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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Amerikas neuer Goldrausch


von Peet
03.04.2012
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Obamas "Yes, we can" kennt noch jeder aus dem furiosen Wahlkampf 2008. Damals trat der Demokrat Barack Obama als Figur des Wandels auf. Guantanamo schließen, Truppenabzug aus dem Irak und später Afghanistan, Gesundheitspolitik und schließlich die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas.

Fokussiert man sich auf den letzten Teil, der Unabhängigkeit Amerikas von ausländischem Öl und Gas, so schienen die erneuerbaren Energien als die einzige Lösung. Sie sollten Arbeitsplätze schaffen, das Land sauberer machen und schlussendlich unabhängig. Denn wie schon George W. Bush Jr. Erkannte, ist Amerika süchtig nach Öl.

Für eine Gallone (rund vier Liter) bezahlten die Amerika lange Zeit umgerechnet in Euro rund 60 Cent. Die steigenden Preise der letzten Jahre haben nun aber drastische Auswirkungen, zu mindestens aus Sicht der Amerikaner. Denn die Amerikaner kennen Benzin als billige Ware und sind einen momentanen Stand von über vier US Dollar (rund 3Euro) für eine Gallone nicht gewöhnt.

Zählt man nun eins und eins zusammen, so ergibt sich folgendes: Wahlkampf und teures Öl ergeben folgendes Versprechen: Billigeres Öl für alle!

Amerika, das ist ein Land mit vielen Facetten. Doch Amerika wurde durch das Öl reich. Autos mit Verbrennungsmotoren wurden Anfang des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal in der Massenproduktion gefertigt und der Traum vom „American Dream of Life“ sah jeden Amerikaner mit Eigenheim und Auto (oder sogar zwei Autos). Neben dem wirtschaftlichen Aufschwung, gab es auch den Aufschwung der Ölindustrie, der heute neben der Finanz- und Waffenindustrie mächtigsten Lobbygruppe des Landes.

Bis kurz nach dem zweiten Weltkrieg waren die USA unabhängig von ausländischen Öl- und Gasimporten. Relativ bald änderte sich dies aber und die USA produzieren gerade einmal 20 Prozent ihres Bedarfs selber – bleiben 80 Prozent Abhängigkeit von Diktatoren oder anderen zweifelhaften Ländern.

Schon in den 80er Jahren zeichnete sich eine fortlaufende Abhängigkeit Amerikas vom Öl ab, doch das Thema Energiepolitik ist ein ebenso schweres Pflaster wie das Thema Gesundheitspolitik oder Freiheit. Kein Präsident hat es jemals gewagt etwas gegen die Auto- und Ölindustrie zu unternehmen oder Einschränkungen bzw. Richtlinien vorzugeben – und das aus gutem Grunde. Denn wer wieder gewählt werden will, der muss sich mit den Großen zusammentun. Die Großen, das ist zumeist die Industrie, haben das Geld und Geld regelt die Wahlen in den USA. Erst kürzlich hat das oberste Gericht, der „Supreme Court“ beschlossen, dass die so genannten Großspenden von mehreren Millionen Dollar an Kandidaten legitim sind. Obama selber nannte dies einen Angriff auf die Demokratie, denn dies verhindere die Wahl von Menschen, die nicht eine solche Spende erhielten.

Nun nutzt Obama selber diese Großspenden, was bleibt ihm auch anders übrig – es ist Wahlkampf! Denn der erhoffte Wandel der Industrie zur Nachhaltigkeit und zu den erneuerbaren Energien, die millionen Arbeitsplätze schaffen werden, fand nicht statt. Dies hat natürlich viele Gründe. Fehlende Subventionen, keine Anreize von Seiten der Unternehmer oder Verbraucher oder schlicht die finanzstarke Lobbygruppe der etablierten Energiekonzerne. Klimaschutz interessiert hier kaum jemanden und damit lässt sich in den USA schon lange kein Wahlkampf mehr gewinnen. Nun auch nicht mehr mit erneuerbaren Energien, obwohl Obama selber erst kürzlich in einem Wahlwerbespot die erneuerbaren Energien als Alternative angab.

Doch davon scheint bei ihm nicht mehr viel übrig geblieben zu sein. Der „Run“ auf die gigantische Öl- und Gasvorkommen an Land und auf hoher See hat begonnen.

Geologen haben in tiefen Schichten des Landes so viel Öl gefunden, um sogar noch welches zu exportieren. Gelingt es den USA dieses Öl anzuzapfen, und da kann man sich sicher sein, so wäre ein Land komplett wandeln. Die USA würden außenpolitisch nicht mehr auf Diktatoren im Nahen Osten oder Lateinamerika abhängig sein, keine Kriege mehr führen oder sich sonst wo um Öl arrangieren. Die neue Abhängigkeit wäre wirtschaftlich und politisch ein kurzweiliger Traum – ökologisch gesehen eine Katastrophe.

Doch warum kurzweilig? Ganz einfach: Ressourcen sind endlich, auch die der USA. Experten schätzen die neuen Funde von Öl und Gas in den USA auf eine solche Größe, dass sie die USA für rund 80 Jahre versorgen könnten – und dann?

Hinzu kommt: Es wird vom aktuellen Ölpreis ausgegangen. Selbst wenn die USA in fünf Jahren alle Quellen erschlossen haben sollte, was vollkommen unmöglich ist, würden Schwellenländer wie Brasilien, China oder Indien schon wieder Schlange stehen, denn deren Energieverbrauch steigt ebenso wie in den USA beständig an. Fossile Energieträger sind Chinas Schlagader, ebenso wie in den USA, in Brasilien oder anderen Industrieländern – auch Deutschland.

Doch Deutschland hat erst vor kurzem gezeigt, dass ein Umschwung zu mindestens politisch machbar ist und technisch umgesetzt werden soll und hoffentlich auch wird. Denn der Traum von billiger Energie ist ein kurzweiliger. Die Rechnung kommt früher oder später – ökologisch sowie ökonomisch und dann?

„Deepwater Horizon“, Fracking, Öltanker, Öl- und Gaspipelines – sie alle werden wieder gebaut und wieder verwendet. Erst vor kurzem gab Präsident zu erkennen, dass die XXL-Pipeline von Kanadas Teersandgebieten in Alberta quer durch die USA genehmigt werden soll. Warum? Natürlich: Arbeitsplätze, billiges Öl, Wiederwahl. In unmittelbarer Nähe zur Katastrophenplattform „Deepwater Horizon“ sollen neue Bohrinseln entstehen und geschützte Gebiete an Amerikas Westküste sollen erschlossen werden.

Was findet hier statt? Die ökologische und ökonomische Selbstzerstörung?

Update: Ich habe mich leider mit der Umrechnung vertan, was den aktuellen Benzinpreis in den USA angeht. Danke an Natureplanet für die Korrektur!

Quelle: http://www.zeit.de/2012/14/Amerika-Erdoel-Erdgas

Bilder: © Peter Ewins / WWF-Canada, National Geographic Stock / Karen Kamauski / WWF, National Geographic Stock / Sarah Leen / WWF
 

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Kommentare (19)
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10.08.2012
Dragongirl hat geschrieben:
Genialer Bericht. ich verfolge die Amerikanische Politik mit besonderem Interesse weil meine Mutter dorther kommt, und es bringt mich immer wieder zur verzweiflung wie schlimm es dort ist, mit Republikanern die sich weigern an die Klimaerwärmung und Evolution zu glauben, und den korrupten Politikern die diese riesenspenden sogar ANONYM annehmen dürfen! Und zur abhängigkeit vom Öl, wer denkt die Ami's haben den Irakkrieg angefangen weil sie den Leuten dort "Demokratie bringen" wollten, es war wegen dem Öl ganz einfach.
04.04.2012
micah hat geschrieben:
Sehr cooler Bericht und leider sehr wahr, auch was in den Kommentaren noch dazu steht. Hab vor ein paar Monaten ein paper für Politik darüber geschrieben und bin genau zu den gleichen Schlüssen gekommen. Solange nicht entweder Öl so knapp und teuer wird, dass es die Mehrheit der Amerikaner im Ausleben ihrer Freiheit, ihres American Way of Life, stark einschränkt, oder aber durch CO2 Auststoß etc. die Umwelt so sehr zerstört wurde, dass es direkt in Amerika zu Katastrophen im Stil von "the Day After Tomorrow" kommt, was ebenfalls den American Way of Life zerstören würde, wird es in Amerika kein Umdenken geben. Mein paper hab ich damals noch geschlossen mit den Worten "Lasst uns alle hoffen, dass das Szenario mit dem knappen Öl zuerst eintrifft" - diese Hoffnung hat sich mit den neuen Ölfunden gerade stark reduziert.
04.04.2012
Peet hat geschrieben:
@Cata: Das Problem der Amerikaner liegt in ihrer Geschichte. Alles was vom Staat kommt, ist größtenteils Teufelszeug. Sozialismus ist in den USA ein anderer Begriff hier. Dort wird momentan ernsthaft vor dem obersten Gericht diskutiert, ob die neue Krankenversicherung (auch gerne als Obamacare genannt) verfassungswidrig ist...Warum? Weil man den Amerikanern nicht vorschreiben kann, sich zu versichern und die Versicherungen auch kranke Menschen aufnehmen müssen - grotesk in unseren Augen. In den Augen der Amerikaner völlig legitim. Das gleiche gilt beim Waffengesetz, der Autoindustrie etc. etc. etc.

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten eben.
04.04.2012
Cata hat geschrieben:
schade, dass man die Bevölkerung der USA kaum dazu bekommen kann mal über ihr Verhalten nachzudenken und zu überlegen was sie damit anrichten. Neben den Umweltproblemen heißt Freiheit für den einen ja auch Einschränkung für den anderen. Das wollen sie leider nicht verstehen.
die frage ist wie man sie überzeugen könnte?!
04.04.2012
Peet hat geschrieben:
@Natureplanet: Ups, da hab ich mich mit der Umrechnung vertan...sry, wird geändert. ;) Hätte mir aber auch selber auffallen sollen, da ich selber 2010 für einige Monate dort war und damals schon 3,50$ gezahlt habe ;)
04.04.2012
GreenpointX hat geschrieben:
Also zum Benzinpreis: In den USA kostet eine Gallone (3,8 Liter) gerade ungefähr 4 Dollar (also ca. 3 Euro)!
-> Ungefähr 80ct pro Liter! Und das ist doppelt soviel wie es vor 4 Jahren kostetete!
Hier im Bericht kam es so vor als ob man für die Gallone nur 90ct zahlt aber das ist nur umgerechnet auf den Liter!

Mal sehen wie es mit der Energiepolitik der USA weitergehen würde wenn die Republikaner dieses Jahr gewinnen?!
04.04.2012
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
04.04.2012
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
04.04.2012
gelöschter User hat geschrieben:
@LSternus:
Danke :)

Leider hast du recht. Sobald die USA ruft folgt Europa......

Europa muss endlich begreifen, dass die USA nicht nur ihre eigene Zukunft, sondern die Zukunft von allen aufs Spiel setzen um einen wirtschaftlichen Gewinn zu erzielen, den sie garantiert nicht teilen werden.
04.04.2012
Zerschmetterling hat geschrieben:
Wenn ich mir aussuchen dürfte, wie es in Amerika aussieht, dann würde ich mir wünschen, dass es dort wieder so aussieht wie zu den Zeiten als die verschiedensten Indianerstämme frei leben konnten und durften.
Ohne Unterdrückung.
- Dann gäbe es diese Probleme nicht, weil niemand dahinter her wäre.
Aber dieser Wunsch ist leider arg weit von der Realität entfernt.
04.04.2012
LSternus hat geschrieben:
@Urmeli: Besser hätte ich es nicht ausdrücken können: "the Green Mile"
Der American Way of Life ist die gefährlichste Scheuklappe die sich die Menschheit bis her selbst umgelegt hat.
Und was machen wir Europäer? - Wir übernehmen diese Scheuklappen ohne sie in Frage zustellen!
04.04.2012
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
04.04.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Die US-Amerikaner haben eine tolle Strategie mit Problemen umzugehen: Sie denken max. bis zur eigenen Grundstücksgrenze. Alles was danach kommt, hat keinen Platz im eigenen Leben. Sollen sich doch die anderen darum kümmern - blöd nur, dass diese anderen genauso denken.

80 Jahre sind eine sehr kurze Zeitspanne. Der kurzfristige wirtschaftliche Gewinn wäre für ein oder zwei Unternehmen gewaltig und Wirtschaft und Politik würden ein kurzes Hoch erleben, aber was dann? Dann geht die ganze Gesichte wieder von vorne los und die Amerikaner müssten sich doch umstellen - natürlich nachdem wundervolle Naturschätze unwiderruflich zerstört wurden und sich das Land total isoliert und selbst an den Rand der Vernichtung getrieben hat.

Aber leider zählt in den USA der kurzfristige Erfolg mehr als alles andere. Die Konsequenzen des eigenen Fehlverhaltens muss ja die nächste Generation ausbügeln und nicht man selbst.

The American Way of Life ist der Gang der Umwelt und Zukunft in die Todeszelle......"the Green Mile" bekommt da eine ganz neue Bedeutung :(
03.04.2012
LSternus hat geschrieben:
Auf die Frage was hie satt findet: der American Way of Life. Der ist mit der Umwelt eben so umsichtig, wie der preußische Generalstaab mit seinen Soldaten.

In den USA werden haupsächlich Autos produziert die ungehäure Mengen Treibstoff verbrauchen zu Gunsten des "Fahrspaßes".

Umweltschutz, Klimaerwärmung und Waldsterben haben keinen Platz im American Way of Life, da sie die unbekümmerte Sorlosigkeit gefährden.
03.04.2012
WolfGirl hat geschrieben:
Echt toller Bericht, muss ich sagen ;)
Würde ich hier jetzt alles schreiben was mir dazu einfällt, würde ich die lieben Leute unter mir wiederholen und zweitens würde hier ein Roman entstehen. Deswegen stimme ich den Leuten unter mir zu!
03.04.2012
Maddy hat geschrieben:
Die USA wieder mit ihren Verschwörungstheorien .. Als gäbe es keinen Klimawandel oO
Gerade da Wahlkampf ist sollte man doch den Menschen die alternativen Möglichkeiten die es gibt schmackhaft machen. Immer diese geldgierigen aus der Wirtschaft ..
03.04.2012
Jonpackroff hat geschrieben:
Das Überrascht mich jetzt: In den USA gibt es Ölvorkommen welche die USA noch 80 JAHRE!! mit Öl versorgen können? Das ist wirklich enorm, aber zum einen wird wieder die Natur weichen und Platz machen müssen um dieses Öl risikoreich zu erschließen und zum anderen wird den USA so ermöglicht, weiterhin das Klima zu verpesten (In den USA ist es wieder populär nicht an den Klimawandel zu "glauben" - siehe Rick Santorum, Newt Gingerich). Das Beste wäre daher, wenn der Welt das Öl schnell ausgeht und so auf Alternativen zurückgegriffen werden muss!
03.04.2012
Lars0220 hat geschrieben:
Ich finde es echt Schade, dass man nur nach Geld her ist und damit die ganze Natur zerstört.
Die USA und auch andere Staaten sollten mal anfangen, nach umweltfreundlichen alternativen zu forschen.

ich find aber auch das ist ein sehr Interessanter Bericht :)
03.04.2012
Nugua hat geschrieben:
Das ist echt schlimm. Diese ganzen Wirtschaftsleute und Lobbyisten haben einfach die ganze Macht und nutzen diese total aus. Aber auch die Bevölkerung muss aufwachen, sie darf nicht nur Interesse am Ölpreis für ihre Autos haben....klar, dass man im Wahlkampf dann auf sowas setzt, wenn die Leute darauf anspringen....

Danke für den super interessanten Bericht.
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