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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Blog von der Klimakonferenz in Doha: 2. Tag


von Sylvia_WWF
28.11.2012
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Es ist noch Luft nach oben

27.11.2012 Der erste Tag in Doha, Katar: Über Gerüchte zur Finanzierung von Klimaprogrammen, eine positive Nachricht der australischen Delegation und die aussichtsreichsten Kandidaten für den Negativpreis

Heute nun der Start der COP 18 in Doha! Per Busshuttle werden alle Teilnehmer in ein noch ziemlich leeres Stadtentwicklungsgebiet am Rande gefahren, wo außerdem noch eine Universität untergekommen ist. Das Konferenzgebäude ist riesig und fast ganz neu. Die Kollegen witzeln schon, dass wir alle dünn und gestählt am Ende der 14 Tage sein werden - so lange sind manchmal die Wege zwischen den einzelnen Säalen und Meetingräumen.

Im Pressezentrum ist noch fast nichts los; die meisten reisen wohl erst zum Ende der Woche an. Wir nutzen die Zeit, Überblick zu gewinnen, sowohl von den Räumlichkeiten als auch von den ganzen so genannten Side Events - Zusatzveranstaltungen, in denen einzelne Organisationen, häufig NGOs oder Länder noch mal zu bestimmten Inhalten informieren oder neue Studien vorstellen. Der morgige Tag zum Beispiel steht unter dem Thema Klima & Gender und sogar die Chefin des UNO-Klimasekretariats, Christiana Figueres, wird auf einem Side Event dazu sprechen.

Den Auftakt heute machte die Eröffnungskonferenz mit dem Vizepremier des Golfstaates, Abdullah bin Hamad Al-Attiyah. Das meiste ist freundlich und eher unverbindlich, was an so einem ersten Tag geäußert wird. Unsere Kollegen, die zu Klimafinanzierung arbeiten, horchen auf, dass die Entwicklungsländer in ihren Reden das Thema immer mal wieder ansprechen. Könnte es sein, dass die Finanzierungsthemen in Doha nicht in eine Arbeitsgruppe gegeben werden, sondern direkt in der Hauptverhandlungen besprochen werden? Das wäre eine gewisse Aufwertung.

Erste ansatzweise positive Nachricht von Tag 1 in Doha: Australien hat seine neuen Emissionsminderungsziele für die zweite Phase des Kyoto-Protokolls offiziell verkündet. 5 Prozent weniger bis zum Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr 2000 sollen es werden. Das klingt ja erst mal nicht so gut.

Aber, so erklärt es mir mein australischer Kollege, ist da noch Luft nach oben. Die fünf Prozent sind bindend, aber eigentlich würde Australien bis zu 25 Prozent Minderung anstreben. Nur so schwarz auf weiß im Protokoll soll das bitte nicht stehen. Denn dann wäre man ja bei Nicht-Erreichen quasi haftbar. Daher also die fünf Prozent und jede Menge Arbeit für den WWF und andere NGOs, daraus mehr zu machen. Denn um die globale Erwärmung unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, müssen die Industrieländer mindestens 25 bis 40 Prozent ihrer Treibhausgase bis 2020 reduzieren.

Unsere Kollegen vom Climate Action Network (CAN) loben auf Klimakonferenzen jeden Tag den "Fossil of the Day"-Award aus. Ein Preis, mit dem der größte Bremser des Tages beschämt werden soll. So auch heute. Er geht diesmal gleich an eine ganze Staatengruppe:

Die USA, Kanada, Russland, Japan und Neuseeland werden ausgezeichnet, da sie jede Art von Verbindlichkeit bei den Klimaverhandlungen scheuen. Gemeint ist hier speziell das Kyoto-Protokoll. Die USA, die ja sowieso gar nicht erst mitmachen, wollen noch nicht einmal vergleichbare Messstandards bei der Emissionsreduktion nutzen, damit ihre freiwilligen Klimaschutzbemühungen nicht mal so eben mit denen von anderen Ländern verglichen werden können.

Die anderen Länder sind entweder bereits wieder aus dem Kyoto-Protokoll ausgestiegen und/oder wollen zukünftig sich nicht weiter verpflichten. Die Auszeichnung läutet zugleich das Ende von Konferenztag 1 ein - Zeit, für eine kleine Erfrischung auf dem Eröffnungsempfang. Mal sehen, ob hier auch Alkohol ausgeschenkt wird, der in Doha ja eher Mangelware ist.

Bild von der COP 17 in Durban © Martina Lippuner

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Kommentare (2)
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28.11.2012
Monika0194 hat geschrieben:
Ich finde die Zurückhaltung und Enthaltung mancher Länder wirklich lächerlich, aber auf der anderen Seite ist das Ganze echt zum Heulen.
Wir haben doch nur unsere wunderschöne Erde, die uns so viel bieten kann und es auch tut. Und irgendwann werden diese Länger aus ihrem Schlummerschlaf aufwachen und was tun wollen. Doch dann ist es schon zu spät und dann können wir mal alle gucken wo wir bleiben. Die Erde gibt uns so viel und verlangt nichts außer Achtung, Respekt und Entgegenkommen von uns Menschen. Und wir nutzen sie bis ins Gröbste aus und zerstören sie damit und im Endeffekt geben wir ihr nichts zurück. Das ist wirklich ein Armutszeugnis. Ohne diese vielen nichtstuenden Ländern kann nicht viel geschehen !
28.11.2012
LSternus hat geschrieben:
Naja, wenigstens Australien hat sich schon mal an einen Vertrag gebunden - mit Luft nach oben.
Zu all denen die sich nicht am Klimaschutz beteiligen wollen, habe ich eine kurze Anmerkung:
Sucht euch mal einen neuen Planeten! Wenn ihr hier den alten vor die Hunde gehen lasst, weil ihr jede Verntwortung und jedes entsprechende Verhalten in die Tonne tretet, dann wird euch keine andere Wahl bleiben, es sei denn ihr lernt ganz schnell auf dem Mars zu atmen!
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