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Willkommen zurück, Herr Tod - Warum Seeadler einen neuen Feind haben


von Maide
10.03.2011
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Der Adler - ein Symbol für Stärke, Mut, Unbezwingbarkeit


Die Population der Seeadler in Deutschland - knapp 530, und das auch nur durch gezielten Naturschutz.
Die Jagd auf Seeadler ist verboten und der Naturschutzbund Deutschland NABU setzt sich konsequent für den Erhalt dieser anmutigen Tiere ein. Und auch der WWF setzt sich in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg in Kooperation mit den zuständigen Förstern und Naturschutzbehörden für die Einrichtung großflächiger Schutzgebiete ein.


Aber eine neue Gefahr scheint auf die Wächter der Lüfte zuzukommen…Jagen verboten, aber trotzdem Tod durch die Jagd? Kling paradox, aber leider ist es so.
Die Jagd auf gewisse andere Tiere ist nämlich nicht verboten. Und selten werden die Innereien der abgeschossenen Tiere von den Jägern vergraben. Leckere und vor allem einfache Beute für die Adler, die sich mit gierigem Hunger auf die Reste stürmen.


Der NABU zufolge sind ab September letzten Jahres insgesamt drei Seeadler verstorben.
Ein weiterer in Fürstenberg/Havel hat sich knapp vom Tod gerettet. Wie aber kam es dazu? Und was haben die erlegten Tiere damit zu tun?


Geschossen wird mit Bleimunitionen. Die waren, aus gutem Grund, eine Zeit lang verboten (genauer genommen: von 2005 bis 2008). Das Gesetzt wurde aber aufgehoben und aus dem „Verbot von Bleimunitionen“ wurde „Verbot von Munitionen ohne Blei“. Und das blieb nicht folgenlos. In den Innereien des erlegten Tieres befinden sich Splitter der Bleimunition, die dann ihren Weg in den prächtigen Körper des Greifvogels finden, und ihn dann langsam aber sicher verkümmern lassen.


Bleimunition – der doppelte Killer. Sobald dieser Blei in den Körper gelangt, wird’s gefährlich. Blei ist nämlich ein Gift, das in der Umwelt eigentlich nur Schaden anrichten kann. Bei Mensch und Tier führt es bei geringeren Dosen zu Anämie, also zur Blutarmut, oder zu Kopfschmerzen. Bei größeren Mengen ereilt ihnen das Schicksal, dass unsere drei Seeadlern ereilte – den Tod.


Blei kann einen Körper ersticken. Es hindert, wenn es in der Blutbahn angekommen ist, den Sauerstoffatomen daran, sich mit den roten Blutkörperchen zu verbinden. Ein langsamer Prozess, der einen qualvollen Tod als Folge hat. Dies gilt auch für andere Adlerarten, besonders dem in Bayern verbreitete Steinadler.


Die Debatte, ob Bleimunitionen wieder verboten werden sollen oder nicht, bleibt nach wie vor heiß. Die NABU verlangt es, die Jäger wollen aber nicht recht. Andere Munitionen seien nicht so produktiv und sicher wie Bleimunition. Trotzdem wären die Jäger prinzipiell dafür, wenn die Industrie bleifreie Munitionen liefern würde, aber auch nur mit einer Bedingung: „Sie muss sicher sein und sicher töten.“


Jäger erfreuen sich in unserem aufgeklärten Zeitalter an altmodischen Freiheiten. Unverständlich, warum ihnen daher ein Wechseln auf andere Munitionen, die höchstens ein Tier töten können und die ohnehin rare Population der Seeadler nicht gefährden würden, so schwer fällt. Und da das Gesetz hinter ihnen steht, fraglich, ob sich was ändern wird. Es ist abzuwarten, ob irgendwann der Zeitpunkt kommt, wo alle Menschen miteinander anstatt gegeneinander arbeiten.


Quellen:
http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article12623375/Bleimunition-laesst-Seeadler-qualvoll-ersticken.html
http://www.wasser-wissen.de/abwasserlexikon/b/blei.htm
Bilder: (c) by Patrick S. ; (c) by Tempelmeister ; (c) by Dieter Haugk ; (c) Ulrike Averesch
(pixelio.de)

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Kommentare (8)
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28.03.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Einen vernünftigen Grund - wenn man bei diesem Thema überhaupt von Vernunft reden kann - nicht auf andere Munition umzusteigen erkenne ich nicht.
Warum stellen die Jäger sich quer? Freut es sie, passiv auch noch weitere Tiere zu töten??

Das Blei ist doch wahrscheinlich auch für den Waldboden gefährlich wenn es in die Erde gelangt, oder?
11.03.2011
MarcelB hat geschrieben:
danke, dass du den Artikel so schön umgesetzt hast! :)
11.03.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Wenn man sich überlgt, dass dieser "Schaden" ja nur in solchen Maßen verursacht wird, da normale Raubtiere, die das auf natürliche Weise "regeln" würden, nicht mehr vorhanden sind (oder nach Wiederansiedlung noch zu selten), wie Luchse u. a.

Da fällt mir noch was dazu ein (passt jetzt nur indirekt zum Thema) bei uns hier im Donautal wurden ja wieder Luchse angesiedelt oder eher: es wurde versucht.
Denn: kann man sich das vorstellen? Da sind diese Tiere so scheu und selten und dann schaffen es die Leutedoch tatsächlich, sie zu überfahren!
Also ich persönlich würde lieber die Bekanntschaft mit einem Baum machen, als ein Tier zu überfahren! Einfach nur KRANK!! (sry, musste mal Luft ablassen)

Grüße,
Laura =)
11.03.2011
Janine hat geschrieben:
Ah, danke! Hmm.. man sollte ja eigentlich gar keine Waldtiere erschießen, selbst wenn der Bestand "zu groß" ist. Wenn sie dem Wald "schaden", wird sich das irgendwann wieder einpendeln. Und einen größeren Schaden als den des Menschen, können sie sowieso nicht anrichten.
11.03.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
11.03.2011
Nivis hat geschrieben:
@Janine: Das liegt daran, dass Blei nicht abprallt und somit umliegende Tiere oder sogar Menschen in Gefahr gebracht werden. Blei hat anscheinend die Eigenschaft sich bei einem Aufprall zu verformen und herunter zu fallen. Daher der Verbot von bleifreier Munition.
11.03.2011
Janine hat geschrieben:
Dass Blei so ein großes sekundäres Problem darstellt wusste ich nicht. Weißt du warum Bleimunition besser sein soll als andere? Liegt es am Gewicht? Kann man damit weiter oder präziser schießen? Ein guter Jäger kommt bestimmt auch ohne Blei zurecht.
11.03.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Echt hart, daletzt kam auch ein Bericht im Fernsehen, da ging es um einen Adler in einer Auffangstation. Er wurde gefunden und abgegeben und die Ärzte fanden heraus, dass er ungemein viel Blei im Körper hat. Trotz Pfelge und allen Versuchen (wenn man auch nicht viel machen kann bei einer nichtkompetitiven Hemmung), ist er zwei Tage später verstorben. Ganz ehrlich: zum Kotzen! -.-
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