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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Die Verhandlungen über das Leben haben begonnen


von Marcel
09.10.2012
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Ähnlich wie beim Klimaschutz gibt es in der Weltgemeinschaft auch eine regelmäßige Konferenz über den Schutz der Biologischen Vielfalt. Zum inzwischen 11. Mal treffen sich hierfür Politiker, Deligierte und NGOs zur sogenannten Vertragsstaatenkonferenz zur Konvention über die biologische Vielfalt (CBD COP-11), und zwar in Hyderabad (Indien). Die Konferenz geht vom 8. bis 19. Oktober 2012. Wir wollen euch dabei natürlich auf dem Laufenden halten und euch erklären, wie diese wichtige Artenschutzkonferenz funktioniert.

Für den WWF stehen zwei wichtige Themen im Vordergrund der Verhandlungen, die von der Staatengemeinschaft beschlossen werden müssen: Die Festlegung konkreter Finanzierungsziele bis zum Jahr 2020, um die notwendigen Finanzmittel für die Umsetzung des Masterplans der CBD bereitzustellen, und die Genehmigung der wissenschaftlich fundierten Vorschlagsliste für ökologisch bedeutende und schützenswerte Meeresgebiete.

Günter Mitlacher, Experte für Biodiversität beim WWF Deutschland, rechnet mit harten Verhandlungen in Hyderabad: "Es geht hier schließlich um zwei ganz schwierige Themen. Die internationale Staatengemeinschaft bewegt sich erfahrungsgemäß nur sehr schwerfällig beim Thema Finanzierung. Ebenso verhält es sich bei dem Thema Meeresschutzgebiete. Wir müssen dabei berücksichtigen, dass die Meere als die kommende Quelle für Ressourcen zu sehen ist, sowohl für die Nahrungssicherung aber auch die Exploration von Bodenschätzen. Wir fordern, dass die ökologischen Aspekte berücksichtigt werden und die ökologisch bedeutenden Meeresgebiete unter Schutz gestellt werden."

Zwei Jahre liegt die letzte Vertragsstaatenkonferenz für Biodiversität, die CBD COP-10, zurück. Im japanischen Nagoya hatten sich die teilnehmenden Staaten 2010 auf einen Masterplan geeinigt. Dieser beinhaltet insgesamt 20 Ziele, die sogenannten "Aichi Targets". "Bislang fehlt ein schlüssiges Konzept für die Finanzierung der Maßnahmen, um die 20 Ziele zu erfüllen", erklärt Günter.

"Die Lösung der chronischen Unterfinanzierung des globalen Biodiversitätsschutzes ist die entscheidende Hürde, die wir in Hyderabad überspringen müssen." Bessere Gesetze, effektivere Landnutzungsplanung, stärkere Einbindung von Naturschutzanliegen in anderen Wirtschaftssektoren und die Transformation hin zu einer "Green Economy" müssen nach Ansicht des WWF hinzukommen, sind allein aber nicht ausreichend, um den dauerhaften Artenschwund zu bremsen.

Um wie viel Geld streitet sich die Staatengemeinschaft? "Konservativ gerechnet, besteht ein Finanzierungsbedarf von mindestens 50 Mrd. US-Dollar pro Jahr an Mitteln aus allen öffentlichen Haushalten für alle Länder", sagt WWF-Experte Günter. In dem 10-Jahreszeitraum des Masterplans läge der Bedarf somit bei insgesamt ca. 500 Milliarden US-Dollar.

"Die staatliche Finanzierung ist deshalb wichtig und nötig, weil die Biodiversität ein globales Allgemeingut ist und die Verantwortung für die Erhaltung der biologischen Vielfalt primär in den Händen der CBD-Staaten liegt." Im Durchschnitt der Jahre 2006-2010 stellten beispielsweise die OECD-Staaten jährlich rund 4,6 Milliarden Euro bereit, um die globale Biodiversität zu erhalten. Der WWF fordert für die Zukunft das Doppelte und setzt sich in Hyderabad dafür ein, dass 10 Milliarden US-Dollar pro Jahr an Zuschuss der OECD-Länder beschlossen wird.

Klingt nach viel Geld? Noch teurer würde es kommen, wenn wir die Biologische Vielfalt nicht schützen. Aber Geld allein reicht nicht: "Gute Gesetze, positive Anreize zu Finanzierung nachhaltiger Landnutzung und der konsequente Abbau schädlicher Subventionen müssen die Finanzierungsstrategie begleiten, so dass auch Ausgaben gespart werden können. Die reichen Länder des Nordens, aber auch die Entwicklungs- und Schwellenländer müssen nach Ansicht des WWF ihren fairen Teil der Gesamtlast tragen“, sagt Günter. Sie verursachen nach dem neusten Living Planet Report des WWF auch die meisten Schäden an der Natur.

Außerdem wichtig: Die Anerkennung ökologisch bedeutender, schützenswerter Meeresgebiete. "Der WWF wird sich in Hyderabad für die Anerkennung schützenswerter Meeresgebiete stark machen", sagt Tim Packeiser, Meeresschutzexperte vom WWF Deutschland. "Obwohl die Staatengemeinschaft sich bereits vor Jahren darauf verständigt hatte, ein repräsentatives Netz von Meeresschutzgebieten einzurichten, welches 2020 mindestens 10% der Weltmeere umfassen soll, sind bis heute nur ca. 1,6% der Ozeane unter Schutz gestellt worden", erklärt Tim. In den letzten beiden Jahren sind bereits Meeresgebiete von Experten identifiziert und wissenschaftlich beschrieben worden, welche eine besondere ökologische oder biologische Bedeutung vorweisen. Diese sogenannten "Ecologically or Biologically Significant marine Areas (EBSAs)" wurden bisher von Wissenschaftlern in der Karibik und dem westlichen Atlantik, dem südwestlichen Pazifik und im Mittelmeer identifiziert.

"Wir fordern die Vertragsstaaten dazu auf, diese ökologisch oder biologisch bedeutsamen Meeresgebiete offiziell anzuerkennen“, sagt Tim. "Dazu benötigen wir angemessene Schutzmaßnahmen und vor allem benötigen wir einen verbindlichen Zeitplan und natürlich auch die Sicherstellung der Finanzierung. Wir müssen möglichst schnell sämtliche Weltmeere wissenschaftlich exakt beschreiben, damit wir weitere Meeresschutzgebiete ausweisen können."

Du willst noch tiefer in das Thema eintauchen? Alle WWF-Positionspapiere zur CBD COP-11 sind in englischer Sprache verfügbar auf den Seiten von WWF International.

Außerdem bringen wir dich hier auf den neuesten Stand, wenn es Ergebnisse aus Hyderabad gibt. Neben Günter ist auch WWF Jugend-Mitglied Christoph bei der CBD vor Ort. Er wird versuchen, aus Indien für uns zu berichten, was bei der Konferenz passiert.

Foto: Bezaubernde Artenvielfalt in den Gewässern vor Fiji © Cat Holloway / WWF-Canon; CBD COP 11 Logo; CBD-Konferenz 2010 in Japan © Gernant Magnin / WWF Netherlands

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Kommentare (3)
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09.10.2012
Carina hat geschrieben:
Nur 1,6% der Meere stehen unter Schutz? Das war mir gar nicht klar. Da muss aber dringend was gemacht werden...! Es bleibt also spannend, vielen Dank für die Berichterstattung! :)
09.10.2012
killerwal hat geschrieben:
cool! ich habe im fehrnsehn davon gehört und ich finde man muss einfach die welt retten! wir bleiben zwar als letztes übrig aber irgendwann werden wir auch aussterben, wenn wir die natur nicht retten!!!
09.10.2012
LSternus hat geschrieben:
Naja hoffentlich wird das was. Von der Klimakonferenz war ich schon einigermaßen enttäusch und das obwohl ich kaum was erwartet habe!
Hoffentlich machen die mal mehr als viel reden und wenig sagen (und das wäre schon ein Wunder)!
Um ehrlich zu sein, es würde michh wundern, wenn da mall was konstruktives umgesetzt wird, oder die Pläne dafür wenigsten konkret ausgearbeitet werden.
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