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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Blog von der Klimakonferenz in Doha: 13. und 14. Tag


von Sylvia_WWF
10.12.2012
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Es dauerte alles länger als geplant... Der Freitag bricht an - das Ende der COP18 ist offiziell vorgesehen. Doch viele gehen davon aus, dass wir auch am Samstag wieder raus zum Konferenzzentrum fahren werden. Ganz früh am Morgen stehen WWF-Mitarbeiter mit Kollegen anderer großer internationaler Umwelt- und Naturschutzverbände, mit denen wir gestern eine Pressekonferenz abgehalten, noch einmal an den Rolltreppen, die ins Convention Center führen. Mit großen Schildern fordern sie in einem stillen Protest die Delegierten auf, die COP nicht mit so magerem Ergebnis enden zu lassen, wie es sich derzeit abzeichnet.

Ein ähnliches Ziel verfolgen wir in einer gemeinsamen Pressekonferenz der deutschen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen Brot für die Welt, BUND, Germanwatch, Greenpeace, NABU, Oxfam und WWF. Darin wird Bundeskanzlerin Merkel aufgefordert, auf ihre EU-Kollegen einzuwirken, damit die EU zeitnah ihr Klimaschutzziel auf 30 Prozent bis 2020 im Vergleich zu 1990 erhöhe. Auf der COP wird das nicht mehr passieren, aber für März 2013 auf dem EU-Ratstreffen wäre das möglich. Wir fordern, dass als positives Zeichen für Doha dieser Beschluss mit diesem Datum hier kommuniziert werden soll.

Denn eines ist seit dem Eintreffen der Minister vor wenigen Tagen inzwischen klar: Es herrscht ein eklatanter Mangel an politischem Willen. Die Textentwürfe zum Kyoto-Protokoll, zu Finanzen und zum Mechanismus schwerer irreparabler Klimawandelschäden (Loss and Damage) sind in dieser Form, wie jetzt auf dem Tisch liegen, nicht zustimmungsfähig. Der Erfolg von Durban, die Allianz zwischen der EU, den kleinen Inselstaaten und den ärmsten Entwicklungsländern gemeinsam für mehr Klimaschutzambitionen zu kämpfen, ist zerbrochen. Schuld sind die mangelnden Ambitionen der europäischen Staaten. Doch wie befürchtet, am restlichen Freitag tut sich wenig. Gegen 21 Uhr fahren einige ins Hotel zurück, andere folgen erst spät in der Nacht.

Am nächsten Morgen ist um 7.30 Uhr Start des Plenums. Als wir eintreffen, finden wir die Endtexte zu den einzelnen Verhandlungssträngen vor, die nun noch von allen Ländern akzeptiert und verabschiedet werden müssen. Später dann soll das Abschlussplenum der Convention of the Parties (COP) und des Meeting of the Parties (MOP bzw. CMP) stattfinden. Sie sind öffentlich und in dem riesigen Saal sitzen Delegierte aus 194 Staaten zusammen mit Journalisten und den NGO-Vertretern. Stundenlang passiert nichts und keiner weiß wann die Sitzungen eröffnet werden. Die Reihen haben sich schon gelichtet. Einige Verhandler aus den Delegationsteams, die zu den technischen Fragen in der ersten Wochen gearbeitet haben, sind bereits abgereist.

Gegen vier Uhr gibt die Generalsekretärin der Klimarahmenkonvention, Christiana Figueres, unter deren Hut die Weltklimakonferenzen laufen, bekannt, dass alle Staaten, die sich zuvor bereiterklärt haben, die zweite Verpflichtungsperiode einzugehen, die vorläufige Unterschrift eingereicht haben. Applaus brandet auf.

Erneut verschwinden nach und nach die Leute aus dem Saal, andere hängen herum, unterhalten sich. Es geht nicht weiter. Erst gegen 18:45 Uhr sind auf einmal alle da. Der COP-Präsident Abdullah Bin Hamad al-Attija eröffnet die COP, liest die einzelnen Verhandlungsstränge vor und ruft zur Abstimmung auf. Russland wedelt mit seiner Fahne. Ablehnung und Sprechanfrage heißt das. Russland will zum Text der zweiten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokoll einen neuen Kompromissvorschlag unterbreiten.

Auf einmal geht alles rasend schnell. Der COP-Präsident übersieht geflissentlich den Widerstand Russland und liest weiter die einzelnen Verhandlungsstränge vor. Dann verkündet er, alle Beschlüsse seien angenommen worden – hiermit sorgt er für ordentlich Applaus im Raum. Die Protestrufe der Russischen Föderation gehen in der allgemeinen Freude über das Ende unter. Im Anschluss haben die Staaten das Recht weitere Kommentare abzugeben und al-Attija erklärt sich lediglich bereit, den Protest Russlands im Protokoll zu vermerken, das Ergebnis aber sei final. Damit ist die COP18 in Doha zu Ende. Es ist sieben Uhr abends. Draußen vor der Tür des Saales laufen spontane Pressekonferenzen. Politiker geben Statements in Mikrophone und Kameras.

Eines ist klar: Gemessen an den Erwartungen ist die Konferenzbilanz enttäuschend, gemessen an den Herausforderungen des Klimawandels ist sie vernichtend. Wir steuern auf eine Erwärmung der globalen Durchschnittstemperatur von 4 bis 6 Grad Celsius zu, mit unüberblickbaren Folgen. Die Treibhausgasemissionen sind so hoch wie nie zuvor und werden weiter steigen. Neue ambitioniertere Emissionsreduktionen standen beim Konferenzmarathon erst gar nicht auf der Tagesordnung. Die Einigung auf ein konkretes Jahr, in dem der Scheitelpunkt der weltweiten Treibhausgasemissionen erreicht sein muss, wurde auch ein weiteres Mal verschoben. Doch laut WWF müsste dieses Peakjahr bereits um 2015 herum sein, damit die globale Durchschnittstemperatur die Schwelle von zwei Grad Celsius nicht überschreitet.

Die EU als eine der größten Länderblöcke, die bei der zweiten Phase des Kyoto-Protokoll teilnehmen, nimmt sich bis 2020 quasi eine achtjährige Auszeit von weiteren Verpflichtungen zu Emissionsreduktionen. Sie haben ihr angegebenes Ziel für 2020 bereits heute erfüllt. Die Klimafinanzierung in Entwicklungsländern wird weitergeführt, doch die Zusagen der Industrieländer sind bescheiden und die Mechanismen vage. Ein verbindlicher Finanzierungsfahrplan mit klaren Zwischenzielen für die kommenden Jahre wurde nicht definiert, der grüne Klimafonds bleibt leer. So können die ärmsten Entwicklungsländer keine langfristigen Klimaschutzmaßnahmen ergreifen und sich selbst vor den schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels schützen.

Die Verhandlungen und Themen in Doha sind so hochkomplex, dass man vor Ort das Gefühl hat in einer Blase zu leben. Erfolge und Misserfolge eines Tages sind nur schwer nach außen zu vermitteln. Viele kleine technische Details und Prozesse in komplexen Gesetzestexten wurden hin und her gewendet. Letztendlich kann man nur feststellen, dass auch hier sich zeigt, wie Menschen eben ticken. Wir sind zu bequem, um zu handeln und warten daher erst mal weiter ab – auch wenn die Kosten des Nicht-Handelns später einmal grausam und ungeheuer hoch sein könnten. Natürlich spielt die Frage der Gerechtigkeit hier eine ganz große Rolle: Die Staaten, die massiv zum Klimawandel beitragen, da ihre Wirtschaft und ihre Entwicklung auf fossilen Brennstoffen beruht, gehören zu den reicheren der Welt. Sie meinen, sie können es sich leisten noch weiter abzuwarten und den Kopf in den Sand zu stecken. Die Folgen davon spüren vor allem zuerst die Entwicklungsländer, die an der Herausforderung Klimawandel straucheln könnten.

Wie ist eure Meinung? Ich freue mich auf eure kommentare!

Eure Sylvia vom WWf-Team

p.s. Und hier könnt ihr Fragen stellen, die wir euch in einem Podcast-Interview beantworten werden!

Bild © Penny Yi Wang / flickr via CC

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Kommentare (1)
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10.12.2012
LSternus hat geschrieben:
Russland mal ebenso "übersehen".
Genug gespaßt. Die EU enttäuscht mich maßlos. Gerade sie sollte ein Musterbeispiel in Sachen Klimaschutz sein.
Aber nein, stattdessen entzieht sie sich jeder Verantwortung.
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