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Erdkunde-Hausarbeit zur Problematik zwischen Regenwaldrodung und Ölpalmen


von Loba
30.12.2009
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Hallo liebe Community!

Über die Winterferien haben wir in Erdkunde die Aufgabe bekommen, den Zusammenhang zwischen der Rodung des indonesischen Regenwaldes und erneuerbaren Energien in der EU zu problematisieren. Dazu gab es ein doppelseitig bedrucktes Arbeitsblatt, bei dem leider kein Autor oder sonstige Quellen angegeben waren. Das bildete meine Grundlage und nach einiger Recherche im Internet habe ich heute den Text geschrieben.

Welche Problematik besteht zwischen der Rodung des indonesischen Regenwaldes und dem Nutzen erneuerbaren Energien in der EU?
Indonesien macht weltweit lediglich 0,1 % der Landfläche aus, verursacht aber erhebliche 8 % der CO2 – Emissionen. Wodurch entsteht diese Differenz? Nun, die Quelle dafür liegt hier bei uns, in der EU. Deren Klimaschutzmaßnahmen von Dezember 2008 sehen die Beimischung von Agrosprit zu Diesel für PKW und die Agrospritnutzung in Blockheizkraftwerken (BHKW) vor. Agrosprit wird aus Raps oder der Ölpalme gewonnen. Da Letztere nur in tropischen Gebieten wächst, bringt dies einige Probleme mit sich, die ich später noch benennen möchte. Zuerst aber eine kurze Erläuterung zu Blockheizkraftwerken. Derzeit werden ca. 1900 Haushalte in Deutschland durch Blockheizkraftwerke mit Strom und Wärme versorgt. Das Kraftwerk wird mit beispielsweise einem Dieselmotor betrieben, wobei Kraft und Wärme gekoppelt werden. Die Abwärme der Stromerzeugung wird zum Heizen genutzt, wodurch man ca. 40 % Energie einsparen kann. Das scheint zunächst eine gute Möglichkeit, um den CO2 - Ausstoß zu senken, doch man muss sich auch Gedanken über die Gewinnung des dazu benötigten Palmöls machen.
Indonesien ist mit 45 % der größte Palmöl – Produzent der Welt. Durch das tropische Klima ist die Voraussetzung für den Anbau wunderbar. Doch wo werden die Ölpalmen denn angebaut? Genau dort, wo sich zuvor der größte Kohlenstoffspeicher der Erde befand. Ursprünglich gab es in Indonesien 22,5 Millionen Hektar Torfmoorgebiete, von denen bis jetzt ca. 50 % entwässert oder gerodet wurden. Doch wenn aus diesen Gebieten, die insgesamt 37,8 Milliarden Tonnen Kohlenstoff speicherten, dieses Gas entweicht, oxidiert es an der Luft und wandert als CO2 in die Atmosphäre. Die Umwandlung von einem Hektar Torfmoorregenwald in einen Hektar Ölpalmplantage setzt bis zu 6000 Tonnen des klimaschädlichen Gases frei. Diese Zerstörung bildet eine der weltweit größten CO2 Quellen. Aber die Rodung der Torfmoorgebiete birgt noch andere negative Faktoren. Der Chemie Nobelpreisträger von 1995, Paul Crutzen, sieht auch in dem Dünger für die Plantagen eine erhebliche Gefahr für das Klima. Damit die Pflanzen schnell wachsen, enthält der Dünger Stickstoff, welcher beim Abbau zu Stickstoffmonoxid wird. Dieses Gas ist den Meisten als Lachgas bekannt und ist 300 mal klimaschädlicher als CO2. Des Weiteren gibt es in diesen Gebieten viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten, die ihrer Lebensgrundlage beraubt werden. Befinden sich diese Tiere auf einer Palmölplantage, werden sie vertrieben oder gar getötet. So berichtet das Centre of Orangutan Protection (COP) von 1500 erschlagenen Orang-Utans in dem Jahr 2006. Aber nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch Menschen werden dort ihres Lebensraumes beraubt. In diesen Gebieten sind Kleinbauern sowie eingeborene Völker anzutreffen, die sich als eigenständig verstehen. Dadurch lassen sich Konflikte mit der Industrie kaum vermeiden, denn die Zerstörung der Torfmoorgebiete verhindert einen Anbau von Lebensmitteln, was die Lebensmittelpreise steigen lässt. Durch die Entwässerung der Torfmoorgebiete wird außerdem ein Gesundheitsrisiko für die dort heimischen Menschen geschaffen. Trockener Torf ist leicht brennbar und entsprechend oft entstehen Schwelbrände, die kaum zu löschen sind und deren Rauch eine Gesundheitsbelastung für die Anwohner darstellt.
Mittlerweile weiß auch die EU um diese Probleme und möchte deshalb nur noch zertifiziertes Palmöl importieren. Deshalb wurde das Zertifizierungssystem „Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl“, kurz RSPO, gegründet. Diese Organisation schließt eine Rodung des indonesischen Torfmoorregenwaldes nicht aus, möchte aber Primärwälder, also von Menschen unberührte Wälder, und „besonders schützenswerte Gebiete“ vor der Zerstörung bewahren. Laut der Umweltschutzorganisationen Rettet den Regenwald e.V. und Watch Indonesia! ist dies aber keine Lösung des Problems. Dadurch, dass die EU die oben genannten Faktoren vernachlässigt hat, wird durch die eigentlichen CO2 –Einsparpläne genau das Gegenteil erreicht. Berechnungen der beiden Umweltschutzorganisationen zufolge müsste man 840 Jahre lang Agrosprit nutzen, um die CO2 – Emissionen, die in Indonesien allein durch die Rodung des Torfmoorregenwaldes entstehen, auszugleichen. Watch Indonesia! und Rettet den Regenwald e.V. raten deshalb zur Nutzung heimischen Pflanzenöls.
Meiner Meinung nach wurden die Ziele der EU zum Klimaschutz viel zu unüberlegt gesetzt. Schließlich muss man sich auch über Quellen und nicht nur den eigenen Nutzen Gedanken machen. Die EU hätte meiner Vermutung nach mit dem Konzept Agrosprit und dem damit verbundenen effizienten Schutz des Klimas ziemlich gut dagestanden, ohne dass jemand nach den Hintergründen fragt. Doch es gibt auch hier Interessenverbände, die alles überwachen und die Bürger so über manchen Aspekt informieren. Wir Europäer hätten mal wieder auf Kosten der Umwelt sowie anderer und ärmerer Menschen gelebt und nicht mal ein schlechtes Gewissen gehabt. Dabei frage ich mich jedoch, ob die Zerstörung des Lebensraumes der eingeborenen Völker im indonesischen Torfmoorregenwald mir den Menschenrechten vereinbar ist. Schließlich besagt Artikel 12 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, dass niemand willkürlichen Eingriffen in sein Leben und seiner Wohnung ausgesetzt sein darf. Außerdem spricht die UN-Kinderrechtskonvention jedem Kind das Recht auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause zu. Aber ist das bei der Zerstörung eines Lebensraumes und einer Lebensgrundlage denn noch gewährleistet?

Ein gescheites Ende habe ich noch nicht. Kritik und Lob eurerseits sind natürlich willkommen, aber primär soll mein Text euch informieren.

Informationsquellen:

-besagtes AB mit Überschrift "EU von Indonesien ausgetrickst- Indonesien hebt Rodungsstopp von Torfmoorgebieten für Ölpalmplantagen auf"

www.wikipedia.org/wiki/Blockheizkraftwerk

www.wikipedia.org/wiki/Indigene_V%C3%B6lker

www.wikipedia.org/wiki/Prim%C3%A4rwald

www.taz.de/index.php?id=umwelt&art=5304&id=umwelt-artikel&src=SZ&cHash=8602f25daa
 

www.mpch-mainz.mpg.de/~air/crutzen/

Liebe Grüße und guten Rutsch,

Loba

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Kommentare (5)
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26.01.2010
spliting hat geschrieben:
Seh Interessanter Beitrag echt gute Arbeit. Man sieht aber mal, dass es auch ohne geht (Bsp.: Bio-Schokolade)
08.01.2010
Loba hat geschrieben:
Hey cappuchino!
Ja, das stand auch auf dem Zettel und das hatte auch Frau E. in der WWF-AG glaube ich schon gesagt, aber das hat ja mit erneuerbaren Energien nichts zu tun.
Dein Bild erinnert mich an eure beiden... So süß!!
Bis Montag & Liebe Grüße!
07.01.2010
cappuccino hat geschrieben:
Wirklich guter Bericht! Übrigens wird Palmöl und Palmkernöl auch in Lebensmitteln, Reinigern und Kosmetik verwendet. Bei Lebensmitteln wird es meist mit "planzliches Öl" bezeichnet. Dabei ist mir aufgefallen, dass bio- Schokolade dies nicht enthält, und trotzdem schmeckt! Das bedeutet ja wohl, dass es auch ohne geht!
Liebe Grüße
31.12.2009
Loba hat geschrieben:
Dankeschön!
30.12.2009
Taki hat geschrieben:
Starke Arbeit
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