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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Blog von der Klimakonferenz in Doha: 7. Tag


von Sylvia_WWF
02.12.2012
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Am 1.12. klingelt der Wecker um 6.15 Uhr. Für 6.30 ist ein Kaffee und ein Croissant beim Room Service bestellt, aber bis 6.45 ist nichts da. So geht es ohne Frühstück los - zur NGO Demonstration in Doha. Wir treffen uns alle an der Strandpromenade Al Corniche, um gegen die mangenden Klimaschutzambitionen der Konferenzdelegationen zu protestieren. Unsere Kampfgesänge lauten: “Whooo, It’s hot in here, too much carbon in the atmosphere” und “put the money in the fund” (Endlich Geld für den Klimaschutzfonds). Außerdem habe ich meinen Kollegen Will aus Australien überredet, sich unser WWF Eisbären-Kostüm, dessen Lebensraum in der Natur durch das Abschmelzen des Polareises schwindet und der deshalb zum Symboltier des Klimawandels geworden ist, anzuziehen.

Zunächst hat Will wenig Lust sich bei rund 23 Grad - es ist ja noch recht früh - in den pelzigen weißen Anzug zu quetschen. Aber als dann zig TV-Kameras und Fotoapparate auf ihn halten und wir plötzlich durch zahlreiche Journalisten und neugierige NGO-Mitglieder umringt sind, macht es ihm sichtlich Spaß. Das gesamte WWF Team ist vor Ort, 22 Leute halten ihre DIN A1 großen Tafeln in die Luft und gruppieren sich um Will. Nun kann die Presse lesen: "Nahrung. Trinkwasser. Erneuerbare Energie. Für alle. Für immer." Klingt auf Deutsch etwas pathetisch, aber auf Englisch geht’s und Demo-Botschaften müssen kurz und verständlich sein. ;) Auch auf Arabisch gibt es Schilder.

Nach und nach setzt sich der Marsch in Bewegung, angeführt von den arabischen NGOs, dahinter BUND und Friends of the Earth, eine Veganer-Bewegung, Climate Justice Network und einige andere mehr. Es ist der erste Umweltmarsch, der je in Katar stattfand. Im Vergleich zu früheren Protestzügen auf anderen COPs ist die Bewegung mit ca. 500-800 Teilnehmern klein. In Kopenhagen sollen vor drei Jahren vielleicht 20.000 Leute auf der Straße gewesen sein, mit breiter Beteiligung der Bevölkerung. In Durban vor einem Jahr, so sagt man mir, waren es immerhin noch 2.000-3.000 Menschen.

Es ist schön hier an diesem Teil der Al Corniche, aber es liegt nicht zentral. Außer zwei Joggern verirrt sich hier niemand zu dieser Stunde hin. Die Chancen, dass sich spontan Katarer anschließen, sind klein, ebenso die Chancen auf spontane öffentliche Wahrnehmung. Die Medien sind allerdings gut vertreten. Rund 15 Bauarbeiter winken uns von einem Hochhaus her zu. Ein paar Katarer gibt es aber doch. Sie sind Teil der neuen Umweltbewegung, die seit Anfang des Jahres systematisch aufgebaut worden ist. 500.000 Dollar sollen dafür von der Regierung spendiert worden sein, damit der Herr im weißen bodenlangen Hemd und Kopftuch, der jetzt ganz vorne am Zug läuft und Parolen ins Mikrofon ruft, hinter sich auch Katarer weiß. Einige Stimmen sagen daher, dass Katar sich eine Umweltbewegung gekauft habe.

Mit Geld lässt sich ja hier vieles schaffen - bis zur Fußballweltmeisterschaft zum Beispiel müssen noch einige Stadien gebaut werden. Bei in der Regel zehn Stadien, die während einer WM genutzt werden, mit je einer Größe von ca. 50.000 Sitzplätzen auf eine Bevölkerung von 1,5 Millionen, hätte statistisch ab 2022 jeder dritte Katarer in Zukunft einen Stadionplatz.

Mein Kollege aus den Vereinigten Emiraten beurteilt die katarische Umweltbewegung nicht ganz so negativ. Zwar sei plötzlich viel Geld zur Verfügung gestellt worden und einiges aus dem Boden gestampft worden, wie zum Beispiel die NGO Oasis, die bei der Demonstration vorne vorweg schreitet. Doch würden auch bereits bestehende, schwache Strukturen davon gestärkt. Umweltbewegung auf Arabisch sei generell eine andere Sache - weniger auf Protest gebürstet, sondern eher kooperativ.

Seit 15 Jahren gäbe es bereits eine Umweltgruppe in Katar, die interessante Projekte zum Schutz der Biodiversität umsetze. Seit diesem Jahr ist sie nicht mehr ganz alleine.

Viele Grüße,

eure Sylvia vom WWF-Team

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Hier die Berichte der letzten Tage:

Tag 1
Tag 2
Tag 3
Tag 4
Tag 5
Tag 6

Ziele & Forderungen des WWF zur 18. Klimakonferenz.

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Foto © Sylvia Ratzlaff / WWF

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Kommentare (3)
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Sortieren nach Aktualität:
03.12.2012
LSternus hat geschrieben:
Die Masse machts. Desto mehr Demonstranten sich für den Klimaschutz einsetzen, desto besser.
03.12.2012
midori hat geschrieben:
"Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern."

;o)
03.12.2012
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
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