Bleib aktuell!


Was gibt's


Neues?


Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Na du, Nandu


von Janine
21.02.2011
14
0
100 P

Wer einen Spaziergang im Naturschutzgebiet der Wakenitzniederung in Mecklenburg-Vorpommern unternehmen will, sollte sich über die Begegnung mit einem Nandu nicht wundern.

Seit sich im Herbst 2000 sechs Nandus aus ihrem Zuchtgehege befreiten, findet man inzwischen bereits geschätzte einhundert Tiere in freier Wildbahn. Unter den Ausreißern befanden sich neben dem Hahn auch fünf Hennen, die für die Größe der heutigen Population verantwortlich sind.

Die straußenähnlichen Vögel stammen ursprünglich aus Südamerika, werden aber hierzulande wegen ihrer Federn und Haut gezüchtet. Nandus erreichen eine Körpergröße von bis zu 1,40m und ein Gewicht von knapp 25kg. Damit sind sie die massigsten freilebenden Vögel in Deutschland.

Ihre Nahrungsgrundlage sind Gräser, Früchte und Samen. Zu Zeiten, in denen die Vögel jedoch besonders viel Energie zu sich nehmen müssen, verschlingen sie auch schon mal Insekten, Gelege von bodenbrütenden Vögeln, oder kleine Wirbeltiere. Dies tun sie vor allem in den Brut- und Wachstumsphasen.

Als sogenannter Neozoon hat sich der Nandu mittlerweile fest in der Landschaft bei Lübeck etabliert (ein Neozoon bezeichnet ein Tier, das durch das direkte oder indirekte Wirken des Menschen dauerhaft in einem neuen Lebensraum angesiedelt ist).

Umweltschützer befürchten allerdings, dass sich eine weitere Ausbreitung der Vögel negativ auf das umliegende Ökosystem auswirken könnte. Wächst die Population, so nimmt auch der Nahrungsbedarf der gefräßigen Tiere zu. Bislang konnte keine Verdrängung von einheimischen Tieren beobachtet werden. Doch ein potentieller Siegeszug der Nandus über heimische Großvögel kann nicht ausgeschlossen werden, zumal sich stellenweise Überschneidungen in der Nahrung und Lebensraumnutzung finden.

Die Tourismusbranche begrüßt ihr neues Aushängeschild. Die Nandus sind ein richtiger Touristenmagnet. Und auch einige Hirsche haben mit den Vögeln Freundschaft geschlossen. In Gruppen, die aus beiden Arten zusammengesetzt sind, schützen sich die Tiere gegenseitig. Durch das gute Seh- und Hörvermögen der Nandus einerseits und dem feinen Geruchsinn der Hirsche auf der anderen Seite, sind beide Tierarten für potentielle Feinde fast nicht angreifbar.


Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Nandu#Verbreitung_und_Lebensraum
http://de.wikipedia.org/wiki/Neozoon
http://www.bastianwehler.de/typo3temp/fl_realurl_image/nandus-co.jpg
Mario Ludwig - Invasion, Eugen Ulmer Verlag
http://www.stepmap.de/landkarte/nandus-in-deutschland-12060.png

Weiterempfehlen

Kommentare (14)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
07.05.2011
xXStraightEdgeXx hat geschrieben:
Faunaverfälschung ist alles andere als "klasse"... Früher oder später werden definitiv einheimische Arten dadurch gestört werden. Leider passieren solche Fälle nicht nur aus Versehen, sondern auch mit Absicht. Beispielsweise wenn selbsternannte "Tierschützer" ohne Gehirn einfach Amerikanische Nerze aus Pelztierfarmen freilassen. Super Idee^^ Aber zurück zum Artikel: so spannend es zwar mit Sicherheit ist, freilebende Nandus in Deutschland zu beobachten, halte ich absolut nichts davon.
26.02.2011
Janine hat geschrieben:
@Taki: Schau mal in den Bericht von Maide. Den Link dazu findest du in meinem letzte Kommentar. Sie hat einen sehr schönen Artikel zu dem Thema geschrieben.
Hier noch eine kurze Liste von in Deutschland lebenden Neozoen: Entlang des Rheins leben Halsbandsittiche (auch "kleiner Halsbandsittich"). Woher sie stammen ist nicht geklärt. An der Niederländischen Grenze, 80km nördlich von Münster, hat sich eine Kolonie von Chileflamingos angesiedelt. Auch ihre Herkunft ist unklar. In den Rheinauen bei Karlsruhe leben Ochsenfrösche, die ursprünglich aus Nordamerika kommen. Auch die Spanische Wegschnecke (eine Nacktschnecke), gehört eigentlich nicht in die deutsche Fauna. Sie ist aber mittlerweile eine der häufigsten Schneckenarten in Deutschland und richtet dementsprechend großen Schaden an. In Kassel leben seit Anfang der 1960er Jahre Waschbären. Ursprünglich sind sie in Nordamerika beheimatet. Mittlerweile haben sie sich auch über andere mitteleuropäische Länder ausgebreitet.
26.02.2011
Taki hat geschrieben:
Klasse wer weis wo noch neozoeN leben und welche Arten es sind.
25.02.2011
Janine hat geschrieben:
Maide hat auch mal einen Bericht über zugewanderte Arten geschrieben: http://www.wwf-jugend.de/entdecken/klima/artikel/invasion-der-tiere-und-pflanzen;1146
Da bekommt man einen guten Überblick über das "Chaos", das sich hier breit macht.
@nebelfieber: Wie Kate schon sagte, es ist zwar eine kleine Gruppe gewesen, was nicht gerade für den Erfolg der Ausbreitung der Vögel sprach, aber wenn sich genügend neues Erbgut durch "Crossing Over" und Mutation ergibt, dann ist der Genpool bald so groß, dass es nicht mehr so schnell zu genetischen Defekten kommt. Tiere hinzu zu führen wäre keine gute Idee. Man will ihr Wachstum hier ja nicht fördern. Schließlich war ihr Ausbruch ein Versehen. Und ob man die Ausbreitung der Nandus unterstützen sollte, ist ja immernoch fraglich.
25.02.2011
jubdidudei hat geschrieben:
Im Magazin (ich meine damit "Das Magazin") gab es in der vorigen Ausgabe einen schönen Artiekl über "neue" Mitbewohner hier in Europa. Wie es der Natur des Magazins entspricht, gab es an einigen Stellen auch ein paar schön ironische Bemerkungen, aber grundsätzlich musste ich staunen, welche Tiere sich inzwischen in unseren Breitengraden angesiedelt haben.
Ich selbst habe das Vergnügen jeden Tag zahlreiche Nutria und Mandarinenten im Kanal vor meiner Nase zu erblicken. Zudem gibt es Leute, die sie täglich füttern, damit sie auch schön sich weiter vermehren und die heimischen Arten verdrängen können. Das finde ich echt schade.
22.02.2011
KatevomDorf hat geschrieben:
@nebelfieber. deine vermutung liegt in der tat sehr nahe. aber dagegen gibt es ja auch den interchomosomalen austausch... der bringt zwar nciht erheblich viel, aber durch die geanezn neukombinationen ist das glaube ich nciht so tragisch. und außerdem gibt es ja auch noch natürliche mutationen, die bei allen lebewesen zu verändereungen/ anpassung an die UV führen. evolution ist ja immerhin ein ständiger vorgang^^
22.02.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
@JanineK: Ja, da hast Du leider recht! Aber ich höre trotzdem nicht auf, auf das Gute im Menschen zu hoffen...!
22.02.2011
Janine hat geschrieben:
@Uli: Es sterben vor allem junge, unerfahrene Nandus wenn der Winter so streng ist. In der kalten Jahreszeit ernähren sie sich vor allem von Raps, den sie sich von Feldern holen. Oft friert der Boden aber zu und nur die Technik der älteren Tiere reicht aus,um trotzdem an die Nahrung zu kommen. Im letzten Winter wurden die Nandus bereits auf die Probe gestellt - einige Tiere haben ihn nicht überlebt.
(Quelle: http://www.ln-online.de/artikel/2741719/Junge_Nandus_fallen_dem_strengen_Winter_zum_Opfer.htm)

@Lavante: Naja, natürlich Feinde werden die ausgewachsenen Nandus wohl nicht haben. Deshalb wächst die Populatioj auch relativ schnell. Aber weglaufen kann ja nicht schaden, wenn es nach Gefahr riecht. Ich nehme an, dass eher Jungtiere von Angriffen betroffen sind, falls welche stattfinden - zum Beispiel von hungrigen Greifvögeln.

@Glühwürmchen: Bei Bruno gab es leider auch keine intelligente Lösung. Und eigentlich hätte man für ihn überhaupt keine "Lösung" finden müssen.
22.02.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Das habe ich auch noch nicht gewusst!!! Ich denke man sollte das ernst nehmen...so interessant diese Tiere auch sind, sie gehören einfach nicht hierher. Ich hoffe nur, man findet eine intelligentere Lösung, als sie abzuschlachten. Es ist schon merkwürdig, wie der Mensch die Ökosysteme dieser Erde durcheinander bringen kann!
22.02.2011
Levante hat geschrieben:
Welche Feinde müssen sie denn fürchten außer den Menschen? ;)
22.02.2011
Peet hat geschrieben:
Bei der Deutschen Bürokratie und Gesetzgebung, dauert das bestimmte Jahre, um eine Einigung zu finden... Bis dahin sind die hier heimisch geworden und laufen zu hunderten umher! :D

Also ich musste bei dem Bericht schon schmunzeln...:) Tolle Info!
22.02.2011
midori hat geschrieben:
Mich wundert ehrlich gesagt, wie die Tiere bei den derzeitigen Außentemperaturen und gefrorenem Boden überleben können?! Hast Du dazu Infos meine liebste Janine?! :D

Ansonsten natürlich wie immer ein sehr schöner und anschaulicher Artikel! :*
22.02.2011
Janine hat geschrieben:
@Nivis: Die Rechtslage ist hierzulande noch nicht geklärt. Während die Nandus in ihrer Heimat durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt sind, weiß man in Deutschland nicht mit diesem Gesetz umzugehen. Immerhin gehören die Vögel nicht nach Mecklenburg-Vorpommern und insofern dürfe das Abkommen nicht einfach übertragen werden - so zumindest die Meinung der Gegner.
Wie die Zukunft der Vögel aussieht ist also nicht geklärt.
21.02.2011
Nivis hat geschrieben:
Einerseits finde ich es schön, dass sich eine größere Gruppe gebildet hat, andererseits will ich natürlich nicht, dass dadurch heimische Tiere verdrängt werden. Wie soll denn damit umgegangen werden, falls wirklich eine Verdrängung festzustellen ist - irgendwann einmal?
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
"Spot on" für die GreenTec...
Tausende Menschen in einem Raum, feierlich-ehrenvolle Musik, eine aufwendige Videoinstallation u... weiter lesen
Rote Liste: Auch der Mensch ist bedroht
Rote Liste: Auch der Mensch...
Die Liste der Todeskandidaten wird immer länger. Die neueste Version der Internationalen ... weiter lesen
Was wäre, wenn die EU-Kommission die Naturschutz-Gesetze überarbeitet?
Was wäre, wenn die EU-Komm...
Heute werden wir Bundesumweltministerin Barbara Hendricks euer Buch überreichen. Das Buch... weiter lesen
Ein etwas anderer Urlaub
Ein etwas anderer Urlaub
Einfach das zu machen, was man gerade möchte, ob geplant oder spontan, nicht an die Schule... weiter lesen
"Müllfreier" - Monat / Woc...
Ich habe ja versprochen ein kleines wöchentliches Tagebuch bezüglich meines müllf... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil