Als wir noch durch die Nacht fahren auf dem Weg in ein kleines Dorf, in dem wir übernachten wollen, winkt ein WWF-Mitarbeiter, er heißt Ekodeck, der für die Antiwilderer-Brigaden in Lobeke zuständig ist, ein Motorrad an die Seite. Wir alle halten an. Auf dem Motorrad sitzen ein Mann und zwei Frauen (so voll beladene Motorräder sind nicht unüblich).
Außerdem haben sie jede Menge Säcke und Beutel dabei. Das geübte Auge von Ekodeck durchschaut die Situation sofort. Er beschlagnahmt jede Menge geräucherte Antilopen, ein paar tote Stachelschweine und zwei lebende Schuppentiere. Mit dieser Fracht kehren wir in das kleine Dorf ein, wo die Tiere dem dort sitzenden Militär übergeben werden. Denn leider ist dies nicht Ekodecks Gebiet. Die Tiere werden von hier aus verkauft und das Geld kommt dem Umweltschutz zugute. Was ich von der Sache halten soll, weiß ich auch nicht genau. Später erzählt mir Maryntho, dass auch die noch lebenden Schuppentiere verkauft werden. Ich dachte aber, dass sie einfach wieder ausgesetzt werden, so wie die Graupapageien. Das Fleisch der Schuppentiere ist sehr begehrt und am schmackhaftesten wenn sie frisch geschlachtet wurden. Das ist auch der Grund weshalb sie noch lebten. Ich beschließe die Schuppentiere am nächsten Morgen zu kaufen und sie im Wald freizulassen. Als ich Ekodeck am Morgen treffe und ihm von meinem Plan erzähle, ruft er bei den Militärs an. Die Schuppentiere sind schon verkauft. Wir steigen ins Auto und fahren weiter nach Yaoundé.
Ich beziehe mein Hotelzimmer. Hier bleibe ich noch zwei Nächte. Die Zeit vergeht sehr langsam. Maryntho hat mir gesagt, dass ich nicht alleine draußen herumlaufen soll, weil das viel zu gefährlich ist. Also warte ich an beiden Tagen darauf, dass er mich abholt. Wir fahren auf einen Markt, zur Geldwechselbude, einkaufen. Den Rest der Zeit verbringe ich im Hotelzimmer.
Bald geht es zum Flughafen. Ich starte von der WWF-Zentrale in Yaoundé. Ein Fahrer bringt mich und zwei weitere Leute hin. Die Ausreise kostet 15. In meinem Rucksack entdeckt eine Beamtin eine Ananas. Die muss ich leider zurücklassen. Dann steige ich ins Flugzeug.
Kamerun ein Land, das voller Wunder steckt. Natur, Korruption, Mord, Gelassenheit. Die Leute wünschen sich bereits ab zwölf Uhr Mittag einen guten Abend. Nachts tanzen Glühwürmchen auf den Wiesen. Und wenn ich oben vor meinem kleinen Bungalow stehe, fühle ich mich wie auf einer großen Bühne und die kleinen Käfer machen Fotos mit ihren Hinterteilen. In der Zeitung liest man Beim Filmfestival in Yaoundé wurden Filme gezeigt mit so aufregenden Titeln wie >Mann mit einem Stock< oder >Das stinkende Schiff<. Andauernd will dich jemand heiraten, oder Geld haben, oder beides auf einmal. Die Schlupfwespen sehen gefährlich aus, sind es aber nicht. Die Raupen sind flauschig, aber ihre Haare giftig. Die Bäume können dich heilen, zerkratzen, schmücken, oder erschlagen. Die Einen glauben an Gott, die Anderen an Geld. Man singt, trinkt, wartet, arbeitet, läuft, schimpft, verrät und hilft.
Ich will wiederkommen. Ich will dabei helfen, den Naturschutz in Lobeke und Dzanga-Sangha voranzubringen.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Julia Geßner, Johannes Kirchgatter, Steffen Heyn, Marcel Gluschak, Angelique Todd, Anna Feistner und Mark von Boekel bedanken, die mir eine große Hilfe bei der sieben Monate langen Organisation und Planung der Reise waren!
Ein großes Dankeschön auch an die WWF Jugend! Ich habe mich sehr über eure Kommentare und Anregungen gefreut! :o) Außerdem habt ihr einen großen Teil dazu beigetragen, die Ökoguards im Dzanga-Sangha Nationalpark auszurüsten! Ohne eure Hilfe wäre unsere Spendenaktion lange nicht so erfolgreich gewesen! Ihr seid absolute Spitze!
Die Zeit in Afrika war wunderschön. Aber auch verstörend und anstrengend. Ich habe noch nie in meinem Leben in so kurzer Zeit so eine Gefühlsachterbahn durchfahren wie hier. Es ist schön zu den Wurzeln zurückzukehren und das Leben im Wald zu erfahren. Einfach ist es sicher nicht. Aber ich kenne keinen anderen Ort, an dem man so stark mit der Natur verbunden ist wie im afrikanischen Urwald.
Ich wünsche den Teams des WWF viel Erfolg bei ihrem weiteren Einsatz im Naturschutz. Es ist schön zu sehen, dass die bisherige Arbeit solche Erfolge im Natur- und Artenschutz hervorbringt.
Wenn ihr noch mehr über die Erfolge vom WWF in der Region erfahren wollt, dann schaut mal in diesen Bericht von Marcel.
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Hoffentlich wirst du immer glücklich auf diese Zeit zurückblicken können ;)