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© Wild Wonders of Europe / Konrad Wothe / WWF
Gentechnik in der Tierzucht (Teil 2)


von EvaUll
17.08.2015
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Transgene Tiere (also Tiere, bei denen das Erbgut gezielt verändert wurde) werden aus verschiedenen Gründen gezüchtet.

In der Landwirtschaft bzw. Nahrungsmittelproduktion möchte man eine Wachstumssteigerung und -beschleunigung erzielen. Man will möglichste viel Fleisch, Milch und Eier mit möglichst wenig Futter bekommen. Außerdem versucht man Krankheitsresistenzen zu erzeugen, Fische sollen gegen Kälte resistenter werden.
Es wird auch versucht, die Fleisch- oder Milchqualität zu verändern; zum, Beispiel soll Fleisch fettarmer werden.

Bei Schweinen wurde eine Wachstumsbeschleunigung versucht, indem man Wachstumshormone übertragen hat. Die Tiere wurden jedoch krank. Sie haben beispielsweise Magengeschwüre, Gelenksentzündungen und Nierenerkrankungen bekommen.

Bis jetzt gibt es nur in den USA Lebensmittel von gentechnisch veränderten Tieren, da die Methoden wenig effizient und die Kosten hoch sind. Außerdem stellt sich die Frage, ob die Verbraucher überhaupt gentechnisch veränderte Tiere wollen. In den USA züchtet das Unternehmen Aqua Bounty seit 15 jahren transgene Fische. Die Lachse wachsen vier-bis sechsmal schneller. Gentechnische Verfahren sind bei Fischen erfolgreicher als bei Säugetieren, da die Befruchtung und Entwicklung außerhalb des Mutterleibes stattfindet.

Ein weiteres Thema ist die Schädlingsbekämpfung. Durch Insekten kommt es zu Schäden in der Landwirtschaft und sie übertragen Krankheiten. Die Anophelesmücke überträgt z.B Malaria. Forscher versuchen das Genom der Anophelesmücken so zu verändern, dass sie gegen die Infektion durch den Malariaerreger resistent werden.
Es stellt sich aber die Frage: wenn das gelingt..., was geschieht, wenn Millionen dieser gentechnisch veränderten Anopheles-Mücken freigesetzt werden?Werden sie ansteckende Mosquitos verdrängen oder sich wieder in ansteckende Mücken zurückverwandeln?

In der genetischen Grundlagenforschung werden transgene Tiere ebenfalls eingesetzt. Die Struktur, Wirkungsweise, das Zusammenspiel und die Evolution der Gene sollen erforscht werden. Dafür werden einzelne Gene isoliert und in ein Versuchstier hineingebracht. Aus den Reaktionen, die dieses Gen dann im Tier hervorruft, kann man Rückschlüsse über die Wirkungsweise und Funktion des speziellen Gens schließen
Man kann auch ein kaputtes, gestörtes Gen durch Hinzufügen des heilen, funktionierenden Gens wieder  normalisieren. Dieses Verfahren wird beim Menschen als Gentherapie bezeichnet. Wenn Gene der Keimzellen repariert werden spricht man von einer Keimbahntherapie. Bei vielen Modelltieren ist die Keimbahntherapie heute möglich!

Im Jahr 1984 wurde in den USA das erste gentechnisch veränderte Tier als Modellsystem für menschliche Krankheiten erzeugt
Bei einer Maus war die Anfälligkeit für die Tumorbildung erhöht. Mithilfe von Retroviren wurden menschliche Brustkrebsgene in Mäuseembryonen übertragen; diese Krebsmaus diente als Tiermodell. An ihr wurden Medikamente gegen Krebserkrankungen getestet. Des weiteren wurden transgene Mäuse als Modellorganismen für Osteoporose, Fettsucht und Herzinfarkt eingesetzt.

Wenn sich nicht genügend pharmazeutisch wirkende Proteine durch andere Methoden z.B Zellkulturen herstellen lassen oder die Herstellung billiger als in Zellkulturen ist, werden transgene Tiere als Bioreaktoren verwendet; d.h sie produzieren Arzneimittelwirkstoffen.

Schon früher hat man Tiere für die Medizin verwendet. Bis in die 1940er Jahre wurde Kortison aus den Nebennieren von Rindern gewonnen. Der Gerinnungshemmer Heparin stammt bis heute aus Schweinedarm oder Rinderlunge.
Seit 2008 ist das erste Medikament aus transgenen Tieren auf dem europäischen Markt. Antithrombin III ist ein Blutgerinnungshemmer, der aus der Milch gentechnisch veränderter Ziegen isoliert wird. Dieses Medikament soll Menschen mit Antithrobinmangel vor Thrombosen schützen.

Da es zu wenig Spenderorgane gibt, werden Forschungen gemacht, tierische Organe herzustellen, die auf Menschen transplantiert werden können. Die Übertragung von Zellen, Geweben oder Organen von Menschen zu Menschen nennt man Allotransplantation. Die Übertragung über Artgrenzen hinweg bezeichnet man als Xenotransplantation. Das Problem der Transplantation von tierischen Organen auf den Menschen ist die heftige Reaktion des Immunsystems auf den Fremdkörper; es kommt zu einer Abstoßreaktion. Die Xenotransplantation ist deshalb heutzutage noch im Versuchsstadium.

Quellen

Bild: http://www.ebalance.de/seam/resource/content/d17c003c-53b7-4687-bf47-733d554639a9,2490ab6e06c8f47891bbf828c2f68004

Text:

http://www.transgen.de/tiere/650.doku.html

http://www.transgen.de/tiere/652.doku.html

http://www.genfood.at/download/gen-all_BMSG.pdf

http://www.transgen.de/fragen_antworten/1018.doku.html

http://archiv.greenpeace.at/umweltwissen/gentech/service/broschuere-risiko-gentech/tiere.htm

http://www.hhg-bonn.de/download/faecher/biologie/gentechnik/gentechnik_tierzucht.pdf


http://www.gesundes-reisen.eu/print_artikel_details.php?contentType=3&themaID=101

Regenass-Klotz, Mechtild: Grundzüge der Gentechnik, 3. Auflage, Verlag Birkhäuser, 2005, Basel, Berlin
Biologie der Oberstufe, 2. Auflage, Cornelsen-Verlag, 2010, Berlin

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Kommentare (3)
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18.08.2015
Lisa18 hat geschrieben:
@EvaUll: Ich danke dir für deine Zustimmung! Na dann bin ich ja mal gespannt auf deinen nächsten Artikel ;)
18.08.2015
EvaUll hat geschrieben:
@Lisa18: Da stimme ich dir vollkommen zu! ;) Im nächsten und letzten Bericht geht es um pro und kontra für die zucht/den Einsatz transgener tiere.
18.08.2015
Lisa18 hat geschrieben:
Ich danke dir für den Artikel. Obwohl ich ganz genau weiß, dass Tiere immer noch in unserer zivilisierten Welt als Versuchsobjekt missbraucht werden, ist es für mich jedesmal wieder erschreckend! Ich würde mir wikrlich wünschen, dass noch viel mehr Menschen sich bereit erklären ein Organspender zu werden. Sowieso sind zahlreiche tierversuchsfreie Testmethoden, wie zum Beispiel mit menschlichen Zellkulturen, Mikrochips, Computersimulationen usw. sinnvoller, da sie auf den Menschen übertragbar sind und somit relevante Ergebnisse liefern.
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