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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
V. Trauerseeschwalbe und Trauerente


von Oekojule
15.07.2012
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"Guten Tag großer schwarzer Vogel. Wer bist du denn?"

"Huch! Hallo. Ich bin eine Trauerente. Frage nicht, die Menschen haben mir diesen hässlichen Namen gegeben. Und wer bist du? Dich habe ich ja noch nie gesehen."

"Nun ja, das ist auch kein Wunder, da es von meiner Sorte nur noch sehr wenige gibt. Wir sind stark vom Aussterben gefährdet. In Finnland gibt es zum Beispiel lediglich um die 30 Trauerseeschwalben-Paare."

„Ach du meine Güte! Das ist ja wirklich zum Trauern. Wie ist das denn passiert um Himmels Willen?“

„Du sagst es. Man zerstört unseren Lebensraum. Niederungsgebiete und Sumpflandschaften sind unsere Wohnorte und davon gibt es immer weniger. Wir haben es gern feucht, sumpfig und vegetationsreich. Wir nisten in Süßgewässern bis in die Höhe von Oulu. Hauptsächlich sind wir in Süd-, Ost-, Mitteleuropa und auch in Südskandinavien zu Hause. Afrika ist unser Ziel für die Überwinterung. Ende April trifft man uns am Watt und im Juli geht’s weiter Richtung Süden in die tropischen Gegenden. Ja, man braucht ganz schön viel Glück, um uns zu sehen. Die Entwässerung, Grundwassersenkung, Flurbereinigung, der Wasserbau, das Ausbauen der Flüsse. Das sind ein paar der menschlichen Eingriffe in unseren Lebensraum. Wir werden bei der Brut außerdem durch die Freizeitaktivitäten des Menschen gestört. Aber auch natürliche Reaktionen wie Überflutung und Nestplünderung beeinflussen unseren Bestand. Da nützt uns auch eine Lebenserwartung von 15 Jahren nichts. Wie mein Großonkel es bis 19 geschafft hat, ist mir ein Rätsel. Unser Leben ist der reinste Kampf.“

Trauerente verliert eine Träne vor Traurigkeit über das harte Dasein der Trauerseeschwalbe.


Trauerseeschwalbe in einen der wenigen Lebensräume, Bild von flickr.de ("martin werker")

„Ohje – jetzt weine doch nicht! Du hast es bestimmt auch nicht einfach.“

„Schluchz. Das ist so furchtbar! Und du hast Recht. Auch wir leider sehr unter den Handlungen des Menschen. Als Meeresvögel schwimmen wir hauptsächlich auf der See und immer wieder geraten welche von uns in treibende Ölfelder, während die Menschen bequem im Auto durch die Gegend fahren. Die Folge, was mit uns dann passiert, liegt ja auf der Hand.“

„Oh nein! Ach ja, ihr seid die Trauerenten – die, die nach diesen Katastrophen immer leblos an Land stranden!“

„So ist es. Aber immerhin beträgt unser finnischer Bestand noch 1000 bis 2000 Paare. In Nordrussland und Westsibirien gibt es sogar noch 2,3 Millionen Trauerenten. Wir überwintern von März bis Juli an der westlichen Ost- und Nordsee – weit weg von der Brandungszone auf dem offenen Meer. 10.000 von uns halten sich am Wattenmeer auf. Dadurch können uns die Menschen mit bloßem Auge vom Land aus nicht erkennen. Im Juli beginnt dann wieder unsere Reise ins Brutgebiet: in den hohen Norden. Die meisten von uns ziehen in großen Trupps nach Island, einige nach Finnland, wobei wir als Gruppe rauschende Fluggeräusche von uns geben. Wir fliegen bei 2 bis 10 Metern über dem Wasser relativ flach und immer auf- und abwärts. Am Ziel angekommen suchen wir uns langsam fließende Gewässer mit langen Ufern und reichlich Vegetationen aus Stauden oder Sträuchern zum brüten. Dann werden 7-10 Eier in eine flache mit Daunen ausgekleidete Vertiefung unter einen Strauch gelegt. Nach ca. 30 Tagen schlüpfen dann unsere kleinen Trauerenten, die mit 6-7 Wochen fliegen lernen und selbst nach Nahrung suchen können. Die Kleinen bleiben aber noch als Grüppchen an der Seite meiner Frau. Sie brütet auch alleine. Wie ist das bei euch mit der Brut?“


Trauerenten-Pärchen, Bild von flickr.de ("Mat W")


Trauerseeschwalbe füttert ihr Junges inmitten von Seerosen, Bild flickr.de ("Roeselien Raimond")

„Wir sind Koloniebrüter und bauen sogenannte Schwimmnester – am liebsten in dichten Seerosenfeldern. Das heißt, dass die Eiablage in Nestern erfolgt, die wir aus Schilfhalmen auf wachsenden Schwimmpflanzen herrichten. Zum Beispiel Wurzelballen von Rohrkolben dienen somit als schwimmende Inseln. Hier werden starke Wellenschläge durch Boote zur weiteren Gefahrenquelle. Ich lege einmal im Jahr 2-3 dunkel gefleckte Eier, die ich dann gemeinsam mit meinem Mann 20-23 Tage ausbrüte. Unsere Kleinen starten schon mit 3 Wochen die ersten Flugversuche. Bis dahin werden die kleinen Trauerseeschwalben von uns mit Insekten, deren Larven, Kaulquappen und kleinen Fischen versorgt. Während wir uns dann wieder auf die Reise begeben, bleiben unsere Jungen noch ein Jahr lang durchweg an der westafrikanischen Küste. Was fresst ihr so?“


Links: Junges Trauerente-Männchen taucht nach Fischen, Bild von flickr.de ("wallyg")
Rechts: Männchen greift gleich an, Bild von flickr.de ("JasonBrownPhotography")

„Alle möglichen wirbellosen Tiere. Muscheln, Schnecken, aber auch Wasserpflanzen und sogar Beeren kommen mal auf den Speiseplan. Wir tauchen nach unserem Futter und gehen dazu bis zu 30 Meter in die Tiefe. Beim herkömmlichen Fortbewegen auf dem Wasser, denn an Land sind wir so gut wie nie, halten wir unseren Schwanz manchmal steil in die Höhe. Den Schnabel ist immer leicht aufwärts gerichtet.“

„Und seit ihr eigentlich gesellig?“

„Eher nur Artgenossen gegenüber. Wir tauchen übrigens oftmals synchron und tauchen dann zur selben Zeit wieder auf.“


Trauerenten als Gruppe, Bild von flickr.de ("jphillipobrien2006")

„Da kann ich nicht mithalten. Unsere Nahrung nehmen wir übrigens im Flug von der Wasseroberfläche auf. Die Insekten werden direkt in der Luft aufgenommen. Tauchen tun wir also gar nicht. Zumindest nicht unter Wasser. Jetzt müsste ich so langsam aber abtauchen und zurück zu meinen Mann.“

„In Ordnung. Ich drück dir die Daumen für die Zukunft. Lass dich nicht unterkriegen!“

„Danke dir, liebe Trauerente. Und mach dir nichts wegen deines Namen. Du hast einen besseren verdient! Mach´s gut. Kjie-kjie!“

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Vorangegangene Artikel:
Einleitung
I. Kiebitz und Austernfischer
II. Kiebitzregenpfeifer und Zwergstrandläufer
III. Knutt und Alpenstrandläufer
IV. Seeregenpfeifer und Küstenseeschwalbe
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Quellen:
http://www.am-mueggelsee.de/pages/der-mueggelsee/mein-biotop/die-trauerseeschwalbe.php
http://www.meeresnaturschutz.de/index.html?/VogelschutzRiLiArten/Trauerseeschwalbe.html
http://www.luontoportti.com/suomi/de/linnut/trauerseeschwalbe
http://www.nz-kleve.de/Name-und-Lebensweise.104.0.html
http://www.reuber-norwegen.de/Fylker/FramesNorwegenInfosVoegelTrauerente.html
http://www.schutzstation-wattenmeer.de/wissen/tiere/voegel/trauerente/
http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/001/00080/HWG00080.html
http://www.luontoportti.com/suomi/de/linnut/trauerente
Titelbild von flickr.de ("Maggie.Smith" und ""P. Stubbs photo")

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Kommentare (3)
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Sortieren nach Aktualität:
17.07.2012
killerwal hat geschrieben:
diese reihe ist der warnsinn. echt toll geschrieben. weiter so!!
16.07.2012
MaRyLoU hat geschrieben:
Danke wieder für einen toll gemachten Artikel! Auch die Bilder sind mal wieder klasse =) wieder was neues gelernt ;)
16.07.2012
Marcel hat geschrieben:
Wie schön, wieder eine Folge meiner heißgeliebten Watvögelreihe!
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