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Atomkraft – Funktion, Gefahren und Alternativen


von YoungPanda97
11.12.2011
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Ein kleiner Rückblick über 2011
Atomkraft – Funktion, Gefahren und Alternativen

Fukushima – Vermutlich ist im Jahr 2011 kein anderes Wort so häufig in den Nachrichten aufgetaucht. Was die Leute damit verbinden, ist klar: Atomkraftwerk-Unfall.
Doch die Hintergründe kennen eher wenige. Deswegen soll euch dieser Artikel erklären, was Atomkraft überhaupt ist, was in Fukushima passiert ist und was wie in Zukunft mit Energien umgehen können.

Wie funktioniert ein Atomkraftwerk?
Bei der Spaltung, also Zerteilung, von Atomen (kleinsten Teilchen) wird Energie frei. Diese Energie kann man mit Turbinen oder Generatoren in elektrische Energie umwandeln, die wir dann nutzen können.
Ausgangsstoff, also der „Brennstoff“, ist bei fast immer das Uran-Isoptop U-235. Dieses wird dann zu sogenannten Tabletten gepresst, die dann in die Brennstäbe gefüllt werden können. Diese Brennstäbe sind sehr schmale, ca. vier Meter lange Stäbe. Durch die Länge ist in ihnen genug Platz für bei der Spaltung entstehende Gase.
Und wie werden die Uranatome gespalten? Neutronen regen den Zerfall großer Atomkerne an. Bei diesem Zerfall werden wieder Neutronen frei. Diese werden abgebremst und können dann wieder Atomkerne zum Zerfall bringen. Die Kettenreaktion bleibt in Gang – praktisch, oder?
Ganz viele dieser Brennstäbe sind in einem Kernreaktor. Der Kernreaktor enthält aber viel mehr als nur Platz für Kernreaktionen. Zusätzlich gibt es Kühltürme, die nicht genutzte Energie abgeben.

Gefahren der Atomkraft
Bei der Spaltung der Atomkerne entsteht radioaktive Strahlung. Radioaktivität kann zu Störung bei Prozessen in Zellen führen und dadurch zum Beispiel Krebs erregen. Wenn einmal die Sicherheit versagt, gelangt diese gefährliche Strahlung nach außen in die Umwelt. Und genau das ist in Japan passiert. Durch ein Erdbeben und Tsunami am 11.3.2011 gab es Stromausfälle an der Küste Japans. Dann versagt die Kühlung des Atomkraftwerks und es kommt zur Kernschmelze. Das heißt, die Metallhülsen der Brennstäbe, in denen die Reaktion abläuft, schmelzen und später auch das Uran selbst. Dadurch läuft die Reaktion völlig unkontrolliert ab –in Fukuhima kam es in drei Reaktoren so weit. Dort ist dadurch die Radioaktivität in der Gegend des Unfallreaktors um das tausendfache gestiegen.
Mittlerweile wurde schon in Reis, Rindfleisch und sogar in Milchpulver für Babys überhöhte radioaktive Strahlung gemessen. Ist.
Auch verseuchtes Wasser trat aus dem Kraftwerk aus – es ist sehr wahrscheinlich, dass dieses bis zum Meer gelangte.
Dieser sogenannte „Super-GAU“, also ein größtmöglicher anzunehmender Unfall, hat die Diskussionen hier in Deutschland erneut erhitzt. Man streitet sich immer noch, ob die Atomkraftwerke ausgeschaltet werden sollen oder nicht. Die Sicherheitsbestimmungen seien hoch, eine Kernschmelze sei unwahrscheinlich, heißt es von Seiten der Atombefürworter. Die Regierung Japans und der Betreiber des Atomkraftwerks, Tepco, hatten immer versucht, möglichst wenig schlimme Nachrichten an die Öffentlichkeit zu bringen. Es bleibt die Vermutung, dass die Folgen in Wirklichkeit schlimmer waren als sie uns allen gezeigt wurden.

Was machen mit dem Müll?
Ein weiteres Thema ist der „Atommüll“, der durchgehend bei den Prozessen entsteht. Wir wissen alle, dass wir schnellstmöglich eine Lösung benötigen. Bisher wird der Müll in sogenannten Zwischenlagern untergebracht. Diese Lagerung muss man als einen Teil der Entsorgungskette betrachten. Die Strahlungsenergie wird in dieser Zeit in Wärme umgewandelt und an die Umwelt abgegeben. Danach muss der Atommüll in Endlager gebracht werden. .
Momentan wird der Atommüll unterirdisch in Asse gelagert – doch hier herrscht Einsturzgefahr. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt – es muss schnellstmöglich der Atommüll geborgen werden, aber das dauert ca. 10 Jahre. Und immer wieder kommen Verzögerungen dazwischen, das Problem wird verschleppt. Doch für diese 10.000 Tonnen muss gleichzeitig noch ein Endlager gefunden werden. Der „Schacht Konrad“ kann mit bisherigen Genehmigungen nur einen Teil dieser riesigen Mengen aufnehmen. Wohin mit dem Abfall, ist immer noch ungeklärt.

Welche Alternativen gibt es?
Eine Antwort auf die Frage „Was machen wir jetzt?“ wäre: Atomkraftwerke abschalten – klingt doch einfach! Und zwar sofort! Bis die Reaktoren abgekühlt sind, dauert es noch einmal über 50 Jahre. Innerhalb dieser 50 Jahren sind also große Katastrophen immer noch nicht ausgeschlossen.
Doch durch Atomkraftwerke wird 23% der Energie in Deutschland bereitgestellt. Kernenergie hat auch Vorteile: Die Kraftwerke haben eine hohe Lebensdauer, sind jährlich verfügbar und setzten keine schädlichen Klimagase frei. Und keiner kann so leicht sofort auf diesen Strom verzichten.
Aber selbst wenn wir alle Vorteile betrachten und das Problem Atommüll mal in den Hintergrund stellen – ob wir das „Risiko Atomkraftwerk“ eingehen wollen, bleibt immer noch die Frage.

Ein weiteres Problem ist auch, dass Deutschland ein sehr rohstoffarmes Land ist. Wir müssen unsere Rohstoffe aus anderen Ländern beziehen – und die sind teilweise politisch sehr instabil und man weiß nie, ob man sich wirklich darauf verlassen kann, dass sie uns die Rohstoffe immer liefern können. Was wäre, wenn plötzlich kein Gas mehr aus Russland käme?
Wenn wir also die Atomkraftwerke abschalten – woher kommt dann der Strom für Laptop, Wasserkocher, Herd, Licht etc.? Wir sollten langfristig auf erneuerbare Energien wie Solarenergie, Wind, Geothermie, Biomasse und Wasser setzen.


http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,802015,00.html http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,790274,00.html http://www.kernfragen.de/kernfragen/index.php
http://www.tagesschau.de/ausland/fukushima110.html
http://www.n-tv.de/politik/Die-scheinheilige-Endlager-Suche-article1858596.html

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Kommentare (3)
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12.12.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Ein Risiko, dass nicht beherrschbar ist, sollte man nicht eingehen.
Wenn du etwas nicht kontrollieren kannst, dann lass die Finger davon. Ist für mich relativ logisch. Kommt jedoch ein riesiger Wirtschaftssektor dazu, der mit diesem Risiko sehr viel Geld verdient, wird so ein Risiko schon mal klein geredet.

Unsere AKWs sind sicher?? Das haben die Japaner auch behauptet, und dann ist etwas passiert mit dem keiner gerechnet hat. Die Natur kennt keine Statistiken und hält sich nicht an Wahrscheinlichkeitsprognosen. Gegen Flugzeugabstürze sind unsere AKWs nur minimal geschützt. Gegen Terrorangriffe so gut wie gar nicht - und ja, diese Gefahr ist da und steigt immer weiter an.

Ich bin ganz klar gegen Atomkraft.
11.12.2011
YoungPanda97 hat geschrieben:
@ MarcelB
Danke :-).
Ich bin auch ein totaler Atomkraftgegner. Ich finde, wir verwenden da eine Energieform, die wir überhaupt nicht unter Kontrolle haben! Und wie ja auch im Bericht angesprochen - der Atommüll kommt ja noch hinzu. Klar kann man das durch erneuerbare Energien ersetzen, - und da bin ich auch sehr dafür - aber es dauert eben auch seine Zeit, bis alles umgestellt ist.

Übrigens habe ich den Artikel eigentlich für unsere Schülerzeitung geschrieben und wollte relativ sachlich bleiben. Aber meine persönliche Meinung ist eigentlich noch mehr gegen die ganze Sache. ;-)
11.12.2011
MarcelB hat geschrieben:
Hey YoungPanda97,
Danke für dieses überaus strukturierten Überblick über die Atomkraft. Ich bin richtig enttäuscht von Polens neuen energiepolitischen Kurs. Neue AKWs zu bauen geht meiner Meinung nach garnicht! Wie stehst du zur Atomkraft?
Du schreibst, dass wir Atomstrom brauchen, aber man kann auch Energie durch Erneuerbare erzeugen. :)

Herzlichen Gruß,
MarcelB
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