sich schon die letzten vier Jahre deutlich vernehmen; deutlich neutralere Einstellung zum arabischen Frühling, Aussprache für einen Staat Palästinas und dann keine weitere direkte Unterstützung, keine wirklich nennenswerte Beziehungsgespräche nach Europa etc. pp.

Amerika zieht sich zurück und das wird sich zukünftig kaum ändern, so lange das Feuer im eigenen Land nicht gelöscht wird; und dieses Feuer ist nicht nur wirtschaftlich. Der große demographische Wandel spaltet ein ganzes Land. Alt gegen neu, sozusagen.

Ich stimme dir vollkommen zu, dass, wenn er sich mal blicken lassen würde, es ein gutes Zeichen sein wird, aber die Hoffnungen sind eher gering - gerade in diesen Zeiten.

Gerade mit Hinblick auf die nächste Wahl 2016 werden die Demokraten zusehen, wieder gewinnen zu wollen. Ob das wahrscheinlich ist? Kann man schlecht sagen. Hillary Clinton wird keine schlechte Figur abgeben, es ist eben entscheidend, wie Amerika wieder zu sich findet und vor allem für die Welt. Wird es weiterhin vehement auf Wachstum setzen und Nachhaltigkeit ausblenden oder wird es einen Versuch in eine neue Richtung wagen?

Ich bin fest davon überzeugt, dass er selber für eine saubere Zukunft steht und doch ist es letztendlich das Problem einer Demokratie; Politiker wollen wieder gewählt werden oder zu mindestens ihre Partei. Ebenso geschieht es auch in Kanada, was ich in meinem letzten Bericht gezeigt habe (Hin und her!). In meinen Augen steigt und fällt das Verständnis von Umweltschutz und Nachhaltigkeit mit dem Wohlstand einer Nation und was diese wahrnimmt. Amerika ist groß und es gibt (noch) reichlich Natur zu entdecken; ebenso in Kanada. Die Menschen wachen meistens zu spät auf oder müssen erst drei oder vier Mal eine gewischt bekommen, bis sie tatsächlich etwas glauben (siehe Sturm Sandy).

Ich lass mich gerne von Obamas kommenden vier Jahren überraschen und blicke voller Hoffnung auf dieses Land, welches international deutlich mehr Akzente im umweltpolitischen Bereich setzen muss, aber ich bin da eher pessimistisch.

Ansonsten geht es mir gut soweit. Arbeite als Concierge in Downtown Vancouver (Vollzeit) und radel in meiner freien Zeit durch Vancouver. Zudem arbeite ich gerade an einer Doku über Downtown Eastside; sehr interessant und versuche nun endlich mal in die Umweltbewegung herein zu kommen.

Wie, Eishockey fällt aus? Wieso das, woher haste die Info? Aber auch egal, Fußball ist hier ebenfalls relativ groß geworden ;)

Und bei dir so?
Beste Grüße,
Peter
08.11.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Es dürfte Obama wohl kaum helfen wieder eine republikanische Mehrheit im Senat zu haben.....
Aber Zeichen setzen kann Obama als Präsident auf jeden Fall und das sollte er jetzt auch vermehrt tun.

Die Republikaner haben gemerkt, dass ihnen vorallem die jungen Wähler den Rücken gekehrt haben und werden sich ändern müssen. Vielleicht lösen sie ihre Blockadehaltung etwas auf - Träumen ist ja noch erlaubt.
07.11.2012
MatthiasAdler hat geschrieben:
Hi Peet,
schön, von dir zu hören.
Du hast natürlich recht, dass sich alles viel zu sehr um Obama dreht. Aber er ist schließlich auch der entscheidende Mann. Es gibt auf der Welt keinen mächtigeren Menschen als den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Wenn also einer etwas Großes bewegen kann, dann er, oder?
Clinton hatte in seiner zweiten Amtsperiode das Kyoto-Protokoll unterzeichnet, das Bush wieder außer Kraft setzte. Nach Obama wird wohl wieder ein Republikaner Präsident sein. Und so lange Erneuerbare Energien noch nicht sexy in Nordamerika sind, wird man nun vier Jahre lang hoffen, dass die USA, und dann vielleicht auch wieder Kanada, endlich
aktiv den Klimawandel bekämpfen.
Europa geht da einen anderen Weg und der ist ziemlich spannend. Hier gibt es konkrete EU-Gesetze, die CO2-Reduktion verbindlich festschreiben. Die Erneuerbaren Energien werden zudem gefördert - die Preis und die Emissionen sinken.
Asien, Südamerika und Afrika wachsen und sie schauen natürlich auf Nordamerika, da wäre positive Signale enorm wichtig.
Und das kann Obama schon bieten. Der muss sich nur auf ein paar der großen Gipfel blicken lassen. Das wird genug Eindruck hinterlassen, um vielleicht sogar eine wirkliche Veränderung zu schaffen.
Und ansonsten, wie gehts? Eishockey fällt ja dieses Jahr aus in Kanada. Die müssen doch durchdrehen, die armen Kanadier. Was sollen die denn den ganzen langen Winter machen?
Wo biste denn jetzt?

Grüße ausm Pandaland...
07.11.2012
Peet hat geschrieben:
Nun, ich finde der Bericht ist ein wenig einseitig auf Obama gelenkt. Was soll dieser denn machen, wenn im Kongress absolut jedes Gesetz auf irgendeine Art und Weise blockiert wird. Was die Republikaner in der Regierung machen, ist unglaublich; Beispiel Finanzlage zeigt es.

Zudem muss man auch ganz klar sehen, dass der Präsident nur vier Jahre Zeit hat, wovon fast zwei Jahre wieder auf Wahlkampf abzielen. Man kann von einem Land, welches so ölhungrig ist, nicht erwarten, sich binnen vier Jahren zu wandelt - wobei ich zustimmen muss, das die Methoden des verstärkten Fracking oder der Ölförderung an den Küstengebieten keine zukunftsfähige Lösung ist.

Ich bin fest davon überzeugt, dass Obama dies selber so sieht, er aber auch schauen muss, wo die Jobs schnell herkommen, die so dringend für seine Wiederwahl benötigt werden und die, nach seiner Wiederwahl, unbedingt weiter wachsen müssen. Denn wie es in einer Demokratie üblich ist, wird jemand nur gewählt, wenn er auch beliebt ist und die Leute kümmern sich eben nicht um umweltpolitische Ziele, wenn ihr eigenes Haus bzw. ihre Heimat auf dem Spiel steht.

Ich bin mal gespannt, wie sich Obama in der Klimapolitik schlägt, zumal er nun den perfekten Aufhänger hat, um sich pro erneuerbare Energien auszusprechen und sich international mehr in die Klimapolitik einmischen kann.
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