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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Blog von der Klimakonferenz in Doha: 6. Tag


von Sylvia_WWF
01.12.2012
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Einer der Verhandlungsstränge auf dem Weltklimagipfel ist das Thema "Loss and Damage". Grob gesagt geht es hier um Kompensationsmechanismen bei Klimaschäden, wenn andere Maßnahmen wie Emissionsminderung und Anpassung an die Klimaveränderungen versagt haben. Wenn also zum Beispiel der Meerwasserspiegel aufgrund der ungeminderten Treibhausgasemissionen steigt und Dämme nicht mehr helfen. Doch bislang wollte sich keiner so richtig mit dem Thema beschäftigen, denn klar ist, es geht hier um große Summen an Geld. Und auch das allein kann natürlich nicht gutmachen, wenn Inseln wie die Malediven, die Seychellen und Tuvalu eines Tages im Meer versunken sein sollten.

Die kleinen Inselstaaten dieser Welt haben sich deshalb zu einer Gruppe namens AOSIS (Alliance of Small Island States) zusammengeschlossen, um gemeinsam die Weltgemeinschaft wach zu rütteln. Vertreter von Inselstaaten in der Karibik, dem Indischen und dem Pazifischen Ozean oder dem Südchinesischen Meer spüren die Folgen des Klimawandels bereits heute: Es regnet länger und heftiger, die Böden versalzen, die Strände werden abgetragen. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte der Meerwasserspiegel um bis zu 80 cm steigen, dann könnten einige Inselstaaten komplett verschwinden. Andere verlieren ihre fruchtbarsten Gebiete, wo die wirtschaftlichen Zentren angesiedelt sind.

Der WWF hat mit den beiden Hilfsorganisationen CARE und ActionAid dazu gestern hier in Doha eine neue Studie zu loss & damage vorgestellt. Ziel der Studie ist es, dass ein neues internationales Abkommen unter der UN-Klimarahmenkonvention ins Leben gerufen wird, das den Umgang mit Klimaschäden regelt. Es soll festlegen, wie denen geholfen wird, wenn Anpassungsmaßnahmen nicht mehr greifen und den Druck erhöhen, dass noch mehr getan wird, um dieses „worst case szenario“ zu vermeiden. Doch die Pressekonferenz dazu ist eher schwach besucht – zu komplex ist das Thema für die heimischen Leser, zu weit weg, zu exotisch, sagt mir ein Journalist einer süddeutschen Regionalzeitung.

An weltweit sichtbaren Zeichen des Klimawandels mangelt es nicht: Dramatische Überflutungen auf den Philippinen und in Bangladesch, der Hurrikan Sandy oder die verheerende Dürren in Afrika, Australien und Russland sind alarmierende Anzeichen für die Gefährlichkeit des Klimawandels. Und viele andere Beispiele schaffen es gar nicht in die internationalen Medien: So müssen Menschen in Nepal ihre Dörfer verlassen, weil mit den schmelzenden Gletschern auch der Zugang zu Trinkwasser verschwindet. Die Auslöser dieses Dramas, die noch immer weltweit steigenden Treibhausgasemissionen, entstehen jedoch vor allem in den reichsten Staaten der Welt und einigen aufstrebenden Schwellenländern. Doch sie liegen häufig in Regionen, wo der Klimawandel erst recht spät erfahrbar wird. Zudem haben sie andere finanzielle Möglichkeiten, um sich zu schützen. Doch die Industriestaaten werden sich dem Thema auf die Dauer nicht verschließen können – wenn Millionen von Klimaflüchtlingen vor ihrer Tür stehen oder sie Milliarden in Schadensbegrenzung investieren müssen. Ein Grund mehr, alles dafür zu tun, die Erderwärmung unter 2 Grad zu halten.

 

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Blogeintrag Tag 1
Blogeintrag Tag 2
Blogeintrag Tag 3
Blogeintrag Tag 4
Blogeintrag Tag 5

Ziele & Forderungen des WWF zur 18. Klimakonferenz.

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Foto: Climate activists gathered for a march on the waterfront in Doha; calling on Arab countries to take the lead in UN climate change negotiations. © Adopt a Negotiator via flickr, CC

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Kommentare (3)
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03.12.2012
anni95 hat geschrieben:
Faszinierend, was alles übersehen wird, weil es zu weit weg ist. Was alles ignoriert wird, weil es einen selbst nicht betrifft. Einfach nur krass.
01.12.2012
midori hat geschrieben:
Es ist nun leider so. Der Mensch als rationales Wesen sucht lieber den nahliegenden Vorteil, auch wenn dieser langfristig Nachteile mitsichbringt, statt andersherum. Tragisch. Ich hoffe, dass wir dieses Denken eines Tages überwinden werden. Angesichts des Klimawandels bleibt uns aber nicht viel Zeit! Also packen wirs an! :o)
01.12.2012
LSternus hat geschrieben:
Super Artikel.
Über das geringe Medieninteresse kann ich nur den Kopf schütteln. Es ist eigentlich absolut unverantwortlich, so etwas Wichtiges raus zu ignorieren, weil es anscheinend keine gut Schlagzeile wäre.
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