Ist das der richtige Weg?


Monotonie in


der Südsee


© James Morgan / WWF-International

Die Bedrohung

Naturwunder - unwiderbringlich verloren.

© Chairul Saleh / WWF Indonesien

Unzähligen Tieren und Menschen wurden bereits Heimat und Zukunft geraubt! Die Waldvernichtung schreitet in einem atemberaubenden Tempo voran, so dass sich die Natur nicht erholen kann. Einer der größten Brennpunkte sind die Regenwälder Indonesiens.

Über 90 Prozent der Waldvernichtung dort spielt sich auf den beiden großen Inseln Sumatra und Borneo ab. Jeden Tag verschwinden dort Waldflächen in der Größenordnung von 4.600 Fußballfeldern - durch Abholzung, Brände oder die Umwandlung in Holz- und Papierplantagen.

Inselparadiese in Gefahr: Für Öl und Holz wird rücksichtslos vernichtet!


Weshalb wird Indonesiens Wald abgeholzt?

Verantwortungslose Bewirtschaftung ist Ursache der Katastrophe.
© Martin Harvey / WWF-Canon

Indonesien und Malaysia gehören zu den größten Holz- und Zellstoffexporteuren der Welt. Bei den tropischen Sperrholzprodukten hat Indonesien allein einen Anteil von 50 Prozent weltweit. Aber auch in Indonesien selbst boomt der Bedarf an Papier und Zellstoffen. Westliche Banken und Firmen haben mit Investitionen in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts dazu beigetragen, dass sich dieser Industriezweig um das Achtfache vergrößern konnte.

Oft sind die Produktionsanlagen so groß, dass sie durch die umliegenden Plantagen allein nicht ausreichend mit Holz versorgt werden können. Eine Folge ist, dass die Nachfrage der aufgeblähten Holz verarbeitenden Industrien in Indonesien die gesetzlich zugelassene Holzproduktion inzwischen um 35 bis 40 Millionen Kubikmeter übersteigt. Das bedeutet:

In Indonesien gelten rund 70 Prozent des eingeschlagenen Holzes als illegal.

Ein großer Teil der Waldflächen wird zudem für Ölpalmenplantagen kahl geschlagen. Deren Fläche wuchs alleine in Indonesien zwischen 1967 und 2003 von 106.000 Hektar auf 5,2 Millionen Hektar - das ist mehr als ganz Niedersachsen. Etwa ein Fünftel der Plantagen befindet sich auf Borneo - und es sollen dort noch mehr werden: Alleine im indonesischen Teil der Insel soll eine weitere Million Hektar Wald demnächst Plantagen weichen.



© Alain Compost / WWF-Canon

In Indonesien ist selten klar, wer auf regionaler Ebene etwas zu sagen hat, weil die indonesischer Politik so viel wie möglich dezentralisieren will. Die Gesetze sind zu lasch und die Kontrolle zu halbherzig. Dies alles macht es Kriminellen leicht, krumme Geschäfte zu machen und über Korruption ihre Ziele zu verfolgen. Man kann durchaus von einer Holz-Mafia sprechen, die sich die derzeitige politische Situation zunutze macht.

Provinz- und Distriktverantwortliche erteilen immer neue Genehmigungen zur Umwandlung von Regenwald in Ackerland und Plantagen und zum Holzeinschlag. Ein großer Teil des Holzes wird in die malaysischen Nachbarstaaten Sarawak und Sabah gebracht. Die Verflechtung zwischen vielen Holz verarbeitenden Firmen aus den malaysischen Staaten Sarawak und Sabah und dem brachialen Holzeinschlag im indonesischen Kalimantan ist offensichtlich. Zumal viele Einschlagsgebiete in Sabah bereits ausgebeutet sind und nicht mehr genügend Werthölzer hergeben.



© Rob Webster / WWF

Mafiose Verhältnisse haben auch immer mit Armut beziehungsweise Verarmung von Menschen zu tun. Beschleunigt durch die asiatische Wirtschaftskrise 1997/98 und den Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um fast 14 Prozent verdingen sich viele Menschen bis heute in Indonesien als Tagelöhner, um zu überleben. Der Mangel an alternativen Einkommensmöglichkeiten führt daher oftmals dazu, dass sie als Holzarbeiter ihre eigenen Wälder vernichten.



© A. Christi Williams / WWF-Canon

Warum brennt es in Indonesiens Wäldern so oft?

Die Brandrodung trifft vor allem die Torfmoorwälder - und damit das Klima!
© Alain Compost / WWF-Canon

In den indonesischen Städten tragen die Menschen manchmal Atemmasken, um sich vor dem Rauchnebel zu schützen. Es sind die Smogwellen aus den eigenen Regenwäldern. Immer wieder brennen die Wälder des Inselreichs - mit verherenden Folgen. Zum Beispiel 2006, als die Waldbrände in Zentral-Kalimantan auf der Insel Borneo etwa eine Million Hektar Landfläche verwüsteten.

Die Brände werden bewusst im großen Stil angelegt, damit bereits gerodete Flächen für die Plantagen gänzlich von Baumresten befreit werden können. Leider greifen diese Brände oft auf die umliegenden Waldflächen über.



© Tantyo Bangun / WWF Jugend

Auf Borneo roden zahlreiche Kleinbauern Teile des Waldes, um ihre Felder anzulegen und die Asche als Dünger zu nutzen. Während diese Menschen traditionellen Wanderfeldbau praktizieren, um zu überleben, gibt es noch Profiteure ganz anderer Art: Firmen, die mit der Brandrodung schnelles Geld verdienen wollen, indem sie den Regenwald in monotone Plantagen mit Ölpalmen oder Akazien kahlschlagen. Dazu ist die Brandrodung die billigste Methode. Das ist kriminell, auch nach dem indonesischen Gesetz, denn diese Art der Brandrodung ist schon seit Jahren verboten.

Der Smog zieht bis nach Singapur! Der WWF konnte dank Satellitenbildern feststellen, dass immer mehr Feuer in ausgetrockneten Torfmoorwäldern auftreten. Diese wachsen auf einer mächtigen Torfschicht, die durchschnittlich drei Meter dick ist. Trocknen die Wälder während einer Dürreperiode aus oder werden sie entwässert, kann die Torfschicht Feuer fangen und monatelang vor sich hin schwelen. Der Torfbrand erzeugt dann den berüchtigten "Haze", einen sehr gesundheitsschädlichen Smog, der bis in die Nachbarstaaten Singapur und Malaysia geweht wird.



© Alain Compost / WWF-Canon

Weil viele "trockenere" Wälder in den Tieflagen Borneos und Sumatras bereits ausgeplündert sind, greifen die Plantagenfirmen jetzt in die Torfmoorwälder ein. Sie sind schwieriger zu erschließen, weil man sie künstlich durch Kanäle entwässern muss, bevor man darin 'arbeitet'.

Was sind die Folgen?

Tiere sind die ersten Opfer. Doch auch wir Menschen bekommen Probleme.
© Alain Compost / WWF-Canon

Für diesen Maronenlangur gab es keine Überlebenschance. Seine Heimat wurde in wenigen Tagen in eine Palmölplantage verwandelt. Wie viele Tiere direkt in einem Waldbrand umkommen, läßt sich nur schwer schätzen. Allein die Zahl der verbrannten oder verdursteten Orang-Utans geht jedoch sicher in die Hunderte. Umso schlimmer wiegt der Lebensraumverlust, dem sie ausgesetzt sind.

Die Borneo-Orang-Utans verloren durch den massiven Holzeinschlag in den letzten dreißig Jahren rund 80 Prozent ihres Lebensraumes. Dadurch ist die Zahl der Tiere innerhalb von zehn Jahren um zwei Drittel (!) auf 49.500 (Stand Sommer 2009) zurückgegangen. Die noch wild existierenden Menschenaffen leben durch die Waldzerstörung in 300 räumlich getrennten Gebieten. Sie können sich nicht mehr über die einzelnen Gruppen hinaus fortpflanzen. Damit ist der für eine gesunde Entwicklung der Art nötige genetische Austausch auch nicht mehr möglich. Inzucht ist zwangsläufig und die Orang-Utans werden zunehmend anfälliger für Krankheiten.

Mit der Zerstörung der Regenwälder verschwinden überall Lebensräume von einzigartigen Tieren wie dem Tiger und dem Orang-Utan unwiederbringlich und indigene Völker verlieren ihre Heimat. Heilpflanzen werden zerstört, bevor ihre Wirkung für den Menschen überhaupt verstanden werden kann.



© Tantyo Bangun / WWF-Canon

Das Ergebnis sieht so aus: blanke Monotonie. Palmölplantagen für Lebensmittel und Kosmetik in unseren Supermärkten. Und während sich Indonesiens Landschaft radikal verändert, erwärmt sich außerdem das Klima.

Nirgends sonst auf der Welt gibt es so große tropische Torfmoorwälder wie auf den drei Inseln Sumatra, Borneo und Neuguinea. Diese Wälder sind nicht nur bedeutende Zentren der biologischen Vielfalt. Sie gehören zu den wichtigsten natürlichen Kohlenstoffspeichern der Erde.

In Tausenden von Jahren haben sich hier gigantische Mengen Kohlenstoff im Untergrund angesammelt. Die Zerstörung dieser Torfmoorwälder ist eine tickende Zeitbombe für das Weltklima. Der in den Torfschichten und Bäumen gespeicherte Kohlenstoff würde als Treibhausgas CO2 in die Atmosphäre abgegeben. Diese Menge wäre insgesamt so groß wie die weltweiten Emissionen aus fossilen Brennstoffen der letzten 70 Jahre!

Die Riesenbrände dieser Torfwälder verstärken den globalen Treibhauseffekt messbar. Wissenschaftler der Universität München fanden heraus, dass während der Brandkatastrophe 1997 und 1998 in Indonesien zehn- bis zwanzigmal so viel Kohlendioxid in die Atmosphäre stieg wie Deutschland in den letzten zehn Jahren im Rahmen der Klimapolitik mit Milliardenaufwand eingespart hat.

Absurd ist es, wenn aus den Brandrodungen Ölpalmenplantagen hervorgehen, die billiges Palmöl für angeblich klimafreundlichen "Biodiesel" erzeugen, der vermehrt auch nach Deutschland exportiert wird.

Die Zerstörung muss jetzt gestoppt werden, um die Regenwälder und ganz besonders die Torfmoorwälder mit ihren Funktionen als Klimaschützer, Lebensraum und Rohstofflieferant für die Zukunft zu bewahren. Geht es hingegen so weiter, sind diese Wälder auf Borneo und Sumatra bis zum Jahr 2020 verschwunden.

Warum ist der Verlust der Wälder so schmervoll?

Fünf gute Gründe, Indonesiens Dschungel zu schützen.
© Alain Compost / WWF-Canon

Wälder sind neben Korallenriffen die Regionen mit der größten biologischen Vielfalt. Auch mehr als 60 Millionen Menschen leben direkt im und vom Wald. Wälder produzieren Sauerstoff, speichern Kohlenstoff und Wasser, bewahren vor Überflutungen und schützen den Boden vor Erosion. Der globale Handel mit Waldprodukten hatte 2004 einen Wert von 327 Milliarden US-Dollar - und lag damit höher als die Gesamtausgaben des Bundeshaushaltes.



© Supriyanto / WWF Indonesien

Es gibt verdammt gute Gründe, warum wir Regenwälder brauchen:

Grüne Klimaanlage der Erde: Die Wälder dieser Welt, vor allem Tropenwälder, sind gigantischer Kohlenstoffspeicher und funktionieren ähnlich wie riesige Klimaanlagen. Wo sie brennen, heizen sie den weltweiten Treibhauseffekt weiter an.

Wasserspeicher Regenwald: Tropische Regenwälder sind Riesenschwämme, die gigantische Mengen Wasser vor allem in ihrer Biomasse gespeichert haben. Davon wandeln sie unter der geballten, einstrahlenden Sonnenenergie am Äquator den Großteil in Wasserdampf um, der einen kühlenden Effekt auf die Atmosphäre hat.

Speisekammer Regenwald: Über 80 Prozent aller weltweiten Nutzpflanzen sind tropischen Ursprungs – wie Banane, Tomate, Kartoffel und Kakao. Die halbe Menschheit ernährt sich sogar vorwiegend von nur drei Pflanzen: neben Weizen die tropischen Arten Reis und Mais.

Lieferant für Wirtschaftsgüter: Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge stellen Wälder im globalen Durchschnitt Dienstleistungen und Rohstoffe im Wert von etwa 750 Euro pro Hektar und Jahr zur Verfügung. Holz ist dabei ein wichtiger Rohstoff. Zusätzlich können aus einigen der Arten Öle, Fasern, Treibstoffe und andere wertvolle Produkte gewonnen werden.

Apotheke Regenwald: Nur etwa ein Prozent aller Urwaldpflanzen sind bislang auf ihre Heilkräfte untersucht worden. Tropische Organismen sind beispielsweise die Hauptquellen für Antibiotika.

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