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Equilibrismus - brauchen wir ein ganz neues Gesellschaftssystem?


von HannaS
19.12.2010
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Robbendemos und Co. - ein Kampf gegen Windmühlenflügel?

Früher, sagt der Mann am Rednerpult, habe er auch gegen Robbenjagd und Co. demonstriert. Aber irgendwann sei ihm die Erkenntnis gekommen, dass das alles nur hilfloses Herumbasteln an einem völlig falsch ausgerichteten System ist.

In mir regt sich Widerstand: Heißt das, jedes Engagement für die Umwelt, auch mein eigenes, ist im Prinzip nutzlos? Nicht, dass mir der Gedanke noch nie gekommen wäre, im Gegenteil. Sicher hat sich jeder von uns schon einmal gefragt, ob das Alles nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, ob die kleinen Erfolge im großen Getriebe der Welt wirklich Auswirkungen haben. Werden sie am Ende nicht doch von gegenteiligen Entwicklungen aufgefressen? Natürlich ist alles besser, als nichts zu tun. Aber wenn wir ehrlich sind, haben wir doch oft Zweifel, ob man genug ausrichten kann, um die Welt davor zu retten, langsam kaputtgewohnt zu werden.

Ich lausche wieder dem Mann am Mikrofon. Er nennt ein bekanntes Gleichnis, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen: „Wenn du an einem Fluss stehst und es treiben lauter Babys vorbei, wann hörst du auf, sie herauszufischen und gehst den Fluss entlang, um herauszufinden, wer sie hineinwirft?“

Eric Bihl, so heißt der Mann am Rednerpult, hat genau das getan. Er hat sich seine Gedanken über die Welt und ihre Probleme gemacht - wie wahrscheinlich jeder von uns das auch tut. Daraus schlussfolgerte er, dass die Welt nicht viele einzelne Probleme habe, sondern ein großes - nämlich unser kapitalistisches System.

Ausgewogenheit ist der Schlüssel

Wer sich Eric Bihl jetzt als einen alternativen Aussteigertypen vorstellt, der fortwährend über „das System“ flucht, liegt falsch. Bihl ist ein ganz normal aussehender Mann mit sanfter Stimme und einem weichen Akzent, der verrät, wo er aufgewachsen ist: im Elsass. Er hat nach der Schule eine Banklehre gemacht und arbeitet heute beim europäischen Patentamt in München. Das Besondere an ihm: Er hat ein ganz neues Gesellschaftsmodell entworfen, nämlich den „Equilibrismus“. Für ihn war das die logische Konsequenz seiner langen Beschäftigung mit Umweltthemen. Kommunismus und Kapitalismus sieht er als gleichermaßen gescheitert an - und nennt auch den Grund: Beide Systeme stellen den Menschen in den Mittelpunkt.

Equilibrismus ist hingegen auf die Lebensgrundlage der Menschen ausgerichtet, also auf die Natur. Der Name setzt sich aus den lateinischen Wörtern aequus (gleich) und libra (Waage) zusammen. Das soll verdeutlichen, dass es hier um eine Ausgewogenheit geht - von Mensch und Natur, aber auch innerhalb der menschlichen Gesellschaft.

Es klingt sehr einleuchtend: Der Mensch zerstört seine eigene Lebensgrundlage. Über kurz oder lang also sein eigenes Fortbestehen. Daher ist ein nachhaltiger Lebensstil mit ausgewogenem Verhältnis von Mensch und Natur die einzige Lösung für die Menschheit.
Tausende indigene Volksstämme zeigen uns, dass es möglich ist: Ein Leben im Einklang mit der Natur. Und auch hochmoderne Technik macht vieles möglich, was für ein nachhaltiges System notwendig ist. 


In großen Dimensionen denken

So weit, so gut. Doch braucht man dafür wirklich ein ganz neues Gesellschaftsmodell?
Bihl bezeichnet seine Vision so: „Eine Welt, an der jeder Mensch seinen Anteil hat, der ihm ein selbst bestimmtes Leben in Frieden ermöglicht. Eine Welt, in der auch Platz für alles andere Lebendige ist.“
Um diese Vision zu verwirklichen, brauche man weder neue Menschen noch neue Technologien - es sei schon alles vorhanden, man müsse aber wieder in großen Zusammenhängen denken und alles verknüpfen.

Wichtige Prinzipien dabei:

- Das Bevölkerungswachstum bremsen

- Regenerative (quasi unerschöpfliche) Energiequellen nutzen

- Stoffkreisläufe schaffen

- Weg von der Denkweise, der Mensch sei Krone oder Mittelpunkt der Schöpfung

Alles bekannte und populäre Prinzipien. Jeder kann sich vorstellen, dass sie alle wichtige Voraussetzungen für ein funktionierendes Mensch-Natur-System sind.
Man fragt sich direkt, warum das noch niemand vor Bihl gemacht hat - die Puzzlesteine zusammensetzen, sich Visionen erlauben, an etwas ganz Großes glauben. Natürlich gab es genug warnende Stimmen, und zwar schon immer. Wachstums- und Kapitalismuskritik sind nichts Neues. An guten Ideen und technischen Entwicklungen mangelt es ebenfalls nicht. Aber wer hat es bisher gewagt, ein völlig neues Gesellschaftssystem zu entwerfen, dessen Basis die Natur ist? Zu dessen Realisierung sind effiziente und umweltfreundliche Technologien wichtig - also kein altmodisches, sondern ein hochmodernes System.

Die Eckpfeiler des neuen Gesellschaftssystems sind nun folgende:


1. Ökoalternativen sowie Effizienz- und Strukturneugestaltung


2. Natürliches Kreislaufwirtschaftssystem


3. Nachhaltige Geld- und Bodenordnung


4. Weltbürgertum

 

 

Mit Herzblut und Phantasie

Noch ist die Idee vom Equilibrismus klein. Der Verein „Equilibrismus e.V.“ sitzt in München, hat eine eher bescheidene Website und über die Anzahl der Mitglieder erfährt man so leicht nichts. Aber: Es tut sich was, der Verein ist ständig aktiv. Bereits 2005 erschien das Buch „Equilibrismus“, in dem das Konzept ausführlich erläutert wird. 2008 erschien in Zusammenarbeit mit Buchautor Dirk Fleck der Roman „Das Tahiti-Projekt“. Er gewann damit den Deutschen Science Fiction Preis 2009. Das Besondere am Buch: Es schildert die Umsetzung des Equilibrismus in der Zukunft, und zwar auf Moorea, einer Insel in Tahiti.

Die Idee von der modellhaften Umsetzung des Equilibrismus war schon lange vor dem Buch entstanden. „Wir beobachten ständig das Paradox, dass die Leute zwar sehen, dass das derzeitige System nicht funktioniert, sie aber trotzdem jedem neuen Konzept äußerst skeptisch gegenübertreten“, sagt Eric Bihl. „Man muss also das Neue als komplettes System darstellen können, um sein Funktionieren begreifbar zu machen und so die Zustimmung der Menschen zu einer Veränderung zu bekommen. Dazu eignet sich am besten die Fiktion in Form eines Romans und eines Films.“

Ein Exempel statuieren

Der Plan ist, anhand der Insel Moorea, die nach Meinung von Eric Bihl gute Voraussetzungen bietet, der Welt etwas zu zeigen. Nämlich: Equilibrismus funktioniert!
Dafür sollen 16.000 Menschen ihre moralische Unterstützung mit einer Unterschrift zeigen, je eine für jeden der 16.000 Einwohner. Freiwillige und Bewohner sollen gemeinsam das neue System aufbauen und leben - ein großes und außergewöhnliches Experiment. Im Moment läuft eine Machbarkeitsstudie auf der Insel - kann man es ähnlich wie im Roman „Das Tahiti-Projekt“ machen? Es bleibt also spannend um Eric Biehl und seine Mitkämpfer.

Seine Zielgruppe beschreibt Eric Biehl so: "Wir wollen diejenigen erreichen, die die Lösung unserer Probleme nicht mehr von institutioneller Seite, von den Höhen der politischen Hierarchie erwarten.(...) Wir wollen somit vor allem jene ansprechen, die schon ein hohes Problembewusstsein haben und die vor allem an Lösungsvorschlägen interessiert sind.“

Was meint ihr? Fühlt ihr euch angesprochen? Denkt ihr auch, dass man die Menschheits-Misere nur durch ein Umdenken, durch ein neues System lösen kann? Und, noch viel Wichtiger: Meint ihr, es ist realistisch, dieses System weltweit umzusetzen?
Ich bin gespannt auf eure Ansichten!

Wer mehr über den Equilibrismus wissen möchte, kann sich ein 45 Minuten langes Interview mit Eric Bihl anhören.

Quellen:

equilibrismus.de

tahiti-project.org

langelieder.de/lit-equilibrismus.html

Fotos: morguefile

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Kommentare (34)
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23.03.2015
Sunlight hat geschrieben:
Ich kann mich nur anschließen: toller und spannender Artikel!
Mich beschäftigt die Frage, wie ein alternatives, nachhaltiges Gesellschaftssystem aussehen könnte/müsste/sollte auch sehr und ich denke, dass der Equilibrismus da einfach eine von vielen tollen Ideen ist, die es verdient haben, ausprobiert zu werden! Sicherlich gibt es noch kein Patentrezept, aber nur wenn wir was Neues wagen, haben wir die Chance etwas zu ändern und die "perfekte" Alternative zu finden. Denn das es so nicht weitergehen kann, zeigt sich ja leider tagtäglich...
Das Tahiti-Buch ist jetzt auf jeden Fall auf meiner Wunschliste gelandet :)
15.02.2015
Laura619 hat geschrieben:
Toller und sehr anregender Artikel, danke!
05.11.2011
seastar hat geschrieben:
Ich denke es ist eine sehr gute und funktionstüchtige Idee. Es wird allerdings schwierig sein, sie umzusetzen, weil es bestimmt viele Gegner geben wird.
14.04.2011
Pico hat geschrieben:
Das "Thahiti Projekt'" nimmt konkrete Formen an und erhält den Preis "Zukunftsprojekt"
http://equilibrismus.de/index.php?option=com_content&view=article&id=45%3Atahiti-projekt-ausgezeichnet-als-qprojekt-zukunftq&lang=de
24.01.2011
Pico hat geschrieben:
Man kann das Sachbuch als E-Book kaufen:
http://www.equilibrismus.de/index.php?option=com_content&view=article&id=35%3Adas-buch-zum-konzept-wieder-erhaeltlich&lang=en

Der Roman "Das Thahiti Projekt ist bei Amazon für 8,95 erhältlich
17.01.2011
midori hat geschrieben:
Schade... das Buch kostet sage und schreibe 70?! Falls jemand das irgendwo günstiger gefunden hat und mir empfehlen kann, wäre ich sehr dankbar! :)
15.01.2011
Levante hat geschrieben:
Dieses beschriebene System klingt natürlich traumhaft, wünschenswert - aber in der nahe Zukunft sehe ich die Umsetzung als sehr unrealistisch.
Ich hatte heute ein interessantes Gespräch mit jemandem; es ging um die Frage, warum sich viele Menschen von nur wenigen unterdrücken lassen. Und die Antworten darauf sind so simpel, wie ernüchternd. Erst einmal arbeitet die Menschheit noch nicht Hand in Hand zusammen, sondern die Realität zeigt uns Tag für Tag, dass wir von Eigensinnigkeit und Egoismus geprägt sind. Und zweitens, der viel gravierendere Punkt ist: Es geht uns einfach noch nicht schlecht genug. Wir spüren die Auswirkungen durch unser Handel noch nicht und solange das nicht passiert ist, wird sich auch nichts ändern. Traurig aber wahr... zuerst passieren die Katastrophen und danach wir erst tatkräftig nach einer Lösung gesucht, anstatt vieles von vornherein zu verhindern (siehe das Beispiel mit den Babys).
15.01.2011
Killari hat geschrieben:
Wow, was für eine Diskussion. Ich finde nebelfieber hat absolut Recht mit seinem Kommentar weiter unten. Die Wahrscheinlichkeit, dass außer auf unserer Erde noch weiteres Leben im All exisitiert ist enorn, und wer weiß wie das so aussieht. Außerdem können Tiere lernen und unsere Fähigkeit zwischen "Gut und Böse" zu unterscheiden ist doch letztendlich auch nur antrainiert und das geht bei Tieren auch. Blödes Beispiel, aber bestraft man einen Hund jedes Mal, wenn er den Briefträger beißt, wird er früher oder später auch einsehen, dass Briefträgerbeißen "böse" ist.
Und selbst wenn wir die einzigen sind, die bewusst relfektieren können, macht uns das wirklich zu was Besserem? Angenommen, es gibt wirklich eine nicht vom Menschen gemachte Unterscheidung zwischen "Gut" und "Böse", und wir sind die Einzigen, die bewusst dazwischen entscheiden können, warum sollten wir dann höher stehen als Tiere, obwohl wir uns trotz dieser Gabe in der Regel für "Böse" entscheiden? Und wohin hat uns unsere Gabe, Flugzeuge zu bauen und Kranke am Leben zu erhalten, eigentlich gebracht? Wir zerstören unsere Lebensgrundlage und haben mit demographischen Problemen zu kämpfen, die wir selbst mit all unserem Verstand nicht in den Griff bekommen. Wäre es also nicht eigentlich "vernünftiger", einfach die Natur selektieren zu lassen?
Nicht, dass ich nicht die Errungenschaften der Menschheit bewundere und sehr zu schätzen weiß, aber ich find, man sollte versuchen das alles von verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.
Aber wie jemand weiter unten schrieb, sollte man, wenn man den Menschen schon nicht als "Krone der Schöpfung" betrachtet, ihn auch nicht unter alles andere stellen. Es ist ja, wie schon gesagt wurde, ein Miteinander von Mensch, Tier und Natur und genau das sagt der Equilibrismus ja aus. Es ist eine schöne Utopie und wenn man die Welt damit schon nicht im großen Stil verändern kann, dann vielleicht zumindest peu à peu und im kleinen.

@ midori: Ich finde Latour auch abgehoben.
04.01.2011
HannaS hat geschrieben:
Hui, hab hier etwas länger nicht reingeschaut und es ist eine ganz schon rege Diskussion entstanden - nicht schlecht. Ich denke, das ist genau das, was so eine "Utopie" bewirken sollte - Diskussionen anstoßen, Alternativen aufzeigen, endlich was ganz Konkretes machen. Ich habe den Artikel auch nicht mit der Absicht geschrieben, alle vom Gesellschaftssystem Equilibrismus überzeugen zu wollen. Ich fand es einfach sehr beeindruckend, dass ein paar Menschen sich so viele Gedanken dazu gemacht haben und ihre Vision jetzt sogar real ausprobieren wollen. Das ist so erfrischend neu und ermutigend, finde ich - überall wird nachgedacht, an Rädchen rumgeschraubt und an anderen Enden verschlimmert sich gleichzeitg die Situation. Da finde ich es bewundernswert, mit so viel Elan und Mut zu Neuem dieses außergewöhnliche Projekt anzugehen.
Wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht daran, dass Equilibrismus einmal in großem Stil umgesetzt wird. Aber ich finde es richtig, mal das große Ganze zu betrachten und grundsätzliche Ideen zu entwerfen.
02.01.2011
midori hat geschrieben:
@nebelfieber: Ein Kleinkind freilich. Aber es ist nunmal bewiesen, dass Menschen Selbstbewusstsein haben und andere Lebewesen nicht. Es sind zwar schon Versuche mit Delfinen, Hunden und Affen angestellt worden.. die haben aber zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis diesbezüglich geführt. Es ist einfach so. Das Tier lebt, aber ohne Identität. Man könnte es tatsächlich so formulieren: "Ich denke, also bin ich".
02.01.2011
midori hat geschrieben:
Wen das hier interessiert hat, der sollte man den neuen Artikel zur Ökokratie lesen. Da können wir die Diskussion gleich fleißig fortsetzen! ;o) Heikles Thema!
02.01.2011
UnsereGeneration hat geschrieben:
Sorry für den langen Kommentar und auch sorry, dass mein PC das irgendwie nicht so formatiert bekommt, wie ich das eigentlich wollte.
Naja
Unsere Generation
02.01.2011
UnsereGeneration hat geschrieben:
@Nebelfinger: Du schreibst, dass es viele Menschen auf der Erde gibt, die nicht so einfach handeln können, wie wir uns das vorstellen, weil sie nichts haben. Wir haben leicht reden. Da stimme ich dir zu.
@alle: andererseits stimme ich aber auch Anne zu, dass es so, wie es im Moment läuft nicht weiter gehen kann. Wenn es keine Entscheidungen mehr gibt, die die Natur retten, nur weil Politiker Angst haben Macht oder Souveränität zu verlieren oder sonst was, läuft irgendetwas falsch.
Wie midori ganz richtig schreibt, sind wie im Moment, lauf Forschung die einzigen frei denkenden Wesen auf der Erde. Deshalb haben wir auch die Verantwortung unserem Handeln und unserem Umgang mit der Natur gegenüber.
@midori: Du schreibst, dass der Mensch nichts freiwillig abgeben würde, was er sich erarbeitet hat und auch nicht von sich aus freiwillig auf seine Wohlstand verzichten würde.
Ich bin ebenfalls der Meinung, dass es leider so ist und das Menschen, wie ich letztens in der FAZ gelesen habe je mehr Macht sie bekommen umso egoistischer und gieriger werden. Leider.
Ich finde das schade. Kann aber für mich selbst nicht die Hand ins Feuer legen. Das einzige, was wir tun können ist. Uns zusammen tun und für das kämpfen, was wir für richtig halten. Uns über verschiedene Möglichkeiten informieren und zum Beispiel ein Studium/Job wählen der uns die Möglichkeit bietet in diesen Bereichen (Natur, Umwelt, Politik) etwas zu verändern.
@Killari: Ich finde deine Einstellung ganz passend, denn so viel wir auch diskutieren durch Zwang oder Druck kann kein System entstehen. Den Menschen muss es bewusst werden und ein solches System durch Entwicklung entstehen. Aber ich denke solche Skizzen einer Utopie gehören auch zur Entwicklung und zum Fortschritt. Auch wenn wir es nie 1:1 übernehmen werden können.
?Krone der Schöpfung?: Ich denke keinesfalls, das wir dies sind. Ich denke eher, dass wir ein Teil der Natur und unsere Umwelt sind und eigentlich mit ihr, statt gegen sie leben sollten. Deswegen befürworte ich auch eigentlich den Equilibrismus. Wir sind vielleicht die einzigen denkenden Wesen auf unserem Planeten Erde, aber das gibt uns nicht mehr Rechte. Mehr Verantwortung schon, aber keinesfalls mehr Rechte, als anderen Lebewesen.

Ich finde diese ganze Diskussion sehr spannend und gut und finde es echt toll, dass es zu dem Thema so viele verschieden Meinungen gibt, denn umso mehr Ideen können ausgetüftelt werden.
Noch viel Spaß und ich werde das Buch auf jeden Fall mal lesen.
LG
Unsere Generation
02.01.2011
midori hat geschrieben:
@Nebelfieber: Weil kein Tier bewusst denken kann "ich bin". Tiere haben kein Selbstbewusstsein. Keine Identität. Ein Hund erkennt sich nicht im Spiegel. Er weiß nicht, dass er ist.
02.01.2011
Pico hat geschrieben:
Interessante Diskussion die ihr hier führt.
Wer hat denn schon die Bücher "Equilibismus" (Sachbuch) und "Thahiti Projekt" (Roman) gelesen?
Ich kann sie beide mein Eigen nennen und empfehle sie jedem. Das Sachbuch ist leider nur gebraucht zu bekommen.
Das Konzept des Equilibismus ist es auf jeden Fall wert umgesetzt zu werden. Was glücklicherweise auch gerade passiert. Denn wenn es scheitert haben wir nichts verloren. Doch wenn es funktioniert könnte es die Welt verändern und vielleicht sogar retten.
Der Equilibrismus versucht immer alles als ganzes zu sehen, z.B. wird die Umwelt in der Wirtschaft oft vernachlässigt. Er versucht ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur herzustellen und alles in Kreisläufen zu gestalten, z.B. wie beim Recycling oder beim Wasser.
Ich glaube das das Konzept eine echte Alternative zum Kapitalismus und Kommunismus ist.
Es muss sich aber noch beweisen.
02.01.2011
midori hat geschrieben:
@Nebelfieber: Wie aber Gakje schon sagte, ist der Mensch das einzige Lebewesen, welches bewusst reflektiert und damit lebt. Tiere leben mit Instinkt und tun, was sie tun müssen, ohne darüber zu reflektieren. Wir können aber sowohl die Folgen abschätzen, als auch in die Vergangenheit sehen. Deswegen ist es unsere Aufgabe und Pflicht, diesen Planeten im Gleichgewicht zu halten. Denn wir sind die einzigen, die ihn durcheinanderbringen können.
02.01.2011
nera8 hat geschrieben:
Toller interessanter Bericht :) Ich werde mir auf jeden Fall das Buch kaufen um mehr darüber zu erfahren!
01.01.2011
Saida hat geschrieben:
@vacsicha: So sehe ich es auch. Denn es soll ja jetzt nicht heißen das die Natur uns vorschreiben soll wie wir zu leben haben. Ich denke eher das sie uns etwas lenken sollte. Meiner Meinung nach muss der Mensch sein Verhalten in gewissen Punkten ändern damit der Equilibrismus funktioniert. Das streben nach Ruhm und die Angst nach dem Tod vergessen zu werden. Denn das lässt uns dazu verleiten soetwas wie Flugzeuge, Fernseher oder iPhones zu erfinden. Ausserdem sollte man die Einstellung ändern, der Mensch sei perfekt. Denn dieses Denken hindert uns daran andere Lebewesen und die Natur vollwertig zu respektieren.
Das sind gewisse Grundlagen die erfüllt werden müssen. Denn wenn der Equilibrismus nicht gut genug geplant und ausgearbeitet wird, dann endet er wie der Sozialismus bzw Kommunismus.
29.12.2010
midori hat geschrieben:
@Simonky: Ich meine das eher so im übertragenen Sinne. Keinesfalls christlich. Wenn man etwas weiter denkt, magst Du recht haben. Wir wissen nie sicher, was es außer uns noch im Universum gibt und demzufolge kann es immernoch etwas geben, dass uns überragt. Aber momentan würde ich unsere Gabe schon für die brillianteste halten. Körperlich sind wir vielen Lebewesen unterlegen. Keine Frage. Aber das können wir eben ausgleichen.
28.12.2010
midori hat geschrieben:
@Killari: Bruno Latour ist schon etwas abgehoben. Schön und gut, wenn er allem eine Stimme geben möchte. Richtig wäre es. Aber wie sollen sich solche Hybriden denn äußern? Die Soziologen denken sich immer viele schöne Sachen aus, reden aber nie über die Umsetzung. An der Stelle halte ich den Equilibrismus für weniger utopisch, als das "Parlament der Dinge" von Latour.

@Gakje: Ich muss Dir zustimmen. Ich denke, wir können guten Gewissens behaupten, dass wir die Krone der Schöpfung sind. Und das meine ich keinesfalls im arroganten oder schlechten Sinne. Die Vernunft ist eine Gabe, die kein anderes Wesen besitzt und die uns zu Dingen befähigt, von denen andere nur träumen können. Wir sind nicht wie Vögel zum Fliegen ausgelegt, aber mit unserem Verstand haben wir es geschafft, Flugzeuge zu bauen. Natürlich hat jede Spezies ihre speziellen Eigenschaften, aber ich denke man kann davon ausgehen, dass der Verstand die brillianteste ist. Die Frage ist lediglich, wie wir ihn gebrauchen! Hier gestaltet sich nämlich das Problem.

Und ganz grundlegend sollte man aufhören, zwischen Mensch und Natur zu trennen. Der Mensch ist ein Teil dieses Systems. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist unser gutes Recht, die Natur bis zu einem gewissen Grad "auszubeuten" oder eher zu nutzen, denn andere Lebewesen tun das auch. Unglücklicherweise überschreitet der Mensch, trotz seines Verstandes(!), diese Grenzen bei Weitem und bringt dadurch nicht nur sich, sondern auch alle anderen in Gefahr. Wir sollten auch dringend mal darüber nachdenken, warum wir unseren Lebensraum und unsere Mitlebewesen als "Umwelt" bezeichnen. Dieser Begriff schließt uns selbst aus dem System aus. Müsste es nicht viel eher "Mitwelt" heißen?
27.12.2010
Killari hat geschrieben:
Ach ja, aber die Idee des Equilibrismus ist toll. Und lieber eine Utopie als Gleichgültigkeit!
27.12.2010
Killari hat geschrieben:
@ Gakje: findest du das nicht ein bisschen arrogant? Übrigens ist Bihl nicht der erste, der den Menschen von seinem Thron heben und mit anderen Elementen dieser Welt gleichsetzen will. Bruno Latour beispielsweise forderte ein "Parlament der Dinge", in dem auch Kühe oder Atomkraftwerke ihre Stimme haben. Wobei ich das bei Kühen und generell allen Lebewesen nachvollziehbar finde, bei AKWs nicht. Aber auf der anderen Seite hast du Recht: dieses System ist wie jedes andere auf dem Reißbrett entworfene eine Utopie. Ein Gesellschaftssystem muss wachsen und gestaltet sich zu einem gewissen Grad auch selbst. Niemand, der so ein System entwerfen will, kann alle Faktoren berücksichtigen. Deshalb scheitern sowohl Kapitalismus, als auch Kommunismus als auch jedes andere dieser Ideale.
26.12.2010
Cata hat geschrieben:
eine schöne Idee, doch ich frage mich bei sowas immer, wie wir die anderen Menschen davon überzeugen sollen. So viele glauben, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist, wie bringen wir sie davon ab?
und wer entscheidet, ob man Kinder kriegt oder nicht? Darf man den Menschen verbieten sich fortzuplanzen? wir sind dafür gemacht worden. sicherlich nicht in den Mengen, wie in manchen Kulturen, z.B. Indien oder China (wo die Ein Kind Politik ja schon herrscht), aber darf man es Individuen verbieten sich fortzupflanzen?
Ich finde seine Idee sehr schön, doch ich frage mich, ob sie wirklich in die Realität umsetztbar ist? Was ist mit all den Arbeitslosen, Verrückten, Gewalttätern? Wie sollen die an dieser Blümchenwelt teilhaben? bzw. freiwllig mitmachen?
Die Idee ist gut, aber die Umsetzung wird schwer bis fast unmöglich.
26.12.2010
Janine hat geschrieben:
Naja, wenn jeder individuell entscheidet, nach welchem System er leben will, dann wird das aber nichts mit der Gesellschaft. Und dieser Veränderungsvorschlag kommt ja auch von einem Individuum ;o)
Man wird ja in etwas hineingeboren und damit muss man sich dann zufrieden geben. Und solch große Systeme zu ändern kostet nunmal viel Kraft und das ist auch mit großem Aufwand verbunden. Aber wenn es danach besser wird, warum sollte man sich dann streuben? Oft gibt es einen solchen Wandel im Krieg, da entscheidet das Volk auch nicht, es muss mitziehen. Dieses System würde dagegen wahrscheinlich auf viel Zuspruch stoßen.
Man sagt immer, dass eine große Veränderung so kopliziert sei. Es ist eine Umstellung und eine ungewohnte Situation, mit der man umzugehen lernt. Aber wenn sie eine willkommene Veränderung ist - wieso nicht. Der Mensch ist zwar ein Gewohnheitstier, aber das finde ich gerade schlimm. Vor allem weil es ihn davon abhalten, selbst zu denken.
25.12.2010
cappuccino hat geschrieben:
Wieso nicht? ich denke, es könnte funktionieren, schließlich hat es die Menschheit auch von der Monarchie zur Demokratie geschafft, und Entwicklungen laufen heute viel schneller ab. Es darf nur nicht aufgezwungen werden, sondern - wie nebelfieber schon meinte - anerzogen und akzeptiert werden. Der Mensch hält sich nicht automatisch für die Krone der Schöpfung, das ist bloß die Gesellschaft. Mir gefällt die Idee und der Mut, sie öffentlich zu machen!
21.12.2010
midori hat geschrieben:
@Nebelfieber: Ich muss Dir in allen Punkten zustimmen. Prinzipiell hast Du recht. Wenn man alles hat, sollte man besser verzichten könne. Sollte man meinen. Aber so selbstlos sind WIR Europäer, Amerikaner und Chinesen eben nicht. Das ist eigentlich das grundlegende Problem. Als Afrikaner würde ich mir auch nicht vorhalten lassen, was ich zu tun und zu lassen hätte. Aber kein reicher Schnösel aus Europa wird zugunsten der Erde auf irgendetwas in seinem Leben verzichten. Die Menschheit muss von Grund auf begreifen, dass nur nachhaltiges Handeln und Leben auch zu einer Zukunft führen kann. Aber viele sind wahrlich egoistisch und leben in den Tag, weil sie sich nicht um später kümmern. Das muss man angehen.
21.12.2010
midori hat geschrieben:
@Nebelfieber: Dein Ansatz ist ein makrosoziologischer. Natürlich gibt es handlungsleitende Ideen, an denen wir uns orientieren und die von Wirtschaft und dergleichen durch funktionale Differenzierung der Gesellschaft im Laufe der Zeit herausgebildet werden. Aber warum kann man das Ganze nicht auch mikrosoziologisch angehen? Warum soll die Veränderung nicht von den Menschen selbst ausgehen? Prinzipiell könnte sie das.

Allerdings halte ich die Art Mensch nicht für intelligent genug, um das global zu begreifen. Viele leben im Luxus und den gibt keiner so schnell wieder ab. Erst recht nicht für ein paar lausige Wälder oder weniger CO2 in der Luft. An der Stelle muss die Politik einsetzen. Aber ich bin mir absolut sicher, dass es erst zu einer wahren anthropogenen Katastrophe kommen muss, bevor jemand handelt. Traurig, aber wohl wahr.

@Hanna: Danke. Ich glaube, ich habe mein Hausarbeitsthema entdeckt ;o)
20.12.2010
HannaS hat geschrieben:
Erstmal sorry für die blöde Formatierung, mein Computer will da immer nicht so wie ich..
Ist ziemlich schwierig, so ein ausgefeiltes System in einem Bericht zu erklären, aber eigentlich wollte ich ja auch eher eine Diskussion anstoßen über das Thema generell. Das sich einer traut, große Vorschläge zu machen. Ich bin leider auch sehr skeptisch, dass man ein System auf dem Reißbrett entwerfen kann. Denke auch, dass es sich von alleine entwickeln muss. Aber es gibt viele Ideen in die richtige Richtung.
Ich glaube übrigens nicht, dass das mit dem Bevölkerungswachstum bremsen so gemeint war wie in China, wo man es mit Gesetzen löst. Es ist ja so, dass in den ärmsten Ländern am meisten Kinder geboren werden - aus verschiedensten Gründen natürlich, aber unter anderem, weil sie Sicherheit bringen und später für die Eltern sorgen werden.
In Deutschland und anderen Ländern soll dagegen schon das Bevölkerungswachstum "angekurbelt" werden, weil es ganz von selbst stagniert hat.
Ich schlussfolgere daraus, dass man das Bevölkerungswachstum mit sicheren Verhältnissen und auch einer guten Gemeinschaft eingrenzen kann.
20.12.2010
Morgan hat geschrieben:
Ergibt Sinn.

Mit unserer "versteiften" Gesellschaftsform war ich noch nie (besser gesagt:seit ich logisch denken kann) zufrieden.
20.12.2010
Stoffie hat geschrieben:
also ich finde es schon sinvoll das man das system ändern muss, aber es wird sehr schwierig werden und nicht von heute auf morgen gehen.
20.12.2010
Juliaaa hat geschrieben:
Ergibt Sinn.
20.12.2010
Janine hat geschrieben:
Hey Hanna! Vielen Dank, dass du den Equilibrismus mit uns teilst! Eine sehr interessante Sache! Ich bin sehr gespannt, ob das Pilotptojekt auf Tahiti ein Erfolg werden wird!
Ich denke aber ansonsten wie midori.. leider.. Es ist immer das gleiche - wenn ein erfolgreiches Unternehmen plötzlich die Spur wechseln soll, stellen sich alle quer. Und das aus Angst, alles das was aufgebaut wurde, zu verlieren. Das sieht man ja auch an den Klimakonferenzen - "Der will nicht, dann mache ich auch nicht mit!" - das eigentliche Ziel verliert man aus den Augen, weil die Befürchtung auf der Strecke zu bleiben zu groß ist. Wenn das Tahiti-Projekt allerdings ein Erfolg wird (und ein guter Film daraus gemacht wird), so werden sich vielleicht ein paar einreihen.. Eigentlich muss, wie du sagst, "nur" Überzeugungsarbeit geleistet werden. In Deutschland vielleicht möglich, weltumfassend eher nicht. Oder zumindest noch nicht.

Und danke! Ich weiß jetzt, was ich meinem Wichtel zu Weihnachten schenken kann! :o)
19.12.2010
midori hat geschrieben:
Vielen lieben Dank für den Artikel! Ich liebe solche Themen! ;o)
Ich bin ebenso der Auffassung, dass ein grundlegender Wandel in unserer Gesellschaft erfolgen muss, um diese ganze Entwicklung in andere Bahnen zu lenken. Allerdings betrachte ich das eher pessimistisch realistisch und halte das kaum für möglich. Dazu müsste man ein vollkommen neues Naturverhältnis aufbauen und sich in seinem Handeln einschränken. Welcher Mensch gibt aber gern her, was er einmal eingefordert hat? Mein Menschenbild bezieht sich in dem Falle wohl stark auf das von Thomas Hobbes. Im Naturzustand ist der Mensch dem Menschen ein Wolf. Der Mensch ist zu schlecht, um so verantwortungsvoll für alle zu denken und zu handeln. So schön wie es auch wäre! :o)
19.12.2010
Peet hat geschrieben:
Wahnsinn!! Habe mir erst einmal Das Tahiti-Projekt bestellt! Das andere Buch ist momentan nicht in meinem Budget nicht drin! Vielen Dank für den super Bericht! Weiter so. :)

Ich kannte bis dato nur den Film "Equlibrium", aber man lernt ja nie aus...:)
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