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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Warum verändern fremde Pflanzenarten die Produktivität von Ökosystemen?


von Gluehwuermchen
18.03.2014
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Neophyten haben wir alle schon einmal irgendwo gesehen. Ein Neophyt ist eine Pflanze, die sich sich als Exot in einem Ökosystem ansiedelt, in welchem sie bislang nicht vorkam. Ein Beispiel dafür ist das Indische Springkraut (siehe Bild), eine großwüchsige seifig riechende Pflanze mit pinkfarbenen Blüten, die vornehmlich an Bachläufen zu finden ist. Sie verdrängt nach und nach die heimische Vegetation an feuchten Standorten.

Nun gab es in Zusammenarbeit mehrerer Universitäten von deutschen und US-amerikanischen Biologen einen interessanten Versuch. Man hat nämlich festgestellt, dass in Ökosystemen mit invasiven Arten die Biomasseproduktion deutlich erhöht ist und wollte der Sache auf den Grund gehen. Ist das Ansiedeln exotischer Pflanzen der Grund für eine erhöhte Biomasseproduktion oder bevorzugen invasive Arten produktive Ökosysteme?
Dazu wurden in Graslandflächen in Mitteldeutschland, Montana und Kalifornien Versuchsflächen mit den gleichen Versuchsbedingungen angelegt, um herauszufinden, ob ein übergreifendes, allgemeingültiges Phänomen vorliegt. Es wurden 20 einheimische und 20 exotische Graslandarten eingesät. Einmal ließ man heimische pflanzenfressende Kleinsäuger in die Versuchsfelder, ein anderes Mal hatten diese keinen Zugang und/oder man verursachte gleichzeitig mechanische Störungen im Boden.
Erstaunt stellten die Wissenschaftler fest, dass der Einfluss der Kleinsäuger recht groß war: Die invasiven Arten breiteten sich weniger aus, es kam zu weniger Biomasseproduktion und die heimischen Arten waren resistenter gegen Eindringlinge. In den Bereichen ohne Pflanzenfresser und/oder mit mechanischer Einwirkung auf den Boden entwickelten sich die exotischen Arten stärker und die heimischen Arten waren weniger resistent.
Interessant dabei war die Tatsache, dass dies auf alle Versuche, unabhängig in welchem Land sie durchgeführt wurden, zutraf. Pflanzenfressende Kleinsäuger haben also einen maßgeblichen Einfluss darauf, wie resistent Grasland gegen invasive Exoten ist und exotische Arten bevorzugen demnach nicht produktivere Ökosysteme, sondern sorgen durch ihr exotische Herkunft und ihr Vorhandensein zu einer erhöhten Biomasseproduktion.


Warum das so ist, konnte bisher aber nicht geklärt werden. Möglicherweise können sich nur besonders konkurrenzfähige, produktive Arten in einem fremden Gebiet durchsetzen oder das starke Wachstum ist auf das Fehlen von artspezifischen Krankheitserregern und Schädlingen zurückzuführen.
Weitere Entwicklungen auf den Versuchsflächen sollen von den Forschern in den nächsten Jahren beobachtet werden.
Die Forscher vermuten, dass exotische Arten in Zukunft immer stärker in unsere Ökosysteme eindringen und dass dies durch den Klimawandel begünstigt werden wird.

Keine rosigen Aussichten für unsere ohnehin schon gebeutelten Ökosysteme. Das Ungleichgewicht, das der Mensch auf der Erde verursacht hat, ist allumfassend. Im Grunde bleibt da nur die Frage, inwieweit die Natur fähig ist, das Gleichgewicht selbst wieder herzustellen. Denn wie wir an diesem Beispiel sehen, sind die Zusammenhänge in der Natur weitaus komplexer, als wir auf Anhieb erfassen können.
Was glaubt ihr , sollte der Mensch versuchen das Eindringen exotischer Arten irgendwie zu stoppen oder wäre das ein noch größerer Fehler, weil die Natur am besten weiß, wie sie ihr Gleichgewicht wieder herstellt (in ihrem eigenen Rhythmus, vielleicht über sehr lange Zeiträume hinweg) ?


Quelle:
Arnhold,T. 2014: Exotische Pflanzenarten verändern Produktivität von Ökosystemen
1.03.2014 URL: http://idw-online.de/de/news576852 (Stand 18.3.14)

Bild: Wikimedia Commons

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Kommentare (8)
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23.03.2014
Morgentau hat geschrieben:
Ich glaube sowohl, dass wir besser aufpassen sollten, dass sich nicht so viele Neophyten bei uns ansiedeln, als auch, dass die Natur in der Lage ist, ihr Gleichgewicht selbst herzustellen, wenn man ihr ein bisschen hilft. Die Kleinsäuger, die die Verbreitung der Exoten eindämmen, kann man ja durch Umwelt- und Klimaschutz untersützen. Wenn wir auf unsere Umwelt auchten und ihr helfen, zu "genesen", stellt sich das Gleichgewicht wieder von allein her, glaube ich. Aber ein beschädigtes Ökosystem ist anfällig für die Übernahme von Exoten. Und unsere Natur ist ziemlich beschädigt, deswegen sollten wir erst mal aufpassen, was sich hier ansiedelt.

Danke für den interessanten Bericht!
20.03.2014
Mikayla hat geschrieben:
Ich habe so eine auch schon mal gesehen sie sind wunder schön!
19.03.2014
Leatrice hat geschrieben:
Pfewww... Gute Frage.
Ich meine, menschliches Eingreifen ist eine brenzlige Angelegeheit, andereseits: hat das die Natur bewusst 'eingefädelt'? Wohl kaum, oder? Denn immerhin ist es ja unsere eigene Schuld, dass die Neophyten hier immer heimischer werden und Ökosysteme schwächen...
Ich würde wahrscheinlich am liebsten die Forschung diesbezüglich weiter ankurbeln...
Guter Bericht aber!
19.03.2014
JaneCS hat geschrieben:
Ich finde es nicht schlimm, wenn die Natur exotische Pflanzen hier ansiedeln würde. Aber sie hat das ja überhaupt nihct so vorgesehen.
Das bezieht sich ja nicht nur auf Pflanzen. An dem heutigen Bienensterben ist auch der Mensch Schuld. Er hat nämlich eine Bienenart aus dem Raum Russland importiert, um bestimmte Schädlinge loszuwerden und dabei nicht beachtet, dass diese in Konkurrenz zu unseren einheimischen Bienen stehen. Dasselbe gilt zum Beispiel auch für unsere Marienkäfer, die von einer asiatischen Art verdrängt werden.
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, warum es dann gut für unsere Pflanzenwelt sein sollte...
18.03.2014
Jayfeather hat geschrieben:
Irgendwie ironisch, dass die Forscher exotische Pflanzen ansiedeln und ihnen somit helfen sich zu verbreiten :D Selbst wenn die Pflanzen sich momentan nicht weiter ausbreiten können, werden die Versuche ja irgendwann vorbei sein und die Versuchsfläche für irgendetwas anderes genutzt. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass sie es schaffen alle exotischen Pflanzen wider zu entfernen.
Ob es gut oder schlecht ist gegen die Exoten vorzugehen weiß ich nicht... Das ist echt eine schwierige Frage.
18.03.2014
RabanJ hat geschrieben:
Ich habe das selbe Problem auf unserem Wochenendgrunstück haben diese Pflanzen sich auf einem gesamten Hügel vermehrt allein eine Pflanze kann schon über 30 neue Samen in die Erde setzen wir versuchen schon jedes Jahr gegen die Samen Anzukämpfen indem wir sie mit Wurzeln ausreßen und in der Sonne Vertrocknen lassen.Es dauert nicht mehr lange dann haben diese Monsterpflanzen unseren Wald erreicht.
Wenn jemant Fragen hat oder Ideen wie wir diese Pflanzen zurück halten können dann schreibt mir eine Nachicht.
18.03.2014
RabanJ hat geschrieben:
Ps:Danke Für den Bericht jetz weiß ich mehr über dieses Unkraut
18.03.2014
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
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