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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Die größte Ölkatastrophe der Welt


von Carina
12.03.2012
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Ölige Schlieren schimmern auf der Wasseroberfläche des Bodo Creeks in Nigeria. Kein Fisch, kein Vogel lässt sich blicken und die Bäume sehen krank und tot aus. Der Geruch von Benzin hängt in der Luft. „Das hier ist die größte Ölkatastrophe der Erde“, kommentiert der Menschenrechtsaktivist Celestine AkpoBari gegenüber dem ZDF. „Und keiner kümmert sich darum!“

1956 begann Nigerias Aufstieg zur Ölmacht. Damals gelang Shell die erste erfolgreiche Bohrung im Nigerdelta. Seitdem haben zahlreiche internationale Konzerne und die nigerianische Regierung Milliarden an dem Öl verdient. Bei der Bevölkerung jedoch ist davon so gut wie nichts angekommen. Stattdessen hatten und haben sie unter der Ölförderung extrem zu leiden…

Während Celestine AkpBari mit einem Schlauchboot über den Bodo Creek fährt, ragen immer wieder alte Bohrköpfe aus der Wasseroberfläche. Diese seien das Hauptproblem, erklärt er. Vor 19 Jahren schon hat Shell die Bohrungen im Nigerdelta eingestellt – seitdem rotten die Anlagen vor sich hin, ohne gewatet zu werden. Dabei stehen die Bohrköpfe noch unter Druck. Immer wieder platzen Leitungen und dann schießt das Öl heraus.

Auf diese Weise wurde das gesamte Nigerdelta verseucht. Tiere und Pflanzen starben und das Grundwasser wurde verschmutzt. „Hier standen früher Mangrovenwälder mit riesigen Krabbenschwärmen, mit Fischen. Das alles gibt es seit ein paar Jahren nicht mehr – wegen der Ölpest“, sagt AkpoBari. Nigerianische Umweltexperten schätzen, dass seit Beginn der Ölförderung mehr als 1,5 Millionen Tonnen Öl ins Nigerdelta ausgelaufen sind. Und täglich kommen mehr hinzu. Zum Vergleich: Als im April 2010 die Ölbohrplattform „Deepwater Horizon“ explodierte und den Golf von Mexico verseuchte, traten 800.000 Tonnen Öl aus.

 

 

 

Nicht umsonst ist Celestine Akpo Bari der Meinung, dass die Ölpest in Nigeria noch schlimmer sei als diejenige im Golf von Mexico. „Dort zahlt BP eine Milliardenentschädigung“, beschwert er sich. „Mit Geld, dass sie hier verdient haben!“ Er erzählt von einem kleinen Dorf, das am Fluss liegt und bei dem sich aufgrund der Strömungsverhältnisse das Rohöl ansammelt. Die Menschen dort haben immer vom Fischfang gelebt. Nun fehlt ihnen ihre Lebensgrundlage und „die Menschen sterben wie die Fische“, um es mit Celestine Akpo Baris Worten zu sagen.

Viele Menschen versuchen mit illegalen Raffinerien etwas Öl an den Bohrköpfen oder den Leitungen abzuzapfen und so etwas Geld zu verdienen. Unter ihnen ist auch Dumadi Baribor. „Wir zahlen der Wasserschutzpolizei Schmiergeld, dann lassen sie uns in Ruhe hier arbeiten“, sagt er. Doch diese Arbeit ist lebensgefährlich und ungesund. Flammen schlagen in die Luft, es ist unerträglich heiß und die Luft hängt voll giftiger Dämpfe. Immer wieder überhitzen die improvisierten Anlagen, mit denen die Menschen das Öl destillieren. Dann kommt es zu Explosionen – und zu Todesopfern. Für ein Fass bekommen sie 150 Dollar. Das meiste Geld wird allerdings für die Bestechung der Beamten benötigt. Danach bleiben nur noch 20 Dollar pro Fass.

Amnesty International fordert schon seit Langem, dass Shell die Verantwortung für die Ölkatastrophe übernimmt und sich um die entstandenen Schäden kümmert. Genauso hartnäckig versucht Shell jedoch sich dieser Verantwortung zu entziehen und der Bevölkerung die Schuld in die Schuhe zu schieben – das Öl trete angeblich nur aus, weil sie die Pipelines anzapfen. Dabei wurden die Menschen dazu erst gezwungen, nachdem sie wegen der Ölpest nicht mehr länger von Landwirtschaft und Fischerei leben konnten. Und abgesehen davon ist der weitaus größere Grund für das Austreten des Öls der schlechte Zustand der maroden Anlagen. Auch die Regierung trägt Mitschuld – sie hat an dem Öl verdient und Shell deswegen nicht gut genug kontrolliert.

Umso erschreckender, dass kaum jemand von dieser Tragödie weiß. Die Ölkatastrophe am Golf von Mexico ist uns allen ein Begriff und war wochenlang in den Nachrichten. Von der Verseuchung des Nigerdeltas hingegen spricht niemand. Doch wenn du bis hierher gelesen hast, habe ich mit meinem Artikel schon erreicht, was ich erreichen wollte: Ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Interesse für das Thema wecken.

Bilder: © Michel Gunther / WWF

Quellen:
http://www.zeit.de/wissen/2010-07/auslandsjournal-oelpest-nigeria

http://www.n24.de/news/newsitem_6198664.html

http://www.amnesty.de/2011/8/9/nigeria-un-bericht-belegt-massive-oelschaeden-im-nigerdelta?destination=suche%3Fwords-advanced%3Dshell%2Bnigerdelta%26search_x%3D0%26search_y%3D0%26country%3D%26topic%3D%26node_type%3D%26from_month%3D0%26from_year%3D%26to_month%3D0%26to_year%3D%26form_id%3Dai_search_form

http://www.amnesty.de/2011/11/9/niger-delta-shell-muss-endlich-verantwortung-uebernehmen?destination=suche%3Fwords-advanced%3Dshell%2Bnigerdelta%26search_x%3D0%26search_y%3D0%26country%3D%26topic%3D%26node_type%3D%26from_month%3D0%26from_year%3D%26to_month%3D0%26to_year%3D%26form_id%3Dai_search_form

http://www.global2000.at/site/de/aktivitaeten/energie/oelpestnigerdelta/article-oelpestnigerdelta.htm

http://www.evangelisch.de/themen/umwelt/die-vergessene-katastrophe-%C3%B6lverseuchtes-nigerdelta21966
 

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Kommentare (8)
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14.03.2012
sternchen1 hat geschrieben:
danke für den artikel, ich wusste bis jetzt darüber noch gar nichts, aber es ist wirklich heftig. vielleicht könnten wir alle mal eine email an shell schreiben, in der wir fordern, dass sie eine entschädigung zahlen? schaden kann es ja eigentlich nicht.
13.03.2012
Wasserjunge hat geschrieben:
Das Zitat ?Wir zahlen der Wasserschutzpolizei Schmiergeld, dann lassen sie uns in Ruhe hier arbeiten?, habe ich auch irgentwann mal im TV gesehen... ;) !
Hier zu möchte ich mal etwas sagen, Shell hat im Nigerdelta Erdölbohrungen schon vor Jahrzehnten begonnen...sie wollen angeblich auch diese Gegend reinigen. Aber das soll über 40 Jahre dauern, jetzt mal ernsthaft wieso sollten sie denn??? Denen gehts doch nur ums Geld!

Übrigens ;( es sind auch schon neue Erdölbohrungen vorgenommen worden...
13.03.2012
Jayfeather hat geschrieben:
das ist echt schlimm. ich hab davon echt noch nie was gehört...
13.03.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Toller Artikel! Aber was können wir dagegen tun? Gibt es Aktionen?
13.03.2012
abcd hat geschrieben:
Ich habe auch noch nie davon gehört ;-Wie Skandalös -nur weil den meisten in Nigeria es eh schon auf unseren kosten dreckig geht, interressiert so was niemanden
13.03.2012
Puma hat geschrieben:
Bitte sag das,dass das nicht dein Ernst ist.*Augen erschreckt aufreiß*Das ist ja schlimm.Und kein Mensch weiß davon.Ich kann Urmeli nur zustimmen:einfach unfassbar!!!!!!!!!
13.03.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Unfassbar, einfach nur unfassbar!!

Vielen Dank für diesen Bericht. Da hatte ich tastächlich noch nie etwas drüber gehört......wirklich unfassbar.....
12.03.2012
Peet hat geschrieben:
Wie immer wird nichts passieren...so traurig. Danke für den Bericht, Carina! :)
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