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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Die letzten Tage der Schöpfung


von Estherr
28.05.2011
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13 P
Tags: Welt

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Aber nach vielen Jahrmillionen
war der Mensch endlich klug genug.

Er sprach: Wer redet hier von Gott?
Ich nehme meine Zukunft selbst in die Hand.

Er nahm sie,
und es begannen die letzten sieben Tage der Erde.

Am Morgen des ersten Tages
beschloss der Mensch,
frei zu sein und gut, schön und glücklich.
Nicht mehr Ebenbild eines Gottes, sondern ein Mensch.
Und weil er etwas glauben musste,
glaubte er an die Freiheit und an das Glück,
an Zahlen und Mengen,
an die Börse und den Fortschritt,
an die Planung und seine Sicherheit.
Denn zu seiner Sicherheit
hatte er den Grund zu seinen Füssen gefüllt
mit Raketen und Atomsprengköpfen.

Am zweiten Tage
starben die Fische in den Industriegewässern,
die Vögel am Pulver aus der chemischen Fabrik,
das den Raupen bestimmt war,
die Feldhasen an den Bleiwolken von der Strasse,
die Schosshunde an der schönen roten Farbe der Wurst,
die Heringe am Öl auf dem Meer
und an dem Müll auf dem Grunde des Ozeans.
Denn der Müll war aktiv.

Am dritten Tage
verdorrte das Gras auf den Feldern
und das Laub an den Bäumen,
das Moos an den Felsen
und die Blumen in den Gärten.
Denn der Mensch machte das Wetter selbst
und verteilte den Regen nach genauem Plan.
Es war nur ein kleiner Fehler
in dem Rechner, der den Regen verteilte.
Als sie den Fehler fanden,
lagen die Lastkähne auf dem trockenen Grund
des schönen Rheins.

Am vierten Tage
gingen drei von vier
Milliarden Menschen zugrunde.
Die einen an Krankheiten,
die der Mensch gezüchtet hatte,
denn einer hatte vergessen,
die Behälter zu schließen,
die für den nächsten Krieg bereit standen.
Und ihre Medikamente halfen nichts.
Die hatten schon zu lange wirken müssen
in Hautcremes und Schweinelendchen.
Die anderen starben am Hunger,
weil etliche von ihnen den Schlüssel
zu den Getreidesilos versteckt hatten.
Und sie fluchten Gott,
der ihnen doch das Glück schuldig war.
Er war doch der liebe Gott!

Am fünften Tage
drückten die letzten Menschen den roten Knopf,
denn sie fühlten sich bedroht.
Feuer hüllte den Erdball ein,
die Berge brannten, die Meere verdampften,
und die Betonskelette in den Städten
standen schwarz und rauchten.
Und die Engel im Himmel sahen,
wie der blaue Planet rot wurde,
dann schmutzig braun und schließlich aschgrau.
Und sie unterbrachen ihren Gesang
für zehn Minuten.

Am sechsten Tage
ging das Licht aus.
Staub und Asche verhüllten die Sonne,
den Mond und die Sterne.
Und die letzte Küchenschabe,
die in einem Raketenbunker überlebt hatte,
ging zugrunde an der übermäßigen Wärme,
die ihr gar nicht gut bekam.

Am siebten Tage
war Ruhe.
Endlich.

Die Erde war wüst und leer,
und es war finster über den Rissen und Spalten,
die in der trockenen Erdrinde aufgesprungen waren.
Und der Geist des Menschen
irrlichterte als Totengespenst über dem Chaos.
Tief unten in der Hölle aber
erzählte man sich die spannende Geschichte von dem Menschen,
der seine Zukunft selbst in die Hand nahm,
und das Gelächter dröhnte hinauf
bis zu den Chören der Engel.

 

Autor: Jörg Zink

Link: http://sonnenbring.de/letzt7ta.htm

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Kommentare (4)
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05.06.2011
deby90 hat geschrieben:
Einfach klasse! Auf den Punkt!
29.05.2011
LaLoba hat geschrieben:
... Dazu fällt mir auch nicht mehr ein. Danke fürs veröffentlichen!
29.05.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Ja, aufrüttelnd für die, die sich bisher keine Gedanken darüber gemacht haben.
Aber ich mag es nicht so, denn schocken allein bringt nichts. Erstens werden wir Menschen vielleicht uns selbst ausrotten können, aber nie die ganze Schöpfung. Zweitens besteht die Möglichkeit, dass wir die Kurve noch kriegen. Ich mag lieber Dinge die einen anspornen und ermutigen. Wenn wir uns hinsetzten und über die Welt weinen, dann ist damit niemandem geholfen.
An sich ist das Gedicht aber sehr gut geschrieben :)
28.05.2011
Waldelb3 hat geschrieben:
LOL^^
Das ist echt gut xD
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