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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Tierleid vor Ort - Deutschland als Mastland


von jan_muecher
13.06.2015
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Am Anfang sind sie genau 1,43€ wert, weshalb ein Überleben auf jeden Fall gesichert werden muss, ohne großen wirtschaftlichen Schaden zu nehmen. 1,43€ ist die genaue Summe mit der ein Leben eines Mastferkels in Deutschland beschrieben wird. Die Muttertiere werden in Käfigen fixiert, um keines der Ferkel zu erdrücken. Sie können sich nicht bewegen. Schnell nach der Geburt werden die Ferkel cupiert und Eckzähne abgekniffen. Schließlich könnten sie beim Beißen lebensgefährliche Verletzungen bekommen, aber warum sollten sie sich überhaupt beißen? Diese Frage wird gar nicht beantwortet. Zu groß ist die Angst, dass aus den Ferkeln nie mehr als 1,43€ wird. Daher müssen sie auch nach 21 Tagen von der Mutter getrennt werden, um größtmögliche Sterilität zu erzeugen. Das Ferkel ist eines von 100000 in dem großen Betrieb, was schon in den nächsten Wochen geschlachtet werden soll. Daher ist der Fettanteil das Wichtigste für den Landwirt. Er erwartet, dass die Ferkel pro Tag ein Kilogramm Fleisch zunehmen. Schließlich steht der Zeitplan für die industrielle Schlachtung. Bis dahin werden sie nie Gras oder Sonne sehen, nur einen Spaltenboden aus Beton, an dem sie sich die Füße verletzen. 0,75 m^2 stehen ihnen, laut Gesetz, zu. Bei Großzügigkeit des jeweiligen Landwirts werden noch Ketten als „Spielzeug“ zur Verfügung gestellt. Das Verfahren der Schlachtung erfolgt über ein Pater-Noster-System: Die Schweine werden in eine Gaskammer gepfercht und dort mit CO2 getötet und anschließend am Fließband weiterverarbeitet. Eine unwürdige Behandlung für Leben.


Eine Ursache für diese Grausamkeit ist der hemmungslose Kampf der Discounter um den niedrigsten Preis für Fleisch und andere tierische Produkte. Immer billiger soll das Fleisch werden, um gegenüber der Konkurrenz bestehen zu können. Industrielles Töten für die Gewinnmaximierung. Schließlich müssen die Landwirte ihre eigene Existenz sichern und die Antworten auf die niedrigeren Kaufangebote durch ALDI und Co ist mehr Fleisch in weniger Zeit zu produzieren. Daher erhöhen sie ihre Anzahl an Tiere auf der selben Fläche mit möglichst wenig Auslauf und Hybridnahrung, damit sie mehr Gewicht in kürzerer Zeit zunehmen können. Laut deutschem Tierschutzgesetz sind alle Tiere Mitlebewesen, doch die Gesetzesnorm findet in der Realität der Märkte keinen Platz zur Umsetzung. Ein weiterer Fall, dass ungehemmte Gier nach Geld für Leid und Tod sorgt. Ein anderer Faktor ist das Kaufverhalten der deutschen Bevölkerung. Deutschland gehört zu den Schlusslichtern in der Kategorie Ausgabebereitschaft für Lebensmittel und besonders für Fleisch. Schließlich sind in Deutschland im Durchschnitt nur 11,20% der Pro-Kopf-Konsumausgaben für Lebensmittel bestimmt. Zudem sind im Schnitt die Produkte in Deutschland um 15-20% billiger, als bei unseren europäischen Nachbarstaaten.

 

Aufgrund dieser Situation, die zum Leiden vieler Tiere führt, brauchen wir in Zukunft klare Regelungen im Umgang mit Lebewesen, die kontrolliert werden. Um dies sicherzustellen, müssen Rechte für Tiere im Grundgesetz fest verankert sein. Ein Recht auf Unversehrtheit und einem würdigen Leben vor der Schlachtung. Zur Umsetzung müsste eine staatliche Institution gegründet werden, die sowohl die Betriebe und Personen kontrolliert, gegen die ein Verdacht geäußert wird, sowie die nötigen Konsequenzen einleitet. Zum Beispiel sollte ein Landwirt, der seine Tiere unwürdig behandelt, eine Frist bekommen, in der er den Zustand zu ändern hat. Wenn er dies nicht macht, werden die Tiere in die Treuhand des Staates gegeben, um einen würdigen Neubesitzer zu finden. Zusätzlich sollte es eine nichtstaatliche Organisation zur Kontrolle der Behörde geben, damit ein unabhängiges Auge die Arbeit des Staates begutachtet und Fahrlässigkeit sowie Missbrauch Regelungen verhindert werden können. Die Zeit ist reif für nötige Veränderungen!

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Kommentare (6)
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23.06.2015
melenayer hat geschrieben:
Erschreckende Realität..
Vor allem wenn man bedenkt, dass Deutschland absurd tiefe Preise verlangt im Gegensatz zu einem Land wie Frankreich, wo Menschen mehr als doppelt so viel in ihr Fleisch investieren. Ich persönlich esse schon seit mehreren Jahren kein Fleisch mehr und bekomme beim Einkaufen trotzdem Gewissensbisse, wenn ich die billig angebotene Wurst- und Fleischwaren sehe. Das schreit ja förmlich nach Massentierhaltung und unwürdigen Lebenszuständen.
14.06.2015
luisa2412 hat geschrieben:
Ich wuenschte ich koennte mehrere Tatzen hoch geben...
14.06.2015
Tigerlein hat geschrieben:
Aus dem Grund bin ich Vegetarierin ...
14.06.2015
BlueLikeTheSky hat geschrieben:
Traurige Wahrheit... Gute Lösungsansätze, es wäre super, wenn das so umgesetzt werden würde!
Ich finde diese Doppelmoral echt seltsam, wenn z. B. Hunde unter diesen Bedingungen gehalten würden, würde sicher sofort halb Deutschland auf der Straße stehen und für bessere Gesetze eintreten. Aber bei Schweinen, die genauso leiden, wird das einfach verdrängt und die meisten essen gemütlich weiter viel Fleisch. Dabei wäre es gar nicht schwer, weniger Fleisch zu konsumieren, leider wollen die meisten da nicht drauf verzichten oder reduzieren.
@Buchenblatt: Ja, das ist bei uns auch so. In Bio haben wir da mal kurz drüber gesprochen. Der Schock über das Leiden der Tiere hält meistens nicht lang genug an, um zum Umdenken zu bewegen. (Auf die Umweltaspekte sind wir leider gar nicht eingegangen).
14.06.2015
Buchenblatt hat geschrieben:
Schockende Fakten, aber gut, dass du nachher auch einen Lösungsweg zeigst.
Wir diskutieren im Moment in Reli beim Thema Ethik über Fleischkonsum. Was mich wundert, ist dann immer, dass zwar alle einsehen, dass man eigentlich weniger Fleisch für seine Gesundheit und die Umwelt essen sollte, sie aber dann in der Pause wieder in ihr Salamisandwich beißen und absprechen, wann sie zu Mc Donalds gehen
14.06.2015
Luke24 hat geschrieben:
Auch wenn im Grunde jeder weiß, welche Zustände in solchen "Tiermastfabriken" herrschen, ist es doch immer wieder erschreckend zu lesen.
Ich finde es schön, dass du dir am Ende des Berichtes so ausführlich Gedanken zu einer potentiellen Lösung des Problems machst.
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