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Der Boden unter unseren Füßen


von Franzi
30.01.2013
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Wir treten ihn mit Füßen. Wir trampeln auf ihm herum und machen ihn platt, ohne überhaupt zu wissen, was er für uns tut.
Unser Boden spielt eine extrem wichtige Rolle in unserem Leben. Nur durch fruchtbaren Boden kann all das wachsen, was wir um uns herum sehen, unser Boden ernährt uns. Und dennoch gehen wir schändlich mit ihm um.

Am 24. Januar wurde in der EU über eine bedeutsame Agrar Reform abgestimmt. Doch wozu brauchen wir eigentlich eine Reform? Haben wir nicht genug Boden und Erde für alle? Was läuft hier eigentlich schief?

Nun, leider eine ganze Menge. Denn unser Boden ist ein wertvolles Gut! Erde entsteht aus Gestein, und damit 10cm fruchtbarer Boden entsteht, müssen ganze 2.000 Jahre vergehen!
Über Jahre hinweg haben wir unsere Böden nun ausgenutzt und ausgelaugt. Durch einseitige Bewirtschaftung und Monokulturen haben wir ihm die Nährstoffe entzogen und die natürlichen Gefüge im Ökosystem zerstört. Es versauern immer mehr Böden, sie werden zu fest zusammengedrückt und die Abholzung der Wälder trägt dazu bei, dass sie durch Wind und Regen abgetragen werden. So haben wir allein im Jahr 2011 24 Milliarden Tonnen fruchtbaren Boden unwiederbringlich verloren!
Ein weiteres Problem ist die Versiegelung der Böden. Immer mehr Grünflächen werden geteert und gepflastert, um Häuser und Straßen zu bauen. Auf diesem Boden kann nichts mehr wachsen...

Die EU Agrarkommission hat nun vielfältige Vorschläge ausgearbeitet, um diesem Verfall in den kommenden Jahren entgegenzuwirken.
Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung wäre zum Beispiel die Fruchtfolge. Jede Pflanze benötigt ganz unterschiedliche Nährstoffe. Während die eine wächst hat der Boden also Zeit andere Nährstoffe wieder anzureichern und bleibt so lebendig. Durch den intensiven Einsatz von Pestiziden und Monokulturen nimmt die Bodenqualität hingegen ab und die ökologische Vielfalt geht spürbar zurück. Das Beispiel der Bienen verdeutlicht das schmerzhaft (Stoppt das Bienensterben!).
Die schweren landwirtschaftlichen Maschinen drücken den Boden außerdem stark zusammen und machen es so auf Dauer kleinen Wurzeln und Tieren unmöglich durchzukommen. So degradiert unser Boden stetig. Selbst durchpflügen hilft da nur noch oberflächlich und trägt außerdem zum Humusabbau bei, wodurch wiederum CO2 freigesetzt wird.


Was wir brauchen ist klar: zum einen eine vielfältige Fruchtfolge, um die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten. Wir brauchen eine angepasste Bodenbearbeitung und die Einarbeitung von Kompost. Die intensive Nutzung von hochgiftigen Pestiziden muss aufhören, die Abholzung der Wälder ebenfalls stark eingedämmt werden.
Die Agrar-Lobby steht diesen Vorschlägen naturgemäß skeptisch gegenüber. Sie argumentieren, dass diese Veränderungen alle sehr kostenspielig wären. Dabei übersehen sie, dass es sie am Ende viel teurer zu stehen kommen wird, wenn sie wie bisher die Böden ausbeuten. Sie sägen sozusagen den Ast ab, auf dem sie sitzen.
Die bisherigen Subventionen der EU werden nach Land verteilt – wer am meisten Land besitzt bekommt somit auch am meisten Geld. Um ländliche Entwicklung zu fördern wird ein deutlich kleinerer Teil ausgeschüttet. Maßnahmen wie Hecken und Bäume anpflanzen oder Pufferzonen mit natürlicher Vegetation zwischen Feldern und Flüssen schaffen sollten mit stärkeren Anreizen verbunden sein.
Die Bauernverbände haben nun große Angst um Verluste und stellen sich so gegen die Reform. Auch gehen die Vorstellungen der verschiedenen Mitgliedsstaaten mitunter weit auseinander.

Und, was ist nun heraus gekommen bei der Abstimmung?
Nun, leider wie zu erwarten nicht allzu viel. Die Reform wurde als massiv verwässert kritisiert. Die Auflagen für die Fruchtfolge wurden zum Beispiel auf zwei Fruchtarten reduziert und eine Sorte darf dabei bis zu 80% ausmachen.

„Das Abstimmungsergebnis ist ein unvertretbarer Kniefall vor der Agrarlobby. Einige Agrarpolitiker scheinen noch immer nicht verstanden zu haben, dass nur eine umwelt- und verbrauchergerechte Landwirtschaft Anspruch auf Unterstützung durch die Steuerzahler hat“, so
Olaf Tschimpke, Präsident des NABU.
Es besteht also noch deutlicher Nachbesserungsbedarf.

Noch scheinen diese Probleme für uns weit weg zu sein. Wir brauchen nur in den Supermarkt zu gehen und finden eine Vielzahl an Produkten und Lebensmitteln. Auf ewig kann das aber nicht so weiter gehen. Und schon jetzt gibt es eine Milliarde hungernde Menschen auf unserer Erde.

 

Quellen: 

http://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/eu-agrar-reform-das-profitdenken-muss-ein-ende-haben/

http://www.mail-archive.com/pressemeldungen@lists.wikimedia.org/msg08045.html

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Kommentare (8)
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21.02.2013
Carina hat geschrieben:
Erinnert mich an diesen Film:

http://www.youtube.com/watch?v=n8_dN5YWnyc

Mal wieder ein sehr schöner und interessanter Bericht, liebe Franzi. :)
31.01.2013
Nugua hat geschrieben:
Echt ein wichtiges Thema, das du da ansprichst und echt ganz schön erschreckend, wenn man sich die Menge anschaut: 24 Milliarden Tonnen, das kann man sich gar nicht vorstellen...
31.01.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Ein erneuter Kniefall vor einer Lobby.......Wenn die Politik irgendwann einmal wieder glaubwürdig werden möchte, dann sollte sie endlich aufhören einzelnen Mächtigen nach dem Konto zu reden und anfangen für die Zukunft der Bevölkerung und der Erde einzustehen!

Was wären wir denn ohne fruchtbare Erde? Noch nicht einmal ein bewohnbarer Planet......
30.01.2013
Nick97 hat geschrieben:
mal wieder ist es erschreckend wie kurzsichtig einige hohe Entscheidungsträger sind :/
30.01.2013
Peet hat geschrieben:
Im Grunde muss einem schon bewusst werden, wie wertvoll Erde ist, wenn jemand wandern geht und das Wasser aus den Flüssen trinkt. Wenn ich in Kanada wandern gegangen bin, habe ich regelmäßig Wasser aus kleinen Bächen oder auch etwa größeren Flüssen getrunken, weil ich ganz genau weiß, die Erde filtert und reinigt das Wasser! :) Zudem schmeckt es auch besser. ;)

Danke für den (wichtigen) Bericht!
30.01.2013
Zerschmetterling hat geschrieben:
Ein sehr informativer und interssanter Bericht.
Die Erde trägt und versorgt uns. Überhaupt ist dieser Planet ein wahrer Schatzplanet.
Und mit deinem Artikel hast du verdeutlicht, was für ein Schatz auch der Boden ist.

LG
30.01.2013
Marcel hat geschrieben:
Gut gesagt, castronioni! Stimme Dir zu!
30.01.2013
castronioni hat geschrieben:
Toller Bericht! Und ich fine daher auch das Erde der wertvollste Rohstoff auf der ganzen Welt oder sogar im UNiversum ist! Viel wertvoller als Diamanten oder anderen Schmuck!
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