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© Wild Wonders of Europe / Konrad Wothe / WWF
Der Pardelluchs - Europas vergessenes Raubtier


von Rhino
16.08.2013
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Lautlos und unauffällig bahnt sich eine kleine, markant gefleckte Raubkatze den Weg durch Büsche und Strächer, vorbei an Pinien und Zistrosen, der so genannte Pardelluchs (Lynx pardinus), eine Art, deren Existenz nur wenigen überhaupt bekannt ist, denn gemeinhin geht man davon aus, dass Luchs eigentlich überall gleich Luchs ist, doch dies ist alles andere als richtig. So unterscheidet sich der Pardelluchs, der ausschließlich in Spanien und Portugal zu finden ist, deutlich vom gewöhnlichen Europäischen Luchs, wie man ihn aus dem Bayerischen Wald, aus Norwegen oder auch aus dem Kaukasus kennt, denn während der Europäische Luchs als bevorzugten Lebensraum dichte Waldgebiete aufsucht, bewohnt der kleinere, neun bis dreizehn Kilogramm schwere Pardelluchs eher offene, mediterrane Buschregionen, in denen er sich mit seinem gelblich grauen und zudem noch gefleckten Fell ideal tarnen kann. Charakteristisch für die spanische Raubkatzenart ist außerdem ein besonders langer Backenbart, sowie der, für alle Luchse typische, Stummelschwanz. Wie sein Verwandter, der Europäische Luchs, verfügt auch der Pardelluchs, zusätzlich zu seinen guten Sehvermögen über lange, mit Pinselhaaren bestückte Ohren, die ihm ein ausgezeichnetes Gehör ermöglichen. Dies hilft dem nachtaktiven Jäger enorm bei der Ortung seiner Beute, die zum größten Teil aus wilden Kaninchen besteht. Seltener werden auch Nagetiere und Vögel, sowie der Nachwuchs von Hirschen, Rehen und Wildschweinen erbeutet. Wie die meisten Raubkatzen, sind Pardelluchse strikte Einzelgänger, wobei jedes Tier ein großes Revier für sich beansprucht, das ihm Beutetiere, Wasserstellen und Versteckmöglichkeiten bietet.

Im Frühjahr beginnt stets die Paarungszeit der spanischen Luchse, sodass die Weibchen, meistens im Mai oder im Juni, nach einer Tragezeit von etwa 60 Tagen zwei bis drei Junge zur Welt bringen. Diese sind bei der Geburt noch blind und taub und benötigen die stetige Fürsorge der Mutter. Nach etwa einem Monat dann, verfügen die Jungtiere schließlich über ein ausgeprägtes Gebiss und können außerdem normal laufen. Im Alter von sieben bis zehn Monaten verlassen sie schlussendlich die Obhut der Mutter. Die Jungen haben gelernt, selbstständig jagen zu gehen und versuchen in ihren ersten Lebensjahren bereits ein eigenes Revier zu etablieren, was gar nicht so einfach ist, denn Lebensraum gestaltet sich in ihrer Umgebung zunehmend als Mangelware… 

100.000 Pardelluchse soll es einst in freier Wildbahn gegeben haben, doch bereits 1960 konnten nur noch 3.000 Exemplare gezählt werden und der extreme Rückgang setzte sich noch über Jahrzehnte fort, sodass 2002 nur noch etwa 200 Tiere existierten. Dies lag zum einen daran, dass die Hauptbeute des Luchses, das Kaninchen, durch Bejagung, Lebensraumzerstörung und die Ausbreitung von Krankheiten in Spanien und Portugal immer seltener wurde, zum anderen verschwanden zunehmend größere Flächen an Buschland zum Zwecke einer immer intensiveren Landwirtschaft. Außerdem starben zahlreiche Exemplare an Katzenleukämie.

Mittlerweile wurden allerdings Maßnahmen eingeleitet, um das Überleben der letzten Populationen, die sich zum größten Teil nur noch in einigen wenigen Nationalparks am Leben erhalten konnten, sicherzustellen. Seit 2005 werden, in Gefangenschaft geborene, Pardelluchse systematisch auf eine Auswilderung vorbereitet, ein Projekt mit überraschendem Erfolg: Nachdem 2009 sieben Luchse auf gut behütetem Nationalparkgebiet ausgewildert werden konnten, gab es 2010 bereits drei Jungtiere bei den ehemaligen Gehegebewohnern zu vermerken.

Doch außerhalb der Nationalparkgrenzen scheint es nach wie vor nicht viel Platz für Luchse zu geben. Autobahnen, Städte, Felder, Industriegebiete u. a. machen das Land sowohl für das Raubtier als auch für seine Beute zunehmend unbenutzbar. Ob der Bestand sich unter den jetzigen Bedingungen also je wieder in den vierstelligen Bereich entwickeln kann, bleibt mehr als fraglich …

Dies war ein Beitrag aus der Reihe: CR-Porträts

Text: Rhino (Maxim Podobed)
Bilder: Wikimedia Commons
Infos: Wikipedia.de, Tierdoku.com und WWF.de
 

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Kommentare (7)
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18.08.2013
LSternus hat geschrieben:
Interessante Tiere. Die meisten Leute halten sie bestimmt für Europäische Luchse.
Ich hatte in einer Doku gehört, dass einige Krankheiten absichtlich verbreitet wurden um den mit Farmern konkurrierenden Kaninchen herr zu werden.
17.08.2013
screamingeagle hat geschrieben:
Viele Leute wissen bestimmt gar nicht, dass es solche tollen seltenen Luchse in Spanien und Portugal gibt! Jetzt weiß ich es, dank deinem Bericht! Eine wunderbare Art, super, dass sie von den Menschen auch als so einzigartig empfunden wurde, und es bereits Auswilderungen gab! Ich wünsche mir, dass die Paddelluchse bald noch mehr gekannt und geschätzt werden!
17.08.2013
LaLoba hat geschrieben:
Luchse sind so schöne Tiere! Ich wusste tatsächlich auch nicht, dass es in Spanien andere Luchse gibt als hier ;-) Schön, dass die Auswilderung des Pardelluchses klappt. Hoffentlich bleibt er uns so erhalten.
17.08.2013
Rhino hat geschrieben:
@ Sunlight: Ne, Pardelluchse gibt es weltweit nur in spanischen Zoos, im Dortmunder Zoo leben Karpatenluchse, eine Unterart des Europäischen Luchs! :)
17.08.2013
AlinaSky hat geschrieben:
Klasse Bericht! Schade das diese tollen Tiere so vom Aussterben bedroht sind! Hoffen wir das die Artenschutzmaßnahmen einen Erfolg zeigen!
@AleyButterfly: Das Gefühl habe ich manchmal auch! Traurig... :(
17.08.2013
AlexButterfly hat geschrieben:
Der Artikel ist echt interessant! :)
Es ist wirklich traurig, dass der Luchs auch bedroht ist!
Ich habe das Gefühl, dass solangsam jeder Tier vom Aussterben betroffen ist, und ich frag mich immer nur: Muss dass sein?! :(
16.08.2013
Sunlight hat geschrieben:
Echt interessant und wirklich schade, dass so ein schönes Tier auch schon wieder vom Aussterben bedroht ist! Bleibt nur das Beste zu hoffen...
Weißt Du zufällig, ob es Pardellluchse auch im Dortmunder Zoo gibt? ;))
GLG :))
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