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Tiere und Zoos - ein Gedankenspiel


von LSternus
22.05.2015
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100 P
Tags: Zoo

Seit einiger Zeit lässt mich ein Gedanke nicht mehr los.
Vorneweg sei noch gesagt, dass das hier nur ein Gedankenspiel ist, ich habe
also keine Studien, Statistiken oder Ähnliches auf das ich mich stützten
könnte.

Aber nun zur Sache: In unserer Community wurde immer wieder
über Tiere in Zoos diskutiert, über artgerechte Haltung, Größe der Gehege und
über die Grundsatzfrage, ob man Tiere überhaupt in Zoos halten sollte oder
nicht. Die wichtigsten Argumente waren dabei in der Regel, dass die Tiere nicht
denselben Platz haben können, wie in freier Wildbahn und eingesperrt sind und
auf der anderen Seite, der Aspekt der Nachzuchten, ohne die schon so manche
Tierart ausgestorben wäre.

Mir kam nun der Gedanke, was wäre wenn sich die Tiere, wenn
sie tatsächlich wählen könnten für den Zoo entscheiden würden? Oder anders
gefragt, fühlen sich Zootiere trotz des begrenzten Lebensraumes im Zoo wohl?

 

Bei diesem Gedankenspiel setzte ich zwei Dinge als gegeben
voraus:

1.    Alle Tiere sind sich ihrer Situation in irgendeiner Weise bewusst, d.h. sie haben
realisiert, dass sie in einem Gehege leben, und

2.    es handelt sich um einen modernen Zoo, bzw. Wildpark/Tiergarten, d.h. der Zoo ist tatsächlich um das Wohl seiner Tiere bemüht und unternimmt unerlässlich Anstrengungen, das Leben der in ihm lebenden Tiere so artgerecht wie möglich zu gestalten.

 

Des Weiteren muss ich die Tiere in zwei Klassen unterteilen, in
jene die das ein Leben außerhalb das Zoos kennen, also nicht in Gefangenschaft
geboren wurden(Fall 1) und in jene die kein Leben außerhalb des Zoos kennen, also
in Gefangenschaft geboren wurden (Fall 2). Zudem möchte ich anmerken, dass ich
hier stellvertretend den Begriff „Tier“ verwenden werde, ohne mich auf eine
bestimmte Art festzulegen.

 

Im ersten Fall, wird dem Tier sicherlich zunächst der
begrenzte Raum auffallen, und zwar mit ziemlicher Sicherheit in negativer Art
und Weise. Dazu kommt die ungewohnte Umgebung, die Anwesenheit der Pfleger und,
je nach dem woher das Tier ursprünglich kommt, ein anders Klima. Dies alles
sind Stressfaktoren, die den Zoo nicht unbedingt zu einem angenehmen Ort
machen.

Nach einiger Zeit sollte dem Betreffenden Tier aber auch
auffallen, dass es weder Fressfeinde noch Engpässe bei Nahrung und Wasser mehr
zu fürchten hat. In wie fern es die Besuches des Zootierarztes als angenehm
empfinden wird, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber ich halte es
zumindest für nicht ausgeschlossen, dass ihm die schnellere Heilung im seltener
gewordene Krankheitsfall auffallen könnte.

 

Im zweiten Fall ist nun einiges genau umgekehrt als in
ersten Fall. Das Tier ist den Platz des Geheges, die Pfleger, den Tierarzt und
das Futter gewöhnt, schließlich hat es keinen Vergleichswert. Demnach hat es
auch keinen Grund den Zoo verlassen zu wollen, da es ein überaus komfortables
Leben führt, hoffentlich durch Beschäftigungsmaßnahmen der Pfleger in Bewegung
gehalten, so dass es sich nicht langweilt. Würde dieses Tier nun hingegen
unvorbereitet in der Wildnis ausgesetzt, so wäre die diese Erfahrung mit
Sicherheit überaus verstörend und es würde wohl nur durch ein Wunder die ersten
Tage überleben.

 

Soweit meine Gedankengänge zu diesem Thema. Jetzt interessiert
mich eure Meinung. Haltet ihr meine Gedanken für realistisch oder nicht? Ihr
könnt auch gerne in den Kommentaren darüber diskutieren, aber lasst es dabei
nicht zu einer Schlammschlacht ausarten. Wenn ihr diskutiert seit höflich aber
ruhig bestimmt.

 

Quellen:

Das Bild ist sebstgemacht und stammt aus den Tierpark Berlin. 

 

 

 

 

 

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Kommentare (6)
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24.05.2015
Lunallly hat geschrieben:
Eine interresante Frage ist es auch. Woher wissen wir wann ein Tier glücklich ist, wenn selbst wir Menschen nicht richtig wissen was für uns Glück ist oder wann wir glücklich sind. Neigen wir nicht dazu unsere menschlichen Eigenschaften auf die der Tiere zu übertragen. Selbst in freier Wildbahn sind Tiere nicht gänzlich "frei"- viele haben ihre Reviere und müssen mit Artgenossen konkurieren. Außerdem haben die Haltungsbedingungen sich derart verändert, das heute die Tiere große Gehege bekommen haben, wo versucht wird sie artgerecht, wie möglich zu halten. Um das Tier eben "glücklich" zu machen. Außerdem finde ich bewunderswert, dass Tiere selbst in augenscheinlich zu kleinen Gehegen Junge bekommen. Ich meine ist Fortpflanzung nicht ein Zeichen von Zufriedenheit?
23.05.2015
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Ich würde bei all dem infrage stellen, ob alle Zootiere überhaupt fähig sind, die Zusammenhänge - Käfig - immer Futter - keine Angst vor Raubtieren - bewusst wahrzunehmen. Tiere sind stark instinktgesteuert. Es ist in ihrer Natur einfach drin, dass sie mit Fressfeinden rechnen. Ich kann mir gerade schwer vorstellen, dass ein Tier denkt: Oh wie schön, hier gibt es zum Glück überhaupt keine Feinde.
Ein Tier wird auch selten den Besuch eines Tierarztes irgendwie positiv bewerten (bewerten Tiere...????). Wer Haustiere hat, weiß, dass ein Eingriff immer schrecklich ist, egal wie gut es dem Tier danach wieder geht. Ich weiß nicht, ob hier alle Tiere verknüpfen können.
Delfine können das ja - sie suchen sogar menschliche Hilfe auf. Aber ich würde hier mal anzweifeln, dass man das auf alle Tiere übertragen kann.
Letzendlich wissen wir gar nicht, was in so einem Tier vorgeht. Vielleicht wird man es in einigen hundert oder tausend Jahren besser wissen und sehr überrascht sein....wer weiß.
Ich will damit also nicht sagen, dass es allgemein so ist, aber das wäre hier mein eventueller Einwand :-)
23.05.2015
KikiFi hat geschrieben:
Ein schönes und gut strukturiertes Gedankenspiel. Und man sieht, die Diskussion ist immer noch am laufen... Meine Meinung zu dem Thema ist Folgende: Ich finde, man muss zwischen den Tierarten unterscheiden. Viele von euch haben doch Haustiere. Ich habe auch einen Hund und Meerschweinchen. Solche Tierarten und noch viele andere, die es auch in Zoos gibt, genießen den Umgang mit Menschen oder sind zumindest daran interessiert. Aber wenn ich eine stolze Raubkatze hinter einer Glasscheibe sehe, oder Menschenaffen in einem Innengehege mit Betonwänden, habe ich ein ganz ungutes Gefühl dabei. Vor allem die Menschenaffen sind uns Menschen so ähnlich, sie schauen einen aus ihren Augen so klug an, sie haben definitiv etwas besseres verdient als einen "goldenen Käfig". Leider ist es nur so, (wie im Bericht und den Kommentaren schon erwähnt) dass viele eben genau dieser Tiere in freier Wildbahn gejagt, oder keinen Lebensraum mehr finden würden. In sofern sind die Zoos wichtige Institutionen um diese Tierarten zu erhalten.
Wenn man so darüber nachdenkt kann man sich nicht einfach für "Zoos sind gut" oder "Zoos sind schlecht" entscheiden. Es gibt große Vor- und Nachteile.
23.05.2015
Naturliebe hat geschrieben:
Ich habe eher eine negative Haltung zu Zoos, denn auch wenn es Tieren, die dort geboren wurden, dort gefallen mag, entspricht allein die Größe der Gehege meist nicht ihrer Natur und sie sehen jeden Tag dasselbe. Sie wissen nicht, wo sie eigentlich hingehören und können so auch nicht zeigen, was ihnen besser gefallen würde - Zoo oder die Wildnis. Die Tiere haben keine Chance, auch nur einen Schritt in ihre wahre Heimat zu setzen.
Manchmal wird natürlich etwas Neues ausprobiert, ein neues "Spielzeug" - wie zum Beispiel ein Reifen für Affen - wird eingeführt, doch reicht dies wirklich?
Natürlich erhalten die meisten Tiere viel Liebe von den Tierpflegern, was ich auch wirklich bewundernswert und toll finde und die Tiere werden sofort behandelt, wenn sie krank werden. Sie werden sehr alt, doch sind sie dabei glücklich? Wären sie glücklicher gewesen, wenn sie früher gestorben wären, dafür aber nicht eingesperrt, sondern in der Wildnis? Sollte es wirklich so sein, wie es gerade ist?
Wenn es darum geht, Tiere vorm Aussterben zu bewahren - okay, kein Problem. Das respektiere ich voll und ganz.
Doch warum gibt es sonst Zoos (vom Schutz der Tiere abgesehen)? Die Hauptgründe sind wahrscheinlich, dass man dort die Tiere, die man sonst nur aus Büchern und aus dem Fernsehen kennt, einmal richtig zu Gesicht bekommt und sogar etwas lernt. Vielleicht dient ein Zoo auch zur Erholung und als besonders interessant und spannend für Kinder.
Doch die ganzen positiven Eigenschaften, die ein Zoo bietet, wiegen die mehr, als die negativen Dinge? Jeden Tag dasselbe sehen, nicht immer gerecht gehalten zu werden, nur damit der Mensch die Tiere sehen und sie für Geld begaffen kann?

Ich respektiere natürlich die Leute, die eher das Positive fokussieren (besonders die Sache mit dem von Aussterben bedrohten Tierarten), doch das ist meine Meinung zu diesem heiklen Thema :)
22.05.2015
Rhino hat geschrieben:
Schönes Gedankenspiel! :)

Aber so abstrakt ist dieses Szenario gar nicht, im Zweiten Weltkrieg wurden mehrere deutsche Zoos derart stark zerbombt, dass keine Gehegegrenzen mehr standen, natürlich waren einige überlebende Tiere dann erstmal ne zeitlang in der Gegend unterwegs, die überwältigende Mehrheit kehrte jedoch bald wieder in die alten Gehege zurück, auch wenn diese für den Menschen gar nicht mehr als solche zu erkennen waren, sogar Greifvögel flogen dahin zurück, wo mal ihre Voliere stand - bis heute beobachtet man bei ausbrechenden Zootieren, dass sie häufig früher oder später wieder versuchen, ins alte Gehege zurück zu gelangen ... andersrum hat man aber auch schon diverse Tierarten (Löwenäffchen, Säbelantilopen, Nashörner, Steinböcke, Wildpferde, Nerze, Waldrapp-Ibisse, Wildesel, Luchse, Schildkröten, Aras etc.) wieder an ein Leben in freier Wildbahn gewöhnt und ausgewildert ...
22.05.2015
LSternus hat geschrieben:
Ich denke, nein, es würde ihnen nicht mehr Spaß machen, weil ich denke dass beim Leben in der Wildnis nicht viel Platz für Spaß ist.
Aber ansonsten kann Tieren schon langweilig werden.
Am Ende noch eine etwas philosophische Frage, würde man in einer perfekten Welt bemerken, dass man gefangen ist? Ich denke nicht.
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