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Schweden - ein skandinavischer Traum?


von Zoe
01.06.2009
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Denkt man an Schweden, hat man als erstes das Bild von unberührter Natur vor Augen, Elche, Rentiere, weite Wälder, Wiesen und kristallklare Seen. Natürlich kommen diese Assoziationen nicht von ungefähr: Schweden besitzt eine faszinierende Flora und Fauna, insbesondere im Norden des Landes - in Lappland. Dort findet man z.B. den nördlichsten Birkenwald der Welt (wobei 85% der Wälder in Schweden aus Nadelbäumen bestehen). Bedingt durch das Klima und die geologischen Voraussetzungen findet man auch auf den Inseln Gotland und Öland eine beeindruckende und vielfältige Flora. Hier wachsen unter anderem Pflanzen, die sonst in Europa nur im Balkanraum vorkommen. Besonders erwähnenswert sind die zahlreichen Orchideenarten. Auch das Tierreich Schwedens hat einiges zu bieten: eine Vielzahl von inzwischen seltenen Vogelarten (z.B. der Steinadler), Elche, Rentiere, Hasen, Dachse, Marder, Wildschweine, und die inzwischen in Europa sehr selten gewordenen Polarfüchse, Vielfrasse und Braunbären. Schätzungen zufolge leben noch ca. 500 wilde Braunbären in Schweden. Auch Luchse und Wölfe existieren noch in freier Wildbahn, wenn auch nur noch in geringer Zahl. Die vielen Seen und langen Küsten bieten viel Lebensraum für Wassertiere, beispielsweise diverse Süß- und Salzwasserfische, Biber und Robben.

Abisko Nationalpark in Lappland

Über das Land verteilt gibt es 28 Nationalparks, ökologisch besonders wertvolle Gebiete. Die ersten neun Regionen wurden schon im Mai 1909 zu Nationalparks erklärt - die ersten Nationalparks Europas. Die flächenmäßig größten befinden sich im Nordwesten des Landes. Mittlerweile sind 11 % des Landes durch Naturschutzgebiete oder -reservate und die Nationaparks geschützt. 300 Tier- und Pflanzenarten stehen in ganz Schweden unter Naturschutz und weitere 50 Arten in einer oder mehreren Provinzen. Da neben der Gründung der Nationalparks auch die Erlassung der wichtigsten Naturschutzgesetze auf das Jahr 1909 zurückfällt, feiern die Schweden dieses Jahr den 100sten Jahrestag des „Tag der Natur“. Der „Tag des Nationalparks“ am 24. Mai wird besonders gefeiert werden, u.a. mit der Eröffnung der Ausstellung zum „Jahr der Natur“ in Skansen und verschiedenen Aktivitäten in den schwedischen Nationalparks und Naturschutzgebieten. Ein Höhepunkt ist die Einweihung eines neuen Nationalparks: Am 9. September wird das Gebiet Kosterhavet im Norden der Provinz Bohuslän offiziell zu Schwedens 29. Nationalpark erklärt. Damit erhält Schweden seinen ersten Meeresnationalpark – und zwar mit einer Fläche von rund 450 km².

Stockholm, als Hauptstadt Schwedens, wurde vor kurzem auch zum „European Green Capital 2010“ gekührt. Die Grossstadt hat sich selbst das ehrgeizige Ziel gesetzt sich bis 2050 komplett von fossilen Brennstoffen zu verabschieden. Im „Venedig des Nordens“ bestehen 10 % der Stadtfläche aus Wasser, 95% der Stadtbevölkerung leben nur 300 Meter entfernt von Grünflächen - das trägt nicht nur zur Lärmreduktion bei, sondern begünstigt den Erhalt der Biodiversität. Die Geräuschkulisse innerhalb Stockholms wird auch durch die Autogebühren reduziert - gestaffelt nach Tageszeit müssen Autofahrer bestimmte Abgaben entrichten, um durch die Stockholmer Innenstadt fahren zu dürfen. Dafür gibt es ein umso besser ausgebahntes U-Bahn, Bus und Bahn-System. Alle öffentlichen Verkehrsmittel werden mit erneuerbaren Energien betrieben - die Verkehrsemissionen sind somit relativ gering.

Doch wie alles im Leben gibt es auch bei Schweden eine zweite Seite der sprichwörtlichen Medaille. Obwohl das langsame Bevölkerungswachstum und eine effektive Naturschutzbewegung einen Grossteil der weitläufigen Waldgebiete Schwedens erhalten konnten, wurden weite Teile des Waldes durch radikalen Kahlschlag zerstört. Der Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten wird damit zunehmend gefährdet. Allein in einem Jahr, in 2001, wurden fünf Säugetierarten, vier Vogelarten und drei Pflanzenarten auf die Liste der „vom Aussterben bedrohten“ Tier- und Pflanzenarten gesetzt.

Eine der kontroversesten Fragen im Bereich Umweltschutz kreist auch in Schweden um Atomenergie. In den 1980ern wurde das schwedische Atomkraftwerknetz auf mehr als 12 Reaktoren ausgebaut, jedoch mit diversen Auflagen und einem geplanten Ausstieg aus der Atomkraft ca. 20 - 25 Jahre später. Bis 2009 wurden jedoch nur zwei der Reaktoren abgeschaltet. 50 Prozent des schwedischen Strombedarfs werden heute noch mit Atomenergie aus drei Kernkraftwerken mit insgesamt zehn Reaktorblöcken abgedeckt. Welche Risiken dabei entstehen, mussten die Schweden im Juli 2006 am eigenen Leib erfahren, als es im Juli 2006 fast zu einem GAU kam.
Ein Kurzschluss außerhalb des Kraftwerkes Forsmark führte zur Trennung der Anlage vom Stromnetz und zur automatischen Schnellabschaltung des Reaktors. Das Notkühlsystem, welches die Nachwärme des Kraftwerks abführen sollte, sprang nicht an und die Kraftwerksbetreiber hatten mehr als zwanzig Minuten keinen Überblick über den Zustand des Reaktors. Laut Aussage eines ehemaligen Konstruktionsleiters stand das schwedische Kraftwerk kurz vor dem GAU durch Kernschmelze.

Stockholmer Innenstadt bei Gamla StanDennoch ist mein persönliches Fazit in puncto Naturschutz in Schweden natürlich positiv: nimmt man die hohe Wasserqualität von Seen und Flüssen, den enorm niedrigen CO2 Ausstoss, die Recycling-Freude der schwedischen Bürger oder die ehrgeizigen „Erdöl-ade“-Pläne der schwedischen Regierung. Kaum ein anderes Land unternimmt so viel, um die Nachhaltigkeit der Ressourcen auf so vielen verschiedenen Ebenen zu sichern und das eigene Land lebensfähig und „grün“ zu halten. Daumen hoch!

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Kommentare (2)
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16.07.2009
MasinoR hat geschrieben:
Ich war im Juli 2009 in Schweden auch nicht allzu weit entfernt vom Reaktor...
01.06.2009
Marcel hat geschrieben:
Hallo Zoe,
vielen Dank für diese wirklich tolle Zusammenfassung über Schweden. Echt total interessant, was du über den Umwelt- und Naturschutz dort herausgefunden hast. Vor allem der Meeresnationalpark, die 'European Green Capital' und der echt üble Vorfall im Kraftwerk Forsmark... Man schaut ja doch immer nur recht engstirnig auf die Fort- und Rückschritte im eigenen Land. Von daher freue ich mich schon auf deine weiteren Länder-Texte... ;)  
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