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Was wir von der Natur lernen können (4/4) - Werden und Vergehen


von Zerschmetterling
31.07.2014
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Geboren zu werden, ist für die Menschen im Regelfall noch okay, für hoffentlich viele sogar eine Freude, aber mit dem Ableben möchte sich keiner so gern beschäftigen. Doch letzten Endes ist es so, dass wir uns mit dem ersten Atemzug an, mit jeder Minute darauf hinbewegen. Trotzdem würde ich einen, vielleicht auch nur haarfeinen, Unterschied machen und nicht sagen, dass wir geboren worden sind, um zu sterben. Wir sind hier, um zu leben und mit allen Sinnen in die Welt einzutauchen.
Dennoch sind wir wie Pflanzen: zu Beginn ein Keimling (Baby), ein heranwachsender zarter Spross, eine kleine, zerbrechlich wirkende Ahnung einer größeren, reiferen Gestalt die wir mal annehmen werden (Kind). Dann wachsen wir heran, bis wir Knospen bilden (Jugend) und sie schließlich öffnen, bis wir in voller Blüte stehen (Erwachsen). Anschließend welken wir langsam dahin (Alter) und unsere farbenfrohe Erscheinung verblasst, bis wir uns schließlich ganz verabschieden (Tod).
Dies ist der Werdegang, den wir alle nehmen. Wobei ich an dieser Stelle erwähnen möchte, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, seine Blütejahre, oder die darauf folgende Zeit zu erleben. Jeder Tag den wir gesund begrüßen dürfen, ist ein Geschenk. Doch so irrwitzig es auch scheinen mag, die letzte Ausfahrt ist für uns alle unausweichlich. Also seien wir dankbar, wenn wir sie erst mit dem Alter nehmen und nicht schon eher.
So ist es beschlossene Sache, dass alle die kommen auch gehen werden. Und damit dürfen wir Frieden schließen. Der Tod ist nicht unser Feind, auch wenn es wehtut, wenn geliebte Menschen oder Wesen nicht mehr unter uns sind, wir sie bisweilen schmerzlich vermissen.
Der Tod ist unser Freund.

Zwar spukt in einigen Köpfen der Wunsch unsterblich zu sein, aber sicherlich nur, weil sich diese Leute nicht im Klaren darüber sind, was dies tatsächlich bedeuten würde.
Wer ein Buch aufschlägt, will eine berührende, spannende Geschichte lesen und freut sich doch oft schon zu Beginn, spätestens ab der Mitte, darauf zu erfahren wie diese endet.
Wer einen Tanzkurs besucht ist meist mit Freude dabei, aber nur weil er weiß, dass die Stunde nach 60 Minuten vorbei ist. Und so sehr uns eine Ausstellung auch interessiert, ist es doch ein Segen, dass es neben dem Eingang auch einen Ausgang gibt. Stellen wir uns nur mal vor, wir säßen in einem Museum fest und würden nie etwas anderes zu Gesicht bekommen, als die dort präsentierten Werke. Irgendwann würden wir sie betrachten und vergessen haben, was uns ursprünglich so an ihnen begeistert hat.

Die Natur zeigt uns, insbesondere mit dem Wandel der Jahreszeiten auf, das Werden und Vergehen ein Kreislauf sind. Der Winter wird vom Frühling, der Frühling vom Sommer, der Sommer vom Herbst, und der Herbst wieder vom Winter abgelöst.
Aber auch die verschiedenen Stadien einer Pflanze, die ich weiter oben schon als Beispiel für die menschlichen Lebensabschnitte gewählt habe, lehren uns den Weg von der Begrüßung zum Abschied. Die Natur umarmt das Leben, ebenso wie den Tod, denn sie weiß, dass beides zusammengehört, dass beide gute Freunde sind. So unbeschwert wie sie, können auch wir damit umgehen. Es gibt nichts, wovor wir Angst haben bräuchten, woran wir mit quälenden Gedanken denken müssten.
Der Tod verleiht unserem Leben erst seinen Inhalt, lässt uns seinen Wert erkennen, und schenkt uns die Motivation für Ziele, weil er uns zwar nicht im Nacken sitzt, aber uns mitunter mahnt, unsere Zeit nicht zu vertrödeln, sie voll auszukosten, Chancen wahrzunehmen, Sehnsüchten zu folgen und Risiken zu wagen.

Geburt und Tod sind ein Kreislauf, gehören zusammen wie Yin & Yang.
Jedes Ende, ist der Anfang von etwas Neuem. Jeder Anfang, ist das Ende von etwas Altem.

 

P.S.: Wer sich an meinen ersten Bericht dieser Reihe erinnert, in dem es um Geduld geht, weiß, dass ich damals von Balkonpflanzen gesprochen habe, die zwar grünten, aber nicht blühten. Dies hat sich mittlerweile geändert:

 

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Kommentare (4)
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02.08.2014
Kerstin hat geschrieben:
Ich liebe deine Berichte einfach! Sie enthalten wirklich kluge Lebenstipps und sind lebhaft geschrieben. Vielen Dank!
31.07.2014
EvaUll hat geschrieben:
Ein sehr schön geschriebener bericht!!! :) Ich finde auch, dass man jeden Tag genießen sollte, denn es könnte der letzte sein... Viele denken "irgendwann will l das.....machen"...ich finde man sollte möglichst bald die dinge tun, die man machen will, man weiß nie, was am nächsten tag passiert....
31.07.2014
Line hat geschrieben:
Ich finde die Idee hinter dem Bericht total schön. Man braucht keine Angst vor dem Tod zu haben. Er gehört zum Leben. So wie du sehr passen sagtest.
Allerdings ist meines Erachtens der Tod für einen Menschen etwas anderes als für eine Pflanze. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich bin gläubige Christin und sehe im Tod mehr als nur das naturgegebene Ende des Lebens.
Auch ist das Leben kein Kreislauf. Wenn du bei den Jahreszeiten statt mit Winter mit Sommer angefangen hättest, wäre es auf das Gleiche hinausgelaufen. Versucht man das allerdings auch beim Leben zu machen geht das schlecht. Man kann nicht einfach bei, sagen wir mal, 30 Jahren anfangen und dann nach dem Tod mit den ersten 30 Jahren weiter machen. Das Leben ist eben kein Kreislauf. Dennoch ist der Tod nichts schlimmes. Für unser irdisches Leben jedoch endgültig.
31.07.2014
somebodywholovesourearth hat geschrieben:
Das war ein wirklich sehr schöner Bericht. Diesen Vergleich, dass unser leben ist wie das einer Pflanze ist, ist finde ich sehr passend. Der Tod ist etwas, was, finde ich, fälschlicher weise wie ein Schatten über den Menschen hängt. Das ist aber Falsch, wie du gesagt hast. Es ist halt dieser Kreislauf und ich finde der Tod ist nicht etwas endgültiges sonder eher ein Schritt weiter.
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