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Nationalpark - Nein danke!?


von Helen
15.12.2012
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Vor fast zwei Monaten am 25.10.2012 wurde das Nationalparkprojekt in Ostwestfalen-Lippe nach langen Debatten vom Landrat Heuwinkel (CDU) für beendet erklärt.
Der bereits bestehende Naturpark sollte durch das Land zu einem Nationalpark ernannt werden, doch es gab heftigen Gegenwind. Es gab Widerstand einer Bürgerbewegung aus privaten Waldbauern, sowie der örtlichen Wirtschaft.
 

Das Gebiet des geplanten Nationalparks Teuteburgerwald (www.nationalpark-teutoburgerwald-eggegebirge.de/)

 

Doch wieso? Um diesen Konflikt besser zu verstehen habe ich mir die verschiedenen Meinungen angesehen.


Vorher ist es wichtig zu verstehen was eine Ernennung zum Nationalpark bedeutet: Nationalparks repräsentieren in Deutschland das nationale Naturerbe. Zur Zeit gibt es insgesamt 14 Nationalparks. Es handelt sich um großflächige Gebiete mit Naturlandschaften, die eine besondere Eigenart und Ursprünglichkeit aufweisen. Sie sind in großen Teilen nicht oder wenig vom Menschen beeinflusst bzw. können in einen Zustand entwickelt werden, der einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet.
Letztere werden „Zielnationalparks“ genannt. Diese Bezeichnung würde auch für einen Nationalpark in Lippe gelten.


www.nationalpark-teutoburgerwald-eggegebirge.de/

 

Also was spricht laut der Bürgerbewegung gegen diese Idee?

Sie vertreten die Meinung, ein Nationalpark in der Region würde mehr schaden als Nutzen bringt.
Zum einen reiche ihnen die aktuelle Auszeichnung als Naturpark. Außerdem stehen einige Flächen im Privateigentum, von denen nicht alle Besitzer verkaufen wollen.
Gegen das Argument, ein Nationalpark würde die Tourismusbranche fördern, meinen sie ein gutes Tourismuskonzept könnte das aber ebenso. Auch gäbe es im Nationalpark schließlich eine Einschränkung der Betretungsmöglichkeit.

Wichtig ist ihnen aber vorallem die Wirtschaft. Im Kreis Lippe würden 6,8 % der gesamten Umsätze in der Forst- und Holzwirtschaft erwirtschaftet werden. Es sei ein europaweit einmaliges Zentrum der Holzindustrie. Und der jährliche Umsatz in der Holzwirtschaft beträge in Lippe knapp 1 Mrd. Euro jährlich. Ca. 66.000 Festmeter Holz werden jährlich im geplanten Gebiet eingeschlagen und ein Nationalpark würde den Holzeinschlag verbieten.
Deswegen würden bis zu 2.000 Arbeitsplätze in der örtlichen Holz- und Sägeindustrie gefährdet seien.

Außerdem kritisiert die Bewegung, dass die Natur umgebaut würde. Sämtliche Fichtenbestände sollten abgeholzt und durch Laubmischwald ersetzt werden. Damit würde ein über 200 Jahre währendes Umgestaltungsprojekt beginnen. Der Urwald der entstehen sollte, würden erst ihre Urenkel erleben.
Die Kosten des Nationalparkes, würden solange mit Steuermitteln gedeckt werden.

Insgesamt sehen sie das Gebiet bereits in einem sehr guten ökologischen und ökonomischen Zustand, der nicht gefährdet ist.


Foto: dpa
 

Aber so haben es nicht alle gesehen. Vor allem den ökologischen Zustand wollen viele Naturschutzverbände noch verbessern.

Aus ihrer Sicht haben Nationalparks viele Nutzen.
Zum einen würden sie verschiedene Ökosysteme sichern, hätten aber auch eine besondere Bedeutung für die Regionalentwicklung.
Nationalparks schützten Naturlandschaften und förderten die möglichst vom Menschen unbeeinflusste Entwicklung ( „Landschaften in den Natur Natur sein darf“).
Dabei schafften sie Rückzugsgebiete für wildlebende Pflanzen und Tiere, sicherten notwendige Erfahrungsräume für Umweltbildung und Forschung und erhöhten somit die Attraktivität ihrer Region. Insbesondere für Naturerleben und Erholung.
Durch ansteigende Besucherzahlen, würde dies auch zur wirtschaftlichen Entwicklung einer Region beitragen.

 

 


Außerdem erzeuge ein Nationalpark eine breitere Natur- und Umweltsensibilisierung für die Öffentlichkeit.
Weitere Ziele der Nationalparks sind, dass Kahlschläge grundsätzlich unterlassen und statt Monokulturen Mischbestände aus standortgerechten Baumarten fördern werden. Auch soll Totholz erhalten werden um die Artenvielfalt zu fördern.

 

 

"Ein solcher Nationalpark kann der Region zahlreiche finanzielle, touristische und ökologische Vorteile und Chancen bringen, die gutachterlich bestätigt wurden", war die Meinung Remmels, Politiker von Bündnis 90/die Grünen.
Zu Landrat Heuwinkels (CDU) Entscheidung sagte Remmel: "Es ist bedauerlich, dass sich ein solch profilierter und aktiver Verfechter eines Nationalparks letztendlich wegen innerparteilicher Auseinandersetzungen in der CDU mit einer passiven Rolle in dem künftigen Prozess begnügen muss." Die Kreis-CDU hatte sich immer weiter von der Nationalpark-Idee abgewandt.


 

Was denkt ihr zu dem Konflikt um den Nationalpark? Könnt ihr die Entscheidung nachvollziehen oder hättet ihr anders gehandelt?

 

 


Quellen:

http://www.nationalpark-teutoburgerwald-eggegebirge.de/
http://www.unser-teutoburger-wald.de/
http://www.nationalparklippe.de/
http://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article110246500/Nationalpark-Projekt-Teutoburger-Wald-vor-dem-Aus.html

Titelbild: http://www.unser-teutoburger-wald.de/ Ralph gerdes

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Kommentare (8)
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09.01.2013
david.s hat geschrieben:
meiner meinung nach sollte im teuteburger wald ein nationalpark eingerichtet werden,weil es dort viele tiere wie z.b. rehe gibt und da der wolf nach deutschland zurückkommt ist dort der ideale lebensraum für diese tiere, deshalb wäre es gut dort einen nationalpark zu gründen
18.12.2012
Helen hat geschrieben:
@Urmeli: Der Wald ist zum großen Teil schon ein Laubwald (oft Buchenwald, was für diese Zone das natürlichste wäre) und an manchen Stellen Mischwald (ich war dort selbst schon wandern).
Ich denke also, dass es keine Kahlschlag-Stellen eben würde, wie man sich das zuerst vorstellt, sondern dass allmählich zwischen den anderen Laubbäumen die Fichten gefällt und neue Laubbäume gepflanzt werden.

Das Argument, dass sie den Urwald nicht mehr mitbekommen, fand ich auch ziemlich ... weitdenkend. ;)
18.12.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Würden echt sämtliche Fichten abgeholzt werden?
Es klingt schon ziemlich komisch das Gebiet als Nationalpark ausweisen zu wollen und damit das Fällen von Bäumen zu verbieten, aber dann selber erst mal sämtliche Fichten abholzen wollen.....das Laien zu erklären dürfte schwer gewesen sein.

Trotzdem sehe ich mehr Argumente für den Nationalpark.

Um die Arbeitsplätze ist es natürlich schade - das ist es immer - aber man könnte die Arbeitnehmer durch Fort- und Weiterbildungen in neue Branchen eingliedern. Hier wäre natürlich die Landesregierung gefragt.

Und für wen investiert nicht lieber in die Zukunft als für die Enkel oder meinetwegen auch Urenkel? :)
16.12.2012
FlowerMary hat geschrieben:
Schöner Bericht. Ich hätte den Nationalpark auch besser gefunden, schade, dass daraus jetzt nichts mehr wird.
Ein Argument von den Gegnern war noch, dass es zu einem Borkenkäferproblem kommen kann.Und sie fanden es widersprüchlich, dass mit Bildern für einen Nationalpark geworben wurden, die im Teuteburgerwald aufgenommen wurden. Ein Nationalpark wäre also überflüssig.
16.12.2012
Maya98 hat geschrieben:
Der Bericht ist toll. Ich fände es gut wen es noch einen Nationalpark gäben würde
auch wen ich die Leute die da Leben auch Verstehe die Gründe die sie genant haben wären aber eigentlich nur für die Menschen ein forteil und nicht für die Natur und die Tiere die dort Leben.
15.12.2012
Peet hat geschrieben:
Danke für den interessanten Bericht. Genau die gleiche Problematik geschieht im Süden Deutschlands ebenso. Dort wird auch gegen einen Nationalpark protestiert - Verlust von Arbeitsplätzen ist eben immer ein Totschlagargument.
15.12.2012
Sandsturm hat geschrieben:
Ein sehr interessanter Bericht mit vielen schönen Fotos!
Ich finde es schade, dass kein Nationalpark entstanden ist. Das wäre endlich mal einer in meiner Reichweite gewesen. Das mit dem Totholz kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen.
15.12.2012
LSternus hat geschrieben:
Schade ich hätte mich über einen weiteren Nationalpark gefreut. Wobei, wenn einige Flächen in privat Besitz sind kann man die nicht einfach enteignen.
Und das die Holzwirtschaft in Sorge ist, ist ja klar.
Den Totholz-Wahnsinn seh ich jetzt nicht, vorallem weil Totholz sehr wichtig ist.
Ich denke das ist ein Konflickt den man ganz ruhig lösen kann, wenn beide Seiten zu Verhandlungen bereit sind und die örtliche CDU wieder auf einer Linie ist.
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