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„Nicht mehr Tank statt Teller.“ – Helga Stieglmeier (DIE GRÜNEN) im Interview zur Bundestagswahl


von Cosima
05.09.2013
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Am 15.September sind Landtagswahlen in Bayern und am 22.September Bundestagswahlen!
Damit ihr einen kleinen Einblick in das Programm der Parteien bekommt, haben wir jeweils einen Vertreter der Partei interviewt.
Ich habe mich mit Helga Stieglmeier im Büro der Grünen in Erding getroffen. Sie kandidiert für den Landtag in Bayern.


Wir hoffen sehr, dass die Beiträge euch weiterhelfen, möchten euch allerdings darauf hinweisen, dass wir keinerlei Wahlempfehlung geben wollen und ihr für eure Wahl natürlich neben dem Umweltaspekt auch alle anderen politischen Themenaspekte bedenken solltet. Dies stellt keinesfalls ein vollständiges Parteiprofil dar.

Die Grünen haben die Forderung eines „Veggie-Days“ gestellt. Der Vorwurf, dass man den Leuten etwas aufzwingen möchte, kommt häufig. Was haben Sie dem entgegen zu setzten?
H. Stieglmeier: Bei dem Veggie-Tag geht es nicht darum den Leuten etwas vorschreiben zu wollen. Es geht auch nicht um eine Gesetztes-Initiative. Es wurde nur der Vorschlag hervorgebracht, dass in den Kantinen einmal in der Woche vegetarisch gekocht werden soll. Wenn man in eine Wirtschaft geht und vegetarisch essen gehen möchte, hat man meistens eine kleine Auswahl (Salat, Käsespätzle, Kartoffeln mit Quark), wobei man vegetarisch super kochen kann. Gleichzeitig wissen wir, dass unser derzeitiger Fleischkonsum eine extreme Belastung für unser Klima darstellt, wie Auswirkung auf Drittländer hat. Der hohe Futtermittelimport von, z.B. Soja, bedeutet für Drittländer Abholzung der Wälder. Dies hat auch wieder negative Auswirkungen auf unser Klima. Der dritte Punkt ist, dass ein übermäßiger Fleischgenuss nicht gesund ist. Das sind drei Argumente, die uns dazu bewegt haben, diesen Vorschlag zu machen.
Es wird oft beklagt, dass man als Einzelner nichts tun kann. Da sagen wir, dass stimmt nicht. Jeder kann sehr viel in seinem Alltag selbst bestimmen, z.B. einmal in der Woche kein Fleisch zu essen. Das hätte bereits positive Auswirkungen auf die CO2 Belastung, wie auf die Tierhaltung. Die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher sagen, wir wollen, dass die Tiere artgerecht gehalten werden, nicht gequält werden, nicht zu lange Transportwege haben, mit wenig Antibiotika behandelt werden, aber trotzdem muss jeden Tag das Fleisch auf den Tisch und darf auch nicht zu viel kosten. Wir versuchen die Zusammenhänge darzustellen und aufzuzeigen welche Konsequenzen ein zu hoher Fleischkonsum hat. Der Veggie Tag wäre eine gute Gelegenheit sich einzubringen.

Wie kann eine artgerechte Tierhaltung gewahrt und verbessert werden, wie auch die ökologische Landwirtschaft?
H. Stieglmeier: Bei der artgerechten Tierhaltung passiert einiges. Viele Bauern haben Freilaufställe. Das geht in die Richtung, die wir haben wollen. Man kann dies natürlich durch Subventionen steuern. Im Moment subventioniert die EU nach Flächen. Wir fordern ganz klar, dass Subventionen an Leistungen gebunden werden. Ein Beispiel ist der Uferrandstreifen. Zum Gewässerschutz ist bundesweit aufgenommen worden, dass bei kleinen Bächen 5 Meter Breite neben dem Bach nicht bewirtschaftet wird, sodass sich dort ein natürliches Biotop bilden kann. Dies trägt auch zur Biodiversität bei und Stickstoffe gelangen nicht ins Wasser, was die Wasserqualität erhöht. So etwas sollte gefördert werden.

 

Lebensmittelverschwendung ist ein immer größer werdendes Problem. Was kann die Politik tun, um einerseits die Lebensmittelverschwendung im Handel zu verkleinern, andererseits um Anreize für den Konsumenten zu schaffen mehr darauf zu achten, keine Lebensmittel weg zu werfen?
H. Stieglmeier: Ein Punkt ist, dass unsere Lebensmittel billig sind und an Wert verloren haben. Dort kann man auf jeden Fall ansetzten. Das Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln muss wieder hergestellt werden. Verfallsdaten haben oft keine Aussagekraft. Ein Joghurt, der einen Tag abgelaufen ist, kann ohne Probleme noch gegessen werden. Ein Lebensmittel weg zu werfen, weil es keine bestimmte Form oder Farbe hat, während andere Menschen verhungern, ist absurd. Es ist aber immer ein Wechselspiel zwischen der Politik und dem Verbraucher. Was nimmt der Verbraucher an? Es wird auf Vorrat produziert, damit man bis Ladenschluss die volle Auswahl hat. Dort ist der Verbraucher gefragt.
Containern ist strafbar. Doch warum sollte jemand bestraft werden, der etwas einsammelt, was weg geworfen wurde?

Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40% und bis 2050 um 95% im Vergleich zu 1990 verringern. Energiewende! Welche Pläne haben die Grünen, um dieses Ziel zu erreichen?
H. Stieglmeier: Wir sagen ganz klar: Ausbau der Windenergie! Da gibt es neue Forschungen dazu, z.B. „power to gas“. Windenergie wird in Gas umgewandelt. Das heißt man hat überschüssige Energie, die nicht benötigt wird, aber der Wind trotzdem weht. Diese Energie kann dann in Gas umgewandelt werden und gespeichert werden. Der Wirkungsgrad ist nicht so groß, doch da der Wind trotzdem weht, spielt das keine Rolle. Diese Forschungen gibt es jetzt auch bei Photovoltaikanlagen. Das könnte auf jeden Fall ein Zukunftsmodell sein, da wir die Gasleitungen bereits haben. Dies könnte auch ein Thema beim Verkehr sein. Es soll nicht mehr heißen „Tank statt Teller“. Man holt sich das Gas nicht mehr von den Äckern, sondern könnte Wind- und Sonnenenergie als Gaslieferant nutzen.
Die Energiewende beinhaltet aber auch noch die Steigerung der Energieeffizienz, Wärmedämmung und die Verringerung des Verbrauchs an Energie.

Frau Sieglmeier, wie stehen Sie zum Thema Fracking?

H. Stieglmeier: Das lehn ich ab! Es gibt neue Untersuchungen in den USA, dass Chemikalien im Trinkwasser gefunden wurden. Fracking ist eine unberechenbare Technik, die nicht zukunftsorientiert ist. Es ist eine teure Geschichte, ganz abgesehen von den Umweltbelastungen, die dadurch entstehen würde. Die Zukunftsplanung kann nicht weiter auf fossilen Brennstoffen aufgebaut werden. Es gibt so viele unabsehbare Punkte, die wir dann an die nächste Generation abgeben würden. Das ist unverantwortlich.


Wie kann man den Emissionshandel so verändern, dass das eigentliche Ziel wieder ins Auge gefasst wird?
H. Stieglmeier: Es sollte nicht zu viele Ausnahmen geben. Gerade die Unternehmen, die viele Emissionen erzeugen sind ausgenommen vom Emissionshandel. Das Argument die Unternehmen müssen den Wettbewerb bestehen können, wird von der Wirtschaftslobby eingeworfen. Jeder hat seine nationalen Interessen das ist klar, doch langfristig sind diese Investitionen meiner Meinung nach fördernd für die Wirtschaft. Innovation und Forschung sind wichtig. Ein geringerer Ressourcenverbrauch und weniger Ausstoß von CO2 wären somit auch im Interesse der Wirtschaft.

Was möchte Sie der WWF Jugend noch mit geben?
H. Stieglmeier: Bringt euch ein! Seid aktiv! Tretet den Politikern entgegen und bleibt hartnäckig. Fordert euer Recht ein, dass wir euch eine Welt hinterlassen, die ihr auch noch handlen könnt. Sei es durch Schulden oder eine kaputte Umwelt. Seid wachsam und laut!

Frau Sieglmeier, vielen Dank für das Interview!
H. Stieglmeier: Gerne!
 

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Kommentare (6)
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Sortieren nach Aktualität:
10.09.2013
Valentina19 hat geschrieben:
Danke für das Interview :) Sehr toll!
07.09.2013
Cosima hat geschrieben:
Danke für eure Kommentare. Es freut mich sehr, wenn das Interview verständlich war und es euch geholfen hat :)
06.09.2013
vince hat geschrieben:
Danke für dieses ausführliche und nicht zu komplizierte Interview! Da weiß man mal richtig was Sache ist.
06.09.2013
Sandsturm hat geschrieben:
Ausnahmsweise mal klare Antworten einer Politikerin. Gefällt mir gut!
06.09.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Sehr gutes Interview! Für die Länge des Interviews waren es die richtigen Fragestellungen und ausreichend Infos. Kein Drum-Herum-Gelaber. Daumen hoch :)
05.09.2013
Jonpackroff hat geschrieben:
Du hast gute Fragen gestellt, Cosima, und Frau Sieglmeier hat für mich überzeugende Antworten geliefert, ein sehr gelungenes Interview also :)
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