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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Der WWF zum Erdbeben in Japan


von Marcel
13.03.2011
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Japan wurde am Freitag vom schwersten Erdbeben seiner Geschichte heimgesucht. Der folgende Tsunami verwüstete große Teile der Nordostküste des Landes. Betroffen sind auch mehrere Kernkraftwerke, insbesondere die Anlage in Fukushima ist offenbar außer Kontrolle geraten. Radioaktivität wurde frei, in welchem Umfang ist noch unklar. Die Lage ist nach wie vor extrem unüberschaubar.

Droht nun eine nukleare Katastrophe? Drohen solche Unglücke auch in anderen Ländern, und wie schätzt der WWF die Sicherheit der angeblich so klimafreundlichen AKWs in Deutschland ein? Wir sprachen mit Regine Günther, Leiterin des Bereichs Klimaschutz und Energipolitik beim WWF Deutschland, über die aktuelle Situation.

WWF Jugend: Regine, wie schätzt der WWF die Lage nach dem Erdbeben ein?

Regine Günther: Die schrecklichen Bilder aus Japan sprechen für sich. Unser ganzes Mitgefühl gilt den Menschen in Japan die durch diese dreifache Katastrophe so schwer getroffen sind. Die Informationslage ist nach wie vor sehr unübersichtlich. Besonders besorgniserregend ist die Situation in den betroffenen Kernkraftwerken. Nach neuesten Meldungen haben drei der sechs Blöcke des AKW Fukushima massive Sicherheitsprobleme, in Komplex 2 scheint es den Technikern nicht zu gelingen, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Das Kühlwasser ist wohl unter einen kritischen Stand gesunken, die Brennstäbe liegen trocken. Sehr wahrscheinlich ist bereits eine Kernschmelze eingetreten.

Droht ein zweites Tschernobyl?

Eine Katastrophe ähnlichen Ausmaßes kann man nicht ausschließen. Die Situation ist extrem bedrohlich. Im Fall einer Kernschmelze ist entscheidend, ob sie sich auf den Druckbehälter beschränken lässt. 1979 in Harrisburg ist das mit viel Glück gelungen, 1986 in Tschernobyl nicht. Es kam zu Explosionen und zu Freisetzung von Radioaktivität. Es bleibt zu hoffen, dass sich ein ähnliches Szenario nicht wiederholt. Die Gefahr ist aber akut.

Gibt es Informationen vom WWF Japan?

Soweit wir wissen, sind die WWF-Kollegen Hauptsitz in Tokio mit dem Schrecken davon gekommen. Das Bürogebäude hat zwar einige Risse abbekommen, aber es ist niemand verletzt worden. Eine Einschätzung zur aktuellen nuklearen Gefahrensituation liegt uns bislang nicht vor.

Ist ein ähnlicher Nuklearunfall auch in Deutschland denkbar?

Auch in hochtechnisierten Ländern können Situationen eintreten, unter denen Atomkraftwerke nicht beherrschbar sind. Dies wurde uns in Japan eindrücklich und schmerzlich vor Augen geführt. Auch in Deutschland sind Siedewasserreaktoren ähnlicher Bauart und ähnlichen Alters am Netz . Sollte hier die Kühlung zum Beispiel aufgrund eines Flugzeugabsturzes, eines Terroranschlages oder anderer Einflüsse ausfallen, würden wir in einer ähnlich dramatischen Lage sein, wie wir sie derzeit in Japan erleben müssen.

Welche Schlüsse müssen aus der Katastrophe gezogen werden?

Der Unfall zeigt einmal mehr, dass die Kernenergie selbst in hoch technisierten westlichen Industrieländern nicht beherrschbar ist. Für Länder wie beispielsweise Pakistan oder Iran dürfte das umso mehr gelten. Die Unsicherheit der Nuklearanlagen ist aber nur ein Faktor, der für einen möglichst schnellen Ausstieg spricht. Ein Festhalten an der Kernenergie blockiert den Einstieg in erneuerbare Energien und Effizienzmaßnahmen und behindert so dringend notwendige Klimaschutzmaßnahmen. Je eher wir den nuklearen Irrweg verlassen desto besser.

Bilder: Japan, Zentren der Erschütterungen bei Sendai © NASA Goddard Photo and Video; Regine Günther © Bernd Lammel / WWF

 

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Kommentare (22)
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19.03.2011
Sevda hat geschrieben:
gibt es denn irgendwelche konkreten, laufenden Aktionen, um Japan zu helfen und zu unterstützen, wenn euch etwas einfällt, bitte bei mir melden!
16.03.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Ich finde es einfach nur traurig was passiert ist! Erdbeben, Nachbebe, Tsunami, Explosionen, freie Radioaktivität... Was soll den als nächstes kommen? Und was mach unsere Regierung? Reden- der Anfang ist getan!
Wieso muss immer erst etwas so grausames passieren bis die Regierung über die Abschaffung der Laufzeitverlängerung nachdenkt?
16.03.2011
Marcel hat geschrieben:
@Goldmull: Super Statement! Bin voll Deiner Meinung. Ich beziehe zu Hause schon seit über zwei Jahren Ökostrom. Hab beste Erfahrungen damit gemacht und hab ein super Gefühl dabei, weil ich weiß, dass mein Strom keine Strahlung und keine Erderwärmung mehr verursacht.
15.03.2011
Goldmull hat geschrieben:
Jeder sollte unbedingt zu Ökostrom wechseln! Erst dann wird den Stromanbietern klar, dass Atomstrom nicht mehr gewünscht ist!
Nur dann kann es nur noch reinen Ökostrom geben, wenn alle Verbraucher keinen gefährlichen Atomstrom mehr wollen!
Die Stromanbieter zocken die Leute doch eh ab und verlangen ständig Erhöhungen, obwohl der Strom selber billiger wird!
Bitte wechselt alle zu einem Ökostromanbieter! Sagt das allen die ihr kennt und auch euren Eltern!!!!
15.03.2011
Sinopa hat geschrieben:
"IloveGreen" Ich gebe dir vollkommen Recht!
Immer musst erst etwas passieren, bis was geändert wird!
Jetzt ist es soweit! ... Grausame Nachrichten hören wir jeden Tag in den Medien.
Die Welt lässt uns ihre Wut spüren...
15.03.2011
lindaaa hat geschrieben:
Ich finde es auch einfach nur schrecklich, dass es erst mal zu so einer Katastrophe kommen muss um ÜBERHAUPT die Laufzeitverlängerung abzuschaffen -.-
15.03.2011
Julia93 hat geschrieben:
So wie ich gehört habe, sollen folgende AKW's vorläufig vom Netz genommen werden: Brunsbüttel; Unterweser; Biblis A, B; Philippsburg 1; Neckarwestheim 1; Isar 1. Ich hoffe, dass das eine Maßnahme von Dauer ist. ATOMKRAFT? NEIN DANKE!
15.03.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
15.03.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Ich finde es furchtbar was gerade in Japan passiert! Erst der Tsnunami, dann ein Vulkanausbruch und jetzt das defekte AKW! Wir können nur beten, dass die Menschheit aus diesem Fehler lernt und nicht mehr mit so hochgefährlichen Elementen hantiert, die eine Halbewertzeit von 2000 Jahren haben .... Atomkraft? Nein Danke!
15.03.2011
Zerschmetterling hat geschrieben:
Als ich davon gehört habe, habe ich mich gefragt ob denn immer erst irgendetwas passieren muss, damit man Dinge ändert.
Die Laufzeitverlängerung wurde in Deutschland ja jetzt aufgehoben glaube ich.
Und 7 AKWs gehen ja jetzt (vorrübergehend laut Merkel) vom Netz.
Aber muss denn erst soein Warnschuss kommen?? LG
15.03.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
14.03.2011
Schmusetigerle hat geschrieben:
Dieses schreckliche Ereignis sollte doch nun endlich zum Umdenken führen! Angela Merkel hat bereits das 3 monatige Aussetzen der Laufzeitverlängerung angekündigt. Doch ob das hilft? Ich bezweifle es sehr. Was aber noch viel schrecklicher ist, dass Russland und China immer noch weitere Reaktoren bauen wollen und nicht von ihrem Kurs abzubringen sind. Da frage ich mich was denn noch alles passieren muss?
14.03.2011
Timm hat geschrieben:
Wer gegen Atomkraft ist, hat ein sehr einfaches Mittel in der Hand, selber fürs Ausschalten von AKWs zu sorgen: ZU ÖKOSTROM WECHSELN! Und wenn Ihr selber noch nicht verantwortlich für den Strombezug seid, dann fordert eben Eure Eltern auf! http://www.umschalten.wwf.de
14.03.2011
LenaPeace hat geschrieben:
Das ist ja sowas von schrecklich!
Ich bin mit voller überzeugung gegen Atomkraft!
Hoffentlich sieht Deutschland jetzt endlich ein, dass man am besten alle AKW's abschaffen sollte!
14.03.2011
caschnu hat geschrieben:
@MarcelB: Meinen Informationen nach, wirkt sich eine Erdachsenverschiebung nicht großartig auf die Umwelt auf. Zwar hört man davon erst seit dem Erdbeben auf Tahiti und nun in Japan, das heißt aber nicht, dass es das nicht vorher auch schon gab. Möglicherweise hat man das vorher nur nicht gemessen. Aber Erdbeben gab es auf der Erde schon immer und somit sollte auch die Erdachsenverschiebung schon tausende Male eingetreten sein. Trotzdem lebt die Erde immernoch.
Im Übrigen hat sie sich nach Tahiti auch um 10cm verschoben, aber auf 12.km Durchmesser ist das nichts.
14.03.2011
MarcelB hat geschrieben:
@ Unsere Generation: Abgesehen, von der Küstenverschiebung, ist auch der Tag um einige tausendstel Millisekunden kürzer geworden, mir ist schon klar, dass sich die Küste verschoben hat, ich frage ja nur nach den Auswirkungen :)
@Waldelb3: Wage ich aber sowas von zu bezweifeln, nur weil wir momentan nichts merken, heißt das nicht, dass nichts passiert! Es gab sogar mal ein AKW, bei dem hat es 3 Jahre gedauert, bis festgestellt wurde, dass eine Kernschmelze eingetreten war. Also ich würde nicht sagen, dass nichts passiert ist!
14.03.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
13.03.2011
Loulee hat geschrieben:
Einfach nur schrecklich, was dort passiert ist
13.03.2011
Waldelb3 hat geschrieben:
Doch, unsere Erdachse hat sich um ca. 10cm verschoben. Das hat allerdings keine nennenswerten Auswirkungen auf die Umwelt.
13.03.2011
UnsereGeneration hat geschrieben:
Vielen Dank für die Infos und die Stellungnahmen.
Gute Antworten, vor allem die letzte.
@MarcelB:
Ich habe gehört, dass sich die INsel Japan um 2,5 Meter verschoben haben soll.
Aber nichts mit der Erdachse.

Unsere Generation
13.03.2011
TobiS hat geschrieben:
Danke für den sachlichen Bericht und der Einschätzung des WWF!
13.03.2011
MarcelB hat geschrieben:
Ich habe gehört, dass die Erdachse verschoben wurde, mich würde gerne mal interessieren, was das für Auswirkungen auf die Umwelt hat! :)
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