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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Lebensraum Stadt


von Janine
19.09.2011
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Der Mensch verdrängt Pflanzen und Tiere. Wo er hinkommt, nimmt die Artenvielfalt ab. Er zieht Mauern hoch, errichtet Häuser, vernichtet Wald und legt seiner statt einen Friedhof an.
Unser Platzbedarf wird immer größer. Um die Natur in der Stadt zu behalten werden Parks angelegt. Um uns zu versorgen brauchen wir Bauernhöfe und Felder.

Allerdings ist die Verstädterung nicht für alle Tierarten ein Todesurteil. Vielen von ihnen wird gerade durch die Anwesenheit des Menschen das Fortbestehen garantiert.

Dem Waschbären zum Beispiel, gefällt sein neuer Lebensraum ausgesprochen gut. Seitdem in den 1930er Jahren zwei Waschbärpärchen in Deutschland ausgesetzt wurden, schätzt man ihren heutigen Bestand auf eine halbe Millionen Tiere.
Die deutsche Hauptstadt der Waschbären ist Kassel. Hier kommt im Schnitt etwa ein Tier auf einen Hektar, bzw. einen Häuserblock. Stellenweise kann man sogar fünfzig Waschbären auf derselben Fläche zählen. Die kleinen Maskenträger leben auf Dachböden, in Kaminschächten, in Gartenhäuschen und ernähren sich vom Kompost und aus Mülltonnen. Und auch in den von den Menschen geschaffenen Parkanlagen fühlen sich die Bären richtig wohl. Biologen gehen davon aus, dass einige Waschbären durch das, vor allem im Winter, milde städtische Klima so verweichlicht sind, dass sie zu einem Leben im Wald nicht mehr fähig wären.

Die Dächer unserer Häuser bieten nicht nur uns Schutz, sie sind auch Zufluchtsort für Mauersegler und Schwalben. Kleine Ritzen und Lücken werden gerne von ihnen als Nistplatz genutzt. Der Vorteil am Heim in luftiger Höhe ist der weite Blick, den man über die Stadt erhält. So schützen sich auch Ringeltaube, Krähe und Elster vor Fressfeinden, indem sie ihre Behausung in Dächern einrichten.
Auch Kirchtürme bieten einen sicheren Zufluchtort. Vor allem Fledermäuse, Eulen und einige Greifvögel gehen von hier aus auf die Jagd.

Parks und Friedhöfe sind Lebensraum von Wildkaninchen, Füchsen und Singvögeln. Diese Tiere zieht es immer stärker in die Stadt. Das mag wohl unter anderem an der zunehmenden Verkleinerung der natürlichen Lebensräume liegen. Jedenfalls ist ein Leben in der Stadt garantiert bequemer. Nahrung lässt sich nirgends leichter finden und die Parks bieten einen sicheren Rückzugsort.

Auch der Haussperling, oder Spatz, findet in Parks genügend Nahrung. Außerdem bieten Dörfer, oder Vorstadtbezirke durch ein großes Angebot an Körnern und Samen einen idealen Lebensraum. Auch Zoos sind gern bezogene Gebiete, finden sich doch hier genügend Nist- und Fressmöglichkeiten.

Der bekannteste Stadtbewohner ist wohl die Stadttaube. Sie hat sich über die ganze Welt verbreitet und lebt ausschließlich in vom Menschen gemachten Lebensräumen. Beliebt ist sie nicht, gilt sie doch als Krankheitsüberträger und wird oft als „Ratte der Luft“ beschimpft. Tatsächlich gelten Stadttauben im Sinne des Tierschutzgesetzes als Schädlinge. Ihr Kot stellt nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit des Menschen dar, sondern beschädigt auch Gebäudefassaden. Zwar ist der Kot selber pH-neutral, allerdings ist er ein perfekter Nährboden für Pilze, die durch das Abgeben von Säure große Schäden an Bauten anrichten können.

Ganz anders werden die Halsbandsittiche (auch Kleine Alexandersittiche) empfangen, die sich am Rhein entlang angesiedelt haben. Ihr leuchtend grünes Gefieder und der rote Schnabel tragen zur großen Sympathie der Vögel bei. Als Neozoen, also Neubürger, werden sie mit offenen Armen empfangen, denn wer kann ihrem prächtigen Gefieder schon widerstehen. Auch sie finden in der Stadt ein reichhaltiges Nahrungsangebot und viele Unterschlüpfe. Ähnlich wie die Sperlinge nutzen sie die reichen Vorzüge der Stadt, und fühlen sich mittlerweile so wohl, dass die Populationen ständig größer werden.

Wildschweine haben sich vor allem rund um Berlin angesiedelt. Ihr dortiger Bestand wird auf ca. 10.000 Tiere geschätzt. 2003 schafften es zwei von ihnen sogar bis zum Alexanderplatz.
Auf ihrer Suche nach Essbarem durchwühlen sie Gärten und Parks und buddeln so schonmal ganze Flächen um. Das Füttern der Tiere ist untersagt.

Es finden sich also immer mehr Tiere in der Stadt zurecht. Sie haben die Vorteile bemerkt und leben Seite an Seite mit den Menschen. Solange er mit seinen Bauten, Parks und Mülltonnen den Tisch so reich gedeckt hält, werden auch viele Tierarten sich an der städtischen Tafel bereichern können.

  

Quellen
Bilder:
Waschbär - WWF ©
Rotkehlchen - Janine Koch
Taube - http://www.flickr.com/photos/twicepix/521689520/
Wildschwein - http://www.flickr.com/photos/alice_c/5585785152/
Inhalte:
„Invasion“ Mario Ludwig, Ulmer Verlag
http://de.wikipedia.org/wiki/Haussperling#Verbreitung_und_Lebensraum
http://www.planet-wissen.de/natur_technik/tier_und_mensch/tiere_der_stadt/lebensraum_stadt.jsp
http://de.wikipedia.org/wiki/Stadttaube#Verbreitung_und_Lebensraum
http://de.wikipedia.org/wiki/Wildschwein#Vordringen_in_den_st.C3.A4dtischen_Lebensraum

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Kommentare (18)
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03.10.2011
Girty hat geschrieben:
Ist gefährlich für die Tiere, das ist klar. Andererseits wird ja mehrmals erwähnt, dass wir ihnen auch Gefallen tun. Bei uns z.B. trieb sich eine Zeit lang ein Fuchs im Garten rum, der das Futter unserer Katze gefressen hat. Und bis vor Kurzem hatten wir fast jeden Tag ein bis zwei Igel im Garten, die ebenfalls von unserem Katzenfutter fraßen. Süße Racker, die Kleinen :)) Ich finds zum einen gut, dass wir manchen von ihnen helfen können, zum anderen stimmt auch die Tatsache, dass wir sie doch ziemlich "verwöhnen" und selbstverständlich durch Straßen auch gefährden!
24.09.2011
Janine hat geschrieben:
@fcstpauligab: Laufen bei euch ausschließlich die roten Eichhörnchen rum? Oder auch schon die Schwarzen? Die sind nämlich auch schon auf dem Vormarsch und dabei die Roten zu verdrängen. Ich habe bisher noch kein schwarzes Eichhörnchen gesehen, aber ich wohne auch nicht am Waldrand.
23.09.2011
fcstpauligab hat geschrieben:
Bei uns laufen Rehe und Füchse, aber auch Eichhörnchen im Garten herum. Wir wohnen zwar in Waldnähe, aber es ist immerhin eine Stadt (auch nur 15.000 Einwohner) aber Autos und Straßen gibt es auch hier. Mutige Tiere.
20.09.2011
LSternus hat geschrieben:
Wildschweine in Berlin?!? Das stell ich mir auf dem Alexanderplatz irgend wie komisch vor. Ich denke aber, dass da das Fehlen der großen Raubtiere (Wolf, Braunbär, Luch und Adler) nich ganz unschuldig ist. Was meint ihr? Aber ansonsten ist es schön zu hören, dass sich so viele Tiere in den Städten einen neuen Lebensraum erobern konnten.
20.09.2011
Janine hat geschrieben:
@Hanja: Zumindest vermehrt sich der Mensch gerade so stark, dass er irgendwann nicht mehr genügend Anbaufläche und Lebensraum haben kann. Ich weiß nicht, wie die Kurve beim Menschen verlaufen wird, weil er sich ja vorbereiten und seine Zukunft zumindest einigermaßen planen kann. Gespannt bin ich trotzdem! Ich weiß leider die Zahlen gerade nicht genau, aber es ist gar nicht möglich, dass mehr als 9 Milliarden (?) Menschen auf dem Planeten leben. Und die Zahl erreichen wir noch dieses Jahrhundert.

Und zu den Wildschweinen. Die Vororte Berlins bieten ihnen ein unbesorgtes Leben, mit den besten Bedingungen sich zu vermehren. Und je mehr Wildschweine es gibt, desto größer ist der Nachwuchs.
19.09.2011
Hanja hat geschrieben:
Ein sehr interessanter Artikel und eine sehr interessante Diskussion.
Die Anspielung auf die menschlich Population, meinst du der Mesch wird bald aus sterben, oder auf einen geringeren Bestand schrumpfen?
Ich wusste nicht, dass das Wildschwein besonders in Berlin wohlfühlt, weis jemand ob und welchen besonderen Grund das hat?
19.09.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Is gut, solange nich Anti-Umweltschützer dann mit so nem Argument beginnen, dass man en ganzen Wald abholzt und so. Wers nich versteht-->Nachricht! :D
19.09.2011
Janine hat geschrieben:
Dazu kommen noch der Marderhund, der sich immer weiter ausbreitet (Ursprung: Ostasien), die Wanderratte (Ursprung: Nordchina, Mongolei), der Kartoffelkäfer (Ursprung: Colorado - USA)....... Und noch viele, viele Andere. Ich empfehle dir das Buch "Invasion" von Mario Ludwig (ISBN 978-3-8001-6947-4). Darin findest du noch mehr Arten, die sich mittlerweile in Deutschland wohl fühlen. Neben den in Deutschland lebenden Neozoen gibt es auch eine Aufführung von Einwanderern, die es auch in andere Ecken der Welt geschafft haben.
19.09.2011
Janine hat geschrieben:
19.09.2011
Taki hat geschrieben:
Wer weis eigentlich genau wo Neozoen in Deutschland leben und welche es sind. Bitte einmal posten.
19.09.2011
Taki hat geschrieben:
Ist Doch eine Urbane Form wenn Neozoen in Andere Lebensräume Leben. Somit bleibt ja immer ein Genpool erhalten. Einige Neozoen haben die Nieschen der Ausgestorbenen Arten in Deutschtland doch einfach ersetzt. Solange keine Gefahr von den Neozoen ausgeht für den Menschen sollten die Tiere in Deutschland weiterleben.
19.09.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Eine echt interessante Diskussion! :D Ich sag es mal so, ihr habt beide recht. Und selbst wenn die "Neulinge" "Schaden" anrichten, die "Geschädigten" entwickeln ja auch ganz schnell neue Überlebenstechniken. Jeder ist anpassungsfähig und wer es nicht ist, stirbt halt. Das ist die Natur und das wird sie immer sein. Ich nehme mal an, dass gerade bei den Waschbären der einzige vorhandene Totfeind das Auto ist ^^ Noch habe ich selbst ja nichts von einer "Waschbärplage" gehört und ich denke nicht, dass es irgendwann mal so weit kommt..
19.09.2011
Janine hat geschrieben:
Cool, danke für die Expertenmeinungen! :o)

Die Natur lebt ja durch veränderung, Mutationen und Einwanderer. Das ist ja die Evolution, der sowieso nichts passieren kann. Und es kann ja auch nicht passieren, dass irgendwann nur noch eine Art existiert, denn sie ist ja immer von anderen abhängig.
Wenn eine Art sehr stark dominiert und ihr Bestand kerzengerade in die Höhe schießt, ist es meistens sogar so, dass sie im Anschluss einstürzt und entweder ausstirbt, oder das ganze Spiel von vorne losgeht. Einpendeln wird sich das garantiert. Es kann natürlich gut sein, dass dabei andere Arten verdrängt werden, aber ein Gleichgewicht wird immer herrschen. Denn sind alle Arten verputzt, findet auch die Dominierende keine Nahrung mehr.
Ich glaube auch, dass die Natur das regeln wird. Und so hart das klingen mag, wir können nicht jede Art ewig behalten. Die Natur muss sich entwickeln. Das bedeutet natürlich nicht, dass der Mensch durch sein rücksichtsloses Handeln einfach alles niedertrampeln darf und ohne Vor- und Rücksicht leben kann. Denn am Ende schadet er nur sich selbst.
Und noch was: Auch die menschliche Population schießt schon eine ganze zeitlang fast senkrecht in die Höhe..
19.09.2011
Marcel hat geschrieben:
Hmmm... das ist immer wieder eine heikle Diskussion im Naturschutz mit den eingewanderten Arten. Sagt man nun: die Natur regelt das von selbst, oder: Wir müssen versuchen, die Natur so zu erhalten, wie sie ohne unseren Einfluss wäre? Ist aber zweiteres überhaupt möglich? Ich bin da immer noch unentschlossen. Aber zum Beispiel unsere Wolfsexperten Carsten und Stephan, die wir letzte Woche im Wolfscamp getroffen hatten, vertreten die Meinung: Wenn jemand die Natur platt macht, dann sind wir Menschen das. Wenn wir es schaffen, unseren Druck auf die Natur endlich zu verringern und den Arten ihren Freiraum zu geben, dann kommt die Natur auch locker mit neuen Einwanderern klar.
19.09.2011
Janine hat geschrieben:
@Phoenix: Im Gegenteil, die Waschbären sind in Kassel bei den meisten Menschen sehr beliebt. Viele bereiten ihnen ein gemütliches Plätzchen für den Winter vor und begrüßen es, wenn sie im Garten herumschnuppern. Sie werden von vielen Leuten sogar noch gefüttert.
Aber einige Leute fühlen sich auch gestört, da hast du recht. Wenn ein Waschbär richtig aufdreht und den Dachstuhl unsicher macht, dann kann das schonmal sehr laut werden - vor allem in der Nacht ;o)
19.09.2011
Janine hat geschrieben:
Die Wildschweine am Alex wurden leider erschossen.
Und zu den Waschbären: Einige Leute sind der Auffassung, dass heimische Vogelarten durch ihr hohes Aufkommen besonders gefährdet sind. Und dass sie durch den Verzehr auch andere Raubtiere verdrängen, die durch das Fressverhalten der Waschbären immer weniger Nahrung finden..
Andere sind der Meinung, dass die Anwesenheit des Waschbären keine negativen Auswirkungen auf die Biodiversität in seinem Einzugsgebiet hat.

Die Experten streiten sich da noch. Meine Meinung: Wenn sich ein Tier, ohne natürlichen Feind, in ein neues Ökosystem etabliert und dort auch frisst (egal ob Tiere oder Pflanzen), nimmt es anderen dadurch höchstwahrscheinlich Nahrung weg. Außerdem kann es ja mehr Hunger auf eine Art haben, die vorher nicht so gern gefressen wurde und das könnte das Ökosystem stark zum schwanken bringen..
19.09.2011
gelöschter User hat geschrieben:
So erfreulich das auch klingen mag, ich bin mir sicher, dass es viele Leute gibt, die Probleme damit haben. So schön das mit den Waschbären auch sein mag, aber wer möchte sie auf seinem Dachboden haben? Und so werden die Tiere wieder zu Störenfrieden und mensch versucht sie zu vertreiben.
19.09.2011
Marcel hat geschrieben:
Total interessant! Das mit den Wildschweinen am Alex wusste ich noch gar nicht... Ist ja verrückt. :) Weißt Du, was dann mit ihnen passiert ist? Wegen der Waschbären: Sind die Waschbären, die noch im Wald leben, aber nicht auch eine Gefahr für die dortige Natur? Bei diesem Wachstum kann das ja nicht ohne Folgen bleiben für die anderen Arten, oder?
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