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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Blickpunkt Ölpest - Das Ausmaß der Katastrophe


von Peet
15.08.2010
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Als am 22. April 2010 die Ölplattform rund 70 Kilometer vor der amerikanischen Küste explodierte und versank, begann einer der größten von Menschenhand geschaffenen Katastrophe der Geschichte.

800.000 Liter täglich, sprudelten unaufhörlich in den Golf von Mexiko. Neben den gestorbenen Arbeitern, war das Ausmaß zur damaligen Zeit noch nicht absehbar. Es gab nur wage Vermutungen. Experten überhäuften sich mit Vermutungen, Beschuldigungen und sonst irgendwelchen Expertisen. Klar war aber, es muss schnell gehandelt werden.

Blicken wir einmal zurück, auf die Geschehnisse vom Beginn der Katastrophe am 22. April bis zur Schließung des Bohrloches, rund 15 Wochen später!


22.04.2010 - Die Katastrophe nimmt ihren Lauf...

Am 22. April 2010 passiert es. Die “Deepwater Horizon” explodiert und sinkt. 15 Menschen sterben, etliche werden verletzt. Neben den erschütternden Bildern der Explosion kommt eine viel schlimmere Katastrophe zum Vorschein. Öl läuft aus, aus dem Bohrloch selbst. Der Super-Gau! Rund 1500 Meter, am Meeresgrund, hat die einzige Sicherheitsvorkehrung nicht gehalten. Sie brach ab und 800.000 Liter Öl flossen täglich ins Meer. Lösungen werden nur langsam bekannt und die Rede von Monaten bis zur Schließung des Lecks ist die einzige zeitliche Angabe. Monate...schon damals war klar, die Natur wird Schaden nehmen. In welchem Ausmaß, das war das einzige was man nicht sagen konnte.

Fest stand, Wind und Wetter treiben den Ölteppich voran. Richtung Küste und somit zu den geschützten Gebieten. Neben dem Verlust unzähliger Jobs für die dort lebende Bevölkerung, wird die Natur den größten Schaden verkraften müssen. Mal wieder.

Meeresschildkröten, Seekühe, Delfine, Wale und unzählige andere Lebewesen schwimmen und leben in den Gewässern. Viele der dortigen Vogelarten waren gerade in der Brutzeit. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Ölteppich die Insel vor der Küste erreicht hat und die ersten Bildern von verölten Tieren an die Öffentlichkeit geraten würden. Was aber niemand in Betracht zog. Was geschah mit der Unterwasserwelt? Hier herrschte eine einfache Tatsache. Was man nicht sieht, kann man nicht kommentieren. Es wurden immer nur Bilder vom Ölteppich oder sonstigen Schiffen gezeigt. Was unter Wasser geschah, kann niemand genau sagen.

Neben den Versuchen das Bohrloch zu verschließen, wurde auch unaufhaltsam Chemikalien ins Meer geschüttet und unter Wasser verbreitet. Es soll das Öl reduzieren aber es kam wie erwartet anders. Es löste das Öl nur auf, somit nahmen es Algen, Fische oder sonstige Lebewesen noch leichter auf.

07.05.2010 – Das Öl nimmt sich alles

Das empfindliche Ökosystem der Mangrovenwälder, die See- und Wattvögel oder die Meeresschildkröten werden in naher Zukunft betroffen sein oder sind es schon teilweise. Diese Orte geben uns einen Einblick in die Komplexität des Überlebens für die jeweiligen Tiere und Pflanzen. Denn jede Pflanze und jedes Tier nimmt einen Platz in der Nahrungskette ein. Und jede Pflanze und jedes Tier sind betroffen.

Die Chandeleur Inseln vor der Küste Louisianas sind erreicht. Das Öl ist dort angekommen und bedroht schätzungsweise 34.000 Seevögel in ihrer Brutzeit. Der Ölteppich bahnte seinen Weg zur ersten Insel. 400-600 Arten sind in naher Zukunft betroffen, wenn das Öl die Küste erreicht und das wird es.

Sieht man einmal von den 34.000 Seevögeln sowie anderen jetzt schon bedrohten Lebewesen ab, so wird es für manche ein Überlebensakt werden und nicht nur für sich selbst, sondern für die folgenden Generationen. Denn Arten, die schon auf der Roten Liste stehen, werden in den folgenden Jahren stark dezimiert werden. Seekühe z.B. ernähren sich von Pflanzen. Dieses Nahrungsangebot wird so nicht mehr vorhanden sein oder wenn dann nur noch ganz selten. Ein Ende in diesem Kreislauf ist nicht in Sicht.

11.05.2010 – Und es fließt weiter und weiter...

Die Hoffnung ist begraben. Die rettende Stahlkuppel hält nicht stand, die Ideen gehen aus und das Öl fließt weiter und weiter. Mittlerweile werden Teile des Ölteppichs verbrannt oder mit der gefährlichen Chemikalie Corexit besprüht. Eine dauerhafte Lösung war dies aber nicht.

Die Katastrophe lässt sich also vorerst nicht eindämmen. Nur noch über die Größe des Ganzen wird diskutiert.

14.06.2010 – In den Klauen des Öl's

Neben den Versprechungen der Manager über eine schnelle und sichere Lösung des Problems steht eine ganz entschiedene Frage im Raum – Werden wir nach der Katastrophe weiter so leben? Werden wir die Fesseln, die uns lähmen und uns gleichzeitig am Leben erhalten, ablegen können? Wir sind alle von einem Stoff abhängig, Öl!

Die Katastrophe hat mittlerweile so schlimme Züge angenommen, das BP es sogar als sein Recht sieht, Journalisten den Zugang zu den verpesteten Stränden zu gewähren und die Regierung sieht tatenlos zu. Zensur und gefälschte Bilder prägen das Bild dieser Katastrophe. Bilder werden bearbeitet und herunter gespielt. Ebenso das Recht auf Meinungsfreiheit. Es scheint BP's Öl zu sein und niemand hat ein Recht es zu nehmen. Bitte schön, das könnt ihr haben!

BP bittet im amerikanischen Fernsehen um Vergebung und glänzt mit einer schnellen und sicheren Lösung. Schnell uns sicher sind meistens nie gute Partner, wie auch in diesem Falle.

„Als wir diesen Defin fanden, war er mit Öl gefüllt“ und weiter „Öl floss nur so aus ihm heraus.“  - Matthew Lysiak, New Yorker „Daily News“

23.06.2010 – “Amerikas größte Umweltkatastrophe waren Zigaretten”

BP-Chef Hayward musste sich dem Kongress stellen. Er musste sich rechtfertigen und den Parolen der Demokraten und Republikanern standhalten. Stattdessen kam es eher zu Achselzucken und immer den selben Aussagen. Auf die Frage hin, ob bei der Bohrung Fehler gemacht wurden, kam lediglich dieses Achselzucken und die Aussage, dass er nicht in der Lage sei, dies zu beurteilen. Außerdem beteuerte er immer wieder seine Gefühle. Die Tragödie nehme ihn schon sehr mit.

Amerika ist wie jedes andere Land dieser Erde abhängig. Abhängig vom Öl. Das war auch schon vor Jahrzehnten bekannt. Dennoch kam nie die Wende. Warum auch? Mit dem Lebenstyl lebte es sich doch ganz angenehm. Wären da nicht diese blöden Ereignisse im Laufe der Jahre. Aber anstatt jetzt über die endgültige Wende zu diskutieren, werden lediglich Schuldige gesucht. Dabei ist BP doch nur ein Lieferant unseres Stoffes, den wir doch so begehren. BP wird an dieser Katastrophe nicht unter gehen. Dafür ist es zu wichtig. Es wird einen Imageschaden verkraften müssen und die Gewinne der letzten Jahre werden wohl erstmal der Vergangenheit angehören. Aber dennoch, BP wird bleiben. Auch wenn es den Namen wechseln will.

Die Show, die im Kongress stattfand, stand unter dem Gesichtspunkt der Wahlen. Demokraten versuchten die Gunst der Wähler für sich zu ergattern, indem sie auf das Leid der Menschen und Gemeinden aufmerksam machten und die Republikaner gaben sich als Lobbyisten. Sie schützen die Ölindustrie. Wo bleibt die dritte Partei? Die Partei der Natur? Die blieb wohl aus.

15.07.2010 – Schiffe als Rettung

Die Lösung scheint nahe. BP versuchte mit hängen und würgen einen Abdichtungszylinder zu installieren und somit das Leck zu verschließen und die Firma TMT saugt verseuchtes Wasser auf und reinigt es. Das Ende der Katastrophe scheint in Sicht. Aber lediglich das Ende einer Katastrophe. Die zweite hat schon längst begonnen und wird Jahrzehnte andauern.

02.08.2010 – Abtreten und ruhen lassen

BP-Chef Hayward tritt zum ersten Oktober 2010 ab. Gratulation. Er hinterlässt ein Unternehmen, welches für die größte von Menschenhand verursachten Umweltkatastrophe zuständig ist und kassiert noch Millionen. So lässt es sich leben.

Das Leck wurde gestopft. Die Medien interessieren sich nicht mehr sonderlich für das was jetzt kommt. Die Menschen wollen wieder fröhliche Nachrichten sehen, nicht immer diese Gott verdammte Katastrophe. So in etwa scheint es zu laufen. Bohrungen dürfen wieder vor der Küste durch geführt werden. Die Industrie hat geklagt und natürlich gewonnen.

Ziehen wir also eine Bilanz aus dem Ganzen. Eine Katastrophe beginnt, die Menschheit ist geschockt. Die Menschen fordern Aufklärung, fordern neue Gesetze, die Energiewende soll her. Nach und nach legt sich aber alles ein wenig. Reformen sind nicht mehr so wichtig. Das Leck wurde gestopft, die Aufräumarbeiten beginnen und die Natur wird sich schon erholen. Sogar der Präsident planscht schon im Golf von Mexiko. So schlimm kann es ja dann wirklich nicht gewesen sein.

Ich werde natürlich weiter von den Folgen berichten!

 


 

 

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Kommentare (7)
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17.08.2010
Morgan hat geschrieben:
erst ne große klappe haben und dann abhauen.
17.08.2010
Marielle hat geschrieben:
Toller Bericht. alles zusammengefasst und super erklärt. Ich habe gerade letztens wieder gelesen, dass es anscheinend keine Auswirkungen auf unser Ökosystem hat und das Meer sich super erholt hat.
15.08.2010
Peet hat geschrieben:
Hätte ich die Möglichkeit, würde ich jeden Tag auf der Straße stehen und Flugblätter verteilen!

Es freut mich zu hören, das Ihr so an der Sache teilnehmt!
15.08.2010
LenaSofie hat geschrieben:
super interessanter bericht!
vielleicht sollten wir uns drum kümmern, dass die folgen nicht in vergessenheit geraten und untergehen..und den menschen noch mal vor augen führen, dass die schließung des lochs diese katastrophe nicht rückgängig macht und wir diese katastrophe als warnung nehmen müssen...und den menschen ins gedächtnis rufen, dass wir uns jetzt echt darum kümmern müssen, weniger abhängig zu sein von öl...Oder?
keine ahnung...villt sollten wir sowas starten wie, diese kampagne, die für die rettung des tigers läuft...
infoblätter verteilen und sowas
Oder?
15.08.2010
1Phil1 hat geschrieben:
Perfekte Zusammenfassung, danke auch von mir dafür.
Ich seh das genauso, jetzt geht alles weiter wie vorher. Hört ihr in den einschlägigen Nachrichten noch was vom Klimawandel.Nein. Gleiches Phänomen mit dieser Öl Katastrophe.Ich hoff ja immer noch, dass die Menschen also WIR selber daraus lernen und nicht warten bis die Politik uns lenkt.Denn leider sind WIR BP. Würden wir Auto mit Elektroantrieb fahren, bräuchten wir kein Öl, bräuchten WIR kein BP...
15.08.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Guter Bericht und eine sehr überschaubare Zusammenfassung. Es ist schon merkwürdig, wie wenig man sich um die Zerstörung ganzer Ökosysteme schert. Selbst bei so eine Katastrophe jammern sie alle nur um Geld und Image. Das ist echt zum kotzen.  
15.08.2010
midori hat geschrieben:
Klasse Bericht! Ansonsten kann man da einfach nur sprachlos sein..
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