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© Wild Wonders of Europe / Konrad Wothe / WWF
Kein Mensch ist illegal – Kommentar zur Flüchtlingssituation.


von Sunlight
01.09.2015
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„Es geht nicht um die Wahl, ob die Menschen ein besseres Leben haben oder nicht. Es geht um Leben und Tod... Egal was passiert, die Menschen werden weiterhin fliehen.“ (Kristina Zammit, Jesuit Refugee Services’)

Im Jahr 2015 starben im Mittelmeer bis jetzt bereits rund 2.000 Menschen auf der Flucht nach Europa. Dabei gibt die EU für die Sicherung der EU-Außengrenzen knapp dreimal so viel Geld aus wie für die Verbesserung von Asylverfahren und Aufnahmebedingungen für Flüchtlinge. Außerdem waren von allen Menschen, die 2013 nach Deutschland eingewandert sind, nur ca. 12% Asylsuchende. Gleichzeitig nimmt aber der rechtsradikale Terror gegen Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland dramatisch zu, fast täglich hört man in den Nachrichten von abgebrannten Turnhallen oder ähnlichen Übergriffen. Dass hier Einiges gewaltig schief läuft, ist offensichtlich...

Neben Krieg oder politischer Verfolgung zwingen teilweise auch verschlechterte ökologische und soziale Lebensbedingungen Menschen dazu, dass sie ihre Heimat verlassen müssen. Gründe dafür sind u.a. die Politik des Globalen Nordens und unser konsumorientierter, ressourcenaufwendiger Lebensstil:

- Die Folgen des Klimawandels zerstören die Lebensgrundlagen in vielen ärmeren Ländern.

- Ungerechte Wirtschafts- und Handelsbeziehungen führen zur Ausbeutung.

- EU-Agrarexportsubventionen zerstören lokale Märkte in Ländern des globalen Südens.

- Die Praxis des Landraubs durch europäische Firmen zwingt Menschen ebenfalls zur Flucht aus ihrer Heimat.

Wir sollten also nicht vergessen, dass die Menschen oftmals zur Flucht gezwungen werden (im weitesten Sinne sogar von uns Industriestaatlern) und sie ihre Heimat gar nicht verlassen wollten.

„Ich wollte meine Heimat nicht verlassen. Ich hoffte bis zuletzt, der Krieg würde bald zu Ende gehen“. (Rana Fida, Flüchtling aus Syrien).

Und was erwartet sie dann in Europa? Überfüllte Unterkünfte, Duldungsstatus, Abschiebung, Perspektivlosigkeit oder Fremdenfeindlichkeit?

Dass die EU und Deutschland nicht wahllos alle Flüchtlinge aufnehmen können, ist klar. Allerdings verstößt angesichts der dramatischen aktuellen Lage der Flüchtlinge deren Behandlung durch EU-Mitgliedsstaaten gegen Flüchtlings- und Menschenrechte.

„Die europäische Union hat bislang ihre Grenzen geschützt. Sie sollte beginnen, Menschen zu schützen.“ (Maximilian Popp, Journalist)

Als ich im Juli die Chance hatte, die Erstaufnahmestelle in Dortmund-Hacheney zu besuchen, wurde deutlich, dass für manche Flüchtlinge „erst mal nur die Gewissheit zählt, unter einem Baum sitzen zu können, und zu wissen, dass Ihnen nicht gleich eine Bombe auf den Kopf fällt“. Aber auf Dauer reicht allein diese Gewissheit nicht aus. Die Menschen brauchen menschenwürdige Unterkünfte und Perspektiven für die Zukunft.

Wir alle stehen in der zivilgesellschaftlichen Verantwortung, aktiv zu werden, um unserem internationalen Anspruch gerecht zu werden. Egal ob andere informieren, Behördengänge begleiten, Sachspenden leisten oder WG-Zimmer anbieten, jeder kann einen kleinen Beitrag leisten. Was und wie genau Ihr das am besten macht, lest Ihr hier in den Tipps von Pro Asyl!

Wenn Du Dich näher mit dem Thema beschäftigen möchtest, könnte auch folgendes Seminar für dich interessant sein: Geflüchtete willkommen heißen – Chancen und Herausforderungen in der Unterstützungsarbeit vom 09.10.2015 bis 11.10.2015 in Berlin. Hier geht es darum, dass Ehrenamtliche in der Unterstützungsarbeit oft vielen Herausforderungen gegenüber stehen, dass sie z.B. nur vage Kenntnisse über die Themen Flucht und Asyl sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen haben oder sie kennen die Lebensrealitäten von Geflüchteten kaum. Häufig fehlt auch der Raum für eine adäquate Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Alltagsrassismen, die einer Begegnung auf Augenhöhe im Wege stehen. Diesen Herausforderungen reflektiert, gestärkt und informiert zu begegnen, ist Ziel des Seminars, welches grundsätzlich den Fragen nachgeht, wie eine nachhaltige Unterstützung aussehen kann und in welchem politischen Rahmen derartiges Engagement stattfindet.

„Ich erhebe meine Stimme, nicht um zu schreien, sondern um für die zu sprechen, die keine Stimme haben.“ (Malala Yousafzai, Pakistanische Menschenrechtsaktivistin).

Doch bei aller Kritik sollten wir nicht vergessen, dass genau dies in Deutschland bereits viele Menschen tun! Sie erheben ihre Stimme gegen Hass und Gewalt, gegen Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile und setzen sich unermüdlich aktiv für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit ein, indem sie in Aufnahmelagern helfen, Zimmer bereitstellen, Behördengänge begleiten oder, oder, oder... Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass diese leise Stimme der Menschlichkeit den lauten "braunen" Widerstand übertönt!

Aber was hat all das mit uns, der WWF Jugend zutun? Ganz einfach! Viele Probleme im Umweltschutz haben uns gezeigt, dass Lösungen oft nur global möglich sind, wenn alle Menschen zusammenarbeiten. Und das sind wir schließlich alle - Menschen. Egal, welche Hautfarbe wir haben, woher wir kommen oder aus welchen Gründen wir unsere Heimat verlassen mussten. Wie auch beim Umweltschutz sitzen wir auch bei dieser Situation im selben Boot und müssen zusammenhalten. Die WWF Jugend versteht sich als weltoffene, bunte Community, in der jeder willkommen ist. In diesem Sinne: Refugees welcome!

"Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen“ (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 14), denn: kein Mensch ist illegal!

 

Weitere Infos und meine Quellen:

Ausstellung von Pro Asyl

Newsstream von Pro Asyl

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

"Auf der Flucht vor dem Klima" von Oxfam

"Flüchtlige willkommen, Fluchtursachen nicht" von der BUNDJugend

 

Bilder:

https://pixabay.com 
Pass über Grenzzaun & Welcome © iStock / Getty Images

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Kommentare (5)
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04.09.2015
RichardParker hat geschrieben:
Ein sehr wichtiger Beitrag, danke Lisa! Willkommen allen, die bei uns Schutz suchen!
03.09.2015
Felix_der_Blaue hat geschrieben:
Was du ansprichst, Kathy, stimmt zunehmend. Nur bezweifle ich, dass sich die momentane Regierung ernsthaft mit den Entbürokratisierung befassen wird, und auch der hilfsbereiteste Gutbürger kann das Asylantragverfahren leider nicht beschleunigen... Was bleibt, ist vielleicht an unsere Bundestagsabgeordneten zu schreiben oder auf Protesten und Demonstrationen Flagge zu zeigen.
02.09.2015
Kathy3 hat geschrieben:
Ich finde es super, dass Du den Artikel geschrieben hast!
Ich hatte mein BFD-Seminar zum Thema Flüchtlingsproblematik, wo wir das EU-Parlament nachgespielt haben, mit dem Versuch eine EU-Lösung zu finden. Hat trotz guter Kompromissvorschläge nicht funktioniert. Deshalb ist es meiner Meinung nach umso wichtiger, dass die Bevölkerung der EU-Staaten sich stark macht und versucht auf ihre Art Lösungen zu finden. Auch wenn dies nicht auf den politischen Weg geschieht.
Trotz der Schlagzeilen mit Rassismus & Fremdenfeindlichkeit habe ich letzte Woche folgendes gelesen: Auf jede rechts-radikale Aktion gegen Flüchtlinge kommen 20 Aktionen, die Flüchtlingen helfen! :)
Ich kann nur aus eigenen Erfahrung sprechen, als wir vor kurzem einen Patienten aus der Flüchtlingserstaufnahmestelle Meßstetten mit dem Krankenwagen abgeholt haben: Man hat das Gefühl, es gibt höhere Sicherheitsvorkehrungen als im Gefängnis. Die Hauser sind 1,5-fach belegt, die Leute dort, wissen nicht was mit ihnen passiert. Unser Patient (m, Mitte 30) war über zwei Jahre von Syrien nach Europa gelaufen, wurde mehrmals angeschossen, hätte jetzt Verdacht auf Tuberkulose. Und er wurde in Syrien politisch verfolgt. Außerdem gut ausgebildet. Elektroinstallateur. Er wusste nicht wie es mit ihm weitergeht, und er war schon mehrere Wochen in Deutschland...
Ein anderer Patient aus Gambia, 18 Jahre alt!, wartet bereits seit über 10 Wochen auf seinen Asylentscheid. Bis dahin darf er ja nicht einmal arbeiten.
Würde das alles beschleunigt werden, hätten die Menschen wenigstens schnell Gewissheit und der Staat würde eine Menge Geld sparen und könnte in ordentliche Hilfe investieren.
01.09.2015
Buchenblatt hat geschrieben:
Danke für den Artikel!
Wenn wir den Klimawandel nicht eindämmen, wird es immer mehr Menschen geben, die flüchten müssen und wenn wir den Boden nicht schützen wird es auch immer mehr Hunger und Krieg wegen zu wenig Nahrung geben. Wir sollten damit anfangen, den Flüchtlingen, die in Deutschland angekommen sind, eine wirkliche Perspektive zu bieten und die Fluchtursachen zu bekämpfen.
01.09.2015
Felix_der_Blaue hat geschrieben:
Sehr guter Beitrag, wenn auch nicht zum Umweltschutz, aber dafür von noch brennender Aktualität! :)
Ein weiterer Vorschlag zum Engagement, dieses Jahr organisieren wir in unserer Schule eine große Sammelaktion für Sachspenden und Geld, um Kleidung und alles Benötigte, wie z.B. frische Unterwäsche, spenden zu können, verbunden werden soll das außerdem mit einer Freiwilligenarbeit der Schüler in der Spenenannahmestelle und ggf. mit einer Aktion, bei der Schüler den Flüchtlingen deutsch beibringen. Ausbreiten wollen wir das alle Schulen der Stadt, über unseren StadtSchülerRat, und sind guter Dinge :)
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