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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Blog von der Klimakonferenz in Doha: 9. Tag


von Sylvia_WWF
04.12.2012
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Die zweite Woche der Klimakonferenz startet heute und es füllt sich merklich. Das hat nicht nur Vorteile: Der ungenutzte Konferenzraum, den wir zur WWF Zentrale umfunktioniert hatten, wird uns wieder abgenommen. Jemand anders hat ihn offiziell gemietet. Nun streunen wir etwas herrenlos durch die Gänge, denn so ein Büro als zentraler Treffpunkt war doch sehr praktisch. Das tägliche Abendtreffen soll nun wieder im weitläufigen Zeltrestaurant stattfinden. Doch da sind wir natürlich nicht ungestört.

Ich gehe zu einer Pressekonferenz, wo einige NGOs den aktuellen Stand der Verhandlungen zusammenfassen – wir sind absolut nicht da, wo wir sein wollen. So weit, so klar. Brandon Wu von ActionAid USA spricht zu Klimafinanzierung. Der Klimawandel sei das wichtigste Thema der Menschheit heute und ebenso damit verbundene Gerechtigkeitsdiskussion. Denn die Länder, die am meisten unter den Folgen des Klimawandels litten, seien häufig am wenigsten Schuld daran. Nepal, Kenia, Butan und Bangladesch sind einige Beispiele von Ländern, die schon heute massiv die Folgen spüren. Es gäbe eine klare moralische Verpflichtung, den Opfern zu helfen, sagt Wu. Das gelte insbesondere für die Industriestaaten, deren Reichtum und Entwicklung erst durch die Nutzung fossiler Brennstoffe möglich war und die heute immer noch zu den Hauptemittenten gehören.

Auch der WWF arbeitet zu dem Thema. Vor drei Jahren hatte sich die Weltgemeinschaft auf dem Klimagipfel von Kopenhagen immerhin zur Einrichtung des Grünen Klima Fonds verpflichtet, der einen Großteil der ab dem Jahr 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar an Entwicklungsländer verteilen soll. Damit sollen weltweit Klimaschutzprojekte finanziert werden. Zugleich wurde in Kopenhagen eine Anschubfinanzierung für die Jahre 2010 bis 2012 in die Wege geleitet. Doch für die Zeit von 2013 bis 2020 ist bisher nichts geregelt. Es klafft eine große Lücke und die Industriestaaten tun sich schwer mit Finanzierungszusagen. Ihre eigene Wirtschaft steht unter Druck, es gibt viele andere teure Probleme. Die Staatskassen sind leer. Sagen sie.

Doch natürlich kommt es auch darauf an, wer es ist, der Hilfe braucht. Die USA stellten im Jahr 2005 kurzfristig 110 Milliarden US-Dollar für die Katastrophenhilfe nach Hurrikane Katrina zur Verfügung. Die Bundesstaaten New York und New Jersey haben für die durch Hurrikan Sandy verursachten Schäden ein Budget von über 70 Milliarden US Dollar angefordert. Selbstverständlich muss den Menschen dort geholfen werden. Aber es zeigt, dass nur dort wo ein Wille ist, auch ein Weg ist.

Auch klar ist: Das meiste Geld, was bisher zur Verfügung gestellt wurde, ist nicht wirklich „neu“. Es wurde zum Teil schon im Rahmen anderer Projekte zugesagt. Manchmal wird auch nur ein Kredit gewährt. Und oftmals sind die Geldzusagen an Bedingungen gekoppelt. So bietet Kanada Unterstützung für den Bau von Solarthermiekraftwerken. Bedingung ist, dass ein Großteil der benötigen Materialien bei kanadischen Firmen eingekauft werden. So wird Klimafinanzierung zur Wirtschaftsförderung.

Um in Sachen Finanzierung weiterzukommen, haben die G77 – ein Großteil der Entwicklungsländer – in Doha vorgeschlagen, dass die Industriestaaten in der Zeit von 2013 bis 2015 Gelder in Höhe von 60 Mrd. US-Dollar zusagen. Dies ist immer noch zu wenig, um einen gleichmäßigen Aufwuchspfad von heute bis zu den 100 Mrd. in 2020 zu erreichen. Dennoch glaubt kaum einer hier in den Gängen, dass die Industriestaaten zustimmen werden. Schlimmstenfalls verlassen wir Doha ohne das konkreten Zahlen für die Zukunft der Klimafinanzierung auf dem Tisch liegen.

Sylvia aus dem WWF-Team

Bild © Alexander Vlad / flickr via CC

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Hier die Berichte der letzten Tage:

Tag 1
Tag 2
Tag 3
Tag 4
Tag 5

Tag 6
Tag 7
Tag 8

Ziele & Forderungen des WWF zur 18. Klimakonferenz.
 

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Kommentare (1)
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04.12.2012
LSternus hat geschrieben:
The same prozedure at last year? - The same prozedure as every year!

Das hatte ich befürchtet. Ganz allmählig stellt sich bei mir die Frage ob der Wille zum Klimaschutz bei dem Großteil überhaupt vorhanden ist!
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