Bleib aktuell!


Was gibt's


Neues?


Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Blickpunkt Ölpest Teil 6 – Sind wir ehrlich zu uns selbst?


von Peet
01.08.2010
0
0
100 P

Es ist einfach zu verstehen. Wird die Lage zu unübersichtlich, zu gefährlich, tritt man ab. Die Person taucht ab, kassiert noch eben eine Abfindung in Millionenhöhe, wofür auch immer, und nimmt einen anderen Posten, natürlich ein bisschen niedriger, ein.

So läuft es immer, egal welche Branche. Ob Finanzmärkte, Immobilienmärkte oder eben die Ölindustrie. Nicht zu vergessen die politische Ebene, wobei es dort zur Zeit relativ populär ist abzutreten und Platz für Jemand anderes zu machen, der die Suppe dann auslöffeln kann. Nur stellt man sich die Frage warum?

Warum tritt Jemand, der für die größte Ölkatastrophe seit Menschengedenken verantwortlich ist einfach zurück, kassiert Millionen und bekommt einen Posten in einer Tochterfirma. Wo bleibt die Gerechtigkeit? Sich seinen Aufgaben entziehen, gerade dann, wenn Standhaftigkeit gefragt ist. Wenn Einsatz gezeigt werden muss, Einsatz gegen diese Katastrophe. Das versuchen zu retten was noch möglich ist und zu seinen Fehlern stehen die man begangen hat. Diese Werte scheinen der Vergangenheit anzugehören. Wir sehen es aktuell in Duisburg, wir sahen es beim Bundespräsidenten und bei etlichen anderen politischen Größen dieser Nation und nun sah man es auch in der Industrie. Mal wieder.

Nachdem der BP-Chef Hayward am ersten Oktober abtreten wird, wird niemand mehr nach ihm fragen. Die Nachricht wird vermutlich hinter der Loveparade ausgestrahlt. Ein Mensch entzieht sich seiner Verantwortung und warum fragt man sich? Auf Druck der Medien? Tragen die Medien dazu bei, das Menschen sich ihrer Verantwortung entziehen können? Ja und nein. Politik wird mit den Medien gemacht. Geld wird mit den Medien gemacht. Äußert sich ein Politiker falsch, egal zu welchem Thema, lebt er von nun an auf einen gefährlichem Pflaster. Seine Zukunft ist ungewiss. Rutscht ein Unternehmen in die schiefe Bahn und erhält schlechte Kritik sinken Aktien, verliert das Unternehmen bei den Menschen an vertrauen und macht Verlust. Beispiel Toyota's Pannenserie oder eben BP.

BP's Aktiek fallen seit Beginn der Krise in den Keller. Das Unternehmen verlor in den letzten Monaten rund siebzehn Milliarden US-Dollar an Wert. Ein großer Betrag für uns, ein kleiner für BP, wenn man sich einmal an sieht, wie viel Gewinn BP jährlich gemacht hat. Dennoch wird spekuliert und spekuliert. Medien verbreiten den Verkauf von ganzen Sparten des Unternehmens, nicht zuletzt Aral in Deutschland. Die rund 2500 Tankstellen haben derzeit einen Wert von circa 2 Milliarden Euro. BP benötigt anscheinend Geld. Niemand traut dem Unternehmen momentan. Niemand investiert. Aber ist das nicht gerecht? Ist der Schaden, den BP nicht angerichtet hat viel größer als diese Summen? Diese Summen scheinen fast lächerlich im Vergleich zu den Aktionen die geschahen als die Finanzkrise die Welt an den Abgrund brachte. Alles war offen, es wurde spekuliert und spekuliert und die Medien überboten sich mit den neusten Informationen doch niemand genau wusste was überhaupt geschehen ist. Abgesehen von Professoren und anderen Akademikern die Tag für Tag mit dem Geschehen zu tuen haben oder eben diesen Leuten die diese Krise zu verantworten haben, war oder ist wohl kaum Jemand in der Lage eine detaillierte und handfeste Aussage über das Geschehene zu geben, oder nicht?!

Auch die Krise forderte Opfer. Manager mussten gehen, aber sind das die wirklichen Opfer? Menschen die sich wieder der Verantwortung entziehen, auch noch dreisterweise Millionen einklagen und sich auf ihre Rechte beziehen und gleichzeitig für Millionen Arbeitslose verantwortlich sind, die Aufgrund der Krise ihren Arbeitsplatz verloren haben. Haben diese Menschen noch ein Gewissen? Vertrauen gegenüber diesen Menschen kann nicht mehr aufgebaut werden. Nicht gegen Menschen die sich ihren Problemen nicht stellen. Die wahren Opfer bekommen keine Millionen. Sie bekommen Hartz 4 oder die Obdachlosigkeit, je nachdem in welchem Land man lebt. Und was bekommt die Natur? Die für diese aktuelle Katastrophe am allerwenigsten etwas kann? Sie kann sich nicht einfach entziehen, sie ist das Opfer. Das Opfer, welches nur noch am Rande erwähnt wird, hinter der fliehenden Person, die für alles zur Rechenschaft gezogen werden müsste.

Das Leck wurde gestopft aber nur provisorisch. Schon darf wieder weiter in den Tiefseen dieser Ozeane gebohrt werden bis es nur so sprudelt vor Öl. Notverordnungen werden ausgehebelt, um sich der Natur weiter zu bedienen. Doch im Endeffekt ist es unsere Abhängigkeit die uns alle Teil des Ganzen werden lässt. Unsere Abhängigkeit von Öl treibt die Preise, löst die Kettenreaktion aus und ist am Ende unser aller Schuld. Ein kleiner Mann an einer Spitze eines Unternehmens kann am wenigsten dafür. Er versucht nur unseren Hunger und Abhängigkeit zu stillen, mit Öl. Wir machen ihn reich, wir machen die Menschen die für das Unternehmen arbeiten reich und für die anderen dieser Branche ebenso. Wir müssen uns lösen aber wie? Das geht einfach nicht. Werfen wir einen Blick auf Griechenland, nicht aufgrund der Staatspleite, aufgrund des Streiks von einigen tausend Menschen. Diese Menschen verdienen zu wenig, das glauben sie, dürfen sie auch. Das ist ihr gutes Recht. Aber eine ganze Nation ist am sterben, metaphorisch gesehen. 5% aller Tankstellen haben nur noch geöffnet. Es gibt kaum noch Sprit für die Autos, die Menschen werde alle untergehen. So wird es zelebriert und dem Menschen verkauft. Die Menschen leben dennoch weiter, seltsamerweise. Es ist die Wirtschaft dieses Landes, die noch mehr gebeutelt wird. Die Wirtschaft bedeutet Arbeit. Arbeit bedeutet Geld und Geld bedeutet Wohlstand. So wird es uns immer verkauft und wir alle traben jeden Tag oder zu mindestens fünf Tage die Woche dieser Theorie hinterher. Was bleibt uns auch übrig? Wir wollen ein Teil dieser Gesellschaft sein, jeder Mensch will das.

Doch die Wirtschaft ist unsere Abhängigkeit. Die Wirtschaft braucht Energie, Energie bedeutet Öl, Kohle, Gas. Fossile Brennstoffe werden in unglaublichen Massen benötigt. China überholte die USA als größter Energieverbraucher vor kurzem. Nicht gerade ein rühmlicher Titel. Indien wird nicht lange auf sich warten. Ebenso andere Schwellenländer wie Brasilien, Mexiko und und und. Alle werden mehr und mehr in die Abhängigkeit geraten. Unsere Vorstellung von Leben fokussiert sich auf die Abhängigkeit. Jeder will ein Teil dieser Gesellschaft sein aber müssten wir uns nicht dafür schämen? Wir machen immer andere für ein Problem verantwortlich. BP für die Ölpest, den Oberbürgermeister für das geschene bei der Loveparade in Duisburg oder aber die Manager in der Finanzkrise, sei es jede Bank oder Investmentgeschäft dieser Welt. Immer sind es die da oben. Aber waren wir nicht vor der Krise zufrieden mit dem Leben? Wir hatten Wachstumsraten von über drei Prozent in diesem Land, Spanien sogar fast neun, war das nicht wunderbar? Jeder dieser Gesellschaft ist mit gerannt bei diesem Marathon. Gerannt ins Verderben und das gleiche machen wir Tag für Tag. Wir benutzen unser Auto, das Auto als Statussymbol. Als Symbol des Wohlstands. Kaum einer wird seine Solaranlage auf dem Dach als Statussymbol verwenden oder seine klimafreundliche Heizung im Keller. Das sind Nebenprodukte. Es muss sich was ändern. Wir müssen uns ändern. Gerade einmal rund zehn Prozent der erzeugten Energien in Deutschland werden aus regenerativen Energien gewonnen. Über fünfzig Prozent trägt die Kohle zu unserer Energie bei und das Öl? Das Öl hält alles zusammen und zerstört doch gleichzeitig das, was wir immer nur belächeln, die Natur.

BP musste unterdessen die Arbeiten am Bohrloch aufgrund des schlechten Wetters einstellen. Jetzt wo die Hurricanezeit einsetzt, wird es umso schwerer das Öl vom Wasser zu trennen und die endgültige Lösung für das Problem zu installieren. Neben den zwei Entlastungsbohrungen sowie der Vorrichtung für das Absaugen des Öl's aus dem größten Leck, muss erst einmal die Laune der Natur abgewartet werden. Danach beginnen die Aufräumarbeiten. Alles wieder so zu richten, das nicht mehr viel zu sehen ist vom Übel der Katastrophe. Was man nicht sieht, kann man auch nicht kommentieren.

Quelle Bild: http://www.spiegel.de/images/image-100338-panoV9free-utkn.jpg

Weiterempfehlen

Kommentare (0)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Klimaschutz spannend vermitteln! Multiplikator*innenausbildung: Werde Klimagent*in
Klimaschutz spannend vermit...
Klima, Klimawandel und dessen Folgen. Dinge von denen viele Bescheid wissen. Doch nur die weni... weiter lesen
Du bist Planet Erde
Du bist Planet Erde
Menschen – was ein unglaubliches Wort Man nennt uns die intelligenteste Spezies des Pla... weiter lesen
Unterschreibt die DIVESTMENT Petition für Erneuerbare Invesitionen!
Unterschreibt die DIVESTMEN...
Spätestens nach dem Pariser Klimaabkommen ist klar: Wir müssen die Nutzung fossiler E... weiter lesen
Ausgerottet - die menschlichen Bienen in China
Ausgerottet - die menschlic...
Jeder kennt sie - die Wild- und Honigbienen. Unermüdlich schuften die Arbeiterinnen eines V... weiter lesen
Wie die Energiewende gelingen kann - solarthermische Kraftwerke
Wie die Energiewende geling...
Etwa 40% der Treibhausgasemissionen in Deutschland entstehen im Sektor Energie. Um den Klimawa... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil