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2035 oder 2350? Der "Gletscherfehler" des IPCC


von Franzi
06.02.2010
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Das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) wurde 1988 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen und beschäftigt sich mit den Risiken und Folgen des Klimawandels, stellt Prognosen für die Zukunft an und entwirft Lösungs- oder Anpassungsstrategien. Der erste Bericht des IPCC erschien 1990, der vierte und neuste 2007. Und genau dieser sorgt nun für enormen Aufruhr...

 

Der Fehlerteufel hat sich eingeschlichen im IPCC. „Die Himalayagletscher könnten bis zum Jahre 2035 abgeschmolzen sein“,stand dort zu lesen, was für jeden Fachmann blanker Unsinn ist.  Später wurde die Zahl auf 2350 geändert, zum Schluss ganz aus dem Bericht genommen. Und dies ist noch nicht mal der einzige Fehler im Bericht. Auch das Eis des Kilimandscharo wollten die Forscher des Weltklimarates schneller abtauen lassen, als es höchstwahrscheinlich der Fall sein wird. Dabei beriefen sie sich zwar auf  (nicht bestätigte) NASA Berichte,  eine wirkliche wissenschaftliche Grundlage ihrer Aussage konnten sie jedoch nicht nachweisen.  Dieser Fehler wurde Gott sei Dank noch früh genug entdeckt...

 

Wie können einem preisgekrönten Gremium solche Fehler unterlaufen? Nun, dafür gibt es verschieden Gründe. Zum einen finden nicht nur wissenschaftlich geprüfte Reports Eingang in diesen Bericht, sondern auch Texte aus unsicheren Quellen, die von den Fachleuten des IPCC erst gründlich untersucht werden müssten. Was beim „Gletscherfehler“ in dieser Hinsicht besonders traurig ist: angeblich soll dieser aus einem Bericht des WWF stammen, welcher dann unverändert in den Klimabericht des IPCC übernommen wurde.... Bestätigt ist dies nicht.

 

Eine weitere Fehlerquelle könnte in der Arbeitsweise des IPCC liegen, welches aus drei Arbeitsgruppen besteht, die alle unabhängig von einander verschieden Berichte erstellen: die WG 1(working group), welche sich mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen beschäftigt. Die WG 2, die sich um die Verletzlichkeit verschiedener Weltgegenden kümmert und schließlich die WG 3, welche sich Möglichkeiten der Eindämmung der Klimawandels überlegt. Die WG 2, welche die Folgen des Klimawandels für konkrete Regionen ermittelt, hat somit oft das Problem auf einem Gebiet zu arbeiten, welches voller politisch umstrittener Themen ist, beherrscht von regionalen Interessen und Konflikten . Somit liegt die Versuchung nahe, selbst Partei zu ergreifen. So gibt es von einem für das Asien-Kapitel zuständige Mitglied der WG 2 einen verblüffenden Kommentar zu der „2035“-Panne: „Es hatte mit den Ländern der Region und ihrer Wasserversorgung  zu tun. Wir dachten, wenn wir das hervorheben können, wird das Politiker zu konkreteren Maßnahen ermuntern“.  War der „Gletscherfehler“ also am Ende Absicht, um die betroffenen Regierungen zu schnellerem Handeln zu zwingen? In Anbetracht dessen, dass das IPCC sich verpflichtet objektiv zu berichten, wäre das natürlich fatal. Der Kommentar wurde übrigens später zunächst zurückgenommen und dann dementiert...

 

Man könnte nun sagen „Irren ist menschlich“. An  den IPCC Berichten arbeiten immerhin 2000 Autoren, welche alle nicht unfehlbar sind. Im Grunde geht es auch nicht um dieses „Detail“. Es ist eher die Glaubwürdigkeit des gesamten Klimarates, die nun in Frage gestellt wird, und das in einer Zeit, in der der Klimawandel sowie schon von immer mehr Menschen als unwichtig und als übertrieben dargestellt gilt. Viele Fragen sich nun, wie viele Fehler denn wohl noch in dem Bericht sind. Und ob sie überhaupt noch dem IPCC als Ganzem glauben schenken sollen. Für eine so preisgekrönte Organisation, die meiner Meinung nach insgesamt eine sehr gute Arbeit leistet, ist das mehr als schade. Auch wenn dem IPCC in den letzten Jahren ein „fast päpstlicher Status der Unfehlbarkeit“ (Ottmar Edenhofer) zugesprochen wurde, dürfen aus genau diesem Grund solche Fehler nicht passieren. Die Tatsache, dass das IPCC außerdem erst auf die Anschuldigungen reagierte, als das Thema bereits groß in den Medien diskutiert wurde und nur dürftig dazu Stellung nahm, macht es natürlich auch nicht besser. Alles in allem sollten wir aber denke ich nicht die wirkliche sinnvolle Arbeit des Weltklimarates aus den Augen verlieren und in Zukunft darauf hoffen, dass solche Fehler nicht mehr passieren.

Quellen:

DIE ZEIT Nr. 5

www.co2-handel.de 

www.globalklima.blogspot.com

 

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Kommentare (5)
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09.02.2010
Marcel hat geschrieben:
Hallo zusammen, ich würde euch gerne die WWF-Position zu diesem Problem erzählen. Habe gerade mit mit meiner Kollegin Barbara aus dem WWF-Klimateam darüber gesprochen, die unsere Stellungnahme zu dem Fehler so auf den Punkt bringt: Weiterhin gibt es bei der großen Mehrheit der Klimaforscher und Umweltschützer auf der ganzen Welt keinen Zweifel daran, dass der Klimawandel Auswirkungen auf Ökosysteme und menschliche Gemeinschaften hat. Was den Bericht betrifft, so kann es natürlich vorkommen, dass in einer 3000-Seiten-Studie ein Fehler auftaucht - deshalb die Arbeit des IPCC generell anzuzweifeln, finden wir vom WWF aber nicht richtig. Als Quelle für diese Aussage wird die WWF-Studie "An Overview of Glaciers, Glacier Retreat, and Subsequent Impacts in Nepal, India and China" aus dem Jahr 2005 angegeben. Die WWF-Studie hatte entsprechende Aussagen aus zwei Artikeln zitiert, die im Jahr 1999 erschienen waren: ?Flooded Out ? Retreating glaciers spell disaster for valley communities? (New Scientist, 5 June 1999) und ?Beating Retreat? (Down to Earth, Vol 7, No. 23, April 30, 1999). Zur Zeit der Veröffentlichung der WWF-Studie nahmen wir an, dass die Quelle dieser Aussage verlässlich sei. Das ist leider nicht der Fall - deshalb hat der WWF nun eine korrigierte Fassung der Studie veröffentlicht, die ihr hier findet: http://bit.ly/afDiev Uns ist wichtig, zu sagen: Der erkannte Fehler untergräbt nicht die Glaubwürdigkeit des IPCC. Wir vom WWF unterstützen mit Nachdruck die unermüdlichen Bemühungen des IPCC, das Wissen der Öffentlichkeit über den Klimawandel zu verbessern und seine Anstrengungen, dieser globalen Bedrohung zu begegnen.
07.02.2010
Albatross hat geschrieben:
@Kate13: Ich glaube, Bassus meinte das eher so, dass wir gerade wegen der Glaubwürdigkeit des Naturschutzes besonders aufpassen müsse, dass wir - also der Naturschutz - keine weiteren Fehler machen. Ich seh das auch so. Aber ich finde auch: Ja, Fehler müssen gemacht werden dürfen. Wer da dann gleich die ganzen Umweltorganisationen für unseriös erklärt, ist unfair. Ich vertraue diesen Organisationen weiterhin. Die allermeisten Umweltschutzstudien sind sehr streng und wissenschaftlich ausgearbeitet. Es gibt so viele Studien, die von diversen Industriezweigen und Konzernen finanziert und mitbestimmt werden, wo so viel Manipulation drin ist, die ganzen Klimaskeptiker, die mit ihrem Sonnenfleckenkram kommen und meinen, die Emissionen von 'nur so' 6 Milliarden Menschen würden das Klima gar nicht ändern können, da ist im Vergleich der Fehler vom IPCC absolut harmlos dagegen!
07.02.2010
KatevomDorf hat geschrieben:
@Bassus: beid ir hör es sich ja direkt so an, als würde s noch mehr "lügen" geben und u nur angst hättest, dass diese jetzt auch zutage treten könnten.. wie erbärmlich. wenn man schon kämpft, dann mit fairen mitteln. wenn man auf einmal anfängt wie die industrie und politik, nämlich mit lügen und betrügen, ist man keinen deut besser als sie. das dürfte ja wohl jedem klar sein.
dir scheint es auch nur um profit zu gehen. echt scheinheilig von dir... tze!
06.02.2010
Internetti hat geschrieben:
Da sieht man mal wieder wie egoistisch die Menscheit ist - aus purem Egoismus wurden Daten evtl. gefälscht um Regierungen zum handeln zu bewegen - diese Finte ist jetzt natürlich ein gefundenes Fressen für alle Ausbeuter unserer Erde. Einfach unglaublich - meiner Meinung nach stehen wir aber trotzdem mit unserem Klima bzw. unserer Fauna und Flora kurz vor dem Abgrund.
06.02.2010
Bassus hat geschrieben:
Na super, das wird natürlich den Naturschutz viel einfacher machen, es sagen jetzt schon genug Leute, wir würden nur übertreiben. Wenn noch mehr solcher Fehler ans Licht kommen, gehen zu viele Helfer, Spender und co. flöten, dann können wir Tschüss zu unserer Erde sagen.
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