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Billiges Öl: Verfeuern wir unser Klima?


von JohannesB
16.03.2016
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Autofahrer freuen sich. Nachdem es fast schon ein Naturgesetz zu sein schien, dass Benzin immer teurer wird, ist der Sprit aktuell so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Der Ölpreis ist seit Sommer 2014 massiv gesunken und hat Benzin, Heizöl und Co. stark verbilligt. Und Autofahrer sind nicht die einzigen die sich freuen, auch die Wirtschaft profitiert vom billigen Öl.

Doch es gibt massive Schattenseiten. Nicht nur leiden Öl-Staaten wie Venezuela oder Russland, das billige Öl ist auch eine große Gefahr für unser Klima.

Warum ist der Ölpreis so gefallen?

Das billige Öl lässt sich nicht durch einen einzigen Punkt erklären. Eine große Rolle spielt aber der Kampf um Marktanteile. Staaten wie Saudi-Arabien fördern so viel Öl wie möglich, mit dem Ziel, Konkurrenz vom Markt zu verdrängen. Für manche Länder lohnt es sich bei einem niedrigen Ölpreis nicht Öl zu fördern. Beispielsweise ist die Förderung von Schieferöl per Fracking in der USA recht aufwendig und teuer. Wenn nun der Ölpreis unter eine bestimmte Marke fällt, lässt sich damit kein Geld mehr verdienen. Länder im Nahen Osten können hingegen am längsten durchhalten und auch bei niedrigen Preisen am ehesten noch wirtschaftlich Erdöl fördern.

Warum ist billiges Öl schlecht für’s Klima?

Um den Anstieg der Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, müssten über 40 Prozent der Erdöl- und 80 Prozent der bekannten Kohlevorräte im Boden bleiben. Je teurer diese fossilen Brennstoffe sind, desto leichter fällt der Abschied von ihnen. Teures Öl ist ein Anreiz, schnell auf effizientere und saubere Technologien umzusteigen.

Wenn nun der Ölpreis so niedrig ist und über längeren Zeitraum auch bleibt, gibt es keinen ökonomischen Druck von fossilen Energien wegzukommen und die globale Energiewende verzögert sich um Jahre.

Günstiges Benzin verleitet dazu, mehr Auto zu fahren. Außerdem gibt es Rekordabsatzzahlen bei großen SUV-Spritschleudern und plötzlich werden wieder vermehrt Ölheizungen eingebaut, da das Öl so verlockend billig ist.

Öl ist zudem nicht das alleinige Problem. Im Gleichklang zum fallenden Ölpreis wurden auch andere fossile Energien wie Kohle und Gas deutlich günstiger. Und Kohle ist nunmal das Klimaproblem schlechthin.

Hat das billige Öl nicht auch irgendetwas Gutes für die Umwelt?

Zumindest ein bisschen hat der Ölpreisverfall auch sein Gutes. Weltweit stoppen Öl- und Kohlekonzerne angesichts der eingebrochenen Einnahmen besonders aufwendige und riskante, ökologisch fragwürdige Projekte. Shell ist beispielsweise von den umstrittenen Plänen abgerückt, in der Arktis vor Alaska nach Öl zu bohren. Abzuwarten bleibt natürlich, ob das das letzte Wort in dieser Sache war. Und auch dem umstrittenen Fracking geht bei derart niedrigen Preisen leicht die Puste aus.  

Bleibt Öl jetzt dauerhaft so billig?

Schwer zu sagen. Es gibt durchaus Prognosen, dass die Ölpreise über Jahrzehnte sehr tief bleiben. Andere Meinungen gehen hingegen, davon aus, dass sich der Ölpreis in den kommenden Jahren wieder stabilisiert und Stück für Stück wieder ansteigt.  

Was ließe sich tun?

Das Umweltdilemma ließe sich lösen, wenn das Verheizen von Öl und Kohle auf Dauer teurer gemacht und der Ausstoß von Kohlendioxid bepreist würde. Vielerorts sind CO2-Emissionen kostenlos, dies müsste sich über Steuern oder Verschmutzungszertifikate ändern. In Europa gibt es zwar schon einen Emissionsrechtehandel, die Verschmutzungsrechte sind aber viel zu günstig, um die Wirtschaft in die grüne Bahn zu lenken. Übrigens gibt es auch in China Überlegungen, in den kommenden Jahren ein Emissionshandelssystem einzuführen. Idealerweise werden derartige Handelssysteme weltweit aufgebaut und dann miteinander verknüpft.

 

Mehr Infos: green.wiwo.de  ++  20min.ch  ++  welt.de  ++  zeit.de

Fotos: wikimedia.org
          J. Barthelmess

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Kommentare (1)
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16.03.2016
MarcelB hat geschrieben:
Der Ölpreis, sau spannendes Thema momentan. Dieses gegenseitige Feilschen um Marktanteile und Unterbietungen nervt einfach nur noch und sendet die völlig falschen Signale.

Entscheidend wird die Rolle der USA in den nächsten Jahren sein, denke ich. Weil Hillary Clinton sich ja garnicht beim Thema Fracking positioniert hat um natürlich strategisch gewisse Bundesstaaten nicht zu verlieren.
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