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Eindrücke der UN-Klimakonferenz in Bonn


von Ossi
21.05.2012
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Die NGOs “Eine-Welt-Netz-NRW” und “Germanwatch” vergaben zwei Plätze für jeweils einen Tag auf der UN-Klimakonferenz in Bonn vom 14.-25. Mai.
Die Konferenz sollte da ansetzen, wo die letzte Konferenz in Durban aufhörte. Gleichzeitig sollten die Vorbereitungen für die nächste große Konferenz in Doha (Katar) getroffen werden.
Beispielsweise soll ein neues verbindliches Klimaabkommen bis 2015 vereinbart werden.
Viel Hoffnung wird auf den Erfolg der deutschen Energiewende gesetzt, denn bis 2020 muss es gelingen, die weltweiten Emissionen vom Wachsen zum Schrumpfen zu bringen, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen.
Große Themefelder bei den Verhandlungen sind auch: das Kyoto-Protokoll, Klimaschutz und Gerechtigkeit, Klimafinanzierung, Anpassung an den Klimawandel, Schäden und Verluste, Regenwaldschutz und die bisherige Rolle des IPCC. (siehe www.germanwatch.org)

Im Vorfeld wurde ich zusammen mit Jenny aus Köln und vielen Studenten des Studiengangs “Global Change Management” auf die Konferenzen vorbereitet.

Ein paar Eindrücke meinerseits:
Ich kann jetzt halbwegs nachvollziehen, warum bei den UN Klimakonferenzen relativ wenig bei rumkommt.
Wenn 192 Delegierte auf einen Konsens kommen müssen, treten sehr viele Probleme auf.
Die formelle und diplomatische Kommunikation untereinander ist meiner Meinung nach ein großes Hindernis für den Erfolg der Konferenzen.
Die meisten Statements bestanden daraus, dass die Delegierten nach der Anrede "Mr. Chair" ihre Sympathie und Bereitschaft zur Zusammenarbeit gegenüber dem Leiter der Gespräche ausgesprochen haben.  Darauf folgte ein abgelesener Satz, der beinhaltete, dass es an der Zeit ist, etwas zu tun.
Einige fassten zusammen, wo man sich in den Verhandlungen gerade befinde, und was als nächstes getan werden müsse.
Mir kam es so vor, als wenn manche Delegierte sich nur zu Wort meldeten, um überhaupt etwas zu sagen.
Lediglich die USA und die Schweiz haben mit ihren guten Delegierten gepunktet, die frei gesprochen haben und konstruktive Kritik für den Fortgang der Verhandlungen geäußert haben.
Der "Mr. Chair" hat eine kurze Geschichte erzählt, die metaphorisch die Verhandlungen von Anfang bis jetzt darstellen sollte. Er verglich die Verhandlungen mit 192 Siedlern, die ein Haus bauen wollen, welches aber noch nicht fertig sei. Die darauf folgenden Statements schmückten die Geschichte weiter aus. Ob die Geschichte mehr Klarheit in die Sache gebracht hat, oder ob dadurch nur wertvolle Zeit verstrichen ist, ist fragwürdig.

Allgemein wurden die Wortmeldungen in sechs Sprachen übersetzt, bis die Übersetzer abends verfrüht Feierabend gemacht haben.  Für mich hörte es sich so an, ols ob einige Delegierte Probleme damit hatten, nicht ihre Muttersprache zu sprechen und zu hören. So schienen einige afrikanische Länder und Inselstaaten benachteiligt zu sein.

Ein Statement eines "least developed countries" ging in die Richtung, dass auch viele junge Gesichter auf den Konferenzen zu sehen seien, und dass es blamabel wäre, an diesem Tag ohne einen nennenswerten Erfolg aus den Verhandlungen zu treten.

Es gab auch viele Nebenveranstaltungen in kleineren Gruppen.

Die verschiedenen NGOs veröffentlichten täglich ein Infoblatt namens "ECO", welches von vielen Delegierten sogar am Mittagstisch gelesen wurde.

Ich ziehe das Fazit, dass an den Konferenzen sehr viele intelligente und kompetente Delegierte teilnehmen, die es aber trotzdem nicht schaffen, den Klimawandel so weit einzuschränken, dass z.B. das 2-Grad-Ziel erreicht wird.

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Kommentare (6)
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29.05.2012
Killari hat geschrieben:
Danke! :)

Ich denke in der Theorie ist immer alles einfacher als in der Praxis, vor allem wenn jeder dann doch vorrangig seine eigenen Interessen verfolgt. :(
24.05.2012
midori hat geschrieben:
@Franka

In Theorie klingt das alles schön und gut! ;o) Aber in Kopenhagen waren beispielsweise 30.000 Personen vor Ort! Das ist der reinste Wahnsinn. Und selbst wenn die nationalen Delegationen verschiedene Gruppen wie EU, BRIC usw. bilden, gibt es trotzdem immernoch große Meinungsverschiedenheiten. China will sich bspw. partout nicht als Industrieland verstehen (obwohl sie mittlerweile den größten CO2 Ausstoß haben), sondern pocht nach wie vor darauf, Entwicklungsland zu sein, um alle Finanzierungen zu erhalten, die die Industrieländer an die Entwicklungsländer abtreten müssen.

Klar gibt es Arbeitsgruppen, die Entwürfe ausarbeiten und letztendlich sollte es nur noch im Plenum angenommen werden. Aber das klingt wesentlich einfacher als es ist...
23.05.2012
Killari hat geschrieben:
Hm, ich muss gestehen, ich hab gar keine Ahnung, wie so eine Klimakonferenz genau abläuft (vielleicht kannst du mich da ja erleuchten, Uli). Ich bin einfach davon ausgegangen, dass jeder Landesvertreter in einer oder mehreren Kommissionen Mitglied ist, die Entwürfe ausarbeiten, die dann vom Plenum ratifiziert werden. So wären alle beteiligt und die Arbeit wäre trotzdem effizient. Vielleicht war das aber auch ein bisschen naiv gedacht...
22.05.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Was für ein Erlebnis! :)

Wie war das noch "Viele Köche versalzen die Suppe"......aber wie midori schon so schön ausgeführt hat kann man in der Politik nicht einfach mal ein paar Länder streichen.

Ich frage mich nur immer wieder, warum bei einer so wichtigen Sache die uns alle betrifft, egal aus welchem Land wir stammen, die eigenen Interessen und das eigene Ego nicht mal zurückgestellt werden. Ohne Fortschritte werden wir bald einen sehr hohen Preis für das jetzige Nichtstun zahlen müssen.
22.05.2012
midori hat geschrieben:
WOW! Meinen Glückwunsch :o) Das muss wirklich spannend und zugleich ernüchternd gewesen sein. Ich beschäftige mich im Rahmen meiner Bachelorarbeit gerade intensiv mit der Klimakonferenz von Kopenhagen im Jahr 2009. Allein was man das alles zu lesen bekommt, lässt einen verzweifeln im Hinblick auf unseren angestrebten Klimaschutz.

Klar sind Verhandlungen immer einfacher, wenn weniger Entscheidungsträger daran beteiligt sind. Einige haben das auch schon gefordert. Aber dann sind sie eben nicht mehr demokratisch und mit welcher Begründung sollte man auch die Nationalitäten der Entscheidungsträger wählen? Nur die Industrieländer? Oder nur die Entwicklungsländer? Was ist mit den Schwellenländern? Selbst innerhalb der Gruppen gibt es mitunter große Differenzen, die nicht über ein paar Delegierte repräsentiert werden können.

Ich hoffe nach wie vor darauf, dass sich schnellstmöglich die Vernunft durchsetzt und wir ein verbindliches Nachfolgeprotokoll zu Kyoto bekommen!

Vielen Dank für Deinen Eindruck von den Zwischenverhandlungen! :o)

ps.: Warst Du bloß Gast und Zuschauer oder hast Du aktiv mitgewirkt?
22.05.2012
Killari hat geschrieben:
Es ist sicher spannend, mal so eine Konferenz zu erleben, auch wenn dein Artikel ja was ernüchternd klingt. Ich denke/ hoffe aber , dass die Arbeit in Kommissionen und Arbeitsgruppen doch wesentlich fokussierter und effektiver ist als im Plenum.
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