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© Wild Wonders of Europe / Konrad Wothe / WWF
Braunbär M13 droht der Abschuss


von MatthiasAdler
26.11.2012
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Der Jungbär aus dem italienischen Trentino sorgt in der Schweiz weiterhin für viel Aufsehen. Vertreter der Bündner Behörden haben ihn nun zum Problembären erklärt, was seinem Todesurteil gleicht. Der WWF will weiterhin für M13 kämpfen: Mit den richtigen Präventionsmaßnahmen bietet die Alpenregion genügend Platz für Braunbären.

Mitte November 2012 brach der Jungbär M13 auf einer Alp in ein leerstehendes Ferienhaus ein. Jetzt stempeln die Behörden ihn zum Problembären, obwohl er lediglich ein paar Kartoffeln verspeist hat. „Bisher war er zwar nicht aggressiv gegenüber Menschen, aber ein auffälliger Bär, den wir genau beobachtet haben. Nun verliert er noch mehr die Scheu und wird dadurch definitiv ein Problembär“, sagte Jagdinspektor Reinhard Schnidrig in einem Interview für das schweizerische Bundesamt für Umwelt (BAFU). Diese Einstufung kommt seinem Todesurteil gleich. Verantwortet wird die Entscheidung allein von den Behörden - der WWF war dabei nicht involviert und fordert stattdessen die Fortführung sowie die Intensivierung der erfolgreichen Vergrämungsmaßnahmen. Der Bär wird dabei gezielt mit Gummischrot beschossen und verscheucht. «So lernt er wieder, sich vom Menschen fernzuhalten. Das ist seine beste Lebensversicherung», sagt Joanna Schönenberger, Bärenexpertin beim WWF Schweiz. Mit den richtigen Präventionsmaßnahmen biete die Alpenregion genügend Platz für Braunbären. Streng geschützte Tiere zu töten, nur weil Menschen ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, dürfe keine Lösung sein.

Diese Vergrämung hatte offensichtlich Erfolg, der Bär verhält sich ruhiger und richtet kaum mehr Schäden an. Doch der Bär hat auch Gegner, die ihn auf gar keinen Fall in ihrer Nähe haben wollen. Die Stimmung kippt langsam, beschreibt der WWF Schweiz die Situation, und im November wurden sogar ausgelegte Fleischköder mit Rattengift gefunden. «Der WWF verurteilt diese Aktion aufs Schärfste, denn solche Giftköder führen zu einem extrem qualvollen Tod und gefährden nicht nur M13, sondern auch Hunde, Füchse und andere Waldtiere», sagt Anita Mazzetta, Regionale Geschäftsführerin des WWF Graubünden.

M13 sorgte im Jahr 2012 für viel Aufsehen. 25. April hatte er bei seinen Streifzügen im Tiroler Grenzgebiet bei Spiss im österreichischen Kreis Landeck einen Baum umgeschubst. Dieser fiel ausgerechnet auf ein Stromkabel und verursachte einen Brand. Die alarmierten Behörden stießen bei den Löscharbeiten anschließend auf einen skurrilen Fund: eine männliche Leiche - laut der Nachrichtenagentur APA - nur mit einer Unterhose bekleidet.

Am 30. April meldete die Rhätischen Bahn, dass es einen Zwischenfall mit „einem größeren Tier“ gegeben habe – mit M13. Den Unfall habe der Bär allerdings recht unbeschadet überstanden, wie die schweizerische Tageszeitung „20min“ schreibt. Seitdem durchstreift er die Grenzregion im Dreiländereck. Als neugieriger Jungbär kennt er wenig Scheu vor Menschen und läuft ihnen öfters vor die Kameralinse. Nachdem er mehrere ungesicherte Bienenstöcke aufgebrochen und einzelne Nutztiere gerissen hat, wurde er betäubt und mit einem Senderhalsband versehen. 

M13 – woher kommt der Name?

M13 ist wie JJ2 und JJ3 ein Nachkomme aus dem „Life Ursus“-Projekt, welches das Ziel hatte, die letzten Alpenbären zu retten. Dazu wurden zwischen 1999 und 2002 insgesamt zehn Bären aus Slowenien in den Naturpark Adamello-Brenta überführt und mit den drei Bären vor Ort zusammengeführt.

Mittlerweile hat sich eine Population von 30 Bären entwickelt. Diese sind gesund und auch genetisch noch nicht verarmt, erklärt Joanna Schoenenberger. Zunächst gaben die Tierschützer den Bären Namen, in der zweiten Generation erhielten sie Buchstaben zur Identifikation. JJ1war der erste Nachkomme der Bärin Jurka und dem Männchen Joze, JJ3 folglich das dritte Jungtier. In der nächsten Generation hatten die Bären logischerweise vier Buchstaben, und später hätten sie gar sechs und acht Buchstaben erhalten müssen. Daher wurden die Bezeichnungen weiter vereinfacht: M steht dabei für Männchen und die Zahl wiederum dafür, dass es sich um das 13. Jungtier in dieser Generation seit der Namens-Umstellung handelt.

Der Text wurde auf www.wwf.de veröffentlicht. 

Bildcredits:  Braunbär @Ralph Frank

Joanna Schönenberger, Bärenexpertin beim WWF Schweiz. © Mark Schulman / WWF-Canon

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Kommentare (10)
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03.05.2013
Luma02 hat geschrieben:
Das Ferienhaus war doch leer!
Wen ein Mensch sich zwei Kartoffeln nimmt wird er doch auch nicht gleich erschossen.
Oder?
02.12.2012
Puma hat geschrieben:
Nur weil die menschen keine verantwortung übernehmen können,sollen andere dafür leiden.Ich hoffe ganz stark,dass M13 noch viele schöne jahre auf diesem planten verbringen kann und dann in einem hohen alter stirbt und nicht vorher erschossen wird!!!
28.11.2012
Marielle hat geschrieben:
Armer M13. Habe gehofft, dass diesem Bär nicht das "Bruno-Syndrom" einholt :(

@Peet: Der WWF unterwandert die WWF Jugend - wie sich das anhört ;)
27.11.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Warum verbieten wir auch direkt sämtlichen Straßenverkehr?? Da sterben täglich Menschen, es entstehen stündlich Sachschäden in insgesamt Millionenhöhe. Ich sehe da ein deutlich höheres Gefahrenpotenzial. Aber diese Gefahr wollen wir, weil sie bequem ist und man damit super gut viel Geld verdienen kann.
Aber wehe ein Bär plündert die Brotkiste von einem leerstehenden Ferienhaus - welches wahrscheinlich mit purer Absicht mitten in die "Wildnis" gebaut wurde, um den Gästen das Gefühl purer Natur zu bieten - oder geht seinen natürlichen Hungertrieben nach.....
26.11.2012
Rhino hat geschrieben:
Na wenn das so ist: Entschuldigung erstmal!

Das ist aus dem Bericht leider nicht zu erschließen!
26.11.2012
Janine hat geschrieben:
Den Text hat Matthias ja trotzdem selber geschrieben :o) Zwar für die WWF-Seite, aber es ist ja schön, dass er ihn auch in der WWF Jugend mit uns teilt :o)

Danke für den Bericht :o)
26.11.2012
Peet hat geschrieben:
@Rhino: Matthias Adler, welcher sein richtiger Name ist, hat diesen Text wohl selber geschrieben, da er für den WWF Deutschland im Contentteam arbeitet und das Thema für die WWF Jugend einfach wichtig fand. Konntest du natürlich nicht wissen aber die WWF Jugend wird vom WWF Deutschland regelrecht unterwandert...;D

Aber ansonsten, gute aufgepasst :)
26.11.2012
Rhino hat geschrieben:
Das Kopieren von Texten ist hier unerwünscht und auch verboten - bitte auch so ansprechende Thematiken nur mit eigenen Texten präsentieren, kopierte Texte verstoßen klar gegen die Richtlinien dieser Seite!
26.11.2012
LSternus hat geschrieben:
Ein Bär lässt sich auch einfangen.
Und ich will, nicht unzünisch, vermuten, dass in erster Linie Jagdlobbieisten den Abschuss fordern und, dass in erster Linie die Boulevardpresse Stimmung zur Bärenjagd macht.
26.11.2012
Peet hat geschrieben:
Unglaublich die Sache und das wegen eines Bären...Absolut kein Verständnis für. Die Schweiz mit ihrer tollen Natur ist klasse, aber bitte ohne Bären; könnte zu viel Natur sein, oder wie?

Wenn hier in Kanada ein Bär auftaucht, wird der einfach in eine andere Region weiter weg gebracht, auch wenn die oftmals wieder zurück latschen aber immerhin wird nicht jeder Bär direkt als Problembär gekennzeichnet und zum Abschuss freigegeben. Natürlich lässt sich Kanada schlecht mit der Schweiz vergleichen, was die Größe angeht aber warum macht man das in Europa nicht einfach länderübergreifend? Habe da kein Verständnis für. Abschießen ist wohl einfacher und später kann ich schon die Headline lesen "5.000 Jäger gegen 1 Bär" oder so...Traurig.
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