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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Brenntage-Smog über dem Weserbergland


von Veggieburger
23.10.2012
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Es ist ein wunderbarer Herbsttag. Die Sonne strahlt die bunten Blätter der Bäume an und der eigentlich möchte man den ganzen Tag am liebsten im Freien verbringen.
Doch dieser wunderschöne Nachmittag ist trügerisch. Es ist Brenntag!
Viermal im Jahr können die Bewohner in einigen Landkreisen z.B. im Weserbergland ihre pflanzlichen Abfälle wie Äste, Büsche und Laub verbrennen. Diese sogenannten „Brenntage“ unterliegen strengen Auflagen: So dürfen nur pflanzliche Abfälle verbrannt werden, in Naturschutzgebieten und auf bewachsenen Flächen darf kein Feuer entfacht werden und das Feuer muss ständig beaufsichtigt und jederzeit löschbar sein. Ebenso dürfen keine Beeinträchtigungen der Anwohner, sowie des Verkehrs entstehen.
Und trotzdem ist es mir gelungen dieses Foto, zu machen:


Dicke Rauchschwaden über Eschershausen (Landkreis Holzminden) foto:Lisa Pramann
Dicke Rauchschwaden über Eschershausen (Landkreis Holzminden) foto: veggieburger

Nun stellt sich mir die Frage, welche Auflagen hier eigentlich noch erfüllt werden, denn, als ich durch den Ort fahre, sehe ich kaum die Straße vor lauter Rauch. Von Beeinträchtigungen kann man nicht mehr wirklich sprechen, so sehr brennt der kühle Qualm in der Lunge.
Ebenso offensichtlich ist, dass hier nicht nur pflanzliche Abfälle verbrannt werden. Solch eine Rauchwolke kann nur durch giftige Farbstoffe und nasse Hölzer entstehen!
Im Internet versuche ich, immer noch völlig entsetzt, die Bestimmungen für Brenntage zu finden.
So stoße ich unteranderem auch auf die Bestimmung, dass das Feuer nur in einer Entfernung von 25m von bewohnten Häusern brennen darf. Doch, dass sich daran nur selten gehalten wird, durfte ich ja mit eigenen Augen sehen.
Asthmatiker schreiben Leserbriefe und beklagen sich über diese Zustände, ebenso wie über mangelnde Kontrollen.

Die Fahrt in eine Qualmwand  foto:Lisa Pramann
Die Fahrt in eine Wand aus Qualm     foto:veggiebrger

Wer also zieht Nutzen aus den Brenntagen? „Eigentlich nur der Grundstückeigentümer“, so schreibt die WGS Rinteln. So kann dieser einen Grünschnitt möglichst kostengünstig loswerden.
Vielen sei die Entsorgung durch Kompostieren oder Schreddern nur bedingt möglich und auch die Anfahrten zu Grüngutsammelstellen viel zu umständlich und zu teuer.
Die WGS Rinteln stellt die Brenntage jedoch zu Recht begründet in den „Brennpunkt“.
Denn an Brenntagen entsorgen die Grundstückbesitzer nicht nur ihr Grüngut, Müll, bis hin zu Sonderabfällen. Mal ganz abgesehen von den Unmengen von CO2, die durch die Verbrennung in unsere Atmosphäre geraten, werden so die verschiedensten Schadstoffe in die Luft geblasen.
Sichteinschränkungen im Verkehr und Geruchsbelästigung, sowie Reizungen der Atemwege sind die Folgen der Rauchwolke, die sich über den Orten sammelt.
Die nötige Kontrolle ist durch die geringe Anzahl des Personals bei der Polizei nicht zu gewährleisten, so droht durch den Verstoß gegen die Auflagen zusätzlich die Gefahr von Brandübertragung durch Funkenflug.
Nicht zu vergessen ist außerdem, dass die sogenannten pflanzlichen „Abfälle“ auch zur Energiegewinnung in Biogasanalgen genutzt, oder als nährstoffreicher Humus für Blumen verwertet werden können.
Trotz der überwiegenden Argumente gegen die Brenntage bleibt fraglich ob die Landkreise und Kommunen auf die Beschwerden der Brenntags-Gegner reagieren, solange die Unverbesserlichen fröhlich weiter kokeln und damit wortwörtlich Öl ins Feuer der hitzigen Debatte gießen. Ebenso läge es an den Kommunen und Kreisen sich um die Entsorgung des anfallenden Grüngutes zu kümmern, wenn sie die Brenntage abschaffen würden. Da wundert es nicht, dass sie sich ehre aus dieser Debatte zurückhalten.
Denn solange sich nur ein kleiner Teil der Betroffenen gegen diese unsinnige Umweltverpestung ausspricht, werden einige Regionen, wie das Weserbergland, weiterhin viermal im Jahr unter einer Smogwolke begraben werden!

Lisa Pramann

1.Quelle: http://www.wgs-rinteln.de/im-brennpunkt/brenntage/
 

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Kommentare (4)
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25.10.2012
somniata hat geschrieben:
Ich muss sagen, ich habe keine Probleme mit Brenntagen, solange es bei den Grünabfällen bleibt und sich weitestgehend an die Auflagen gehalten wird.
Wird anderes verbrannt ist das ein absolutes No-Go.

Zum Punkt mit dem CO2-Austoß, das ist nicht schlimm, da es aus dem biologischen Kreislauf stammt und in diesen zurückkehrt. Problematisch sind die Ausstöße aus fossilen Energieträgern, da hat es Ewigkeiten gedauert bis die entstanden sind. Das ist also zuviel in der Atmosphäre.

Die vorherschenden Biogasanlagen in Deutschland beruhen auf dem Prinzip der anaeroben Naßvergärung, und Laub vergärt unter den Bedingungen nur schwer bis gar nicht. Zudem würde es den ganzen pH-Haushalt einer Anlage durcheinanderbringen. Den Bakterien würde das Milieu verändert werden und die streiken dann, produzieren kein Methan. Es würde insgesamt den Wirkungsgrad verschlechtern. Daher wird in Biogasanlagen kein Laub wie auch nicht aus Holz verwendet.
Allerdings wäre da Trockenfermentation ein Schlagwort, aber mit dem Gebiet bin ich nicht gut vertraut, es sind bisher noch wenige Anlagen in Deutschland; werden aber noch auf einen Vormarsch machen und einen ähnlichen Umfang wie die Nassfermentation haben.

Derzeit ist Kompostierung der bessere Weg, oder eben die Verbrennung an Brenntagen, wenn jemand nicht die Möglichkeit hat zu Kompostieren.

Quellen:
Internetrecherche
Vorlesungen in der Uni
Mitarbeiter einer Bio-Gas Anlage
25.10.2012
LSternus hat geschrieben:
So was ähnliches haben wir auch, nur da werden Grünabfälle die zu gro für die Bio-Tonne sind geschredert und nicht verbrannt.
Und dann gibt es auch noch den Wertstoffhof, wo man alles fachgerecht entsorgen kann, Grünabfälle, Sperrmüll, Altmetall, usw.
23.10.2012
neongruenerengel hat geschrieben:
Ich hasse immer diese Brenntage, sind echt unnötig !!!
23.10.2012
killerwal hat geschrieben:
schlimm!!! wie kann man nur so etwas machen. den grönabfall kann man genau so gut zum kompost verwerten. das ist doch nicht anschstrengend. wie faul!!!
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