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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Wisente: Der lange Weg zur Freiheit


von Marcel
23.04.2014
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Lange war der Wisent in Deutschland ausgestorben. Nun gibt es wieder erste Herden des größten europäischen Landsäugetiers. Es sollen mehr werden. Etwa in Brandenburg.

Die Wisentkuh dürfte nach der Betäubung einen ganz schönen Brummschädel haben, der aber bald weggeht. Das Senderhalsband, dass das 350 Kilo schwere Rind nun trägt, stört das Tier kaum. Dafür steigen seine Chancen, bald in Freiheit zu leben.

Noch lebt die Kuh in einem Eingewöhnungsgehege auf rund 100 Hektar, doch der nächste Schritt in die Wildnis steht bevor. Dann geht es in das benachbarte, fast 2.000 Hektar große Gelände, einen ehemaligen Truppenübungsplatz 20 Kilometer westlich von Berlin. Der Wald ist umzäunt, aber die hiesigen 48 Wisente leben gemeinsam mit Wildpferden und Hirschen unter nahezu natürlichen Bedingungen. Sie werden auch im Winter nicht gefüttert, sondern ernähren sich von Knospen, Laub, Rinde und Gras. Die bis zu 1.000 Kilo schweren Bullen rangeln sich um die Kühe und versuchen, sich im Spätsommer einen Harem von bis zu acht weiblichen Tieren zu sichern.

Die Besenderungsaktion wurde vom WWF im Rahmen des Programms "Wildes Deutschland" finanziert. Sie ist nötig, um mehr über das Verhalten der letzten europäischen Wildrinder zu erfahren. Zwar wurden im vergangenen Jahr in Deutschland im hessischen Rothaargebirge erstmals Wisente freigelassen. Doch bis sich hierzulande langfristig überlebensfähige Herden etablieren, werden noch Jahrzehnte ins Land gehen. "Wir beteiligen uns an der Suche nach geeigneten Gebieten. Außerdem muss man den Gesundheitszustand der Tiere sehr genau im Auge haben und darauf achten, Inzucht möglichst zu vermeiden", erläutert Janosch vom WWF die nächsten Schritte. Die Tatsache, dass überhaupt in Europa wieder rund 4.600 Exemplare leben, ist schon ein kleines Wunder.

Früher warten Wisente über ganz Europa verbreitet. Angeblich schmückten ihre Hörner schon die Helme der Germanen. Auch in den darauf folgenden Jahrhunderten waren die Tiere eine beliebte Jagdbeute. Mit der Abholzung der europäischen Wälder begann ihr Niedergang. Im 11. Jahrhundert sah man ein letztes Exemplar in England. Zweihundert Jahre später kam in Frankreich das Aus für die Paarhufer. Weiter östlich konnten sie sich länger halten: 1755 erlegte ein Wilderer den letzten frei lebenden Bison in Ostpreußen. Die übrig gebliebenen Wiederkäuer im polnischen Bialowieza-Urwald fielen nach dem ersten Weltkrieg der hungrigen Bevölkerung zum Opfer.

Die Rettung für die quasi schon ausgestorbene Art kam einige Jahre später aus Frankfurt. Dort gründete der damalige Zoodirektor Primel, die Internationale Gesellschaft zum Schutz des europäischen Wisents. Zwar gab es keine wild lebenden Tiere mehr, aber einige Exemplare hatten in Zoos und Wildehegen überlebt. Eine erste Bestandsaufnahme der Naturschützer fiel ernüchternd aus. In ganz Europa gab es nur gut 50 Exemplare. Da viele von ihnen aus Krankheits- oder Altergründen nicht mehr für die Zucht in Frage kamen, blieb nur ein Dutzend fortpflanzungsfähiger Tiere übrig. Von ihnen stammen auch die Tiere in der Döberitzer Heide ab.

Herden mit frei lebenden Verwandten gibt es in Polen in Litauen, Weißrussland, Russland, der Ukraine, Kirgisien und seit 2013 auch wieder in Deutschland. Damit ist der europäische Bison zwar nicht mehr akut vom Aussterben bedroht, trotzdem kann der Erhalt der Art nicht als gesichert gelten. Aufgrund unzureichenden Gen-Austausches zeigen sich zunehmend Inzuchterscheinungen. Die Folge ist zum Beispiel die mangelnde Immunität gegenüber Krankheiten. Die Herden sind anfällig für Maul- und Klauenseuche und eine Art Herpes-Erkrankung verurteilt viele Bullen zur Zeugungsunfähigkeit. Es wird also noch eine Weile dauern, bis die die größten Landsäugetiere Europas auch hierzulande wieder endgültig Fuß fassen und ihr Traum von der Freiheit definitiv wahr wird.

Fotos © Eva Pum, Istock; © Jörn Ehlers, WWF; © David Lawson / WWF-Canon

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Kommentare (8)
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19.05.2014
Makanie hat geschrieben:
Wirklich hammertolle Nachrichten. Man freut sich immer, wenn man sieht, das Hilfe doch noch ankommt-und wirkt!
05.05.2014
Tigerlein hat geschrieben:
Das sind ja tolle Nachrichten und der beste Beweis für die gute Arbeit des WWF!
Danke für den ausführlichen Bericht! :)
25.04.2014
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Wow, ganeu wie FranziNatur meinte- von ca. 50 Tieren auf wieder 4.600! Das ist echt ein Erfolg!!
24.04.2014
Wasserjunge hat geschrieben:
Schöner Bericht! :) Wisente sind so tolle Tiere, wow. Die Wisente leben nur etwa 10Kilometer von mir entfernt wer Lust hat mal auf der Homepage vorbeizuschauen, hier der Link, vielleicht macht jemand ja mal einen Ausflug dorthin, es ist super schön dort! ;)
https://www.sielmann-stiftung.de/projekte/sielmanns-naturlandschaften/doeberitzer-heide/
23.04.2014
Jayfeather hat geschrieben:
Schon irre, dass ich ein paar freilebende Wisente beobachten konnte...
Danke WWF Jugend, dass du es ermöglicht hast :)
23.04.2014
gelöschter User hat geschrieben:
Man hat früher doch schon einmal Bisons eingekreuzt, bevor man plötzlich doch ausreichend "reinblütige" Wisentkühe zur Verfügung hatte und die Wisent-Bison-Mischlinge dann doch nicht mehr brauchte. Angeblich sollen die Mischlinge aber ziemlich robust gewesen sein und man kann den "Bison-Blut-Anteil" doch bestimmt wie bei Pferden wieder rauszüchten, warum kreuzt man dann nicht einfach wieder Bisons ein um das Schrumpfen des Genpools zu vermeiden? Oder wird das schon gemacht?
23.04.2014
gelöschter User hat geschrieben:
Eine schöne "kleine" Erfolgsgeschichte mit hoffentlich großem Happy End
23.04.2014
Franzichen hat geschrieben:
Wow! Das man eine schon fast Ausgestorbene Art so wieder "aufpäppeln" kann, ist wirklich großartig und sollte uns doch zeigen, dass man dies mit anderen gefährdeten Arten auch tun kann. Auf jeden Fall ein großer Erfolg und hoffen wir, dass es noch mehr Wisente werden!
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