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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Durban - Verlust oder Gewinn?


von Oekojule
29.02.2012
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Tags: Durban, Klima

Am Samstag, den 14. Januar 2012 trafen sich Politiker und Umweltinteressierte im Dresdner Landtag. »Was kam raus bei der Klimakonferenz in Durban?« fragten die Grünen/Bündnis 90 öffentlich einen der wichtigsten Klimaexperten Deutschlands: Sascha Müller-Kreanner. Er war bei vielen Kongressen dabei und fasste dem Dresdner Publikum die wichtigsten Ergebnisse der letzten Jahre zusammen. (http://www.yale.edu/worldfellows/fellows/muller-kraenner.html ). Als Geschäftsführer und europäischer Vertreter der amerikanischen Umweltorganisation "The Nature Conservancy" und Gründer und Partner des Ecologic Instituts in Berlin, kennt er die Umwelt- und Klimadiplomatie wie seine Westentasche.

Mittlerweile füllte sich der "Saal". Die Veranstalter - unter ihnen der energie- und klimapolitische Sprecher Johannes Lichdi - schleppten einen Stuhl nach dem anderen in den kleinen Raum, der eigentlich für 40 Leute ausgelegt war. Offenbar hatte keiner mit so vielen Interessierten gerechtet, denn inzwischen konnte ich schon 62 Gesichter zählen.

Dann ging es auch schon los. Wie war das denn nun in Durban? Welche Ergebnisse brachte der Klimagipfel in Südafrika? Der IPCC hat u.a. dargestellt welche Auswirkungen es geben würde, wenn der der globale Durchschnittstemperaturanstieg die 2°C Grad Schwelle überschreiten würde und schlug einen Minderungskorridor für Industriestaaten von 25-40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990 als Basis vor. Dieser Vorschlag würde 2007 auf der Weltklimakonferenz auf Bali festgehalten. Nach dem „The Emissions Gap Report“ der UNEP dürfen 2020 noch maximal 44 Gigatonnen CO2 freigesetzt werden. Die Europäische Union hat in ihrer “Roadmap 2050” genannt, dass die Industrieländer eine Treibhausgasreduktion von 80-95% bis zum Jahre 2050 realisieren sollten.

Die erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls läuft dieses Jahr (Ende 2012) aus und in Durban wurde entschieden, dass es eine zweite Verpflichtungsperiode ab 2013 geben soll. Noch ist nicht klar ob die Dauer 5 oder 8 Jahre (Ende 2017 oder 2019) sein soll. Die schlechte Nachricht ist, dass Kanada aus dem Kyoto-Protokoll ausgestiegen ist, weil die Regierung das Abkommen nicht einhalten könnte. Die USA waren leider noch nie im Kyoto-Protokoll. Russland ist davon überzeugt, dass sie sich an einem internationalen Abkommen nur beteiligen wollen wenn auch alle anderen großen Emittenten (insbesondere die USA) sich beteiligen. Zudem hätte sich ihr Emissionsausstoß seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ja verringert - meinen sie. Naja. Was soll man dazu sagen? Mit dieser Einstellung Russlands, der USA und andere Länder werden wir die globalen Ziele wohl kaum erreichen können. Ab 2020 treten übrigens u.a. auch die chinesischen Minderungsbeiträge in Kraft. Auf der Weltklimakonferenz 2011 in Durban hat man sich darauf geeinigt, dass bis 2015 ein internationales Klimaabkommen aller Staaten ausgehandelt werden soll, das ab 2020 in Kraft tritt. Wie das genau aussieht, ist noch unklar und außerdem noch verdammt lange hin.

Auch über neue Finanzierungsmechanismen wurde philosophiert. Man kann wirklich vom philosophieren reden, weil den Schwellen- und Entwicklungsländer bis 2020 100 Milliarden US-Dollar jährlich zur Verfügung gestellt werden sollen, um sie bei ihren Klimaschutzanstrengungen und der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Nur weiß noch keiner, woher die Summe kommen soll. Eine von vielen Möglichkeiten wäre, dass die Europäische Union dazu Einnahmen aus dem Emissionshandel nutzt. Das wäre sinnvoll. Aber sehr wahrscheinlich wird nicht das gesamte Geld aus öffentlichen Haushalten stammen. Außerdem wird auch über die Möglichkeit einer Steuer oder eines Emissionshandels im Rahmen des Schiffsverkehrs diskutiert. In Italien kommen die Gelder übrigens aus Haushaltssanierungen.

Wie sieht das Ganze nun in Deutschland aus? Sind wir fortschrittlich in Sachen Klima und können wir unsere Ziele erreichen? Wir haben uns zum Beispiel für den Atomausstieg entschlossen, obwohl Angela Merkel vor Fukushima noch ganz anderer Meinung war. Ich kann mich noch an einen Satz von ihr erinnern, in dem sie verkündete, dass sie doch kein Kraftwerk abschalten ließe, welches kein CO2 produziert." Es war für sie immer klar, dass unsere Atomkraftwerke sicher sind. Nun wohl nicht mehr sicher genug, nachdem sich die Katastrophe in Fukushima ereignet hat.

Nun stellt sich die Frage, ob wir unseren Versprechungen treu bleiben. Schaffen wir es die die Ziele der Energiewende zu erreichen indem wir sie mit dem notwendigen Maßnahmen unterlegen? Deutschland spielt als ein Vorreiter für eine internationale Energiewende eine entscheidende Rolle und unsere Nachbarländer schauen aufmerksam zu und sind gespannt, wie wir diese Energiewende umsetzen werden. Mit einem künftigen internationalen Klimaabkommens hätten wir einen Rahmen in dem es weltweit einfacher wäre eine internationale Energiewende einzuläuten. Für Deutschland ergibt sich damit eine Chance auf dem Weltmarkt, weil wir jetzt bereits Technologien entwickeln. Mit unserer Entscheidungen zur Energiewende sind wir Deutschen anderen Staaten in mancherlei Hinsicht voraus, aber wir haben noch einen Menge zu tun. Bisher hat Deutschland in dem Energiekonzept gute Ziele in Bezug auf die Redultion von Teibhausgasen etc. genannt, aber diese Ziele müssen jetzt mit Maßnahmen und Instrumenten unterlegt werden. Zum Beispiel muss u.a. der Bereich der regenerativen Energien noch stark ausgebaut werden auch in Sachsen. Deutschlandweit liegt das Bundesland mit seinen CO²-Ausstoß von ca. 14 Tonnen pro Kopf an der Spitze, was auf die vielen Kohlekraftwerke zurück zu führen ist.

Die amerikanischen Klimaschützer hoffen indes, dass sich in den USA die politische Denke ändert. Sie haben stets fast jeden Fortschritt geblockt. Es bleibt die Hoffnung, dass sich in den nächsten Jahren etwas ändern könnte. Die Sensibilität der Amerikaner in Sachen Klimaschutz wurde z.T. auch wieder durch die fürchterlichen Naturkatastrophen im eigenen Land geweckt. Nach dem Wirbelsturm Katrina beispielweise.

Europa war beispielsweise auf der Weltklimakonferenz in Durban recht engagiert. Wieso machen wir dann nicht einfach ohne USA, China und Co. weiter? Nicht das wir das nicht könnten. Natürlich sind wir an einer weltweiten Verbesserung interessiert. Und das schaffen wir nur, wenn wir alle zusammen an einem Strang ziehen. China sitzt wahrscheinlich nur mit im Boot, wenn sich auch der Hauptkonkurrent USA international verpflichtet seine Treibhausgase zu reduzieren ist. Apropos China: Wenn es neben den USA noch ein Land gibt, welches sie im Auge behalten, dann ist es Deutschland - so Sascha Müller-Kreanner. Die Chinesen passen ganz genau auf, wie sich unsere Wirtschaft entwickelt und nehmen uns quasi zum zweiten Vorbild.

Übrigens kann theoretisch in einem zukünftigen internationalen Klimaabkommen vereinbart werden, dass ein Land Strafzahlungen zu leisten hat, wenn es das Abkommen nicht einhält. Ist ja auch richtig so. Sobald die 2. Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls 2013 und später ein alle Staaten umfassendes Klimaabkommen in Kraft tritt, besteht die Hoffnung, dass es höhere Ambitionen im Klimaschutz geben wird. Es sei denn ein Land steigt noch rechtzeitig aus - so wie Kanada bei dem Kyoto-Protokoll. Auch interessant ist, dass die deutschen Bürger die Regierung verklagen können, wenn das Klimagesetzt nicht eingehalten wurde. Das funktioniert bisher in den "grünen" Bundesländern Baden-Württemberg und Hessen, weil diese rot-grün regiert werden.

Wir können nun sagen, dass einige Dinge, die 2009 zum vorletzten Klimagipfel in Kopenhagen nicht umgesetzt werden konnten, wenigstens seit 2011 in Angriff genommen werden - wenn auch nicht im vollen Umfang. Die Ergebnisse sind mit dem Blick auf den Prozess zur Entwicklung eines weltweiten Klimaabkommens aller Länder ein wichtiger Schritt nach vorne. Allerdings fehlt es an Ambition und politischen Willen dem Klimawandel schnell und ambitioniert entgegen zu treten. Es ist leider unsagbar schwer, die politischen und wirtschaftlichen Interessen des Staatenbundes unter einen Hut zu bringen, doch etwas schneller können die Taten trotzdem vollzogen werden.

Zum Schluss möchte ich noch auf einen Satz zu sprechen kommen, den ich besonders ergreifend fand. "Was wir mit der Umwelt machen ist ein Moralskandal, denn die kleinen Inseln und Entwicklungsländer sind die Ersten, die darunter leiden." Das lies Sascha Müller-Kreanner verlauten und ich finde, damit trifft er ins Schwarze. Ein Glück, dass es in der jungen Generationen heutzutage Menschen gibt die mitdenken und ich habe das Gefühl, das die Moral heutzutage eine besonders große Rolle spielt.

 

Quelle: eigene Mitschriften von der Konferenz am 14. Januar 2012, Bild: http://www.zeit.de/2011/50/Klimakonferenz-Durban

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Kommentare (3)
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01.03.2012
FabianN hat geschrieben:
Inhaltlich wirklich sehr informativ!
Und Sascha Müller-Kreanner kann ich in diesem Satz auch zustimmen!
Danke für den Bericht ;)
01.03.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Also wirklich entschieden wurde mal wieder nix, aber viele gute Vorsätze bekundet. Ich warte sehnsüchtig auf den Zeitpunkt, an dem diese Vorsätze auch mal in die Tat umgesetzt werden!

Danke für diese sehr informative Zusammenfassung.
29.02.2012
MarcelB hat geschrieben:
Wow, klingt nach einem spannenden Erlebnis im Dresdner Landtag! Dein letzter Absatz gefällt mir besonders gut... denn genau so ist es eben! Vielen Dank für die gute Zusammenfassung! :) Es geht zwar bergauf, aber viel zu langsam und zielstrebig... je länger wir warten, desto größer wird der Berg den wir vor uns hinschieben und abzuarbeiten haben. Warum können wir nicht einfach jetzt zu einer leichter Lösung kommen, anstatt in einem Jahrzehnt drastisch handeln zu müssen. Für mich ist es einfach unbegreiflich.
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