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Olympische Spiele in Sotschi


von Zweitagsfliege
23.01.2014
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In 2 Wochen beginnen die Olympischen Spiele in Sotschi. Es sollen „grüne Spiele“ werden. Was das Für die Betroffene Region heißt, ist allerdings fraglich.

Im September verkündeten der im IOC für Sotschi verantwortliche Franzose Jean-Claude Killy und der für die Organisation der Spiele zuständige stellvertretende russische Ministerpräsident Dmitrij Kosak vor Journalisten aus vielen Ländern, dass die Vorbereitungen phantastisch liefen. Die Welt könne sich auf wunderbare Spiele freuen, deren positive Auswirkungen auf die Stadt schon jetzt zu spüren seien.
Das dürften manche Anwohner wahrscheinlich anders sehen.

Durch die kleine Siedlung Achschtyr brettern ungefähr 250 LKW Tag und Nacht, um Steine aus dem nahegelegenen Steinbruch aufzuladen und abzutransportieren. Die Steine werden für die Olympischen Sportanlagen benötigt.
Ein Protokoll von Ende Juni von einer Besprechung unter Leitung des stellvertretenden Ministerpräsidenten Dmitrij Kosak besagt, dass einer der Steinbrüche von Achschtyr für olympische Bauabfälle genutzt werden solle.
Niemand weiß genau, was seitdem in den Krater oberhalb des Dorfes gekippt worden ist, aber Umweltschützer und Fachleute der Russischen Geographischen Gesellschaft befürchten, dass giftige Stoffe in den Boden sickern oder sogar ins Trinkwasser gelangen könnten. Die Müllkippe gilt amtlich als illegal, etwas daran geändert hat aber bisher niemand. Ein Bewohner von Achschtyr sagt, die Verantwortlichen hätten schnell Erde darauf gekippt, damit es niemand mehr sehen könne.
Viele Bewohner haben an den Hängen Obst angebaut und damit ein wenig verdient, aber das will jetzt keiner mehr kaufen, denn jetzt liegt so viel Staub darauf, dass man ihn nicht abwischen kann. Angeblich sind bereits Menschen krank geworden wegen des Staubs. Er setze sich direkt in den Lungen fest, so eine Anwohnerin.

Eigentlich war das Gebiet mal ein Nationalpark. „War“ deswegen, weil dieser Status dem Gebiet entzogen wurde. Die Bäume wurden abgeholzt um an die Steine heranzukommen.
Früher habe es innerhalb der Stadtgrenzen des Kernortes Sotschi 30 Quadratmeter Grünfläche pro Einwohner gegeben, sagt Umweltschützer Wladimir Kimajew, heute seien es noch drei. In den Flüssen wurden die Orte zerstört, wo die Lachse laichen.
Es habe auch mal einen natürlich gebildeten Strand aus Felsen und Sand gegeben, doch der sei den Umbaumaßnahmen zum Opfer gefallen. Und der kolchidische Wald sei auch zerstört worden. Dafür seien Palmen aus Italien eingeflogen worden, die irgendwo im Sumpf gepflanzt wurden. Er habe sich einmal vor ein das Gelände mit den neu gepflanzten Bäumen angeschaut. Nur vereinzelte Setzlinge hätten überlebt, sagt er, die meisten seien verkümmert.
 

Die Steinbrüche senken den Wasserpegel. Deshalb ist der Brunnen versiegt. Nun kommt einmal in der Woche ein LKW und bringt den Bewohnern Wasser. Allerdings fällt dieser auch schon einmal aus und sie müssen dann 2 Wochen lang auf ihn warten.
In Achschtyr gibt es zu wenig Wasser, in Mirnyj gibt es zu viel davon.
Das Gelände des olympischen Parks war mit Erde um etwa drei Meter angehoben worden, damit die Stadien oberhalb des Meeresspiegels liegen und auf trockenem Boden stehen. Dabei waren auch viele Kanäle einfach zugeschüttet. Das Kanalsystem der Siedlung war allerdings aus dem Takt gekommen und die Bewohner von Mirnyj hatten bei Regen oft eine Überschwemmung zu Hause.


 

Vorzeige- Siedlungen des Staates sind Tawritscheskij und Nekrasowka. Dort wohnen nun Umsiedler, deren Häuser und Einkommensquellen einer Trainingshalle für Eishockeymeisterschaften weichen mussten. An der Rückseite der Häuser in der vermeintlichen Idylle fließt allerdings das Abwasser, da sich die Regierung weigert sie an das Kanalnetz anzuschließen.


Die Wettkämpfe gelten mit Kosten von rund 37,5 Milliarden Euro als die bisher teuersten Winterspiele der Geschichte.

Ein Mann aus Achschtyr :
"Wir haben weder Wasser, noch eine Verkehrsanbindung, noch Gas. Wir heizen mit Feuerholz, aber das hat man uns verboten, damit keiner der Olympia-Gäste während der Spiele Rauch aus unseren Schornsteinen kommen sieht. Damit alle denken, dass überall alles schön ist und wir eigene Gasleitungen haben."

Gemäß OK-Chef Dmitri Tschernitschenko sollen diese Winterspiele „die ganze Region verändern“.
Vielleicht haben sie das sogar schon geschafft.

 

 

 

Quellen: www.taz.de/!129557/

www.deutschlandfunk.de/sotschi-2014-die-olympia-verlierer-von-achschtyr.1346.de.html?dram:article_id=271350 

www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/sotschi-vor-den-olympischen-spielen-orte-der-gebrochenen-versprechen-12603517.html

Bilder: www.google.de/imgres

theinspirationroom.com/daily/2010/sochi-2014-branding/

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Kommentare (27)
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27.02.2014
Servamus hat geschrieben:
#menschlicheintelligenz ?
08.02.2014
AfriKaro hat geschrieben:
Ich finde es echt ssssccchhh........schlecht, dass sowas gemacht wird. Es ist ja nicht nur Sotschi, in Rio de Janeiro wird auch die Fußball WM abgezogen, während die Menschen in katastrophalen Verhältnissen leben! Ich habe mir die Eröffnung gestern im Fernsehn angesehen und ich finde teilweise sind die Ereignisse die bei der Eröffnung gezeigt werden einfach nur unnötig. Wozu eine Lichtershow? Was hat das mit dem Sport zu tun?!
Übrigens, cooler Bericht! ;-)

Liebe Grüße
08.02.2014
safetheanimals hat geschrieben:
Hä??
die haben da kein Wasser und lassen einen Delfin eine Fackel tagen? das muss mir mal einer erklären. Wo genau liegt Sotschi denn jetzt? in Russland oder den Subtropen?(merke gerade mal wieder das ich keine Ahnung habe)wenn es in Russland ist muss man mal an den verstand der Leute appelieren: kein Feuerholz und kein Gas? hää? und die Palmen nach irgendwo zu verschiffen ist auch nicht gerade klug.
Das mit dem Delfin? wie lässt man ein Wassertier eine brennende Fackel tragen ohne es Tierquälerrei zu nennen? Will ja niemandem etwas unterstellen aber das muss man sich echt mal bildlich vorstellen.
07.02.2014
gelöschter User hat geschrieben:
Nicht nur Umweltschutz. Schon allein wegen der Homophobie werde ich diesen ******* nicht anschauen...
07.02.2014
Tigerlein hat geschrieben:
Die Winterspiele in Sotschi sind ein Produkt von Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung!
Der einzige Grund, dort hinzufahren, bzw. zu fliegen ist, dort zu demonstrieren!!
Leider habe ich dafür nicht genug Geld. ;)
07.02.2014
Julischatten hat geschrieben:
Ein sehr informativer Bericht,danke!
Wir haben auch im Erdkunde Unterricht über Sochi gesprochen. Man kann die olympischen Winterspiele einfach nicht in einer Region mit subtropischem Klima stattfinden lassen. Dadurch wird viel zu viel zerstört und die Natur künstlich verändert...
05.02.2014
gelöschter User hat geschrieben:
Das ist echt sehr traurig, eigentlich dürfte man sich die Spiele gar nicht anschauen....
was dafür alles "geopfert" wird....
29.01.2014
Makanie hat geschrieben:
@Franzi: Nie?!
28.01.2014
Morgentau hat geschrieben:
Auch von mir nochmal danke. Der Bericht ist wirkich gut geworden! Aber, wie gesagt, verdammt traurig.
26.01.2014
Christina1107 hat geschrieben:
Katastrophe, danke für den Bericht, ich hab das alles nicht gewusst! Jetzt blicke ich mit einem ganz anderen Auge auf die olympischen Winterspiele in Sotschi! Echt beängstigend, was die Menschen dort auf sich nehmen müssen, nur um ein gutes Bild zu machen!
26.01.2014
Lisa18 hat geschrieben:
Vielen Dank für den Bericht. Es ist absolut unverantwortlich, wie die Leute mit den Bewohnern umgehen!! Ihnen zu verbieten kein Feuer zu machen oder ihnen 2 Wochen lang kein Wasser zu bringen!! Eine absolute Schnappsidee war die Aktion mit den Palmen!! Wie kann man nur so blöd sein und diese im Sumpf einpflanzen!!
25.01.2014
FranziL hat geschrieben:
Da kann man echt nur mit dem Kopf schütteln. Es ist wirklich schlimm, was dort gemacht wird, nur um diese Winterspiele austragen zu können. Trotzdem danke für diesen tollen und sehr interessanten Bericht!
25.01.2014
LSternus hat geschrieben:
Toller Bericht. Bei Putin wundert mich gar nichts mehr. Er hat ja selbst gesagt er habe einfach mit dem Finger auf den Ort gezeigt und er wurde ausgewählt.
25.01.2014
Zweitagsfliege hat geschrieben:
@Alle: Danke, für die netten Kommentare. :)
Ich sollte diesen Bericht wegen der Gruppe "Duck Duck Goose- für die Umwelt" schreiben, also war es Lena97, die das Thema ausgesucht hat.
25.01.2014
Monamona hat geschrieben:
Danke für den Bericht! Ist doch ziemlich gut geworden dafür, dass du ihn als Aufgabe geschrieben hast bei Duck Duck Goose :)
24.01.2014
FranziV hat geschrieben:
Sportevents sind ganz allgemein in dieser Hinsicht fast immer katastrophal! Es wird immer ein Wirtschaftswachstum und Tourismus-Anstieg prophezeit, aber alles was solche Großevents bringen sind Abholzung und Verluste für die einfachen Bürger/Anwohner..!
24.01.2014
Cookie hat geschrieben:
Danke für diesen tollen, aber leider verdammt traurigen Bericht. Ich kann mich den anderen nur anschließen. Wenn man sieht, wie so viel Geld so sinnlos aus dem Fenster geworfen wird, kann man nur die Hände vors Gesicht schlagen. Verstehen tu ichs auf jeden Fall nicht.
24.01.2014
Jule98 hat geschrieben:
Schlimm, was alles "vernichtet" wird, nur um ein paar Tage "schöne" Winterspiele ausgetragen werden können! Wem tut es denn eigentlich weh, wenn die Spiele im alten Stadion/ da wo sie schon letztes Mal waren, stattfinden. Es reicht doch, wenn man den ganzen Aufwand einmal betreibt! Meiner Meinung nach ist es aber auch unnötig, so viel Aufwand zu betreiben und riesige Gebäude, ... zu bauen. Es reicht doch, wenn der Austragungsort "einfach" gestaltet ist! Es muss nicht immer alles aufwendig gestaltet sein, damit man einen guten Eindruck hinterlässt! Wahrscheinlich würden viel mehr Menschen aufmerksam, wenn die "Veranstalter" auf den ganzen Schnickschnack verzichten würde- das wäre dann nämlich mal außergewöhnlich ( und würde nebenbei noch Umwelt, Tieren und Anwohnern zugute kommen).
Und vor allen Dingen finde ich es auch nicht richtig, dass die Anwohner die ganze Aktion auch noch vertuschen sollen- man müsste viel mehr Leute auf die Missstände aufmerksam machen und es verhindern!
24.01.2014
RichardParker hat geschrieben:
Was zu viel ist, ist zu viel! Sie haben echt einem Natinalpark den Status entzogen, nur um an Steine zu kommen?! Und denke mal einer an die Bewohner der umliegenden Regionen, dass ist ja geradezu menschenunwürdig!! Vielen, vielen Dank für diesen super Bericht! Grüne Spiele werden das sicher nicht! Da sollten sie sich lieber mal ihrer Bevölkerung widmen und nicht dem Profit hinterher jagen! Wozu hat man den 37,5 Millarden Euro?! Doch nicht um der Umwelt und den Menschen dort noch mehr zu schaden!!!
24.01.2014
Franzi... hat geschrieben:
Nur damit alle sehen können, wie "toll" Sochi ist, wird so viel Geld ausgegeben und die Natur zerstört. Wann kommen die Leute denn endlich mal zur Vernunft?
24.01.2014
somebodywholovesourearth hat geschrieben:
Danke! Man hatt ja schon mit bekommen, dass da alles nich so gerade läuft und viele Menschen leiden müssen, doch das die Außmase so riesig sind, habe ich nicht erwartet. Vor allem, die meisten deutschen haben ja keine Ahnung, was die Mensche die in den Regionen wohnen, wo die Olympischenspiele sind, so dafür leiden müssen. Es ist echt krass, dass dieser Nationalpark-Status dem Gebiet entzogen wurde. Und das nur um an die Steine heran zu kommen!
24.01.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Ich schließe mich den anderen an! Vor allem, dass dauend neue Stadien gebaut werden müssen, finde ich total unnötig. Das ist ja auch bei der diesjährigen Fußball-WM. Da wurde natürlich auch ein Ort ausgewählt, wo es nicht genügend Stadien gibt...
24.01.2014
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Ich gebe den anderen total Recht!
Wie kann man den Leuten auch noch verbieten, zu heizen?!
Für die Anwohner werden das bestimmt wunderschöne Winterspiele... :(
Das mit dem Delfin finde ich auch einfach nur sinnlos!
24.01.2014
SarahU hat geschrieben:
Danke für den informativen Bericht! :)

Ich finde es auch total sinnlos, dass dauernd neue Stadien gebaut werden! :(
Wieso werden die Veranstaltungen nicht einfach dort durchgeführt, wo schon Stadien sind??!! :/

Und dass ein Delfin die Fackel tragen soll, kann ich auch überhaupt nicht verstehen!
Hier eine Protestaktion dagegen: http://www.prowildlife.de/protestaktion_2
23.01.2014
gelöschter User hat geschrieben:
Erst mal: super Bericht, wichtiges Thema, interessant gestaltet, flüssig zu lesen und vor allem mit Quellenangabe! :)

Ich persönlich halte es auch für absolut dämlich, sämtliche Olympiaden, WMs, EMs und Co. immer an neuen Standorten stattfinden zu lassen und dafür extra neu zu bauen, schließlich werden die anschließend kaum genutzt...
Ich fände es viel schöner, die olympischen Spiele immer in Athen stattfinden zu lassen, vor historischer Kulisse (vor allem könnte Griechenland damit ein wenig geholfen werden...)!
Und Fußball wird meiner Meinung nach eh überbezahlt! Früher hatten die Fußballer noch nen richtigen Job nebenbei und konnten auch mal den ein oder anderen Tritt gegens Schienenbein haben, ohne gleich in die Reha zu müssen, die brauchten auch keine derartigen Hightech-Stadien oder sonen Firlefanz...

Absolut dämlich finde ich auch, dass zur Eröffnung der Winterspiele ein Delfin die Fackel tragen soll - wo ist da der Sinn???? Das sind Winterspiele und keine Wasserspiele!
Da wundert es mich auch nicht, dass man - wie in deinem Bericht ja offensichtlich klar wird - bei der sonstigen Planung auch nicht von 12 bis Mittag gedacht hat...
Hauptsache für ein paar Wochen das dicke Geschäft machen :(
23.01.2014
vince hat geschrieben:
Oh nein... das ist bei solchen Sport events leider immer so, es wird meist ein Haufen Kohle verschwendet und es bringt jede Menge Nachteile für die Umwelt mit... eigentlich eine lose-lose Situation aber das weiß halt kaum jemand.
23.01.2014
Sunny97 hat geschrieben:
Oh man ich schau ja ziemlich gerne die Olympischen Spiele, aber das dafür immer neue Stadien und Trainingshallen gebaut werden müssen versteh ich nicht. Warum lassen sie die Spiele nicht dort statt finden wo schon Stadien vorhanden sind??
Ich hab sowieso in letzter Zeit ziemlich viel schlechtes über diese "grünen Spiele" gehört, trotdem schöner Bericht
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