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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Wir stehen drauf


von Marcel
22.07.2014
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Tags: Boden, Erde, Umfrage

Was haben deutsche Buchenwälder mit der Serengeti-Savanne in Tansania und den Gebirgssteppen des Schneeleoparden im Himalaya gemeinsam? Die Antwort überrascht dich vielleicht: Es ist die Verwundbarkeit ihrer Böden. Würde ihr intakter Boden geschädigt, brächen diese Ökosysteme zusammen und sie würden wahrscheinlich zu Heideland, Halbwüsten oder Geröllhalden.

Aber warte, bevor wir gleich wieder die ganze Welt im Blick haben - Was ist eigentlich der Boden? Nun, man könnte ihn umschreiben als die belebte Schicht der festen Erde. "Belebt" klingt so harmlos, dabei hat es der Boden im wahrsten Sinne des Wortes in sich! In allen Land-Ökosystemen steckt die meiste Lebensvielfalt direkt im Boden.

Natürlich wird fruchtbarer Boden durch Lebewesen hergestellt. In mühevoller Kleinarbeit greifen sie das Gestein an und lösen Minerale heraus. Das Bodenleben profitiert dabei von chemischen Verwitterungsprozessen des Gesteinsuntergrunds und beschleunigt diese aktiv. Zugleich bringen die Bodenbewohner, zu denen natürlich auch die Pflanzen gehören, aus der Luft Kohlenstoff und Stickstoff in den Boden. Das Ergebnis: organische Substanz – und damit das Beste am Boden: der Humus, die üppigste Speisekammer der Pflanzen.

Weil die allermeisten Gewächse nur im Boden und nicht auf nacktem Fels Halt und Nahrung finden, brauchen letztlich alle Lebewesen den Boden zum Leben – Tiere und Menschen eingeschlossen.

Das ist aber noch längst nicht alles, was der Boden für uns leistet! Sind zu viele Nährstoffe im Ökosystem, können fruchtbare Böden sie aufnehmen und damit ihre übermäßige Auswaschung in die Gewässer verhindern. Fehlen hingegen Nährstoffe, aktivieren die Pflanzen die Bodenpilze und unzählige Mikroorganismen, damit diese ihnen Nährstoffe liefern. Dafür ernähren die Pflanzen das Bodenleben. Das tun sie mit Leckereien: Besonders der in den Blättern hergestellte und zu großen Teilen über die Wurzeln ausgeschiedene Zucker ist bei Bodenpilzen und Mikroorganismen sehr begehrt.

Die Artenvielfalt im Boden ist um ein Vielfaches größer als auf dem Boden. Noch immer verstehen wir nur einen kleinen Teil des extrem komplexen und vielfältigen Zusammenspiels der Pflanzenwurzeln und ihren Millionen Wurzelhaare mit den Billiarden von Bakterien und Pilzen, Einzellern und Tieren. Dabei ist dies der Schlüssel zu einem fruchtbaren Boden.

Nicht erst, wenn eine Sanddüne naht, wissen wir, dass mit dem Boden etwas nicht stimmt. Fast ein Viertel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche weltweit muss bereits als schwer geschädigt bezeichnet werden. Das bedeutet: sie ist heruntergewirtschaftet und zum Teil im Sinne des Wortes verwüstet.

Fruchtbarer Erdboden schwindet weltweit. Vor allem dort, wo Wälder vernichtet werden (das verursacht etwa 30 Prozent der Bodenzerstörung), Grasland überweidet (35 Prozent) und Ackerbau nicht nachhaltig betrieben wird (27 Prozent). Allein in Deutschland gehen in der Landwirtschaft im Durchschnitt pro Jahr und Hektar zehn Tonnen fruchtbarer Boden durch Erosion und Humusabbau verloren. Dem gegenüber steht ein jährlicher natürlicher Bodenzuwachs von nur etwa einer halben Tonne pro Hektar. Der Boden wird also rund 20-mal schneller zerstört, als er nachwächst. Dieses Ungleichgewicht ist schon lange bekannt und gehört zu den großen Herausforderungen der Weltgemeinschaft.

Für den WWF wird der Bodenschutz zunehmend wichtig. In vielen WWF-Projekten weltweit – ob in Brasilien oder Paraguay, Indien oder Malaysia – werden wir mit den Folgen von Bodendegradation konfrontiert. Wenn auf ehemals fruchtbaren Böden nichts mehr wächst, dann versucht die Landwirtschaft neue Flächen zu erschließen. Immer mehr Wald wird gerodet, damit die Menschen Nahrung produzieren können. Doch mit so einem Raubbau geht auf Dauer jeglicher lebendige Boden verloren – und damit die Grundlage der Biodiversität und der menschlichen Ernährung zugleich. Der WWF geht daher andere Wege. Wir setzen uns für eine Landwirtschaft ein, welche die Bodenfruchtbarkeit erhält, die biologische Vielfalt in den Böden als Lebensgrundlage sieht und das Gleichgewicht in den natürlichen Ökosystemen bewahrt.

Und dabei kannst du uns helfen! 2015 wird das UN-Jahr des Bodens - Auch deshalb möchte der WWF das Thema Bodenschutz stärker ins Bewusstsein rücken. Wir suchen deine Ideen und Vorschläge, was konkret der WWF künftig zum Schutz des lebendigen Bodens tun sollte. Denn wir glauben, dass ihr uns in unserer Arbeit zusätzlich super inspirieren könnt!

Gibt es vielleicht Dinge, die du bereits für den Boden tust?

Welche Botschaft für den Erhalt der Böden wäre am überzeugendsten?

Welche Projekte sollte der WWF in der Welt besonders unterstützen? Wie können wir dabei die Bevölkerung vor Ort einbeziehen? Und wie kann der WWF Unternehmen und Politiker überzeugen, die Böden zu schonen?

Poste deine Ideen und Vorschläge hier per Kommentar - Wir sind gespannt!

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Kommentare (5)
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24.07.2014
Morgentau hat geschrieben:
Ich finde auch die Aufklärungsarbeit als ersten Schritt am wichtigsten.

Für den Boden tue ich persönlich nicht so viel. Klar, ich kaufe nur Recycling-Papier, überzeuge meine Eltern, möglichst viele Bioprodukte zu kaufen und versuche, in unserem Garten durch Mischkultur, Kompost, torffreie Blumenerde etc. das Gleichgewicht der Erde zu schützen. Aber sonst weiß ich auch einfach nicht, was man noch tun kann.

Als Botschaft ist "wir stehen drauf" ganz gut, finde ich. Oder irgendwas mit "das ist doch der letzte Dreck".

Unternehmen kann man vielleicht überzeugen, indem man ihnen klar macht, dass es irgendwann sehr teuer für sie wird, wenn sie den Boden runterwirtschaften. Und Politiker... Es ist doch ihre Aufgabe, die Interessen der Bürger zu vertreten, oder? Und je besser wir alle bescheid wissen und je mehr Bodenschutz alle fordern, desto eher unternehmen sie was.
23.07.2014
Jamila00 hat geschrieben:
Viele wissen gar nicht wie wichtig der Lebensraum Boden ist.
Bevor man ein Projekt startet könnte man auch erstmal eine Art Infotreffen veranstalten wo man einen Eindruck davon bekommt was der Boden wirklich für die Natur und das ganze Leben bedeutet.
Somit schließen sich vielleicht mehr an und das Projekt wird größer und dann auch einflussreicher.

Man sollte viel mehr Regenwald und andere Wälder schützen weil dort einfach so eine große Artenvielfalt herrscht wie sonst nirgendwo und auch sehr viele Menschen davon abhängig sind...
Mir persönlich liegt dieses Thema sehr am Herzen und ich finde es sehr, sehr wichtig etwas zu unternehmen.
23.07.2014
Carina hat geschrieben:
Ich glaube, dass bei dem Thema Boden noch ganz viel Aufklärungsarbeit geleistet werden muss. Für viele Menschen sind Böden einfach nur "Dreck" und sie wissen gar nicht, wie wichtig sie für unsere Ernährung und die Biodiversität sind. Deshalb sollten die Menschen besser informiert werden. Und zwar nicht nur hier, sondern - wie Marcel oben schreibt "In WWF-Projekten weltweit – ob in Brasilien oder Paraguay, Indien oder Malaysia".

Außerdem sollte nachhaltige Landwirtschaft gefördert werden, man sollte bereits degradierte Flächen wieder zur Regeneration verhelfen, anstatt immer neue zu erschließen, und noch bestehende Wälder und Grünflächen schützen.
23.07.2014
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
22.07.2014
Kathy3 hat geschrieben:
Während meiner Recherche zum 2°Campus Thema Ernährung bin ich immer wieder auf das Thema Bodenfruchtbarkeit gestoßen. Auch wenn es uns vielleicht nicht bewusst ist: Die Welternährung wird in Zukunft zu großen Teilen vom Boden abhängen. Humusreicher Boden fördert nicht nur das Pflanzenwachstum, sondern hält auch Wasser fest, was besonders in trockenen Regionen wichtig ist (die in Folge des Klimawandels immer mehr werden).
Deshalb finde ich, dass die überzeugendste Botschaft ist, dass Boden die Grundlage unserer Ernährung ist. Schon lange haben wir das Ziel, die Welt zu ernähren. Durch beschränkte Ressourcen und steigender Bevölkerungszahl wird dies nur mit fruchtbaren Böden möglich sein. Wenn der Boden "verbraucht" ist, gibt es keinen Ersatz!!!
Was ich selbst mache: Bio-Lebensmittel einkaufen, denn Bio-Landbau hat den geschlossenen Kohlenstoffkreislauf als Ziel und damit den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und -biodiversität. (Den Boden düngen, statt die Pflanze!)
Folglich wäre es gut, wenn der WWF weltweit Projekte unterstützt, die ökologische Landwirtschaft vorantreiben, bzw. Bauern für das Thema sensibilisieren. Zudem ist es sinnvoll sich für den Schutz von Wäldern und Grünland einzusetzen. Dazu gehört nicht nur Aufforstung etc., sondern auch die richtige Pflege von Wiesen und Weiden (Weidemanagement, Erosionsschutz ...). Also auch ganz regionale Projekte in so eine Richtung wären spannend (z.B. Windschutz durch Hecken anlegen, über Leguminosen informieren...). Den Menschen zu zeigen woraus Boden besteht, welche Lebewesen darin vorkommen und wie all das mit uns interagiert, könnte dabei auch gezeigt werden (->Boden erleben).
Wie genau man jetzt die Politiker überzeugt, weiß ich noch nicht so genau, aber ich denke aus der Community kommen noch ganz viele tolle Ideen zu den oben genannten Punkten ;)
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