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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Challua Kindi – der Kolibri-Fisch


von Kudu
28.10.2015
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Der Klimawandel ist eine große Bedrohung für das Leben auf der Erde, so viel steht schon lange fest. Und kaum ein Phänomen wird mit einem solchen Aufwand von der Wissenschaft in all seine Bestandteile zerlegt und analysiert: Ursachen, Prozesse, Zukunftsszenarien. Die Ergebnisse sind ebenso deutlich wie unangenehm: Unsere Art, zu wirtschaften ist nicht nur zum Grundpfeiler unserer Gesellschaft geworden, sie ist es auch, die uns nun unserer Lebensgrundlage zu entziehen droht. Dass dies längst mehr als eine mutige These ist, scheint aber kaum zu einem Wandel beizutragen. Wir sind wie paralysiert, handlungsunfähig vor dem Gedanken dass die Art, auf die wir seit vielen Jahrhunderten leben, falsch sein sollte. Homo Sapiens- geboren, sich die Erde untertan zu machen: eine Geschichte mit fatalen Folgen.


Die großen Vertreter der Menschheit, also diejenigen mit dem größten Interesse, das System bis zum Ende aufrechtzuerhalten, treffen sich nun in einer globalen Konferenz, um das Problem zu debattieren und alle Welt schaut nach Paris.


Aus dem Amazonasgebiet Ecuadors macht sich deshalb auch eine Delegation von Vertretern des indigenen Volkes Kichwa aus Sarayaku auf den weiten Weg nach Europa. Sie begleiten ein Kanu, das aus den Tiefen des Regenwaldes eine Nachricht in die westliche Welt bringen soll.
Was zunächst größenwahnsinnig klingt, ist schon längst in die Wege geleitet: Das Kanu mit dem Namen Challua Kindi ist seit heute auf dem Wasser. Zuvor hatten ein paar Männer aus dem Dorf wochenlang den Wald durchsucht, bis sie einen riesigen, vom Sturm geworfenen Pinche-Baum fanden, und sogleich begannen, aus dem Stamm ein Kanu zu schnitzen. Im Dorf wurde zu einer großen Minga eingeladen, um mit der Körperkraft von 50 Menschen das Kanu bergauf und bergab ins Dorf zu ziehen, wo es gebrannt und ihm der letzte Schliff gegeben wurde. Jetzt schwimmt der Kolibri-Fisch, wie der Name übersetzt heißt, auf dem Bobonaza-Fluss Richtung Guayaquil, von wo aus er per Containerschiff den Atlantik überqueren wird, um bei der COP21 auf der winterlichen Seine Präsenz zu zeigen.
Und wozu nun der ganze Aufwand?


Challua Kindi ist ein Bote des Lebens. Er kommt aus dem Lebenden Wald und repräsentiert diesen und das gleichnamige Lebensmodell Kawsak Sacha der Kichwa aus Sarayaku, das angesichts des Klimawandels und der fortschreitenden Ausbeutung unserer Erde der Weltgemeinschaft als Vorschlag für ein alternatives Lebenskonzept vorgestellt werden soll. Hier unter Palmblattdächern weiß man nicht, wie man Handys herstellt oder wie Flugzeuge funktionieren, aber der Zeitpunkt ist gekommen, dass das uralte Wissen der Indigenen für die Weltgemeinschaft eine enorme und dringende Bedeutung bekommen hat. Es ist das Wissen darüber, wie man im Einklang mit der Erde lebt, wie man ihre Schätze nutzt ohne sie auszubeuten, das Wissen darüber, wie wichtig es ist, das Leben zu respektieren. Niemand hier lehnt die Technologie ab, oder den Fortschritt, oder die Wirtschaft. Es ist nur eine Frage der Priorisierung: Der Respekt vor allem Leben kommt an erster Stelle, danach kommen Nutzungsstrategien, denn wenn eins allen klar ist, dann dass wir die Natur brauchen.


Da klingelt es auch bei uns, oder? Das ist doch nichts Neues, denken wir. Nein, irgendwo tief in uns kennen wir dieses Lebensgefühl, diese Verbundenheit, den Respekt. Nur scheint dieses Wissen irgendwann in der Geschichte des Fortschrittes, des Wachstums und des Wohlstandes vergessen worden zu sein. Wurde spätestens von der Industrialisierung überrollt, als es ihr im Weg stand.
Es ist Zeit, sich wieder zu erinnern, dass auch wir Leben sind, genau wie die Erde, das Wasser, der Wald und der Kolibri-Fisch. Wie die Anakonda, die ihre eng gewordene Haut abstreift, um in einer neuen, schillernden Haut zu neuem Atem zu kommen.

Paula Töpper, 27.10.2015

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Kommentare (2)
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31.10.2015
OekoTiger hat geschrieben:
Super Beitrag!
29.10.2015
midori hat geschrieben:
Wow, wunderschöne und einleuchtende Worte, liebe Paula! Und ein tolles Symbol - Challua Kindi. Danke, dass Du uns davon erzählt hast! :o)
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