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Wirbelstürme sind keine Ausnahme mehr. © Des Syafrizal / WWF
Also so wird das nix!


von Lisa18
18.07.2015
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Am Mittwoch hat die Europäische Komission erneut erfolgreich die wichtigen Klimaschutzziele geschwächt!

Es war ja schon traurig genug, dass die EU im Oktober 2014 das Klima- und Energiepaket 2030 viel zu  dürftig beschlossen hat. Aber das sie jetzt auch noch das Emissionshandelssystem schwächen, spricht nicht gerade für eine gewollte Klimaschutzpolitik!

Emissionshandelssystem??? Was zum Kuckukck ist denn das, fragt ihr euch. Keine Panik auf der Titanic, es folgt sogleich die Erklärung.

Das Europäische Emissionshandelssystem ist das wichtigste Klimaschutz- instrument der EU. Es wurde am 1. Januar 2005 eingeführt und soll den Mitgliedsstaaten der EU dabei helfen, das im Kyoto-Protokoll beschlossene Ziel: "CO2-Emissionen im Zeitraum von 1990-2012 um 8 Prozent senken" zu erreichen.

Und so funktioniert:

1.) Die emissionshandelspflichtigen Anlagen erhalten eine bestimmte Menge an Emissionsberechtigungen, die ihnen vorschreiben wie viel sie an Treibhausgasen erzeugen dürfen.

In jeder Handelsperiode werden diese Berechtigungen um 1,74% gesenkt:

1. Handelsperiode (2005-2007): 499 Millionen Emissionsberrechtigungen=         499 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid stehen den Anlagen insgesamt pro Jahr zur Verfügung

2. Handelsperiode (2008-2012): 452 Millionen Emissionsberechtigungen

3. Handelsperiode (2013-2020): ?

 

2.) Mit einer Berechtigung/Zertifikat darf ein Unternehmen eine Tonne Kohlenstoffdioxid bzw. CO2-Äquivalente erzeugen.

Exkurs: CO2-Äquivalente ist eine einheitliche Bemessungsgrundlage. Sie gibt an, wie viel eine festgelegte Masse zur globalen Erwärmung im Verhältnis zu CO2 beiträgt.

Beispiel: 1kg Methan hat nach 100 Jahren einen 25-mal stärkeren Treibhausgaseffekt als 1kg Kohlenstoffdioxid. 

Industriesektoren, die einen starken internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind, erhalten kostenlose Zertifikate. Diese Zuteilung erfolgt nach anspruchsvollen Richtwerten, sog. Benchmarks.

Mit diesen Zertifikaten können die Unternehmen folgendes machen:

1. Ihre Emissionen bezahlen (das ist eher ein muss)

2. Überschüssige Zertifikate auf dem Markt an andere Unternehmen, die noch mehr Berechtigungen brauchen, versteigern

3. Oder, wenn sie mehr Emissionen erzeugen, als sie an Zertifikaten haben, auf dem Markt Emissionsrechte dazukaufen

 

Dazu ein Beispiel:

Papierfabrik A darf 1.000.000 Tonnen CO2-Äquivalente in einem Jahr erzeugen. Sie stößt aber nur 850.000 Tonnen aus, deshalb kann sie die restlichen 150.000 Tonnen/Zertifikate verkaufen.

Industriefabrik B darf 800.000 Tonnen CO2-Äquivalente erzeugen, stößt aber nur 700.000 Tonnen aus. Folglich kann sie die übrigen 100.000 Tonnen verkaufen.

Stahlwerk C darf 1.200.000 Tonnen Emissionen ausstoßen. Allerdings ezeugt es 1.450.000 Tonnen, also 250.000 Tonnen zu viel. Aufgrunddessen muss es Zertifikate dazukaufen.

Papierfarbrik A und Industriefabrik B freuen sich über ihren Gewinn, da sie ihre Berechtigungen an das Stahlwerk C verkauft haben.

Wie ihr an dem Beispiel sehen könnt, werden die Emissionszertifikate, je nach Emissionsverbrauch der jeweiligen Anlage, verteilt. Wer ohne Berechtigung Treibhausgase produziert muss Strafe zahlen.

Da keiner diese Strafe zahlen will, bemühen sich die nun mehr 1.800 deutsche Unternehmen ihre CO2-Bilanz zu senken. Diese Minderungsmaßnahmen können unteranderem die Einführung erneuerbarer Energien, wie Solar-, Wind- oder Wasserkraft sein.

Folglich ist dieses System ja eine super Sache, aber leider ist in der zweiten Handelsperiode ein gravierender Fehler passiert, der nun das gesamte System schachmatt gesetzt hat!

Was ist passiert?
Die EU hat zuviele Zertifikate, also zuviele erlaubte Mengen an Emissionen, in der 2. Handelsperiode herausgebracht. Der Grund dafür war eine falsche Rahmensetzung. Dieser Zertifikateüberschuss bremst das System, da nun die Unternehmen nicht mehr so stark ambitioniert sind, Minderungsmaßnahmen in Angriff zu nehmen. Folglich gerät das Ziel der Treibhausgasrduzierung ins Wanken.

Der Casus Knacktus liegt in der vorgenommenen Veränderung. Die ich zu Beginn des Artikels als Schwächung der Klimaschutzziele tituliert habe. Denn die Regierung will die Minderungsverpflichtung von 1,74% auf gerade einmal 2,2% steigern. Viel zu schwach, um das System wiederzubeleben!

Hinzu kommt, dass sich viel zu viele Unternehmen ungerechtigterweise in die Gruppe der im internationalen Wettbewerb stehenden Firmen reinfuchsen konnten. Damit sie weiterhin kostenlose Zertifikate erhalten.

Laut Regine Günther, Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik des WWF, wird das EU-Emissionshandelssystem dauerhaft zur Wirkungslosigkeit verdammt sein, solange keine weitergehenden tiefgreifenden Änderungen stattfinden!

Deutschland´s Klimaschutzziele von 40% Emissionsreduzierung bis 2020 und 55% Emissionsminderung bis 2030 können dann nur noch mit zusätzlichen nationalen Maßnahmen erreicht werden.

Soweit darf es nicht kommen! Unsere Umwelt darf nicht wegen zu lascher Klimaschutzdurchführung leiden! Umso wichtiger ist die anstehende Silent Climate Parade am 19. September in Berlin. Lasst uns alle zusammen der ganzen Welt zeigen: Klimawandel nein! - Und vor allem nicht mit uns!

 

Quellen:

http://www.bmub.bund.de/themen/klima-energie/emissionshandel/kurzinfo/

http://www.klimaktiv.de/lexikon-43.html

http://www.umweltbundesamt.de/daten/klimawandel/der-europaeische-emissionshandel

http://www.wwf.de/2015/juli/pfusch-am-bau/

http://www.wwf.de/themen-projekte/klima-energie/klimapolitik/der-emissionshandel/

 

Bildquellen:

http://business.chip.de/bii/1/0/4/3/6/4/8/5/emission-5214fd96027c44a9.jpg

http://gruene-ennepetal.de/eu-klimapolitik-in-der-krise-internationaler-klimaschutz-in-gefahr/klimaschutz-3

http://www.verpasst.de/auf/12042013.html

http://www.4founders.de/2011/06/06/die-10-haeufigsten-fehler-beim-businessplan/

https://www.flickr.com/photos/mw238/15313570695/in/photostream/

http://www.feelgreen.de/klimaschutz-tipps-fuer-den-alltag/id_49989902/index

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Kommentare (4)
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20.07.2015
Marcel hat geschrieben:
Super erklärt! Vielen Dank für diesen tollen Bericht!
19.07.2015
Cookie hat geschrieben:
Danke für den tollen Bericht und die super anschaulichen Erklärungen, auch wenn es leider eher miese Nachrichten sind!
19.07.2015
Luke24 hat geschrieben:
Die Beispiele sind echt klasse und super anschaulich.

Ein Hauptproblem der EU besteht darin, dass es unheimlich schwierig ist, die vielen Länder unter einen Hut zu bekommen und es allen Recht zu machen. Gerade in EU-Staaten, denen es wirtschaftlich weniger gut geht, sind Umweltauflagen (seien es die hier erwähnten Zertifikate oder andere Bestimmungen) schwer durchzusetzen, weil gleich die Befürchtung aufkommt (ob sie berechtigt ist sei dahingestellt), dass die Wirtschaft durch diese Auflagen "abgewürgt" wird und / oder es zu Arbeitsplatzverlusten kommt.
18.07.2015
CelineSophieH hat geschrieben:
Ich finde es wichtig das wir die Emissionen senken müssen um nicht das gesamte Klima zu verändern. Alle Länder und Staaten sollten dafür sein und sich einsetzten.
Ein toller Bericht :-) so hat man alle Infos auf einem Blick. !
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