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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Was wäre, wenn die EU-Kommission die Naturschutz-Gesetze überarbeitet?


von Marcel
06.07.2016
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Heute werden wir Bundesumweltministerin Barbara Hendricks euer Buch überreichen. Das Buch ist das Ergebnis eines Kreativwettbewerbs in der WWF-Kampagne #NatureAlert. Die darin versammelten Bilder und Texte zeigen, wie wichtig Jugendlichen die Zukunft der Natur in Europa ist.

Die Ministerin muss sich auf europäischer Ebene weiterhin für starke Naturschutzrichtlinien stark machen - denn wenn die EU-Kommission ihren Plan umsetzt und die Naturschutz-Gesetze überarbeitet, drohen einige Gefahren, wie ein aktuelles WWF-Gutachten zeigt.

Wenn die EU-Kommission sich gegen die Umweltminister wendet und doch die EU-Naturschutzgesetze - die Richtlinien für den Schutz der Vögel sowie der Lebensräume und anderer Arten von europäischer Bedeutung - "verschmelzen" will, steht die erfolgreiche Naturschutzarbeit der letzten 20 Jahre auf dem Spiel!

Die beiden EU-Richtlinien regeln unter anderem, dass gefährdete Naturgebiete wie Moore, Auen, Heiden oder Buchenwälder und bedrohte Tier- und Pflanzenarten EU-weit einen besonderen Schutz genießen. Und die Lebensräume dieser Arten sollen laut Gesetz als sogenanntes Natura 2000-Schutzgebiet ausgewiesen werden. Durch die Natura 2000-Gebiete entstand ein grünes Geflecht aus Schutzgebieten, das von den Küsten bis zu den Bergen reicht und heute das größte Netz an gesetzlich geschützten Gebieten bildet.

Gefahr Nr. 1: Der Naturschutz steht 5 Jahre still

Sollen die beiden Richtlinien verschmolzen werden, muss die EU-Kommission einen neuen Text vorlegen. Dann startet ein Gesetzgebungsverfahren zwischen EU-Kommission, Parlament und Ministerrat und es ist mit mehrjährigen Verhandlungen zu rechnen, bis eine Einigung erzielt wird. Diese Zeitspanne bliebe nicht ohne negative Konsequenzen auf die Natura 2000-Gebiete und die darin vorkommenden Tier- und Pflanzenarten in ihren Lebensräumen: für das Management der Gebiete gäbe es weniger Geld, worunter vor allem Vogelarten zu leiden hätten wie die Feldlerche oder der Kiebitz. Durch eine Zusammenlegung der Richtlinien würde dem europäischen Naturschutz ein Stillstand von fünf Jahren drohen!

Gefahr Nr. 2: Heute geschützt, morgen gejagt

Von den 449 in Europa heimischen Vogelarten sind alle (!) durch die EU-Vogelschutzrichtlinie geschützt. Sollte diese geändert werden, würden über 30% der Vogelarten schnell in das Fadenkreuz der Jäger geraten. Zwar gelten in der EU noch zwei andere internationale Naturschutzverträge, die Berner und Bonner Konvention, durch die 338 Vogelarten mehr oder weniger streng geschützt sind. So könnte z.B. die Jagd auf den Rotmilan und den Raufußbussard erlaubt sein, obwohl der Rotmilan in der EU auf der Vorwarnliste für gefährdete Arten steht und der Raufußbussard als stark gefährdet gilt. Der Rotmilan wird insbesondere in Spanien, Italien und Portugal illegal bejagt; er zählt zu denjenigen Arten, die im Verhältnis zur EU-Gesamtpopulation die höchsten Tötungsraten aufweisen dürfte.

Diese und andere Vogelarten sind zurzeit noch durch die Vogelschutzrichtlinie geschützt, das heißt, die Jagd auf diese Vögel darf ihre Bestände nicht gefährden. Gibt es keinen einheitlichen EU-weiten Schutz vor der Bejagung mehr, könnten sie morgen wieder gejagt werden. Besonders bedroht wären Zugvögel: Derzeit werden in Frankreich, Italien, Malta und Spanien immer noch 1.39 Millionen Vögel gejagt – 11.000 Tauben, 448.850 Finken, 430.000 Lerchen, 3.200 Regenpfeifer, 200.000 Stare und 297.200 Drosseln.

Und dazu kommt noch, dass ausgerechnet der Sperling ganz „vogelfrei“ und ohne Schutz wäre. Er leidet vor allem im Mittelmeerraum besonders unter der illegalen Jagd und führt dort die "TOP 20" der meistgefangenen Vögel mit mehr als 4,7 Millionen getöteter Tiere pro Jahr an. Vögel, die heute noch geschützt sind, könnten morgen schon wieder gejagt und dadurch bedroht werden.

Gefahr Nr. 3: Straßen statt Wälder, Industrie statt Heiden

Durch die EU-Richtlinien gilt heute eine sogenannte "Alternativenprüfung": Vor der Verwirklichung von neuen Autobahnen, Industriegebieten oder anderen großen Baumaßnahmen muss geprüft werden, ob ein Natura 2000-Gebiet in irgendeiner Weise beeinträchtigt wird und ob dies beispielsweise durch die Wahl eines anderen Standorts oder geänderter Planungen vermieden werden kann.

Eben diese Alternativenprüfung hat bisher dazu geführt, dass zum Beispiel die Planer der Ostsee-Autobahn A20 zu Recht ins Grübeln kamen, wie sie Schäden an Moor- und Wiesenlandschaften – Heimat von Fischotter, Seeadler und Fledermäusen – vermeiden können. In der Konsequenz mussten immer wieder Bauabschnitte neu überlegt und geplant werden.

Wirtschaftskreise fordern hier eine Lockerung. Ein Wegfall dieser Alternativenprüfung hätte zur Folge, dass nicht einmal mehr geprüft werden müsste, ob eine Zerstörung der Natur vermeidbar wäre. Somit würden Naturschätze durch wirtschaftliche Vorhaben beeinträchtigt, auch wenn räumliche oder technische Alternativen möglich wären. Das widerspricht dem Ziel der Richtlinien total.

Das alles soll nicht passieren! Die Richtlinien müssen deshalb so bestehen bleiben wie sie sind und vollständig umgesetzt und angewendet werden! Dafür protestieren wir europaweit zusammen mit tausenden Menschen. Letzten Monat haben wir eine neue Aktion gestartet, mit der wir die Umweltminister der europäischen Länder auffordern sich gegen die Pläne zu stellen. Wir halten euch auf dem Laufenden!

Fotos: Titelbild Fischotter © iStock / Getty Images; Ein Rotmilan im Flug. © Wild Wonders of Europe / Juan Carlos Munoz / WWF; Europas Naturschutz-Gesetze gelten überall, auch in den Dolomiten. © Wild Wonders of Europe / Krahmer / naturepl.com

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Kommentare (3)
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07.07.2016
Orcara hat geschrieben:
Ich kann mich nur anschließen!

Ob die meisten Menschen während der EM wohl auch an den Naturschutz denken? Wir denken ja auf jeden Fall über das Wichtigere nach.
07.07.2016
2Nele3 hat geschrieben:
Sehr informativer Bericht der nur der Wahrheit entspricht.
So ähnlich wurde das auch letzten in der Schule erklärt :-)
06.07.2016
Sinasofiebaumann hat geschrieben:
Finde ich gut! Die Regierung sollte sich mehr Gedanken über den Naturschutz machen, als über andere unwichtigen Sachen!
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